Nun hat jeder in Deutschland das, was so vielen so dringend fehlt:
A S C H E
In der Ruhe liegt die Kraft
20.04.2010  10:00
Die spannende Frage heute lautet: sind Ossis eine Ethnie?
Mein Tipp für das Arbeitsgericht Stuttgart: ja!
15.04.2010  10:40
Türkei vs. Israel oder: die übliche Palloganda und antiisraelische Hetze
14.03.2010  09:37
Vorsicht im Umgang mit schwarzen Löchern!!!
18.11.2009  15:06
Meine neuester Lieblings-Ohrwurm.
Mit solchen Musenküssen kann ich einfach besser arbeiten...
04.11.2009  13:50
Wie bleibt man fit?
Indem man die Treppe nimmt statt des Aufzugs.
Und indem man Rätsel und Knobeleien nicht als Ärgernis ansieht, sondern als Herausforderung...
Eine persönliche Seite? Nun, da gäbe es viel zu sagen. Am besten beginne ich mit einem Lied, das mir schon immer nahe ging, bevor es zwecks Werbung genutzt wurde; ich höre unter anderem gerne klassische Musik. Das zweite ist ein Text, der mich vor langer Zeit gefesselt hat und der mein Denken und mein Leben mitbestimmt hat.
Die Musik kommt zuerst, der Text im Anschluß; so wie es auch in meiner Biografie war...
First things first!
Gespräch zu Dritt
ZUR DISKUSSION: Hat das Judentum noch eine Zukunft?
- Herr Rabbiner Marcus? Mosche Marcus?
- Ja. Der bin ich...
- Darf ich Sie um eine Unterredung bitten?
- Jetzt? So spät? - Ist es dringend?
- Ja, allerdings.
- Also gut! Kommen Sie herein.
- ...
- Nehmen Sie bitte Platz. Hier... Um was handelt es sich?
- Raw! Ich bin gekommen.... Nein...! Erst will ich mich vorstellen: Engel... Jakob Engel!
- Sehr angenehm! Bitte, bleiben Sie doch sitzen! Lassen Sie die Höflichkeiten. Sagen Sie mir lieber, was Sie zu mir führt.
- Ich mochte Sie etwas fragen, Raw.
- Ja, bitte...
- Ich bin gekommen um Sie zu fragen... Sie zu fragen... ob es einen Gott gibt!
- So! Deshalb...
- Ja...
- Ob es einen G-TT gibt...! Und wenn ich es nicht weiß? Nicht wissen darf?
- Wieso? Sie sind doch Rabbiner... Ein Priester, ein Gottesmann... Sie müssen es wissen!
- Und wenn ich es trotzdem nicht weiß? Nicht wissen darf?
- Wieso?
- Sehen Sie, Herr Engel Wir sind doch Juden, wir beide. Und als Juden ist es uns verboten zu wissen - exakt zu wissen - ob es einen G-TT gibt oder nicht!
- Das verstehe ich nicht!
- Wirklich nicht? - Was bedeutet denn "etwas wissen"? "Kenntnis haben" von diesem etwas, "Erfahrung besitzen" - eine Erfahrung, die stets überprüfbar, nachprüfbar sein muß Verstehen Sie? Stets!
- ...?
- Sehen Sie, Herr Engel Jedes "Wissen" ist an einen Nachweis gebunden. An einen objektiven Beweis - unabdingbar! Es muß also immer die Möglichkeit bestehen, diesen Beweis zu erbringen - die "Information", das betreffende "Wissen", objektiv zu rechtfertigen. Verstehen Sie? "Objektiv" - also "allgemeingültig", "unabhängig von jeder Person".
- Ja, und? Was ist damit?
- "Wissen" heißt erkennen, Herr Engel! "Erkennen" heißt vergleichen. "Vergleichen" bedeutet messen. Und "messen" gebietet überprüfen, empirisch nachprüfen!
- Was wollen Sie damit sagen?
- Wenn ich "prüfen" wenn ich "messen", "vergleichen" soll, brauche ich Hilfsmittel, Vergleichsmittel, Geräte, Instrumente, Informationssysteme... Computer. Ich müßte also G-TT - um SEINE Existenz beweisen zu können - erst einmal in irgendeine meßbare, vergleichbare, abschätzbarer Form bringen, müßte IHN also verkörperlichen, verstofflichen, müßte IHN - wie soll ich mich ausdrücken?
- ...ihn materialisieren! Das wollen Sie doch sagen?
- Ja. Ich müßte IHN materialisieren - in irgendeine Energie -, eine Bewegungsform verwandeln, um IHN messen, prüfen, analysieren, zu können... um zu wissen - genau zu wissen - was Sie unbedingt erfahren wollen: ob es einen G-TT gibt!
- und eine solche Möglichkeit - die interessiert Sie nicht??
- Nein! Niemals!!
- Warum?
- Weil jedes "Messen" einen Vergleich darstellt, Herr Engel. Einen Vergleich mit einer Einheit - mit einer vom Menschen festgesetzten Einheit! Mit welcher Einheit, aber - so frage ich Sie - könnte der Mensch den HERRN messen, bewerten?
- ...
- Im übrigen: Ein Phänomen, das von den Menschen gemessen, kontrolliert werden kann, ist nicht mein G-TT... kann mein HERR nicht sein... zu dem ich beten... an den ich mich wenden... zu dem ich sprechen könnte!
- Ihre Ansicht, Raw - nicht meine!
- Wirklich? Sie, Herr Engel, Sie könnten niederknien vor einem Götzen, der abmeßbar ist - abgrenzbar, ablistbar? Vor einem solchen Götzen könnten Sie Ihre "Tefillin" legen, Ihre "Gebetsriemen"?
- Ich lege keine "Tefillin", Raw! Vor niemandem. Das möchte ich betont haben!!
- Und trotzdem kommen Sie dann zu mir - nachts! - um mich zu fragen, ob es einen G-TT gibt!?
- ...
- Folglich - ? Ich will Ihnen etwas sagen, Herr Engel. Sie sind, im Grunde Ihres Herzens, ein frommer Jude.
- Ich..?
- Sie fechten ja mit G-TT, Herr Engel, wie jeder fromme Jude auch... ...wie jeder Isra-Eli! - Sie werden eines Tages auch für G-TT fechten, nicht nur mit IHM!
- Glauben Sie, Raw? Ich weiß nicht...Ich bin schließlich ein moderner Mensch. Ich brauche Beweise - für jede Behauptung! Auch für Gott. Es muß doch einen Beweis geben - nicht wahr? Es muß! Einen qualitativen Beweis, wenigstens, wenn nicht einen exakten, quantitativen!
- Nein, Herr Engel. Es gibt keinen Beweis.
- Vielleicht doch. Einen astronomischen, womöglich. Die Weltschöpfung zum Beispiel. Könnte man die Weltschöpfung nicht für einen Beweis ansehen? Für einen Beweis der Existenz Gottes?
- Nein! Für die Astronomie besteht die Weltschöpfung aus einem "Ur-Knall"! Darin besteht der letzte Schluß astronomischer Weisheit. Was eigentlich "geknallt" hat, woraus das "Knall-Objekt" bestanden hat, das ist vollkommen unübersichtlich. Darüber verliert die Astronomie kein Wort.
- Trotzdem... Sollte hinter diesem "Ur-Knall" nicht ein Schöpfer stehen? Ein Weltschöpfer?
- Vielleicht... Obwohl... Ich glaube nicht, daß es jemals eine Weltschöpfung gegeben hat.
- Wie? Trotz der Bibel? Trotz der biblischen Genesis?
- Die "Weltschöpfung", so wie sie in der Bibel dargestellt wird, symbolisiert - nach meiner Auffassung - nur die Entstehung unseres Sonnensystems, nicht des gesamten Kosmos.
- Haben Sie dafür ein Argument?
- Nein. Es ist nur eine Annahme. Ich glaube, zusammen mit unseren Weisen, mit unserem Meister und Erzieher Rabbanu Levi ben Gerschom, der RaLBaG, daß die Materie - der Kosmos - genau so ewiglich und unerschaffen ist, wie G-TT, der HERR, selbst!
- Das glauben Sie? Ein Rabbiner??
- Was ist Ewigkeit? Das ist Unendlichkeit. Das ist ein Raum ohne Ende, in einer Zeit ohne Anfang und ohne Abschluß.
- Daran glauben Sie?
- Es ist nicht einmal ein Glaube. Eine Ansicht - höchstens! In keinem Falle aber eine Gewißheit. Und kein Beweis, in Ihrem Sinne. Ein Beweis, nach dem Sie suchen.
- Und die Biologie? Könnte das Leben - die Entstehung des Lebens - nicht als Beweis gelten?
- Für die Existenz des HERRN? Nein, auch das Leben nicht. Denn "Leben" ist Bewegung. Und "Bewegung" Entwicklung. Und "Entwicklung" Vielfalt. Vielfalt aber - das ist wiederum "Leben" - das Gegenteil also von "Erstarrung", von "Stillstand", von "Tod". - "Leben, Herr Engel, ist ein Naturgesetz. Es gehört zum Kosmos, wie die "Gravitation", wie die "Lichtgeschwindigkeit", die "Evolution" ...wie die "Liebe"! Das Leben ist - im unendlichen Räume - unendlich gegenwärtig.
- Schön gesagt, Raw. "Das Leben: unendlich gegenwärtig, im unendlichen Kosmos!"
- ... Sie erinnern mich an meine Jugend, Herr Engel. Da hatte ich die Vermessenheit, G-TT, den HERRN, mit dem "Leben" zu identifizieren...
- Sie?
- Es steht ja in der Bibel, im zweiten Buche Moses, im dritten Kapitel: "So sollst du zu den Söhnen Jisraels sprechen: ICH-BIN-DA schickt mich zu euch". Und im gleichen Kapitel, im Vers fünfzehn: "DAS IST MEIN NAME IN WELTZEIT". Der Name des HERRN ist also: "ICH - BIN - DA - IN - WELTZEIT", also "IMMER-DA", "IMMER-GEGENWARTIG", "ALL-GEGENWÄRTIG", "ÜBER-ALL" im All! ER ist also zugleich, "IN DEN DINGEN UND ÜBER DEN DINGEN" - simultan, wechselseitig - genau wie das "Leben", das kosmische Leben" - die "Bewegung", die "Vielfalt" im All!
- ... Schöön! "Er, der Herr, ist das Leben... Das Leben, das Er uns gibt... und das Er uns nimmt, das Leben!" Es klingt schön, was Sie da sagen...
- Sie sehen daraus, zu welchen Fehlschlüssen man in seiner Jugend gelangen kann.
- Warum "Fehlschlüsse"?
Ich glaube, daß die Materie genau so ewiglich und unerschaffen ist, wie G-TT ..
- Weil man den HERRN nie identifizieren darf... sich nie vorstellen soll... als eine konkrete Naturerscheinung - die der Mensch vergleichen, einstufen, beherrschen kann.
- --- Immer dasselbe! Wie wollen Sie denn dann die Existenz Gottes beweisen?
- Es gibt keine Beweise!
- Aber, Raw! Wir alle - wir verdanken doch alle unser Leben dem Herrn!
- Das ist unser tiefer Glaube, Herr Engel! Unsere Überzeugung. Aber kein Beweis! Man kann niemals seinen Glauben, seine Überzeugung, als Beweis einbringen - in keiner Fragestellung!
- Es muß aber einen Beweis geben.
- Es gibt keinen.
- Vielleicht einen indirekten. Einen mathematischen, zum Beispiel. Oder einen logischen, einen noetischen... Irgendeinen!
- Es gibt keinen Beweis. Verstehen Sie doch!
- Es muß aber einen geben!
- Herr Engel! Sie sprachen von mathematischen, von logischen Beweisen.
- Und von noetischen!
- Gut. Betrachten wir diese Möglichkeiten der Reihe nach. - Die Mathematik kann nur Formeln aufstellen - zu einer Aussage gelangen - deren Elemente und Zeichen in verschiedenen Relationen zueinander stehen - einer Formel, die letzten Endes versuchen muß, den HERRN in Symbolen auszudrücken. Also: in formale Terme! Sie muß IHM, also - gezwungenerweise - Eigenschaften verleihen, die .nur Projektionen menschlicher Züge darstellen können - Projektionen, von denen man weder wissen, noch erfahren kann, ob sie wirklich die Prädikate G-TTES vorstellen. Für mich, Herr Engel, enthüllt jeder dieser Versuche - an Stelle der transzendenten G-TTES-Idee, einen immanenten mathe-matischen Ausdruck aufzustellen - die klare Absicht, eine magische, ikonische, eine heidnische Formel zu schaffen, um den HERRN - endlich! - kalkulierbar zu machen - verstehen Sie? Also: beherrschbar, überschaubar, leitbar, ausbeutbar - ist das klar?
- Und die Logik? Die Noetik?
- Auch sie stellen keine Beweise bereit - können es gar nicht! Die Logik ist eine Denklehre, kein Bezeugungsinstrument. Sie, die Logik, sie bildet eine Theorie: die Theorie des folgerichtigen Zusammenhangs von Aussagen. Kein Beweissystem für transzendente Begriffe! Und die Noetik? Die Wissenschaft vom Geiste? Ich glaube, es ist das Beste, wenn ich jetzt Viktor Frankl zitiere. Er ist der Begründer der dritten psychoanalytischen Schule in Wien. Er führt, in seinem Buche: "Der unbekannte Gott", folgendes an - ich zitiere aus dem Gedächtnis: "Der unendliche Geist des unendlichen Gottes ist vom endlichen Geist des endlichen Menschen nicht erfaßbar!" Verstehen Sie? Nicht erfaßbar! Die entsprechenden Dimensionen sind ja, ihrer Stufe nach, grundverschieden.
- So gibt es also keinen Beweis, auch von der Noetik nicht...?!
- Nein, keinen! Und es darf - ja, Herr Engel, ob Sie es wollen oder nicht - es darf für den Menschen keinen Beweis geben. Nie!
- Warum?
- ... Es steht geschrieben... geschrieben steht es... im zweiten Buche Moses, im Kapitel zwanzig, Vers vier: "Du sollst dir kein Bild machen, weder von dem was oben im Himmel ist, noch unten auf Erden." - Verstehen Sie richtig: ..Kein Bild!" Auch kein Bildnis, keine Zeichnung, keine Malerei, auch keine Vorstellung, keine Anschauung, keine Begriffsdarstellung. Verstehen Sie mich, Herr Engel? Wir Menschen - wir sollen uns keine Vorstellung machen, weder über, noch von G-TT, weder in konkreter, noch in abstrakter Form.
- Wir sollen - wie haben Sie gesagt? Wir sollen uns über Gott keine Vorstellung machen - in keinerlei Weise?
- Ja! Weil jedes Attribut, das wir dem HERRN zuschreiben, den unverzeihlichen Versuch darstellt, G-TT zu veranschaulichen, zu versinnbildlichen - ein Versuch, der uns verboten ist, von der Thora verboten wird - uns Juden, jedenfalls! Jeder Versuch, G-TT zu fassen, zu greifen, zu ermitteln - in irgendeiner Weise - ist Heidentum, ist reiner Paganismus!
- Sie verlangen, also, von uns...
- ... Nicht ich - die Thora verlangt von uns Juden, sich kein Bild von IHM zu machen - keine Vorstellung, keinen Begriff - gleich welcher Art!
- Das ist absurd! Absurd ist das!
- Meinen Sie?
- Sie verlangen von jedem Menschen, an einen Gott zu glauben, dessen Existenz aber keine Gewissheit darstellt... keine Gewissheit darstellen kann... oder darf... oder soll!
- Ja. So ist es.
- Das ist Irrsinn. Das ist finsterstes Mittelalter!
- Meinen Sie? - Darf ich auch einmal ein paar Fragen stellen?
- Natürlich.
- Wie definieren Sie Musik? Nur als eine Produktion von Tönen? Oder ist es auch etwas anderes? Wie definieren Sie Poesie? Nur als gebundene Rede? Oder Schönheit? Nur als Ausgewogenheit der Linien? In Wirklichkeit, Herr Engel, sind Musik und Poesie, Schönheit und Glaube an Dimensionen gebunden, die nur dialektisch erfaßt werden können: Als dialektische Einheit von Inhalt und Form, von Gehalt und Ausdruck, von Wesen und Erscheinung.
- Und der Glaube? Auch die Religion?
- Auch der Glaube. Auch er besteht aus Gegensätzen - aus einer Einheit von Gegensätzen - aus der Dialektik der objektiven Realität des HERRN und der subjektiven Hingabe an diesen HERRN.
- Der Mensch, also... er soll glauben... einfach glauben... an einen Gott... ohne den geringsten Beweis seiner Existenz!
- Das ist, was der HERR von uns verlangt - gerade dies: Uns zu entscheiden, freiwillig zu entscheiden - ohne jeden Beweis! - für oder gegen IHN! Das ist die Wahl - der Selbstentscheid! - der uns abverlangt wird. Für oder gegen! Wobei auch eine Nicht-Wahl - wohlgemerkt - schon eine Entscheidung darstellt.
- Sagen Sie: gehören Sie noch zu unserem Zeitalter? Oder entstammen Sie dem Mittelalter?
- Ich denke, daß es Zeit ist, auch dem Juden der heutigen Epoche die Wahrheit zu sagen.
- Welche? Welche Wahrheit?
- Unsere Wahrheit. Die Wahrheit unserer Geschichte! Sie lautet: Wir sind erst dann ein Volk geworden - aus einem zusammengewürfelten Haufen, aus einem bunten "Schwarm-Gemeng" - um Buber anzuführen - als wir damals, am Sinai, den EINEN-EINZIGEN G-TT anerkannten. Und sind - in unserer ganzen tragischen Geschichte - nur deshalb eine Gemeinschaft geblieben - eine Wahlgemeinschaft, wohlgemerkt - weil wir stets und immer an den EINEN-EINZIGEN UNVORSTELLBAREN, UNSICHTBAREN, ALLGEGENWÄRTIGEN HERRN geglaubt und an ihm festgehalten haben - darum!
- Wissen Sie, was Sie sind? Ein Reaktionär. Das sind Sie!
- Ich bin ein Jude, Herr Engel. Wenn Sie wollen, ein gläubiger Jude. Nichts weiter!
- Das genügt, um Sie zu charakterisieren.
- Ich bin ein Patriot. Ein jüdischer Patriot! Oder ist das heute mißfällig? Ich liebe mein Volk! Um dessen geistige Schöpfung: Das Judentum! Das progressistische Judentum, wenn Sie wollen. Es geht ja heute um das Überleben beider: des Judentums und der jüdischen Gemeinschaft - um ihre Fortexistenz - über die kommenden Jahrhunderte, trotz Auschwitz und Maidanek, trotz Arafat und Assad und Khalid, trotz des "Heiligen Krieges", des "Jihads". Für mich ist das Judentum nicht nur ein religiöses, sondern auch - oder vor allem - ein politisches Problem. Meine politische Motivation!...
- Ihre politische Motivation! Interessant!!
- Was finden Sie "interessant"?
- Ihren Standpunkt.
- Wirklich?
- Für Sie ist also - Wie soll ich mich ausdrücken? Ist das Judentum...
- ... eine Sache der Identität des jüdischen Menschen... der Übereinstimmung seines Handelns und Denkens mit dem Wesen der jüdischen Volkes, mit dessen Geschichte. Es gibt für uns Juden, so meine ich, in der heutigen Zeit, keinen anderen Weg zur Geborgenheit als "sich-selbst-wieder-finden", als "wir selbst" zu sein, oder zu werden! Denn: Wir sind nur so lange "wir-selbst"... bilden nur
- so lange - um mich mit einem wissenschaftlichen Terminus auszudrücken - eine "ethnotypische Einheit", als wir gemäß unserer Persönlichkeitsstruktur existieren - unseres "ethno-typischen Profils", unseres Volkscharakters! Das Judentum ist das Bewußtsein der jüdischen Gemeinschaft! - Seine Legitimation - ja! Die Legitimation seiner Existenz! Deshalb verliert der jüdische Mensch - zusammen mit dem Verlust des jüdischen Glaubens - auch seine Identität, sein Bewußtsein, sein Selbstverständnis, seine Kreativität! Jude sein heißt doch: "Kämpfer sein", "Vorkämpfer", "Mit-Fechter" für den HERRN! Das ist das Judentum! Darin liegt der Auftrag, der Sinn unserer Geschichte! Der Auftrag? Welcher? Es geht heute um nichts weniger als um die Existenz oder Nicht-Existenz der jüdischen Gemeinschaft. Überall - in der gesamten Welt! Das gebietet uns heute eine absolute Identifizierung mit dem Judentum, mit dem jüdischen Glauben - mit uns selbst, mit einem Wort! Das ist uns heute zur historischen Pflicht geworden, zur ausschlaggebenden politischen Entscheidung. Jetzt! Sofort! Heute! Warum aber mit dem Judentum? Mit der Religion? Warum nicht mit dem jüdischen Volke allein? Weil nur das Judentum - nur das Judentum allein - den Existenzgrund der jüdischen Gemeinschaft darstellt - heute, gestern und morgen - weil nur das Judentum die historische Rechtfertigung der jüdischen Gemeinschaft im Leben der Völker verkörpert - darum!
- Aber Raw... Wir haben doch Israel, heute, einen jüdischen Staat!
- Ja. Der HERR sei gesegnet! Aber Israel braucht die jüdische Diaspora, nicht nur heute!
- Auch umgekehrt. Auch die Diaspora braucht Israel.
- Sie brauchen sich gegenseitig. Mehr: sie bedingen sich wechselseitig. Heute ganz besonders! Deshalb müssen auch beide - Israel und der Galuth - sich mit dem Judentum identifizieren. Sonst wird keiner von ihnen die Jahrhunderte überstehen!
- ...
- ...
- Was sollen wir tun, Raw? Nein, anders gefragt: Was soll ich tun?
- Sie sollen... Sie sollten - Ihre rein szientistisch-rationalistische Denkweise überprüfen... und sie mit einer sensitiven, einer resonantiven Erfassung der Wirklichkeit ergänzen.
- Einer ..? Wie sagten Sie? Einer resonan..?
- Einer resonantiven Denkweise.
- Was verstehen Sie darunter?
- Das "Mit-Vibrieren", das "Mit-Schwingen" des Bewußtseins mit den "Forderungen", den "Botschaften" des HERRN - SEINER Anfragen. Der Begriff "Resonanz" entspricht der Lehre unseres Meisters und Erziehers Rabbanu Levi ben Gerschom, der RaLBaG - den ich heute schon einmal angeführt habe. Es geht um die Schaltung unseres Bewußtseins - genauer: der Schwingungskreise unseres zentralen Nervensystems, der Hirn-Hemisphären - auf den Empfang der "Sephiroth", der g-ttlichen "Impulse", der g-ttlichen "Ausstrahlungen", "Ausströmungen" im Kosmos, der "Aufnahme" und des "Angeregt-Werdens" durch diese unsichtbaren, unregistrierbaren - aber sehr wohl erfahrbaren - g-ttlichen "Wellen", "Frequenzen", "Schwingungen", "Sendungen" im All.
- Wie "elektrische Wellen", etwa - nicht wahr? Wie "Radiowellen"?
- Ja, so ungefähr. - Doch Achtung: Obwohl wir ständig von diesen - Strahlungen" umgeben sind, erfahren wir nichts von ihrer Existenz, solange wir unseren "Empfangsapparat" - will sagen: unser zentrales Nervensystem, unser Bewußtsein - nicht auf diese "Strahlungen", "Ausströmungen", "Wellen", ausgerichtet, geschaltet haben... solange wir uns nicht in diesem "g-ttlichen Schwingungskreis" auf "Empfang" eingestellt haben. Verstehen Sie, was ich meine?
- ... Was soll ich tun? Ich frage Sie nochmals.
- ... Verlassen Sie eines Nachts Ihr Zimmer... treten Sie hinaus ins Freie - unter freien Sternenhimmel - und rufen Sie laut zum Himmel empor - mit der ganzen Kraft Ihrer Seele - rufen Sie laut: "HERR - erhöre mich! Begnade mich mit DEINER Liebe, DEINEM Verstehen! Ich, DEIN Knecht - ich habe mich entschieden... für DICH entschieden... so, wie DU es von uns verlangst! Beschließe, HERR, von diesem Augenblick an, über mein ganzes weiteres Leben - DU, ganz allein! Amen! Sela!"
- Und dann?
- Dann werden Sie erfahren... mit der Zeit erfahren... ob der HERR Ihr Opfer angenommen hat, ob...
- Das ist wie bei Kain und Abel und ihren Erstlingen..!
- ... ob der HERR gewillt ist, Sie - von nun an - zu führen, zu leiten, zu stützen, zu verstehen, zu trösten, Sie aufzurichten, zu begnaden, zu segnen und zu richten!
- Nur mit der Zeit? Nicht sofort?
- Nein! Aber mit der Zeit... in der Zeit... zur Zeit!
- ...
- ...
- Es ist spät geworden, Raw. Sehr spät sogar...
- Ja, allerdings.
- Darf ich mich verabschieden, Raw? Und Ihnen danken - für alles? Herzlichen Dank!
- Keine Ursache. Wirklich nicht. Auf Wiedersehen! Schalom! Laila tow! HA-SCHEM imcha! Kommen Sie gut nach Hause!
- Rabbi! Darf ich... darf ich jetzt noch eine Bitte aussprechen?
- Ja, natürlich...
- Haben Sie vielleicht.... rein zufällig.... ein Käppchen zur Hand? Ich brauche ein Käppchen - von diesem Augenblick an!
HERBERT MARCUS-HANIN
REB MOSCHE MARCUS war mein Vater. Er war kein Rabbiner, sondern "nur" Techniker und Kaufmann, Künstler und Denker. Er lebte zwischen den Jahren 1881-1947.
Alles was ich bin, verdanke ich ihm. Und meiner Mutter. Ihnen verdanke ich die genetischen Informationen meiner Vorfahren. Ich werde versuchen, als Glied einer Kette, diese Erbschaft weiterzugeben, an meine Nachfahren.
HERBERT MARCUS-HANIN |