Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Sonstiges: Kultur & Religion

Tagebuch der Anne Frank ein Fall für den Staatsanwalt?

Strafantrag - der nächste. Ein römisch-katholischer Pater will die Justiz nicht nur gegen eine Fotosatire von „Welt online“ mobil machen, jetzt soll auch gegen das „Tagebuch der Anne Frank“ vorgegangen werden. Der Kirchenmann aus Dorsten arbeitet wieder einmal daran. Dazu schreibt er in einem Kommentar: „Dass das ´Tagebuch´ hinsichtlich der (auch homo-)sexuellen Passagen zensiert wurde, sollte eigentlich bekannt sein; ansonsten suche man nach ´anne frank lesbian´. Bezüglich Homosexualität konsultiere man das Neue Testament sowie die kirchliche Lehre.“

Daher weht also der religiöse Gegenwind: Die Lehre der katholischen Kirche wird für allgemeingültig erklärt - und soll jetzt auch noch an die Stelle des Strafgesetzbuches (StGB) treten? Einspruch! Der § 175 StGB, mit dem Homosexualität unter Strafe gestellt worden ist, wurde 1994 hoffentlich für alle Zeiten abgeschafft.

1986 heißt es in einem Schreiben an die katholischen Bischöfe: „Sie (gemeint ist die katholische Kirche) ist sich bewusst, dass die Ansicht, homosexuelles Tun sei dem geschlechtlichen Ausdruck ehelicher Liebe gleichwertig oder zumindest in gleicher Weise annehmbar, sich direkt auf die Auffassung auswirkt, welche die Gesellschaft von Natur und Rechten der Familie hat, und diese ernsthaft in Gefahr bringt.“

Das klingt nicht nur reichlich geschraubt, diese Stellungnahme beweist auch, dass die katholische Kirche immer mehr unter Druck gerät, denn endlich bekennen sich Frauen, die Frauen lieben, und Männer, die Männer lieben, dazu und sagen: „…und das ist gut so.“ Von katholischen Seelsorgern lassen sie sich also nicht mehr wie Kranke behandeln, die entweder geheilt werden oder sich damit abfinden müssen, dass ihre Gefühle für minderwertig erklärt werden. Sie haben die Schmuddelecken verlassen - und lassen sich nicht mehr als irgendeine Gefahr abstempeln.

Auch mit katholischer Lehre können sie nicht wieder zurückgetrieben werden, denn zum Christentum gehören nicht nur Katholiken. Protestantische Kirchen sind offener, obwohl auch dort die Bibel durchaus gelesen wird. Es ist also möglich, das Neue Testament zu kennen und dennoch zu anderen Schlüssen zu kommen als der Papst in Rom, der gerade wieder die katholische Position zur Verhütung erneuert hat, die da lautet: Wenn Ehepaare vor dem Sex ausrechnen, ob dabei ein Kind gezeugt werden kann, ist das in Ordnung, wenn sie Mittel einsetzen, um nicht lange rechnen zu müssen, ist das nicht in Ordnung. Das kommt offenbar heraus, wenn sich Junggesellen mit der Ehe beschäftigen.

Stimmt: Auch Paulus ist ein Junggeselle gewesen, aber der hat sich zur Ehe und zur Ehescheidung immerhin so geäußert: „Solches aber sage ich aber aus Vernunft, nicht aus Gebot.“ Ein paar Kapitel weiter kommt er zu der Erkenntnis: „Da ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind und hatte kindische Anschläge; da ich aber ein Mann ward, tat ich ab, was kindisch war.“ Sein Wort in das Ohr jenes Paters, der sich einmal klar machen sollte, welche Rolle Anne Frank für viele spielt, die sich gegen Diskriminierung, Rassismus und Vorurteile einsetzen.

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Anne Frank | Tagebuch | Homosexualität | Katholiken | Papst | Paulus | Bibel | Protestanten | Strafantrag
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.05 Sekunden
39,170,744 eindeutige Besuche