Lokales: Sonstiges

Der Rathauspark in Halver muss erhalten bleiben!

Wieder soll ein Park verschwinden und zugebaut werden
12.01.2020 19:54:47 eingesandt von Alex Mais für OnlineZeitung 24.de

Der Musikpavillon im Park.
Der Musikpavillon im Park.
Vorweg muss hier erst einmal richtiggestellt werden, welches Areal welcher Park ist, da es in der Vergangenheit, vor allem durch die Berichterstattung in der Presse, in der Öffentlichkeit zu Irritationen und Verwechslungen gekommen ist. Der Rathauspark ist der Park, der unmittelbar an der Thomasstraße liegt – und zwar an der dem Rathaus gegenüberliegenden Seite der Straße. Das war schon immer, seit Jahrzehnten, der Rathauspark und wird es hoffentlich auch immer bleiben!

Missverständlich wird als Rathauspark heute auch öfters das Villa-Wippermann-Umfeld genannt. Gemeint ist dabei die kleine Wiese zwischen der Villa und der Frankfurter Straße oder auch schon mal der neue Spielplatz, der wirklich eine der wenigen großartigen Aktionen der Stadt Halver in den letzten Jahren war. Inwieweit das Gelände hinter dem Rathaus und um die Villa Wippermann tatsächlich als Park bezeichnet werden kann, mag dahingestellt bleiben. Vor allem drängt sich auch die Frage auf, inwieweit ein Spielplatz ein Park ist beziehungsweise wie groß ein Park sein müsste, wenn man bei einem Spielplatz als Parkbestandteil sprechen kann. Darüber scheiden sich vermutlich selbst die Geister. Der Rathauspark ist das Villa-Wippermann-Umfeld auf jeden Fall nicht und wir sollten dieses Umfeld dann doch lieber als „Stadtpark“ ansehen und bezeichnen. So, wie auch Anfangs dazu immer geredet wurde.

In den letzten Jahren, vor allem seit dem Beginn der millionenschweren Kernsanierung zweier Schieferhäuser zu „Häusern der Kultur“, ist auch immer wieder einmal die Rede davon, dass der Rathauspark nach Sanierung der Villa Wippermann und deren Umfeld vermarktet werden und zur Bebauung genutzt werden soll. Im Gespräch ist dabei insbesondere eine Wohnbebauung. Aber auch die Freie ev. Gemeinde Halver hatte seinerzeit nach vorliegenden Informationen mit dem Gelände spekuliert um dort neu zu bauen. Von diesem Vorhaben wurde dann aber wieder abgesehen.

Die Vernichtung des ursprünglichen und wahren Rathausparks nebst Vermarktung zur Wohnbebauung geht genau wie die Bezeichnung des vermeintlichen neuen Rathausparks im Villa-Wippermann-Umfeld auf das Jahr 2001 zurück. Im Juli 2001 wurde die „Stärken- / Schwächenanalyse und Profilierungskonzept für die Stadt Halver“ veröffentlicht. Die Durchführung dieser Analyse wurde seinerzeit von der Stadt Halver für teures Geld in Auftrag gegeben und von der ECON-CONSULT Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Beratungsgesellschaft mbH & Co. KG in Köln ausgeführt.

In dieser Analyse mit Profilierungskonzept heißt es zu unserem Kleinod Rathausplatz unter anderem in Punkt 3.2.2.2 „Entwicklung eines Stadtparks“ (Seite 62):

Der Mammutbaum - Baum des Jahres 2013.
Der Mammutbaum - Baum des Jahres 2013.
„Der bestehende ‚Rathauspark‘ liegt auf der Ostseite der Thomasstraße gegenüber dem Rathaus. In seinem direkten Umfeld befindet sich fast keine Wohnbebauung, und da er außerdem von Nord- bis Süd-Osten durch die Umgehungsstraße von der Wohnbebauung abgeriegelt ist, wird er kaum frequentiert. Auch seine Gestaltung ist mit roten Aschewegen, monotonen Grasflächen, einigen Bänken und dem Musikpavillon trist und nicht unbedingt einladend. Um seinem Namen als ‚Rathauspark‘ gerecht werden zu können, ist eine Verlagerung nach Westen in den Bereich zwischen Frankfurter Straße, Thomasstraße und Mittelstraße, der Grundschule Ost mit Multifunktionshalle, der ‚Wippermannschen Villa‘ und dem Feuerwehrgerätehaus (heute DRK-Standort), also in das direkte Rathausumfeld, anzuraten…“

Und unter Punkt 3.2.2.4 „Verdichtung der Wohnnutzung“ (Seite 62) ist weiter zu lesen:

„Neben der Aufwertung der Ortsmitte sollte versucht werden, weiteren Wohnraum im Ortskern zu schaffen. So wäre nach der Verlagerung des Rathausparks das alte Parkgelände für eine hochwertige Wohnbebauung geeignet.“

Daraus sehen wir also, dass das ganze Thema bezüglich einer Verlagerung des Rathausparks und Vermarktung des alten zur Wohnbebauung auf dem Mist einer Kommerzgesellschaft gewachsen ist, die ortsfremd irgendwelche Empfehlungen gibt, mit denen die Halveraner Bürger dann leider leben müssen, wenn die Stadt sie auch noch umsetzt.

Wollen wir dann mit gutem Willen das Villa-Wippermann-Umfeld als Park, als Stadtpark(!), bezeichnen, so haben wir hier zwar einen echt tollen Spielplatz, dass sollte neidlos anerkannt werden, aber es fehlen doch mindestens zwei wichtige Fakten, die der „alte“ Rathauspark hat und der „neue“ Stadtpark nicht: nämlich der schöne Brunnen und der Musikpavillon.

Ein Park sollte auch entsprechend als Park gestaltet sein und nicht nur oberflächlich aus einer großen Wiese, weil pflegeleicht, mit ein paar Bäumen bestehen. So sieht inzwischen, nach einem rigorosen Rückschnitt von Büschen der Hohenzollernpark in der Von-Vincke-Straße aus. Ebenso der neue Stadtpark an der Villa Wippermann, der ebenfalls nur aus einer Wiesenfläche mit ein paar stehen gelassenen Bäumen besteht und auch der Rathauspark, der nach der Rodung der zur Kloake verkommenen Vegetation beim ehemaligen Mark-E-Gebäude hier nicht neu bepflanzt wurde. Im Gegenteil, hier wurden sogar etliche Quadratmeter des Parks bereits vermarktet indem sie an dieser Stelle an Michael Gedigk als neuen Besitzer des alten Mark-E-Gebäudes verpachtet wurden. Somit befindet sich jetzt auf einem Streifen des Parks eine Terrasse für die neuen Hausbewohner.

Der Rathauspark hat einen eigentlich wunderschönen Brunnen, um den sich allerdings 2019 leider offensichtlich niemand gekümmert hat. Dieser Brunnen wurde von dem inzwischen verstorbenen Friedhelm Severin, damals Begründer und Inhaber des Installationsbetriebes Severin in der Hagener Straße in Zusammenarbeit mit einem Mitarbeiter des Wasserwerks erstellt. Auch der Brunnen im Rathauspark ist ein Kleinod und Wahrzeichen in der Stadt Halver. Zugleich auch ein verdientes Denkmal für den verstorbenen Erbauer. Wollen wir wirklich alles platt machen, was an die Geschichte Halvers erinnert? Ist ein Brunnen, errichtet von „einfachen“ Halveraner Bürgern, weniger wert als solche für teures Geld von irgendwelchen Künstlern wie der „Geschichtsbrunnen“ (Ecke Frankfurter Straße und Bahnhofstraße beim ZOB) vom Bildhauer Werner Klenk oder die „Marktfrauen“ (Alter Markt) von der Künstlerin und Bildhauerin Jutta Funk von Rosainsky?

Noch im Jahr 2011 wurden im Rahmen eines Schüleraustausches mit Israel im Rathauspark einige „Freundschaftsbäume“ gepflanzt. Und der Mammutbaum, der mitten im Park steht, wurde im Jahr 2013 zum „Baum des Jahres“ gewählt. 2019 machte die SPD-Fraktion Halver noch eine große Pflanzaktion und setzte entlang der Thomasstraße im Park eine große Menge an Tulpen, die dann später erblühten und ein prachtvolles buntes Bild ergaben.

Nicht zuletzt aber gibt es noch einen anderen, einen wirklich großen Trumpf im Rathauspark, der eigentlich vor allem auch im kulturellen Geschehen in Halver nicht mehr wegzudenken ist: den Musikpavillon. In den letzten Jahren zwar häufig für diverse Events genutzt, kam er dennoch schwer in die Jahre, weil sich niemand um ihn kümmerte. Dies änderte sich erst 2019, als Horst Severin ihn in wochenlanger, mühevoller Kleinarbeit durch Ausbesserungsarbeiten am Mauerwerk und einen neuen Anstrich sanierte und wieder aufpäppelte. Der so wieder ansehnlich gemachte Musikpavillon erhielt inzwischen neuen Aufwind. Die Mennoniten-Brüdergemeinde äußerte sich anschließend dahingehend, dass man hier etwa alle zwei Monate nach dem Gottesdienst christliche Lieder singen wolle. Das erste Auftreten war am 22. September 2019 durch die Jugend der Gemeinde am Pavillon. Und selbst die Stadt Halver hat den Rathauspark noch gerne und gut genutzt, als 2019 das große Stadtfest zum 50jährigen Bestehen Halvers als Stadt gefeiert wurde. Auch beim Leistungswettbewerb der Feuerwehren 2018 spielte sich im Rathauspark ein Teil davon ab und erinnert sei auch noch an die Kartrennen „Rund ums Rathaus“, bei denen im Rathauspark viele Stände aufgebaut waren.

Damit der Pavillon gebaut werden konnte hatte der damalige, inzwischen verstorbene, ehrenamtliche Bürgermeister (1979 bis 1984) und Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins Günther Vahlefeld (* 1925 bis † 2014) Spenden für dessen Bau gesammelt. Dazu war er sich nicht zu schade mit dem Hut über Feste zu gehen oder bei Firmen Klinken zu putzen. Der Pavillon war eine von vielen Herzensangelegenheiten des ehemaligen Bürgermeisters Vahlefeld und sollte als Andenken an diesen großen Mann der Stadt Halver gewahrt werden!

Bauamtsleiter Karl Loesenbeck konnte ihn dann nach erfolgreicher Spendenaktion in Auftrag geben und bauen lassen. Es handelt sich im Grunde um einen genialen Bau, dessen mehr oder weniger offene dreieckige Bauweise mit dem nach vorne höher werdendem Dach wie ein natürlicher Lautsprecher wirkt und die Akustik wunderbar zur Geltung kommen lässt.

In den Anfängen wurde der Park und der Musikpavillon sonntags vormittags von zahlreichen Gesangs- und Musikvereinen genutzt und viele Halveraner Bürger kamen und hörten zu. Leider schliefen diese Aktivitäten ein. Aber dies möchte die Interessengemeinschaft Rathauspark Halver nun neu beleben und damit auch mit dazu beitragen den Rathauspark als Park zu retten.

Spätestens seit 2001 die „Stärken- / Schwächenanalyse und Profilierungskonzept für die Stadt Halver“ von der ECON-CONSULT Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Beratungsgesellschaft mbH & Co. KG in Köln veröffentlicht wurde denkt man im Rathaus der Stadt Halver immer öfters darüber nach den Rathauspark platt zu machen und das Gelände mit Wohnhäusern zu bebauen – so, wie es die ECON-CONSULT vorgeschlagen hat. Man hört hier offenbar lieber auf ortsfremde Kommerzunternehmen, die irgendetwas vorschlagen (egal, ob sinnvoll oder nicht) und zahlt dafür auch noch gutes Geld, anstatt einmal die Halveraner Bürger zu befragen was die wollen.

Der Brunnen im Park.
Der Brunnen im Park.
Gerade in der heutigen Zeit, in der die Themen Umweltschutz, Naturschutz, Klimaschutz, Klimaerwärmung, Treibhauseffekt usw. so hoch gelobt und heiß diskutiert werden, sollte man doch auch darauf bedacht sein jeden Quadratmeter Grünfläche zu erhalten. Und dies vor allem in Halver, dass einmal „das schönste Dorf Westfalens“ war, wie Ludwig von Vincke (* 23.12.1774, † 2.12.1844), der ehemalige Oberpräsident (von 1815 bis 1844) der damals neu gegründeten preußischen Provinz Westfalen angesichts der schönen landschaftlichen Lage Halvers gesagt hat. In Halver erinnert heute der Straßenname „Von-Vincke-Straße“ an ihn.

Nachdem Halver die Stadtrechte bekommen hat wurde aus dem „schönsten Dorf Westfalens“ die „Stadt im Grünen“ und Halvers frühere Stadtdirektor (1973 bis 1999) und erste hauptamtliche Bürgermeister (1999 bis 2004) Hans Jürgen Kammenhuber bezeichnet Halver in seiner Stadtgeschichte auf der Homepage der Stadt Halver als „Industriestadt im Grünen“ und „Industriestandort im Grünen“. Das aber zeigt schon, dass es bald aus ist mit dem Grünen, denn wo immer mehr Grün ins Graue für Industrieflächen weichen muss, da wird aus der „Stadt im Grünen“ bald eine „Stadt im Grauen“ (-Beton).

Im Oktober 1974 erstellte die Stadt Halver unter dem Titel „Wohnen und Arbeiten im Grünen“ ein Konzept zur Stadterneuerung und Stadtentwicklung. Wenn man sich anschaut, wie viel Grün in den letzten Jahren in Halver und der unmittelbaren, zu Halver gehörenden, Umgebung verschwunden ist und einer Bebauung von Wohnhäusern, Gewerbebetrieben und Industriestandorten weichen musste, kann man nur sagen der Titel des Konzeptes ist aus heutiger Sicht ein Hohn. Aus frischem Grün wird immer mehr ein tristes Grau. Und so soll es bald auch beim Rathaus aussehen, nämlich diesem genau gegenüber – dort, wo heute noch der Rathauspark ist.

Dieses zu verhindern, dass uns Halveranern auch noch das letzte Fleckchen Grün in der Stadt genommen wird, dafür steht die Interessengemeinschaft Rathauspark Halver im Namen der Halveraner Bürgerschaft ein.

Der Rathauspark darf nicht sterben!
Für Wohnbebauung gibt es genügend andere Flächen“

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