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Von der Wiege bis zur Bahre – Formulare, Formulare

Deutschlands Bürokratismus ist einzigartig auf der Welt

Diese Woche erhielt ich mal wieder Post von meiner Krankenkasse. Es war die Erinnerung an ein Formular, das ich etwa drei Wochen zuvor erhalten aber noch nicht ausgefüllt und zurückgeschickt hatte. In dem Formular, das ich ausfüllen sollte, ging es um die möglichen Einkünfte meiner Frau, die über mich als Familienmitglied mitversichert ist. – Ich suchte das Formular auf meinem Schreibtisch und fand dabei gleich noch das vorherige, das mir wiederum etwa drei Wochen vorher geschickt worden war, in dem es um meine Einkünfte ging und das ebenfalls noch nicht erledigt war…

Alle paar Monate (so kommt es mir jedenfalls vor) muss ich immer wieder dieselben Formulare ausfüllen, damit die Krankenkasse meine Beiträge neu berechnen kann. Soweit so gut. Dafür habe ich ja auch noch Verständnis. Doch die Formulare für meine Frau sind absolut überflüssig, da sie wegen einer schweren Behinderung in der Folge mehrerer Schlaganfälle und gründlich misslungener operativer Eingriffe im Kreisklinikum Siegen heute halbseitig gelähmt ist und auch nicht mehr richtig sprechen kann. (Ausführlich nachzulesen unter: http://www.tag-un...tter_3.pdf.)

Das weiß die Krankenkasse, schließlich erbringt sie ja auch Leistungen aus der Pflegekasse in Pflegestufe 2 seit Februar 2006. Zudem liegen bereits drei Gutachten des Medizinischen Dienstes vor (Anfangsgutachten aus 2006, Überprüfungsgutachten aus 2007 sowie erneutes Gutachten aus 2007 nachdem ich zum vorangegangenen Widerspruch erhoben hatte). Es ändert sich also nichts und es ist absolut keine Besserung in Sicht. Dennoch die regelmäßigen Formulare, in die ich immer nur wieder dasselbe hineinschreiben kann. Und auch ihr Schwerbehindertenausweis muss jedes Jahr(!) verlängert werden. Da sie auch von den Rundfunkgebühren befreit ist, muss auch dieser Befreiungsantrag jedes Mal neu gestellt und verlängert werden. Alles ein Aufwand, der eigentlich mit einmal erledigt sein müsste.

Angeblich, so verspricht uns unsere Regierung (unabhängig davon, welche Partei gerade an der Macht ist und ihre Unfähigkeit unter Beweis stellt) andauernd, soll jedes Mal, wenn ein neues Gesetz erlassen wird, alles einfacher werden. Das Gegenteil ist der Fall! Ich wüsste kein Beispiel, wo wirklich etwas einfacher wurde und Formulare abgeschafft wurden.

Bestes Beispiel (aus meinem Berufsalltag) ist das neue Bestattungsgesetz für Nordrhein-Westfalen. Seitdem dies in Kraft ist (1. September 2003) muss jede Überführung eines Verstorbenen der zuständigen Ordnungsbehörde (= Ordnungsamt) des Sterbeortes gemeldet werden. Doch diese sind damit auch heute noch teilweise überfordert und wissen nicht so recht, wie sie mit den Meldungen umgehen sollen. So wird von den Ordnungsämtern diese Aufgabe teilweise an die Standesämter abgewälzt. Einige Standesämter fordern diese Meldung bereits bei der Beurkundung des Sterbefalles, in anderen Orten muss dies nach wie vor (und lt. Buchstaben des Gesetzes) weiterhin an die Ordnungsämter gemeldet werden, wobei einigen die telefonische Meldung reicht und andere dies schriftlich haben wollen. Verwirrend, nicht wahr? – Außerdem hat jedes Bundesland noch sein eigenes Bestattungsgesetz. Oh Einig Vaterland wo bleibt deine Einigkeit?

Da haben wir fast wieder die alten Zeiten, wo man für Überführungen von einem Kreis in den anderen noch einen „Leichenpass“ vom Ordnungsamt benötigte.

So könnte ich diese Beispiele noch um Hunderte weiterer ergänzen. Doch das würde wohl den Rahmen dieses Artikels bei weitem übersteigen und sprengen.

Da werden Untersuchungen gemacht, wie viel Zeit seines Lebens man schläft, wie viel Zeit fürs Essen draufgeht…Wann macht mal jemand eine Untersuchung, wie viel Zeit in seinem Leben jeder mit dem Ausfüllen von Formularen verbringt?

Nicht umsonst gibt’s das Sprichwort: Von der Wiege bis zur Bahre – Formulare, Formulare!

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Schlüsselwörter: Formulare | Gesetze | Behörden | Gesetzgebung | Regierung
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Kommentare

am 05.09.2008 14:29:27 (217.83.94.xxx) Link Kommentar melden
Man erhält so gar Formulare von einer Krankenkasse, bei der man garnicht mehr versichert ist. Die speichern die Daten bis in alle Ewigkeit und belästigen dann einen mit Call-Center anrufen Tag und Nacht: Wir haben da ein neues Angebot für Sie!
Die BKK Post und VW in Braunschweig ist da so ein Härtefall.
Doch bei den Papiertigern an Datenschützern brauchen die nichts zu fürchten, den die Landesdatenschützer sind ja Berater, sie beraten Kunden auf unsere Kosten, unglaublich aber wahr, wir bezahlen den Schlachter noch selbst. Was will man mehr als Metzger?

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