Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Politik: Recht & Co.

Erst Geld, dann Ware ... oder doch lieber umgekehrt

Bei Kaufgeschäften ist die Zeitfolge in der Regel eindeutig und gebräuchlich: erst die Ware, dann das Geld. Bei Rechtsberatungen oder bei anwaltlichen Prozeßvertretungen ist die Rangfolge offenbar umgekehrt: erst das Geld, dann vielleicht die Ware ist zur Regel geworden. Wie sollte sich hier der Leistungs-Käufer Mandant gegenüber dem Leistungs-Verkäufer Rechtsanwalt verhalten?

Der Beitrag von J.Wächter "Der Mandant, ein Spielball zwischen Gerichten und Rechtsanwalt" in Onlinezeitung24 vom 15.4.2008 zeigt erschütternd das Verhältnis Geld/Leistung zwischen Mandant und Rechtsanwalt auf. Es ist ein grauenvolles Musterbeispiel allgegenwärtigen Betruges iSd § 263 StGB, das substantiell kaum zu topen ist. Es sollen hier bestätigende eigene Erfahrungen hinzugefügt werden.

Jeder, der in eine quälende Rechtssache unausweichlich verwickelt worden ist, steht grundsätzlich drei graduierten Feindesebenen gegenüber.

1. Zunächst und zuvörderst der eigene Anwalt. "Man muß schon lange suchen, bevor man einen Anwalt findet, der nicht als erstes seinem Mandanten das Fell über die Ohren zieht" (Trieflinger,H., Verein gegen Rechtsmißbrauch, 2007). Nahezu ausnahmslos wird der auserwählte Anwalt zunächst werbend höchste Sachkunde eben genau des vorliegenden Problems kundtun und zugleich siegesgewissen Kampfeswillen versprühen. Der Mandant glaubt nun einen guten bzw. den richtigen Anwalt für sein Problem gefunden zu haben. "...denkste, die wollen alle nur eines und das ist Deine Kohle..." (Eisner,P., Männerpartei, 2006).

2. Es folgt die Gruppierung um das Gerichtsroulette. Wenn man des öfteren den Satz liest, "...auf hoher See und vor Gericht sind wir alle in Gottes Hand...", so stimmt das höchstens zur Hälfte. Denn, auf hoher See, möglicherweise ja. Doch vor Gericht? Es wäre Blasphemie, hier von Gottes Hand zu sprechen. Das trifft nämlich überhaupt nicht zu. Man steht nicht vor Gott, sondern vor dessen Gegenpol.

3. Letztlich die eigentliche Gegenpartei. Sie setzt zwar die unfreundlichen Streitimpulse, doch ist sie als von vornherein erkannter Feind besser berechenbar als der eigene Anwalt oder das Gerichtspendel.

Das Anfangsritual bei der Suche nach einem befähigten eigenen Anwalt läuft für den Rechtsuchenden in allen Fällen nahezu stereotyp ab: "...legen Sie mir ein paar Unterlagen vor und zahlen Sie gleichzeitig einen Vorschuß in Höhe von...". Also, erst einmal Geld und dann eventuell die Ware Rechtsbeistand.

Okay, denken die meisten Mandanten, soweit sie von der begehrten Vorschußhöhe nicht ohnmächtig geworden sind. J.Wächter (s.o.), ich und viele tausend andere meinten bislang allzu oft und blind vertrauend: bei versprochener Sachkunde und kaum erschütterlicher Siegesgewißheit des Anwaltes akzeptiere ich es so: erst Geld, danach Rechtsleistung.

Thema-Wechsel: In den staatlichen Medien erscheinen seit Jahren propagandistisch aufgebauschte Berichte über honorarbetrügende Ärzte. Sie machen allerdings unter der großen Masse solide arbeitender Ärzte einen verschwindend kleinen Prozentsatz aus. Ihr Fehlverhalten und ihre Bestrafungen werden in den Medien jedoch überwiegend so dargestellt, als liege Typizität dieser Berufsgruppe vor.

Die Mehrzahl aller Anwälte erfüllt sicherlich nach Eingang ihrer Vorschußforderungen die versprochenen Leistungen. Und wieder bezogen auf die große Masse solide arbeitender Rechtsanwälte macht jedoch der Anteil unseriös Honorar einfordernder Rechtsanwälte keineswegs einen kleinen Prozentsatz aus. Im Gegenteil, es hat sich längst eine Abzocklawine gebildet, die allerdings streng verschwiegen gehalten wird. In den öffentlichen Medien ist mW bislang kein einziger Bericht über Bestrafungen betrügender Anwälte erschienen.

In selbst erlebten 3 Fällen erhielt ich nach der Vorschußzahlung und nachfolgenden Rückfragen wegen Nicht-/Mangelleistung entweder die hinhaltende, nichts aussagende Pauschalantwort "man prüfe noch" oder es kam eine Kurzmitteilung über irgendetwas rechtlich Unbrauchbares und völlig neben der Sache Liegendes. Also: Geld weg, Rechtsproblem noch da.

Der Fall J.Wächter (s.o.) und eigene Erfahrungen belegen einen gravierenden ethisch-moralischen, negativen Wandel in der deutschen Justiz. Der Ruf der Bürger nach Einrichtung zentraler Ombudsstellen, die insbesondere bei Rechtsstreitigkeiten zwischen Mandanten und Anwälten vermittelnd und klärend tätig sein könnten, wird zunehmend lauter.

Empfehlung: lassen Sie sich selbst bei Fristendruck einer Rechtssache niemals die Rangfolge Geld/Leistung aufzwingen; beharren Sie stets auf der Rangfolge erst Ware, dann Geld. Übrigens, in Deutschland sind ca. 155.000 Anwälte zugelassen und alle wollen am rechtsuchenden/rechterstreitenden Bürger verdienen.

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Lesen Sie dazu auch:
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Anwaltvorschußzahlung | Anwalt | Rechtsanwalt
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.10 Sekunden
33,748,194 eindeutige Besuche