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„Das große Lexikon Medien und Kommunikation“ - ein Handbuch für die Bildungsgesellschaft

Wird das blaugrüne Wunderwerk der angewandten Sozialkybernetik immer aktueller?

Vor knapp zwei Jahren erschien ein Werk, das in seinem einzigartigen Konzept zugleich ein Handbuch und ein Lexikon vereint. Es sollte den jungen Medien- und Kommunikationswissenschaften gemeinsame Grundlagen verschaffen. Ein großartiges Vorhaben, das sofort sehr viel Skepsis aber auch vorsichtige Bewunderung auf sich zog.

Dem Ergebnis gelang - wie selten in der Geschichte der interdisziplinären Fächerkomplexe - ein nicht unbeachtlicher Etappensieg: Dem einstigen Sammelsurium von Faktenwissen mit viel versprechenden Ansätzen stiftete dieses Grundlagenwerk neben einem transdisziplinären Fundament auch eine metawissenschaftliche Perspektive. Sein Erfolg ist nur zum Teil der Anwendung sozialkybernetischer Ansätze von Leon Tsvasman zu verdanken, vielmehr muss er neben dem passenden Erscheinungszeitpunkt vor allem auf der wohl enormen Vorbereitungsarbeit fußen.

Dank der Initiative eines leidenschaftlichen Herausgebers, der in kurzer Zeit ein Netzwerk aus den visionären und vielseitigen Vertretern ihrer Fächer schmieden konnte, bekamen Studierende, Dozenten, Profis und interessierte Laien nach drei Jahren publizistisch-organisatorischer Meisterleistung ein differenzierten Einblick in das gesamte Fachkomplex.

„Das Grosse Lexikon Medien und Kommunikation“ (GLMK), herausgegeben von Dr. Leon R. Tsvasman im bayerischen Ergon-Verlag, entstand ganz ohne Fremdmittel und wird seit seinem Erscheinen um die Jahreswende 2006/2007 zunehmend als ein konzeptionell wie publizistisch herausragendes Arbeitsergebnis eines Aufklärernetzwerkes im besten Sinne einer Bildungsgesellschaft gewürdigt, und das nicht nur von seiner Fangemeinde.

Streng genommen hat das Werk thematische Lücken, die ein großes Lexikon nicht haben sollte, sie scheinen aber durch Kontextdefinitionen weitgehend aufgefangen. Aus dem Vorwort ist auch zu erfahren, dass eine „kompensatorische Überlegung“ hinter diesem Mängel steht, womit man die ohnehin viel beachteten Themen gezielt ausließe.

Ganz im Gegensatz zu den meisten Werken seiner lexikalischen Gattung wird das blaugrüne GLMK zunehmend aktuell, da er seiner schnell wandelnden Zeit um Einiges voraus steht. So gewinnen die systemisch-kybernetischen Ansätze erst in letzten Jahren nach vielen gesellschaftlichen Krisen rasant an Bedeutung, weil ihr Innovations- und Problemlösungspotenzial sich in vielen Bereichen der Gesellschaft bewährt hat. Vor allem interdisziplinäre Forschung und Wissenschaftstheorie, Bildungspraxis und Wissensmanagement, aber auch Wirtschaft und Marketing, Integration und Interkulturalität sowie Identitätsproblematik und sogar das Menschenbild und die Erkenntnistheorie werden von der Anwendung kommunikations- und sozialkybernetischer Methoden revolutioniert.

Für viele Fachvertreter grenzt die Tatsache an ein Wunder, dass ausgerechnet das Medienzeitalter ein Werk hervorbringt, das gleichermaßen einen kritischen Blick auf die Mediendynamik selbst wie eine fundierte Einsicht in die Basics humaner Kommunikation liefert und noch über die Grundlagen der Wirklichkeitsforschung aufklärt. Die inhaltliche Ebene des „Grossen Lexikons Meiden und Kommunikation“ (von Studierenden oft schlicht „das Lex“ oder „das Grünblaue“ für seine Einzigartigkeit genannt) lässt keinen ernsthaften Geisteswissenschaftler gleichgültig.

Prägnante und einleuchtend formulierte Artikel lüften die komplexe und dynamische Welt der Medien und Kommunikation wie kein Werk zuvor. So erklärt uns Prof. Dr. Ernst von Glasersfeld (USA), die charismatische Leitfigur unter den Begründern des Radikalen Konstruktivismus, die Objektivität, die Zeit, die Information, das Wissen und nebenbei auch sein viel beachtetes Konzept von der „konzeptuellen Semantik“ sowie jene bahnbrechende Erkenntnistheorie, die hinter dem bisher oft missverstandenen Begriff „Kybernetik“ steht.

Über die Grundlagen hinaus dringt der interessierte Student zu seiner Fachmethodologie durch. Er liest über Methode, Empirie, Hermeneutik, wird dabei konfrontiert mit dem Wesen des Interviews und des wissenschaftlichen Definierens, des publizistischen Kommentars und der Psychologie der kommunikativen Kompetenz, des Intellekts und der Aufmerksamkeit. Er versucht die Liebe oder das Alter in einer sog. Informationsgesellschaft zu verstehen und das Spiel als Erlebnis einzuordnen, befasst sich mit den mächtigen Werkzeugen des Medienzeitalters wie Inhaltsanalyse und bohrt sich durch die Facetten der Medienpraxis. Die technisch-physikalisch denkenden Leserinnen und Leser lassen sich die Lektüre über die Akustik, Informationstechnologie, Informatik und die Kommunikationstechnik nicht entgehen, zumal sie im einzigartigen Lex-Kontext durchaus spannend erscheint.

Die Pädagoginnen unter den angehenden Publizistinnen vertiefen in den Texten von Prof. Dr. Ladenthin aus Bonn die Medienperspektiven von Didaktik, Lernen und Erklären, und die Künstler und Kreativen unter den angehenden Medien- und Kommunikationsforschern, die unter anderem auch das Visuelle nicht unbeachtet lassen, erfreuen sich an den Texten zu Kunst, Design, Erlebnis, Ausstellung oder auch zu Photojournalismus und Farbe, unterhaltsamen und gleichzeitig fundierten Berichten, die mit vielen Aha-Effekten „versehen“ sind. Auch die kritisch denkenden Zeitgenossen kommen auf ihre Kosten, indem sie zwischen den Zeilen die “Manipulation” herauslesen.

Auch die im engen Sinne der Pflichtlektüre verfassten Fachartikel gibt es in einem solchen Fachlexikon zahlreich, und auch diese kommen fast ohne Fachchinesisch aus. Zumindest werden die meisten Fachausdrücke wie etwa Agenda-Setting-Approach oder Audiovisuelle Kommunikation, die sich kaum vermeiden lassen, direkt im Kontext über die anfängergerechte „natürliche Sprache“ der Studierenden interpretiert und mit englischsprachigen Äquivalenten für das bessere „Googeln“ versehen.

Neben weiteren Dutzenden von Texten (s. Link zum Inhaltsverzeichnis unten) werden die im Anhang mit Liebe pointierte Kurzbiografien bedeutender Kommunikationsforscher, wichtigste Grundlagenwerke, Recherche-Empfehlungen im Internet – unter der aktiven Mitarbeit engagierter Studierender – als weiteres „Leckerbissen“ für die historisch und biografisch interessierten Leserinnen angeboten. Hier lassen sich die zum Teil hoch spannende bis radikale Einsichten der authentischen Denker über Kommunikation, Medialität, Wirklichkeit und die Zukunft menschlicher Zivilisation miteinander vergleichen.

Die international anerkannten Experten und aktiv lehrenden Professoren und Professorinnen wie Uwe Hasebrink, Knut Hickethier (Hamburg), Rolf Sachsse (Saarland), Klaus Merten (Münster), Markus Vinzent (Großbritannien), Vassilij Pugatschow (Russland) - um einige zu nennen - verleihen dem Kompendium fundamentale Bedeutung in einem sich rasch wandelnden Wissensgebiet. Ernst von Glasersfeld fasst zusammen: “Es ist ein handliches Buch und ist weitaus intelligenter zusammengestellt als alle Lexika, die ich gesehen habe.”

Zweifellos spaltet das Werk die Gemüter, auch wenn er sie ursprünglich vereinen sollte. Aber unter dem Strich lässt sich seine Bedeutung nicht mehr bestreiten. Vor allem Studierende selbst wie auch jene Profikritiker, die sich „geoutet“ haben, schwören auf das Werk und wünschen ihm weitere erfolgreiche Auflagen. Also lassen Sie sich auf keinen Fall vom Verkaufspreis von 38 Euro abschrecken, denn das Werk bietet mehr. Es wurde nicht subventioniert, und als seine Leser und Leserinnen, unterstützen Sie mit dem Kauf des Buches die echte Bildungsgesellschaft der Visionäre, die sich für die Zukunft verantwortlich fühlen.

Bibliografische Angaben:

Tsvasman, Leon R. (Hrsg.), Das große Lexikon Medien und Kommunikation. Kompendium interdisziplinärer Konzepte. 2007. 425 S. 1 Abb., zahlr. Tab. u. Schaubilder - 170 x 240 mm. Festeinband, ISBN 3-89913-515-6. 38,00 EUR.

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Schlüsselwörter: Lexikon | Medien | Kommunikation
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