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Wissenschaft: Umwelt & Naturschutz

Abschied vom Winter

Erstveröffentlichung: www.readers-editon.de Autor: Malte Olschewski

Tauwetter Foto pixelquelle.de
Tauwetter Foto pixelquelle.de
Mitte Jänner blühen die ersten Blümlein. Die Winterschläfer wanken aus ihren Höhlen und über Mitteleuropa strahlt die Sonne. Pollen fliegen durch die Luft. Krokusse lugen aus der Erde. Und schon beginnt es in den Gärten zu kreuchen und zu fleuchen. In Skandivanien blicken Braunbären verwundert um sich. Dachse und Igel verzichten auf den Winterschlaf. Der Frühling ist da.

Es gilt, Abschied zu nehmen vom Skifahren, denn der diesjährige Warmwinter wird - zumindest in den Alpen - immer wiederkommen. Die Erderwärmung durch Ausstoß von Abgasen ist eine Tatsache. Auch dadurch blieb 2006/2007 der Winter aus. Die Skifahrer müssen immer weiter hinaufsteigen, um ihrer Leidenschaft zu frönen und langfristig tun es auch die Schneekanonen nicht mehr. In Österreich ist der Tourismus in traditionsreichen Skigebieten vom Zusammenbruch bedroht. Das Hotelgewerbe hat von der Regierung in Wien bereits kostenlose Kredite gefordert.

Klima existenzbedrohlich

Fast ausschließlich hat sich der Wintertourismus in Österreich auf „zwa Brettl und an gführigen Schnee“ konzentriert. Da schwärmten die bunten Prospekte von „glitzernden Höhen und purem Wintervergügen. „Spaß im Schnee in Ihrer Näh’,“ wurde bei ständig steigenden Preisen versprochen. „Hundert Pistenkilometer glitzern in der Sonne wie Juwelen und der tiefblaue Himmel hängt über den Bergspitzen wie ein Baldachin“, rühmte sich etwa die Region Nassfeld in Kärnten. Nun ist ein anderer Tonfall zu hören. Einige Gebiete preisen ihre „schneesichere Lage“ an. Es bestehe auch garantiert keine Lawinengefahr. Von „Schmelzharschdecken, abgelagerten Triebschneepaketen und harten Windharschkrusten“ ist nun die Rede. Hinzu kommt, dass schon in mittleren Höhen die Aussperrung in sonnbeschienen Hängen voranschreitet.

So sieht sich auch die Wintersportnation Österreich in ihrer Existenz bedroht und die Medien sprechen Mitte Jänner von einem einzigartigen Transfer. Das ruhmreiche Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel war wegen fehlenden Schnees in Gefahr. In einer einzigartigen Aktion wurden auf der höher gelegenen Groß-Glockner-Straße Massen der weißen Pracht auf Transporter geladen und nach Kitzbühel verbracht, wo sie auf der Rennstrecke deponiert wurden. Da diese Schneezufuhr nicht ausreichte, musste der untere Streckenteil vom Hausberg auf den Ganslernhang verlegt werden.

Schneekanonen keine Lösung

Nach Meinung der Klimawissenschaftlerin Jill Jäger muss sich der Tourismus aus Schneemangel langfristig vom Ski auf Wellness umstellen. Es wird nichts mehr mit dem Winter in den Alpen. Die vom Menschen verursachte Erderwärmung wird voraussichtlich weitere warme Winter bringen. Bald wird man nur mehr über 2000 Meter Skifahren können. Jill Jäger betont in ihrem Buch „Was verträgt unsere Erde noch? Wege in die Nachhaltigkeit”, dass die derzeit überall angeworfenen Schneekanonen auf längere Sicht keine Lösung bringen. Der Energie- und Wasserverbrauch der Geräte sei auch bei ausreichend kühlen Temperaturen auf die Dauer nicht wirtschaftlich. Der durchschnittliche Temperaturanstieg in den Alpen sei während der vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten drei Mal größer gewesen als im globalen Durchschnitt und die Entwicklung nur sehr schwer aufzuhalten. Selbst wenn es heute gelänge, die Emissionen in Europa stark zu senken, kann das den Schneefall nicht begünstigen, schreibt die Forscherin. Nur wenn sinnvolle Energienutzung und Investitionen in erneuerbare Energien in den Industriestaaten zusammenkämen, ließe sich die Erderwärmung in zehn bis zwanzig Jahren möglicherweise aufhalten, resümiert die Wissenschaftlerin.

Erstveröffentlichung bei "Readers Edition" Autor Malte Olschewski Grundlage für Zweitveröffentlichung Creative Commons-Lizenz

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