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Wissenschaft: Forschung

Vom Erdboden verschluckt

Das unheimliche Phänomen plötzlich entstehender Erdlöcher

Erdloch in der verschneiten Landschaft.
Erdloch in der verschneiten Landschaft.
Urplötzlich auftretende Senklöcher, sogenannte Erdfälle, können praktisch überall auf der Welt entstehen. Meistens treten sie urplötzlich und ohne jede Vorwarnung auf. Ursache sind Hohlräume in der Erde an den Stellen, wo die Erdfälle auftreten. Das können künstliche Hohlräume wie Tunnel oder Bergwerksschächte und Minenstollen sein. Nicht selten aber sind es auch natürliche Hohlräume wie weitverzweigte unterirdische Höhlensysteme und Flussläufe. Eine noch wenig bekannte Theorie sind Methanvorkommen bei denen sich hin und wieder Methangasexplosionen ereignen. Eine Theorie, die auch schon für das unheimliche Verschwinden von Schiffen im sagenumwobenen Bermuda Dreieck herhalten musste.

Die Himmlische Grube

Die Tiankeng (oder im Deutschen Himmlische Grube genannt) befindet sich in der chinesischen Gemeinde Xiaozhai und liegt 38 Kilometer südlich vom Kreis Fengjie. Sie misst gut 620 Meter im Durchmesser und ist über 660 Meter tief. Entdeckt wurde sie erst in den 1990er Jahren und ist der größte und tiefste heute bekannte Erdfall und Karsttrichter der Welt. Der Zeitpunkt ihres Entstehens ist unbekannt, dürfte aber einige Tausend Jahre zurückliegen.

Unter ihr fließt ein großer unterirdischer Fluss, dessen Wasser aus einer Karstspalte (Difeng) sprudelt. Diese ist etwa 37 Kilometer lang und über 900 Meter tief. An der engsten Stelle ist die Spalte lediglich zwei Meter breit, während sie an der breitesten Stelle bis zu 70 Meter misst. Es ist der tiefste und der längste Karstriss, der heute weltweit bekannt ist.

Die Höhle des Teufels

Ein weiterer mehrere Tausend Jahre zurückliegender Erdfall ist die Devils Den oder im Deutschen auch Höhle des Teufels genannt, die sich auf einem großen Privatbesitz mit vielen Senklöchern, Höhlen und Wasserläufen befindet. Das Senkloch ist ca. 20 Meter tief und hat einen Durchmesser von 17 Metern. Es ist der Eingang zu einem weitverzweigten Höhlensystem mit unterirdischen Wasserläufen. Anhand von Fossilienfunden wird das Alter auf mindestens 10.000 Jahre geschätzt. Am Eingang dieses Naturdenkmals in Florida befindet sich ein Hinweisschild, auf dem „Welcome to Floridas Prehistoric Underground Spring“ zu lesen ist. Hier können Wissenschaftler umfangreiche und gute Studien über Senklöcher und ihre Entstehung machen.

Die Schachthöhlen von Venezuela

Im Westen des Berglands von Guayana am nördlichen Rand des Amazonasbeckens befinden sich sogenannte Tepuis in den Ländern Venezuela, Guyana und Brasilien. Das sind durch Erosion entstandene Tafelberge, die einzeln stehen und bis zu fast 3.000 Meter hoch sein können. Einer davon ist der Sarisariñama-Tepui mit einer Höhe von rund 2.300 Metern. Er steht im Nationalpark Jaua-Sarisariñama liegt im äußersten Südwesten von Bolívar in Venezuela, nahe zur brasilianischen Staatsgrenze. Die in der Nähe lebenden Ye’kuana-Indianer gaben ihm nach einer alten Legende seinen Namen. Demnach soll dort einst ein böser Geist in den Höhlen des Tafelberges Menschen verzehrt und dabei immer „Sari, Sari“ gerufen haben.

Der Sarisariñama-Tepui hat eine Oberfläche von gut 546 km² und sein Plateau ist im Gegensatz zu den meisten anderen Tafelbergen zum größten Teil dicht bewaldet. Die nächstgelegene Straße befindet sich mehrere hundert Kilometer entfernt. Daher ist erst seit November 1964 mehr über ihn bekannt. Im März 1967 gelang es William Henry Phelps Jr. Erstmals auf ihm zu landen. Die Senkrecht- oder Schachthöhlen wurden im Februar 1974 erstmals näher untersucht. Ihre Wände fallen unterschiedlich tief, in der Regel aber mehrere hundert Meter, ab. Es wird vermutet, dass es sich um Einsturzhöhlen, also sogenannte Senklöcher bzw. Erdfälle handelt, die vor mehreren Tausend Jahren entstanden.

Die größere der zuerst entdeckten zwei Höhlen wurde von Alexander von Humboldt „Sima Humboldt“ benannt (auch „Sima Major“ genannt). Sie umfasst einen Rauminhalt von 18 Millionen Kubikmetern und ist 350 Meter tief. Der obere Durchmesser beträgt am Höhlenrand 352 Meter und am Boden 502 Meter. Die zweite, 248 Meter tiefe Höhle, nach Édouard Martel „Sima Martel“ benannt (auch „Sima Menor“ genannt), befindet sich etwa 1.500 Meter von der ersten entfernt. Nach dem Mythenforscher Jakob Vorberger gibt es dort insgesamt 36 Senkrechthöhlen, die immer paarweise (also 18 Paar) auftreten.

Straßenkreuzung und Haus verschwinden in der Tiefe

Nach dem Tropensturm Agatha mit einer Niederschlagsmenge von zehn Zentimetern in 12 Stunden, bei dem mindestens 180 Menschen ums Leben kamen, tat sich am 30. Mai 2010 inmitten von Guatemala-City im wahrsten Sinne des Wortes die Erde auf. Im Bereich einer Straßenkreuzung entstand ein etwa 20 Meter durchmessendes, kreisrundes Loch mit einer Tiefe von 30 Metern (in einigen Medien wurde die Tiefe sogar mit 60 Metern beziffert). Außer der gesamten Kreuzung verschlang das Loch noch ein dreistöckiges Haus. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben.

Seewasser wird in ein Erdloch gesogen.
Seewasser wird in ein Erdloch gesogen.
Im wahrsten Sinne des Wortes: Vom Erdboden verschluckt

Aus dem US-Bundesstaat Florida und dem angrenzenden Umfeld sind mehr als 3.500 solcher Senklöcher bekannt. Eines davon entstand im Februar 2013 in der Kleinstadt Seffner (Florida). Es tat sich urplötzlich und ohne jede Vorwarnung unter dem Schlafzimmer des Hauses von Jeff Busch auf, verschlang nicht nur den Boden des Schlafzimmers, sondern auch weitere Teile des Hauses – mitsamt dem 36jährigen Jeff Busch.

Das Senkloch, das zuerst aus einem gleichmäßigen senkrechten Schacht bestand, hatte einen Durchmesser von sechs Metern war ca. 15 Meter tief. Trotz intensiver Suche blieb Jeff Busch spurlos verschwunden. Seine Leiche wurde nie gefunden und es wird vermutet, dass ein unterirdischer Wasserlauf (Fluss) sie weggespült und mitgerissen hat. Schon bald darauf brach der obere Rand ein und immer mehr vom Erdboden und dem Haus fielen in die Tiefe.

Das Gelände musste wegen der Instabilität abgesperrt werden. Zu vor wurde das, was von dem Busch-Haus noch übrig war und die beiden Häuser rechts und links daneben abgerissen. Das Senkloch wurde mit Kies verfüllt. Dazu waren ganze drei LKW-Ladungen notwendig. Obwohl es Bodengleich verfüllt worden ist, befindet sich heute bereits wieder eine kleine Senke an der Stelle, die darauf hindeutet, dass das Erdreich hier weiter eingebrochen ist. Die Gefahr, die von dieser Stelle ausgeht, ist noch lange nicht behoben.

Der Erdfall im Museum

Ein Jahr nach dem Ereignis in Seffner (Florida), am Morgen des 12. Februar 2014, ereignete sich in Bowling Green (Kentucky) einer der spektakulärsten Erdfälle der letzten Jahre. Im Sky-Dome des National Corvette Museums schrillten plötzlich die Alarmglocken. Überwachungskameras zeichneten auf, wie sich mitten im Museum die Erde auftat und ein Senkloch entstand. Acht von den 28 hier ausgestellten Autos verschwanden nacheinander in der Tiefe des Erdlochs, dass sich hier mit einem Durchmesser von 12 Metern auftat. Unten in dem Loch befindet sich in 20 Meter Tiefe eine rund 60 Meter lange, Jahrtausende alte Höhle. Über den Vorfall berichteten damals die Medien weltweit. Obwohl der Sachschaden vor allem an den teuren Sportwagen in die Millionen ging, war das Ereignis eine gute Werbung für das Museum, dass dadurch seine Besucherzahlen um 50 % steigern konnte. Das Senkloch ist heute Bestandteil der Museumsausstellung.

Die mysteriösen Senklöcher in der Eiswüste Sibiriens

Im Jahr 2014 fanden Rentierhüter gewaltige, kraterähnliche Löcher im Boden der Tundra in Sibirien. Wissenschaftler, die diese Erdlöcher untersuchten, stellten in ihrem Innern eine ungewöhnlich hohe Konzentration von Methan fest. Methan bildet sich bei der Zersetzung abgestorbener organischer Stoffe wie Pflanzen und Tiere. Dabei entsteht das Methangas. Damit angereicherte unterirdische Schichten nennt man Methan-Hydrat. Solche Vorkommen können einzelne Bereiche bilden, in denen sich ein Druck von bis zum 170fachen des normalen aufbaut. Dadurch entsteht eine mit Methangas gefüllte Kammer. Ist der Druck in der Kammer hoch genug, so explodiert das Methan und schießt als Gas senkrecht an die Oberfläche. Dabei entstehen meist kreisrunde Löcher, die nach Abbruch von Erdmaterial in den oberen Bereichen wie gigantische Krater aussehen können.

Bildnachweis:
  • Erdloch in der verschneiten Landschaft.: daniel stricker / pixelio.de (Gemäß den Pixelio-Bestimmungen für dieses Bild.)
  • Seewasser wird in ein Erdloch gesogen.: ich / pixelio.de (Gemäß den Pixelio-Bestimmungen für dieses Bild.)

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Schlüsselwörter: Krater | unterirdisch | Sebkloch | Erdfall | Höhlen
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