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Sonstiges: Gesundheit

Verfassungsgericht hebt Verbot der Sterbehilfe auf!

Recht auf selbstbestimmtes Sterben in neuer Diskussion

Richterinen & Richter 2.Senat
Richterinen & Richter 2.Senat
Prolog: Sterbehilfe war und ist ein sehr sensibles Thema in der Gesellschaft. Wer einmal, so wie ich, im persönlichen oder familiären Umfeld die hochemotionale Hilflosigkeit miterleben musste, wenn eine bekannte und/oder geliebte Person sterbenskrank im Koma vor einem liegt, und die Ärzte einem mitteilen, dass der erlösende Tod nicht erfolgen könnte, solange dieser Mensch künstlich von Schmerzen befreit und nur noch von Maschinen am Leben erhalten wird. Oder die weitaus noch schlimmere Situation, wenn eine bekannte und/oder geliebte Person sterbenskrank ist, z.B. von Krebs schon gezeichnet, körperliche und seelische Qualen durchleben muss, und einem mit der Frage konfrontiert: Warum darf ich nicht einfach sterben!

Die quälende Frage ist dann, wenn eine lebenserhaltende Therapie keine Aussicht mehr auf Heilung einer am Ende tödlichen Krankheit hat, und der Mensch sich durch Operationen, Schmerztherapie und Medikamentenabhängigkeit selber noch peinigen muss, man es sogar Tag für Tag miterlebt, was ist dann der Sinn des Lebens der todkranken Person, was ja kein Leben mehr ist?

Aus meiner persönlichen familiären Erfahrung kann ich ihnen sagen, dass zumindest die seelischen Qualen und die große Hilfslosigkeit auch für Angehörige viele schlaflose Nächte bereiten kann. Als dann die Situation eintrat, dass der geliebte krebskranke Mensch im Koma lag, angekettet mit Schläuchen und Elektrokabel an diversen Maschinen und der behandelte Arzt mitteilte, dass nur diese Maschinen den todgeweihten Körper und nicht entscheidungsfähigen Patienten noch am Leben erhalten, wie gehen Sie damit um?

Wenn man von Sterbe-Hilfe spricht, dann geht es hierbei nicht dabei um einen unbedachten assistierten Suizid oder eine direkte Tötung auf Verlangen, was auch strafbar wäre, sondern, einfach ausgedrückt, um eine Art Sterbebegleitung zur Sterbehilfe. Nachdem mir der Arzt ohne rumreden alles erklärte, die große seelische Belastung der Familie erkannte, schlug uns der Arzt die Euthanasie vor. Dies wäre eine Situation, wo ein Arzt eine tödliche Substanz verabreicht oder eine Intervention durchführt, um in diesem Falle, den Tod eines nichtentscheidungsfähigen und todkranken Patienten zu verursachen. DANN müssen Sie denn Mut aufbringen, diese Entscheidung schweren Herzens zu verantworten. Denken Sie mal darüber nach.

Die Thematik wird kontrovers bleiben, die Gesellschaft weiterhin in Pro und Contra spalten, und auch wird es weiterhin viele Diskusssionen, Vorträge und Bücher dazu geben. Doch das Urteil des Verfassungsgsgericht vom 26.02.2020 ändert einiges!

Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 26.02.2020

Am 26.02.2020 hatte der 2. Senat des Bundesverfassungsgerichts den langjährigen Streit, das eine geschäftsmäßige Sterbehilfe illegal sei, mit einem neuen Urteil beendet. So wurde das 2015 eingeführte Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe, Paragraf 217, als verfassungswidrig erklärt. Es gebe ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben, sagte der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, bei der Urteilsverkündung in Karlsruhe. Das schließe die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen und dabei Angebote von Dritten in Anspruch zu nehmen. Der neue Strafrechtsparagraf 217 machte das weitgehend unmöglich.

Die Klagen von Ärzten, Hospizen, Sterbehilfeorganisationen, Sterbehelfern und vieler schwer kranken Menschen hatten nun endlich Erfolg. Besonders wollen die Ärzte für palliativmedizinischen Behandlungen todkranker Menschen, die sich auch sich auf eine Verletzung ihrer Gewissens- und Berufsfreiheit beriefen, endlich eine Rechtssicherheit. Schon lange plädieren einige dieser Fachärzte, dass man Patienten in bestimmten Fällen ein tödliches Medikament zu Verfügung stellen sollte. Bei dieser assistierten Methode der Sterbehilfe dieses Medikament nur zur Verfügung gestellt, jedoch muss der Patient es selber einnehmen. Auch interessant ist die Tatsache, dass nach letzten Umfragen rund 80% der deutschen Bevölkerung für eine Sterbehilfe sind. Hier hatte das höchste deutsche Gericht sich zum ersten Mal in seiner Geschichte ausführlich mit Fragen der Sterbehilfe befasst. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, äußerte auch weiterhin, dass nun der Gesetzgeber die Möglichkeit hätte, dass Recht der Sterbehilfe und die Hilfe zur Sterbehilfe zu regulieren. Warten wir also ab, welche Schritte der Gesetzgeber in der Zukunft einleiten wird und welche nicht.

Ausführlichere Informationen finden Sie auf der Webseite des Bundesverfassungsgerichts:

https://www.bunde...gericht.de

Bildnachweis:
  • Richterinen & Richter 2.Senat: Copyright: Bundesverfassungsgericht

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Schlüsselwörter: Sterbehilfe | Bundesverfassungsgericht | todkranke Menschen | Hilfe zur Sterbehilfe | Urteil
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