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Landgericht Hamburg: Zeugen Jehovas erlauben Partys?

Radio Berlin-Brandenburg unterliegt
08.09.2008 05:47:30 eingesandt von hwilmers für OnlineZeitung 24.de

Nach dieser Entscheidung der Pressekammer des Hamburger Landgerichtes feiern die Zeugen Jehovas eine Party nach der anderen, denn Radio Berlin-Brandenburg darf nicht mehr behaupten, dass solcherlei Tun von dieser Glaubensgemeinschaft verboten wird. Der Beschluss stammt von Andreas Buske, an dem sich der Hamburger Prozessbeobachter Rolf Schälike schon seit Jahren reibt. Jeden Freitag besucht der 69-Jährige die Verhandlungen, die von diesem Richter geleitet werden, und würdigt die juristischen Ereignisse auf www.buskeismus.de

So hat er auf seinen Internet-Seiten folgenden Dialog veröffentlicht, zu dem es am 18. Juli 2008 im Verfahren Jehovas Zeugen in Deutschland gegen Radio Berlin-Brandenburg gekommen sein soll.

Helge Reich (Anwalt des Senders): Was ist ein Zweigkomitee rechtlich betrachtet?

Armin Pikl (Anwalt der Zeugen Jehovas und Mitglied dieser Glaubensgemeinschaft): Es ist eine Körperschaft, eine Religionsgemeinschaft.

Ein Richter, der sich auskennt, hätte sogleich nachgehakt. Denn das deutsche Zweigkomitee in Selters ist ein Leitungsorgan der Religionsgemeinschaft Jehovas Zeugen in Deutschland, die nur in Berlin Körperschaftsrechte besitzt. Dazu heißt es in der internen Schrift „In Einheit beisammen wohnen“ aus dem Jahre 1990: „Die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas, die die Klasse des treuen und verständigen Sklaven vertritt, führt im großen und ganzen die Aufsicht über die Königreichsinteressen. Die Glieder der leitenden Körperschaft sind verschiedenen Komitees zugeteilt. Jedes Komitee beaufsichtigt ein bestimmtes Gebiet…“

Gesteuert wird diese Religionsgemeinschaft also von Brooklyn (New York) aus, denn dort befindet sich der weltweite Sitz der Zeugen Jehovas, kein Zweigkomitee darf die dort getroffenen Vorgaben missachten. Das Wort „Körperschaft“ hat in diesem Zusammenhang auch für Armin Pikl eher eine religiöse als eine rechtliche Bedeutung. So betrachtet, hat dieser Anwalt die Frage von Helge Reich irreführend beantwortet.

Und was ist mit Partys? Dafür gibt es ein Buch mit dem Titel „Fragen junger Leute - praktische Antworten“ aus diesem Jahr. Das achte Kapitel ist dem Thema „Freizeit“ gewidmet. Die Unterkapitel „Was ist mit Computer- und Videospielen?“, „Wie viel Musik tut mir gut?“ „Wie kann ich Spaß haben?“ „Warum ist Pornografie so schlimm?“

Geschickt ist diese Glaubensgemeinschaft bei der Durchsetzung ihrer Vorstellungen vom Leben ihrer Mitglieder. Auf Seite 270 dieses Buches für junge Leute heißt es: „Die Bibel hat nichts gegen nette Feiern. Doch sie warnt ausdrücklich vor ´Schwelgereien´ oder ´wilden Partys´.“ Deswegen solle man sich bei jeder Einladung zu einer Party, „auf der getanzt wird“, fragen: „Wer geht alles hin? Was für einen Ruf haben sie? Wer übernimmt die Verantwortung? Wie wird das Ganze beaufsichtigt? Sind meine Eltern einverstanden, dass ich hingehe? Was wird getanzt?“ Wenn ein Jugendlicher endlich all diese Fragen beantwortet hat, dürfte das Fest längst vorbei sein…

Leichter fällt die Entscheidung bei Disco-Besuchen: „Solche Orte sind nichts für Christen.“ (Seite 271)

In diesem Buch untergebracht haben die Zeugen Jehovas übrigens auch das Thema „Wenn ein Elternteil kein Zeuge Jehovas mehr ist“. Also lautet der Beschluss: „Verweigere dem Elternteil, der kein Zeuge Jehovas mehr ist, nicht den Respekt. Halte dich an seine Anordnungen…“ Das klingt nicht nur nach autoritärem Erziehungsstil, es kommt noch krasser: „…solange du dadurch nicht mit Gottes Maßstäben in Konflikt kommst.“

Mit den Schilderungen dieser Maßstäbe hat die Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft der Zeugen Jehovas e. V. 320 Buchseiten gefüllt. Was würde Armin Pikl als Anwalt eigentlich auf die Frage antworten, um was es sich bei diesem Verein handelt? Die richtige Antwort wäre: eine Druckerei.