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Lokales: Sonstiges

Schnell wieder vergessen: das Motto einer Stadt

Statt dessen: Immer neue Ideenwettbewerbe

Will eine Stadt den Konkurrenzkampf mit anderen Kommunen aufnehmen, beschäftigt sie erst einmal Werbeexperten, die ein Konzept austüfteln, ein Logo auf das Papier zaubern und so lange an einem Motto arbeiten, bis Sprüche wie diese fertig sind: „Wilhelmshaven lebt“, „Peine bringt´s“, „Das Südtor zur Heide“ (Gifhorn), „City 2020“ (Hannover) und „Hier findet Leben Stadt“ (Burgdorf).

Anschließend eilen die Stadtmütter und Stadtväter zu einer Druckerei, die Logo und Motto auf den offiziellen Briefbögen verewigen sollen. Dann wird die Presse zu einer Präsentation eingeladen - und alle sind mehr oder weniger begeistert.

Doch die Begeisterung legt sich schnell wieder. Außerdem mangelt es an Durchhaltevermögen. So kommt in Wilhelmshaven schon lange niemand mehr auf die Idee, auf der einmal eingeschlagenen Werbelinie zu bleiben. Wäre das anders, dann müsste das Motto „Wilhelmshaven lebt“ immer wieder abgewandelt ins Gedächtnis zurückgerufen werden: nach dem Bau eines Erlebnisbades mit „Wilhelmshaven schwimmt“, nach dem Bau eines Sportplatzes mit „Wilhelmshaven kickt“ usw. usw. Statt dessen werden die Bürgerinnen und Bürger zu Ideenwettbewerben aufgerufen. Danach heißt das neue Bad „Nautimo“ und aus dem renovierten „City-Haus“ wird ein „Ratrium“.

Wozu dann ein Motto? Diese Frage stellt sich jetzt auch in Burgdorf. In dieser Kleinstadt bei Hannover wird die Stadtbücherei im nächsten Jahr 80 Jahre alt - und soll einen neuen Namen bekommen. Auch an der Aue kommt niemand auf die Idee, das einmal gewählte Motto „Hier findet Leben Stadt“ fortzuschreiben. Würde man das tun, könnte man das selbst geschaffene Namensproblem so lösen: „Stadtbücherei - Hier findet mehr als Lesen Stadt“. Soll bedeuten: In der Stadtbücherei gibt es inzwischen auch andere Medien.

Was aber geschieht auch in Burgdorf? Es wird ein Ideenwettbewerb gestartet, an dem sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger beteiligen sollen. Da es sich bei der Stadtbücherei in Burgdorf um ein Gebäude handelt, in dem sich in den 1980er-Jahren gar Gruseliges getan hat, wäre eine Möglichkeit: Mit dem neuen Namen erinnert man an die damaligen Geschehnisse, als dem Büchereileiter vorgeworfen worden ist, er biete in städtischen Gemäuern Pornographie an. Das umstrittene Buch hieß „Barbara“ und wurde von der Büchergilde angeboten. Damals ging ein Aufschrei durch die mediale Republik, von Zensur war die Rede und von einer Kleinstadtposse, die fest gemacht wurde an der Behauptung, die Stadtväter hätten auch das Buch „Bikini-Atoll“ für anrüchig gehalten. Das aber hatte der „Spiegel“ mit Hilfe eines späteren „Bild“-Redakteurs frei erfunden.

Trotzdem wird es nicht dazu kommen: Die Stadtbücherei wird ab 2009 keinesfalls „Barbara Memorial“ heißen. Dieser Name könnte zwar werbewirksam sein, weil die Stadtmütter und Stadtväter Alt-Kanzler Gerhard Schröder zur Umbenennung nach Burgdorf einladen könnten, denn: Seinerzeit hat der Büchereileiter seinen Arbeitsplatz verloren, die Sache ging vor Gericht, die Verteidigung des Gefeuerten übernahm Gerhard Schröder als Anwalt.

Herauskommen wird bei diesem Ideenwettbewerb statt dessen etwas derart Fantasievolles, dass jede Leseratte in die Sorgenser Straße eilt, die Tür zur Stadtbücherei, die wer weiß wie genannt worden ist, aufreißt und sich eilends Bücher, CD´s oder andere Medien ausleiht. Gegenüber gibt es ein Bürgerhaus, das nicht so heißt, jedoch: Wie wäre es dort mit Gästezimmern?

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Schlüsselwörter: Logo | Motto | Wilhelmshaven | Peine | Gifhorn | Burgdorf | Stadtbücherei | Posse | Barbara | Büchergilde | Pornografie | Ideenwettbewerb | Schwimmbad | Rathaus
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Kommentare

Marten J. Bruns
am 10.10.2008 20:12:42 (77.24.85.xxx) Link Kommentar melden
Es ist ja leider so, dass eine Stadt, eine Landkreis oder eine Kommune einen gewissen Etat zur Verfügung haben, den sie dann innerhalb eines Jahres ausgeben müssen. Wird dies nicht gemacht, dann werden in den nächsten Jahren die Gelder extrem gekürzt. Dazu sind die oben genannten gerade zu genötigt das Geld auszugeben. Auch für zum größten Teil völlig unnötige Sachen, wie die in Ihrem Bericht beschriebenen umbenennungen.
In Bremen wurde jetzt für mehr als 700 Tsd. Euro eine Umbenennung der KITA in Bremen Kidz gerade noch gestoppt. Auch die vielen schönen und weit über die Landesgrenzen bekannten Bremer Häuser stehen kurz vor einer Namensänderung in "Townhouses" Dies hat aber jetzt mit der einer anderen Schwachmatie zu tun, welche ich gerne ein anderes mal ausführlich beschreiben werde.
Eines ist aber sicher, dieses nicht ganz koscheren Treiben muss endlich Einhalt geboten werden.

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