Politik: Asien

Es herrscht Krieg im Bilibid Gefängnis in Muntinlupa (2)

Verraten und Verkauft – Der Gefängniskrieg beginnt
15.10.2019 10:18:50 eingesandt von Alex Mais für OnlineZeitung 24.de

Zerstörte Unterkunft im Bilibid am 13.10.2019..
Zerstörte Unterkunft im Bilibid am 13.10.2019..
Mehr als 1.000 Exhäftlinge folgten in Todesangst freiwillig der Forderung des Präsidenten und kehrten zum Bilibid Gefängnis in Muntinlupa zurück – obwohl sie zuvor ganz offiziell entlassen worden waren. Gute zwei Wochen mussten sie vor dem Gefängnis ohne Wasser, Essen und ohne sanitäre Anlagen ausharren. Dann wurde ihnen von den Wärtern gesagt, dass sie wieder nach Hause gehen könnten…

Jetzt als „Ausbrecher“ zum Abschuss freigegeben

Rund die Hälfte der zurückgekehrten Exhäftlinge folgte den Worten der Wärter und gingen wieder nach Hause. Am folgenden Tag mussten sie aus den Medien erfahren, dass sie aus dem Gefängnis ausgebrochen seien und als Ausbrecher gejagt würden. Damit warten sie ganz offiziell zum Abschuss freigegeben.

Der aktuelle Bilibid und BuCor Generaldirektor Gerald Bantag, der in einem anderen Gefängnis auch selbst Personen durch gezielte Kopfschüsse hingerichtet haben soll, wurde zwischenzeitlich des Massenmordes beschuldigt und sollte angeklagt werden. Doch Präsident Duterte ließ die Anklage nicht zu und stellte sich damit schützend vor Bantag. Dessen Taten waren so ganz nach den Vorstellungen des Präsidenten wird aus gut informierten Quellen berichtet. Viele Menschen, nicht nur aus den direkt betroffenen Kreisen, sind der Meinung, dass Präsident Duterte selbst nach Untersuchung durch den internationalen Gerichtshof in Den Haag wegen Anstiftung zum Massenmord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt und verurteilt gehört.

9. Oktober 2019 – Der Krieg beginnt

In der vergangenen Woche, am Mittwoch, dem 9. Oktober 2019, begann der Krieg mit dem Einmarsch mehrerer stark bewaffneter und vermummter Hundertschaften der Polizei. Sogar die Namensschilder an den Uniformen waren überklebt. Unterstützt wurden sie durch LKWs, Bagger und sogar Schützenpanzer mit Feldkanonen.

Die ersten Gebäude wurden einschließlich der darin befindlichen Unterkünfte von Gefangenen abgerissen. Viele Häftlinge verloren dadurch ihre wenigen letzten Habseligkeiten wie Kissen, Decke, Schlafmatte oder Kleidung. Hunderte von jungen Polizisten zerstörten mutwillig Zellen, Schlafplätze und die wenigen vorhandenen sanitären Anlagen. Alles was noch ein bisschen Wert besaß wurde von ihnen regelrecht gestohlen. Dazu gehörten in erster Linie Medikamente und Bargeld.

Es wird scharf geschossen – Hilfsmittel nicht eingelassen

Häftlinge gehen durch die Trümmer (13.10.2019)
Häftlinge gehen durch die Trümmer (13.10.2019)
Noch am Abend des ersten Tages (09.10.) wurde scharf auf die Gefängnisinsassen geschossen. So ging es die ganze Zeit weiter und ein Ende war auch am Sonntag (13.10.) noch nicht in Sicht, als mich um 11.28 Uhr der erste Bericht über die Zustände per Email direkt aus dem Bilibid Gefängnis in Muntinlupa erreichte. Weil zu diesem Zeitpunkt immer noch keine Nahrungsmittel und Trinkwasser eingelassen wurde werden schlimmste chaotische Zustände innerhalb der nächsten Tage erwartet. Schon am Freitag (11.10.) wollte das Rote Kreuz Wasser und Lebensmittel ins Gefängnis bringen. Dies wurde der Hilfsorganisation verweigert.

Weil auch bei der Polizei und den Gefängniswärtern die Angst vor der Eskalation anstieg schweißten sie die Tore zu. Mut zeigte die Polizei nur, wenn sie als Gruppe ein paar Häftlinge misshandeln konnten. Zur Vermummung der Polizisten vermuten Betroffene, dass diese das nur machen um bei ihren Schand- und Gräueltaten nicht erkannt zu werden und so ungeschoren morden und plündern zu können.

Es sieht ganz so aus, als ob die Polizei ein Blutbad unter den Gefangenen anrichten will – vielleicht auf höchste Order hin, um das vollkommen überfüllte Gefängnis auszudünnen. Warum sonst kommen hier Schützenpanzer und mit MGs bewaffnete Polizisten zum Einsatz und schießen wahllos mit scharfer Munition um sich?

Es wird dringend internationale Unterstützung benötigt

In der Nacht ziehen sich die Polizeitruppen in der Regel in sichere Bereiche zurück um früh am Morgen wieder einzufallen. Da dann außer den Insassen niemand mehr vor Ort war und die Zellen unverschlossen blieben, bildeten sich Plünderungstrupps. So geht es die ganze Zeit. Wenn dieser staatlich verordnete, menschenverachtende Wahnsinn nicht sofort gestoppt wird, wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch unter den Gefangenen selbst zu Mord und Totschlag kommen. Wegen der katastrophalen hygienischen Umstände werden Krankheiten ebenfalls ihren Tribut zollen und so mit dazu beitragen das Gevatter Tod reichlich Ernte halten kann.

Drei Deutsche sind mindestens im Bilibid inhaftiert. Dazu zählen Anton Kampfmann und Tobias Reuter, über die hier auf der OZ24 bereits mehrfach berichtet wurde. Sie fürchten jetzt ganz massiv um ihr Leben, das derzeit wie eine Gradwanderung auf Messers Schneide ist. Und von offizieller Seite, allen voran, an oberster Stelle, vom BuCor Generaldirektor Gerald Bantag, gibt es ganz offensichtlich nur Falschinformationen an die Medien. Demnach würden die Gefangenen Handgranaten auf die Polizisten werfen. Dies wird aber von den Insassen aufs Schärfste dementiert.

Wenn weiter Betten und Unterkünfte zerstört werden müssen alle auf kleinen Flächen auf dem nackten Beton schlafen. Gerald Bantag will keinerlei Essen mehr ins Gefängnis lassen, so dass der sogenannte Rancho Fraß, wie die fast ungenießbare Gefängnisverpflegung genannt wird, ausreichen muss – wie er sagt. Doch die Portionen fallen so karg aus, dass die Insassen immer mehr an Kraft verlieren, abmagern und langsam Verhungern. Außerdem scheinen sie schwere Krankheiten zu verursachen.

So schreiben Tobias Reuter und Anton Kampfmann, die offensichtlich unschuldig dort inhaftiert sind: „Wir (und damit sind alle Gefangenen gemeint) brauchen sofort Maßnahmen. Wasser, Essen in Dosen, Medikamente wie z. B. Antibiotika, Schmerzmittel...“ Doch es ist zu befürchten, dass die internationale Gemeinschaft weiterhin wegschaut. So wie bisher offenbar schon seit vielen Jahren, im Falle der Deutschen Insassen, die Deutsche Botschaft Manila und das Auswärtige Amt. Es sind halt nur einfache Menschen, politisch nicht relevant genug für einen deutschen Rechtsstaat…

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