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Politik: Asien

Lügen, Intrigen und ein Desaster-Urteil auf den Philippinen

Noch ein Deutscher unschuldig hinter Gittern? (5)

Gefängnis-Waschraum 1.
Gefängnis-Waschraum 1.
Folgt man den haltlosen Äußerungen der beiden Frauen, so hat alles schon viel früher, vor dem 2. Februar 2011, angefangen. Doch dies hätte leicht widerlegt werden können, wenn man alles nur mal nachgeprüft hätte, was offenbar niemals geschah. Und so nahm das Verhängnis seinen Lauf…

Treffen im Restaurant, dass es noch gar nicht gab

Eine der beiden Frauen behauptete Tobias über Facebook kennengelernt zu haben. Dort habe er sich „Mike“ genannt. Der Account konnte allerdings nicht mit Tobias in Verbindung gebracht werden und das Profilbild zeigte eine andere Person.

Einig waren sich wieder beide Frauen, dass sie mit Tobias im Herbst 2010 im Restaurant „Sunburst Gaisano Tabunok“ gemeinsam gegessen hätten. Dumm nur, dass dieses Restaurant zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existierte. Es wurde erst Monate später gebaut.

Angeblich war Tobias im Januar 2011 auch mit beiden Frauen in Cebu City im „Santo Nino Plaza“ und in einem Resort in Talisay. Zeugen dafür gibt es keine, aber es gibt Zeugen, dass Tobias zu dieser Zeit auf der Nachbarinsel Bohol verweilte. Doch diese Entlastungszeugen wurden gar nicht angehört.

Meineide, getürkte Beweise, keine Entlastungszeugen

Rund acht Jahre dauerte die Gerichtsverhandlung mit unzähligen Prozesstagen an. Es kam immer wieder zu Meineiden und Beweise wurden gefälscht. Mögliche Entlastungszeugen für Tobias wurden nicht zugelassen und konnten so auch nicht angehört werden. Und auch Tobias selbst durfte nicht aussagen. Unfassbar für einen souveränen Staat.

Obwohl es ganz offensichtlich etliche Meineide und Falschaussagen gab, Beweise gefälscht wurden, wurden diese Lügen als Wahrheit gesehen. Es gab weder Beweise noch Fakten, die auch nur einen Punkt der Anklagen bestätigten. Eines der angeblichen Beweisstücke war eine Kamera, die angeblich Tobias gehören sollte. Doch es waren auch hier, genau wie bei allen anderen Beweisstücken, keine Fingerabdrücke von Tobias zu finden. Und im Fall der Kamera konnte sogar nachgewiesen werden, dass die jemand ganz anderem gehörte. Eine der beiden Frauen gab sogar vor Gericht zu, dass es sich um eine Falle der NBI gehandelt habe.

Acht Staatsanwälte, vier Richter und ein Fehlurteil

In der 8jährigen Zeit der Verhandlungen gab es nacheinander insgesamt acht Staatsanwälte und vier Richter. Unabhängige Beobachter erhielten den Eindruck, dass all diese Personen die Akten wohl nie gesehen, geschweige denn gelesen haben. Es gab keine eindeutigen Fakten und Beweise, die zu einer Verurteilung ausgereicht hätten – vorausgesetzt es hätte sich um ein anständiges und ordentliches Gericht gehandelt. Und die meisten Zeugen, die die NBI benannte hatten als Antwort auf die Fragen meistens nur eines zu sagen: „I don't know“!

Gefängnis-Waschraum 2.
Gefängnis-Waschraum 2.
Auf die ganzen Ungereimtheiten wiesen auch die beiden damaligen Anwälte und der Landrat von Tobias hin – vergeblich. Alle drei sind nach Durchsicht und gründlicher Prüfung der Gerichtsdokumente der festen Überzeugung, dass dies alles eine erfundene Geschichte ist. Und noch hinzu kommt, dass Tobias kaum etwas von dem „Englisch“ und dem „Visaya-Kauderwelsch“ bei den Verhandlungen verstand. Ein Übersetzer wurde ihm nicht gewährt. Im Gegenzug wurden den Klägern und Belastungszeugen Übersetzer zur Seite gestellt.

Schließlich wurde das Urteil gefällt: Lebenslange Haft. Und das bedeutet auf den Philippinen in der Regel tatsächlich „bis ans Lebensende“.

Fluchtversuch, Folter und so etwas wie Resignation

Es war und ist der blanke Horror, den Tobias in den philippinischen Gefängnissen erleben musste. In seiner großen Verzweiflung hat er sogar schon einen Fluchtversuch unternommen. Er kam bis zum Tor. Dort verließ ihn der Mut und er gab freiwillig auf. Die Folge waren monatelange, höllische Schmerzen. Diese Qualen waren zurückzuführen auf die Folter, die ihm als Strafe für den abgebrochenen Fluchtversuch verabreicht wurde. Selbst heute noch spürt er an einigen Stellen seines Körpers die Nachwirkungen dieser Folter.

Aus verständlichen Gründen und der Angst vor weiteren Folterungen will Tobias über weitere, schlimme Erlebnisse nicht sprechen. Bis heute kann er seinen Peinigern nicht vergeben. Er ist voller Hass auf sie. Aber Tobias hofft nun mit Hilfe eines anderen deutschen Mitgefangenen, der wie er im gleichen Gefängnis in Muntinlupa City südlich von Manila ist, seinen Hass endlich ablegen zu können.

Die ersten Anfänge machte Tobias indem er beim Verteilen der Flyer mit „Der Guten Nachricht“ geholfen hat. Außerdem ist er der Vereinigung „Jesus Fans & Friends International“" beigetreten, die ein anderer deutscher Mitgefangener am 9. Januar 2019 gegründet hat.

Dies ist der aktuelle Stand im September 2019. Wie es weitergeht? Das ist ungewiss. Sobald uns neue Informationen vorliegen werden wir wieder berichten.

Bildnachweis:
  • Gefängnis-Waschraum 1.: Tobias Reuter (Unterliegt dem Urheberrecht.)
  • Gefängnis-Waschraum 2.: Tobias Reuter (Unterliegt dem Urheberrecht.)

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Schlüsselwörter: Lebenslänglich | Urteil | NBI | Korruption | Philippinen
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