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Wissenschaft: Umwelt & Naturschutz

Offenen Auges ins Verderben

Erstveröffentlichung: www.readers-editon.de Autor: Norbert Jakobi

Foto:  Pixelquelle.de
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Irgendwann abends lief eine Sendung im Fernsehen mit dem Namen „Poker um das schwarze Gold”. Gezeigt wurde, wie Spekulanten an der Ölbörse Nymex in New York den Preis für Öl beeinflussen. Da sind zum einen die kommerziellen Händler, die mit Rohölprodukten handeln, zum anderen die Glücksspieler, die Öl nur auf dem Papier verkaufen.

Einer dieser Händler war ein ums andere Mal ernüchtert, wenn ihn eine positive Nachricht aus einem Krisengebiet ereilte. Sobald sich hingegen ein Konflikt anbahnte, schien er freudig erregt zu sein. Für ihn ist die Angst ein Geschäft, welches Banken, Anleger und ihn selbst reich macht.

Nach 13 Stunden Arbeit geht’s nach Hause zur Familie, um Frau und Kinder in die Arme zu schließen und 13 Stunden Arbeit auszublenden. Das schlechte Gewissen wird besänftigt durch modernen Ablasshandel. Spendenmarathons etwa geben den Profiteuren dieses Geschäfts die Möglichkeit, vermeintliches Verantwortungsbewusstsein zu demonstrieren. Wer sich in dieses Netz verstrickt, kommt davon nicht mehr los. Die Dosis in Form von Gewinn muss ständig gesteigert werden. Klimawandel, Umweltzerstörung und andere Bedrohungen scheint dieses Netzwerk nicht zu interessieren.

Leidenschaftliche Debatte, minimaler Nutzen

So ist es leider auch bei uns. Leidenschaftlich wird etwa über die Höhe des CO2-Ausstoßes von Kraftfahrzeugen diskutiert. Dabei ist es doch letztlich nicht ausschlaggebend, ob ein Auto 120, 160 oder 180 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt. Der Klimawandel ist nämlich schon da, nur radikale Lösungen können das Schlimmste jetzt noch abwenden. So, als würde eine Familie mit ihrem Auto und Bleifuß auf eine Mauer zurasen und ständig darüber diskutieren, wie man den Fuß langsam vom Gas nimmt, dabei aber völlig ignoriert, dass das Auto eine Bremse hat - die Natur kennt keine Kompromisse.

Die Natur hat einige Regionen auf diesem Planeten reichlich mit fossilen Energieträgern bedacht. Diese Rohstoffe sind begrenzt und der Hauptgrund für den Klimawandel. Der menschliche Rohstoff dagegen heißt Intelligenz und Kreativität, den wir schleunigst nutzen sollten, um unsere Energie- und Klimaprobleme abzumildern.

Dezentrale Speicherung von Energie

Der entscheidende Ansatz zur Lösung könnte die dezentrale Speicherung von Energie in Form von Wasserstoff unter Nutzung des vorhandenen Energienetzes sein. Dazu ein Beispiel: In Deutschland gibt es ca. 15 Millionen Haushalte mit Öl- und Gasfeuerung. Stellen wir uns nun vor, dass diese mit einem Wasserstoffspeicher von ca. 1000 kWh Speichervermögen (das entspricht etwa 12 handelsüblichen Druckgasflaschen) ausgestattet würden. Das Ergebnis wäre ein gigantischer Energiespeicher, der, durch ein intelligentes Energiemanagementsystem (EMS) gesteuert, Angebot und Nachfrage von Energie in Einklang bringen könnte.

Das Konzept wäre vermutlich auch in der ersten Ausbaustufe in der Lage, sich selbst zu finanzieren. Nämlich durch die Speicherung preisgünstiger Grundlast beim Verbraucher, die sich derzeit, wenn sie nicht benötigt wird, in Nichts auflöst. Diese Grundlast kann dann wiederum zu Spitzenlastzeiten profitabel ins Netz eingespeist werden. Die Umwandlungsverluste in Form von Wärme würden dem entsprechenden Gebäude zugeführt.

Bei den derzeit bekannten zentralen Lösungen müssten allerdings neue, kostspielige Infrastrukturen entstehen. Mit entsprechenden Umwandlungs- und Transportverlusten, die auf Kosten des Verbrauchers gehen. Auch die gegenwärtige Diskussion, welche Energieerzeuger denn nun zukunftsfähig seien, ist nicht zielführend. Jede CO2-frei erzeugte Energie kann ihren Beitrag leisten, auch die derzeit vorhandene Atomkraft. Dagegen sind neue Investitionen in Atom- und Kohlekraftwerke kontraproduktiv, da diese Mittel dringend zum Neubau von Wind-, Photovoltaik- oder Biogasanlagen benötigt werden.

Gemeinsame Lösungen zur Kostendämpfung

Ein großer Teil an Technologie wird bereits durch kleine mittelständische Betriebe in jeweils kleinen Mengen produziert und ist dementsprechend teuer. Diese könnten durch ein zukunftsfähiges Energiekonzept zusammengeführt werden und dadurch eine Massenproduktion ermöglichen, welche die Kosten erheblich reduzieren und sie konkurrenzfähig machen würde.

Um voranzukommen, müssen alle zusammenarbeiten: Investoren mit Netzbetreibern, Marketingsprofis mit Forschungsinstituten, Parteien mit Bürgern. Nur so kann unser gemeinsames Boot Erde über Wasser gehalten werden.

Erstveröffentlichung bei "Readers Edition" Autor Norbert Jakobi Grundlage für Zweitveröffentlichung Creative Commons-Lizenz

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Kommentare

Kabutoo
am 15.02.2007 10:50:36 (217.193.148.xxx) Link Kommentar melden
*Theorie ausgrab*
Die Menschheit ist ein Virus der die Erde befallen hat. Die Fossilen Energien ist der Erde ihr Notfallabwehr Programm, den der Virus erwies sich bisher als sehr wiederspänstig und im höchsten Masse agressiv. Aber die Erde hat noch einen Trumpf; sie hat Zeit, sehrviel Zeit. Wie unser Körper mit Fieber gegen die Eindringlinge vorgeht, tut das die Erde. Dafür hat sie vorgesorgt und viele Fossieleenergieen eingeschlossen. Der "Virus" wird diese Freisetzen und so das "Fieber" auslösen. Vieleicht sind wir wirklich nur ein Virus und die letzten 3000 Jahre sind für die Erde nur eine Nacht?
Sind zwei Planeten nebeneinander. Der eine klagt: "Du ich hab Menschen Sad " Beruhigend meint der andere: "Das hatte ich auch. Aber keine Sorge, es geht vorbei."

Seit 20 Jahren weis man, dass wir was tun müssen und diskutieren nur. Wir sitzen wirklich in dem Auto und die Linie "Point-of-no-return" ist schon vorbei. Es geht einfach zu lange bis etwas umgesetzt wird. Das wäre die Bremse gewesen. Bleibt noch der Turbo Bust, sofortiges umstellen und nichtmehr ewigs diskutieren. So seh ich das, ja ich pesimist.
Kabutoo
am 15.02.2007 13:12:28 (217.193.148.xxx) Link Kommentar melden
...1975 fuhr das erste Fahrzeug der Welt mit einem Wasserstoff-Hydridspeicher...

Quelle: http://www.hydrogeit.de/wasserstoff.htm

Wenn man den Artikel liest, merkt man, dass durchaus Vortschritte gibt. Nur fehlt es wohl am will, und somit gezielte und starke Forschung. Aber nein, man "befriedet" lieber den Irak um noch möglichst lang das Öl auszulutschen. Die Technologie gäbe es schon lange wenn man da wirklich aktiv geforscht hätte. Anstelle Milliarden fürs Militär auszugeben und so Ölvorkommen zu sichern, hätte man den wink verstehen sollen und alternativen Marktreif zu machen. Selber Schuld? Shock

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