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Medien: Sonstiges

Sind wir alle “dummdödeligdoof”?

Erstveröffentlichung: www.readers-editon.de Autor: Thomas Brackmann

Sind wir nicht alle irgendwie ein bisschen dummdödeligdoof? Und: Warum akzeptieren wir das nicht einfach?” Diese Fragen wirft Dieter Nuhr in seinem neuen Buch “Gibt es intelligentes Leben?” auf. Er begeistert mit intelligentem Witz und sprachlicher Eloquenz. Nicht umsonst ist er der einzige deutsche Künstler, der sowohl den Deutschen Kleinkunstpreis als auch den deutschen Comedypreis gewonnen hat.

Auf seiner Suche nach Intelligenz hat er so die halbe Welt bereist, dabei aber nicht allzu viel Intelligentes erlebt: “Wenn Blödheit den Menschen in den Selbstmord treiben könnte, wäre Überbevölkerung wahrscheinlich kein Thema mehr auf dieser Welt. Aber wir hätten ein Problem mit der Enge auf unseren Friedhöfen.”

Intelligenz und Intelligenz sind zwei Paar verschiedene Schuhe, wie er immer wieder feststellt. Alles scheint relativ: “Es gibt zum Beispiel Menschen, die können zwei und zwei nicht zusammenzählen, anderen Menschen aber glaubhaft vermitteln, dass fünf als Lösung gar nicht so schlecht ist. So einer verfügt über emotionale Intelligenz.”

Zahlreiche schöne bunte und skurrile Fotos im Buch deuten von der Intelligenz in der Welt – oder vom Mangel an selbiger. Und, stets mittendrin statt nur dabei: Dieter Nuhr. Er wolle mit seiner Präsenz auf den Fotos dem Leser vermitteln, dass er überall nach intelligentem Leben gesucht habe, so der Autor. Verbunden mit den Bildern sind die genialen Bildunterschriften. Sie sind noch besser als der eigentliche Text und bringen kurz und knapp in eloquenter Brillanz Nuhrs Weisheiten witzig auf den Punkt: “Südsee. Man stellt sich das Leben auf Palmeninseln paradiesisch vor. Aber eine Ernährung, die ausschließlich auf Caipirinhas und Kokosnüssen basiert, ist auf Dauer nicht gut für den Blutzuckerspiegel.”

Die Unterschiede zu anderen Comedians zeigen sich bei Nuhr nicht nur an der Veröffentlichung eines Buches. Auch die Art und Weise des Herangehens stellt ihn auf eine andere Stufe als die restlichen Spaßmacher Deutschlands. Seinem Werk verpasst er damit einen intellektuellen Touch, der pädagogisch wertvoll ist. Zahlreichen Rezitationen und Bezüge auf Kant, Heidegger und Nietzsche lassen den Leser erkennen, dass Dieter Nuhr ein Studierter ist. Der Historiker spricht beispielsweise über Bartholin-Drüsen oder soziale Konditionierung. Welch anderer deutscher Comedian käme schon auf eine solche Idee bzw. kennt denn überhaupt diese Begriffe?

Nuhr kommt auch nicht umhin, seine politische Auffassung durchblicken zu lassen. Religiöse Ereiferer und politische Ideologen lehnt er ab. Genauso stellt er die Weltpolizistenrolle der USA in Frage, wenn er zum Beispiel über den Amerikaner schreibt: “Er glaubt, wenn jemand anders lebt als er selbst, dann muss er durch einen Diktator dazu gezwungen worden sein. Und zack, schon steht der Amerikaner vor der Tür und befreit den Unterdrückten, vorausgesetzt, der Unterdrückte wähnt eine Ölquelle sein Eigen. Aber das ist ein anderes Kapitel.”

Manchmal jedoch vergisst der Autor, lustig zu sein. So scheint es jedenfalls, wenn er beispielsweise die Dicken in Deutschland im Visier hat. Natürlich gäbe es wenige mit Stoffwechselstörungen. Doch diese meint er nicht. Er nimmt diejenigen auf die Schippe, die zu viel Nahrung konsumieren. Sein Rezept für ein schlankeres Leben ist logisch einfach, wie er schreibt: “Da hilft nur weniger essen und weniger Selbstbetrug. Eine der großen Lügen der Menschheit lautet: Ich verstehe das nicht, ich esse gar nichts. Doch - man sieht es.” Klare Worte!

Von solchen wenigen ernsten Momenten im Buch von Dieter Nuhr abgesehen, bieten die 190 Seiten ein wahres Pointenfeuerwerk. Die Kracher zünden immer: Mal prasselnd komisch, mal prickelnd frisch.

Erstveröffentlichung bei "Readers Edition" Autor Thomas Brackmann Grundlage für Zweitveröffentlichung Creative Commons-Lizenz

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