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Sonstiges: Kultur & Religion

Zum Sinn des Fastens

Erstveröffentlichung: www.readers-editon.de Autor: Josef Bordat

Photo: PixelQuelle.de
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Heute ist Aschermittwoch. Für die Karnevalisten ist alles vorbei, für die Christen beginnt die österliche Bußzeit. “Buße tun” heißt dabei, umzukehren und sich auf die Botschaft Jesu zu besinnen. Dieser Versuch, zur Quelle des Lebens zurückzukehren, geht häufig mit dem äußeren Akt des Fastens einher; daher spricht man auch von “Fastenzeit”.

Dabei ist das Fasten heute längst nicht mehr an religiöse Intentionen gebunden, sondern steht als populäre Alltagsauszeit zwischen Gesundheitstrend, Schlankheitswahn und dem Befreiungsakt, den man sich für Körper und Seele erhofft.

Verschiedene Formen des Fastens

Es gibt verschiedene Formen des Fastens: radikales Heilfasten, verbunden mit völliger Abstinenz fester Nahrung, der Verzicht auf bestimmte Nahrungs- bzw. Genussmittel (etwa Alkohol, Süßigkeiten, Fleisch), das Einschränken von Lebensgewohnheiten bis hin zur völligen Entsagung an bestimmte Dinge; dann bleibt der Fernseher oder das Mobiltelefon sogar bis Ostern ausgeschaltet.

“Warum nur?”, möchte man fragen. Im Grunde hat das Fasten als Verzichtsübung viele sinnvolle Facetten: Die Reinigung des Körpers und der Seele (”Entschlackung”), freiwerdende Finanzmittel, die dann für andere Dinge zur Verfügung stehen. Oder das gute Gefühl der Solidarität mit denen, die nicht freiwillig verzichten, sondern einfach nicht viel haben, am Aschermittwoch nicht und am Ostersonntag auch nicht. Vielleicht wird dann sogar aus dieser Verbundenheit im Verzicht tätige Hilfe: das eingesparte Geld stünde zur Verfügung.

Verzicht bedeutet Freiheit?

Und dann ist da noch die Sache mit der “Befreiung”. Doch was hat Verzicht mit Freiheit zu tun? Eine Antwort lautet: So wie uns der Zwang zum Konsum, dem wir häufig unterliegen, die echte Freiheit raubt und uns nur die Spur einer Scheinfreiheit lässt, so kann uns umgekehrt der Verzicht auf Konsum die Freiheit zurückgeben. Es ist die Freiheit, etwas nicht zu haben, nicht haben zu müssen.

Die ganze Komplexität des Fastens als Akt der Solidarität schildert auch eine Stelle aus der Bibel (nach Jesaja 58, 6-7): “Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn.”

Angenehme Folgen für die Gesellschaft

Der Verzicht führt also nicht nur zur Befreiung des eigenen Körpers und der eigenen Seele, sondern hat auch angenehme Folgen für die gesellschaftliche Wohlfahrt: der Hungrige wird satt, der Nackte bekleidet und der Obdachlose erhält eine Unterkunft.

Ein bisschen einfach, oder? Was hat schon mein Verzicht mit der Lage des Anderen zu tun? Eine ganze Menge! Das erschließt sich heute mit dem Blick auf diejenigen, die unsere Konsumartikel herstellen, unter unmenschlichen Bedingungen und zu absurden Konditionen. Die perversen Umstände der Verbindung von Produktion, Vermarktung und Konsum betreffen bei weitem nicht allein die Sportartikelindustrie, die häufig im Zentrum von kritischen Kampagnen steht. Man muss sich bei jedem Einkauf fragen, wer eigentlich für unsere Billigpreise bezahlt – mit Arbeitszeit, Lebensqualität und Würde.

Jeder und jedem sei also das Fasten ans Herz gelegt und Gläubigen auch das, was Jesus seinen Jüngern hierzu sagte: „Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht, um sich vor den Leuten zu zeigen mit ihrem Fasten.“ (Matthäus 6, 16).

Es besteht auch gar kein Grund für die Leidensmiene. Schließlich hat die oder der Fastende unter’m Strich den größten Nutzen.

Erstveröffentlichung bei "Readers Edition" Autor Josef Bordat Grundlage für Zweitveröffentlichung Creative Commons-Lizenz

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