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Sonstiges: Kultur & Religion

Vietnam: Katholiken dürfen wieder Ahnenverehrung pflegen

Vietnamesischen Bischofskonferenz hat Reform beschlossen

Symbol vietnamesische Bischofskonferenz
Symbol vietnamesische Bischofskonferenz
Traditionell hat die Ahnenverehrung in den asiatischen Volksreligionen eine lange Geschichte und gehört zum Alltag der Gesellschaft. So auch in Vietnam, wo die Ahnenverehrung jeder Familie respektiert wird und selbstverständlich ist. Die Missionare, meistens Jesuiten, aber auch Franziskaner und Dominikaner, hatten ihre Missionsarbeit zunächst nach dem Motto durchgeführt, das diese an den Landessitten und Riten angepasst werden sollte (Akkommodationsmethode). Das wurde das auch einige Zeit geduldet. Seit etwa 1610 aber nahmen die Diskussionen zweigeteilt unter den Missionaren und der Kirche zu, ob die neu getauften Christen auch weiterhin die alte und traditionelle Ahnenverehrung beibehalten dürfen oder nicht. Auch stellten sich der Vatikan die Frage, ob solch eine Ahnenverehrung nicht doch ein Aberglauben wäre, dem sich asiatische Christen enthalten müssten. Doch anders als der Papst erwartete, gab es auch Widerspruch des Jesuiten-, des Franziskaner- und des Dominikaner-Ordens. Viele wollten weiterhin ihre erfolgreiche Leitlinie bei der Missionierung fortsetzen, indem diese an den Landessitten und Riten angepasst werden sollte, und diese nicht in Frage stellen.

Es dauerte genau 132 Jahre der kontroversen Diskussion, bis Papst Benedikt XIV mit der Bulle Ex quo singulari eine Unterwerfung aller Missionare durchsetzte, um den Streit endgültig zu beenden. Diese päpstliche Verordnung trat am 11.Juli 1742 in Kraft. Damit verbot der Papst bestimmte einheimische Riten von Christen und neu getauften Christen in Asien, besonders die Ausübung der Ahnenverehrung. Auch mussten alle Missionare einen Eid darauf leisten, das sie die Anordnung des Papstes streng einhielten, sonst würden sie verbannt.

Die Folgen diese Anordnung war auch in Vietnam fatal. Das Verbot der Jahrtausende alten Ahnenverehrung machte die Christen in der Gesellschaft zum Sonderfall. Waren die Christen vorher unauffällig und frei in ihrem Glauben, wurden sie ab 1742 als nicht gesellschaftsfähig betrachtet. Christen wurden nun verfolgt, beschimpft und hatten es im Alltag schwer, wusste jemand, das ist ein Christ oder eine Christin. Auch Familien wurden dadurch gespalten zwischen Christen und Buddhisten. Erst Papst Pius XII hatte 1939 die Bulle Ex quo singulari als ungültig erklärt.

Christen in Vietnam

Nach Aussagen der vietnamesischen Bischofskonferenz sollen 2018 fast 7 Millionen Katholiken in Vietnam leben. Es gibt rund 4.500 Gemeinden mit 4.000 Priester, und 22.000 Mönche und Nonnen. Die meisten von ihnen wachsen mit der traditionellen Gesellschaft aus, wo die Ahnenverehrung zum Alltag gehört, dürfen es aber als Christen nicht ausüben, obwohl sie dies immer wünschten. Das gab viel Zwiespalt in Familien mit Christen und Nichtchristen. Obwohl es seit 1939 praktisch erlaubt ist, haben die Bischöfe bisher es noch nicht ganz umgesetzt. Doch 2019, also genau 70 Jahre später, haben die katholischen Bischöfe Vietnams eine lange erwartete Richtlinie zur Ahnenverehrung veröffentlicht, die die Ahnenverehrung erlaubt.

So heißt es in der Richtlinie, das die Grundlage für die Wendung der vietnamesischen Bischöfe das vierte Gebot der zehn Gebote wäre. „Du sollst Vater und Mutter ehren“. Jetzt dürfen Katholische Familien nach den neuen Richtlinien endlich Altäre für ihre Vorfahren aufstellen, ihre Ahnen mit Kerzen, Rauchstäbchen ehren und Bilder der Verstorbenen aufstellen, jedoch nur unterhalb der christlichen Altäre. Dies ist ein sehr wichtiger Fortschritt, damit auch Christen vollwertiger in der vietnamesischen Gesellschaft aufgenommen werden können und die Konflikte in dieser eingedämmt werden. Die Ahnenverehrung gehört zum Alltag der vietnamesischen Gesellschaft.

Bildnachweis:
  • Symbol vietnamesische Bischofskonferenz: Copyright: Catholic Bishops' Conference of Vietnam

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Schlüsselwörter: Vietnam | Ahnenverehrung | Christen in Vietnam | vietnamesische Gesellschaft
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