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Wissenschaft: Umwelt & Naturschutz

Mülltourismus aus Neapel jetzt auch nach NRW

Riesengeschäfte der Müllentsorger auf Kosten unserer Gesundheit?

Bereits seit Januar 2008 rollen sie fast täglich, Güterzüge voller Müll aus Neapel nach Deutschland. Schon damals stand fest, das Italien allein an die Müllentsorgungsbetriebe in Sachsen die gigantische Menge von 100.000 Tonnen Müll liefern darf. Auch nach Bremerhaven wurden 30.000 Tonnen genehmigt. Der Müll kommt aus Neapel und kann dort nicht mehr entsorgt werden, weil sämtliche Müllhalden voll sind und sich die Bürger Neapels bisher erfolgreich gegen neue zur Wehr gesetzt haben. Dafür müssen wir nun um unsere Gesundheit fürchten…

Am vergangenen Montag (21.07.2008) teilte das Entsorgungsunternehmen Returo mit, dass man nun auch in NRW die ersten Müllzüge aus Neapel in der kommenden Woche (31. KW) erwarte. Die ersten Transporte gingen in das Abfallentsorgungszentrum Asdonkshof in Kamp-Lintfort. Insgesamt sollen 70.000 Tonnen Müll nach NRW importiert werden. Die Betreiber der Müllentsorgungsunternehmen reiben sich die Hände angesichts der zu erwartenden Riesengeschäfte. Immerhin haben die Müllverbrennungsanlagen in NRW eine deutliche Überkapazität. Aber Toxikologen warnten laut Stuttgarter Zeitung angesichts der gigantischen Müllberge aus Italien bereits. Man wisse nicht, was sich so alles darin befindet und es sei mit einem Anstieg des Krebsrisikos bei der Bevölkerung zu rechnen – im schlimmsten Fall bis hin zu Missbildungen bei Neugeborenen. Und aus Italien kommt nicht nur Hausmüll, sondern offenbar auch ein größerer Anteil so genannter Sortierreste.

Italiens Ministerpräsident Romano Prodi betitelte diese Mülltransporte bereits als Züge der Schande. An einer Umfrage zum Thema von Welt Online beteiligten sich bisher 466 User. Demnach sind 56 % strikt gegen diesen Mülltourismus. 42 % finden ihn in Ordnung, weil deutsche Firmen dabei ganz gut verdienen. Den restlichen 2 % war das völlig egal.

Die Westsächsische Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (MEV) in Großpösna importierte bereits seit dem Frühjahr 2007 italienischen Müll nach Deutschland. Insgesamt, so das Umweltbundesamt, wurden im Jahr 2006 rund 18 Millionen Tonnen Müll, überwiegend aus EU-Staaten, eingeführt. Ein Drittel (= 6 Millionen Tonnen) davon war Sondermüll, der umweltschonend beseitigt werden musste. Im Folgejahr, 2007, wurden alleine aus Italien rund eine Millionen Tonnen Müll eingeführt. Und das, obwohl EU-weit der Grundsatz gilt, das Müll grundsätzlich in der Nähe der Quelle entsorgt werden soll.

Angesichts dieser Fakten bleibt oftmals verborgen, dass sich auch Deutschland exportmäßig am Mülltourismus beteiligt. Ein Großteil geht so beispielsweise in die benachbarte Schweiz. Bei all diesem Hin-und-Her-Geschiebe von Müll soll sich nach offiziellen Aussagen die Einfuhr und die Ausfuhr von Müll die Waage halten. Fragt sich nur, warum dann überhaupt noch Mülltourismus? Verdienen tun einzig und allein die Müllentsorger – und das offenbar nicht schlecht. Die Kosten des Transportes trägt wohl die Allgemeinheit durch teils recht hohe Abfallgebühren der Städte und Gemeinden. Und so ist, wie meistens, „der kleine Mann“ wieder einmal mehr der Dumme…

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Schlüsselwörter: Mülltourismus | Müllverschiebung | Müllentsorgung | Neapel | Müllentsorger | NRW
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Kommentare

Heiner Guckindieluft
am 07.08.2008 21:49:10 (84.60.188.xxx) Link Kommentar melden
Nicht erst seit Beginn diesen Jahres wird Müll aus Italien in NRW "entsorgt" sondern bereits seit zig Jahren! Organisiert von einem führenden Mitglied der NRW-Grünen und Berater der damaliegen Umweltministerin Höhn! Kein Wunder! Wurden doch in NRW viel zu hohe Verbrennungskapazitäten errichtet, für die garnicht genügend Müll anfällt.

So z.B. die MVA Köln, die mit Hilfe von Bestechung nicht nur gegen den erkärten Willen der Kölner Bürger sondern mal eben doppelt so groß gebaut wurde als vom Stadtrat beschlossen. Wenn da nicht genügend Fremdmüll angeliefert wird hat die Entsorgungsgesellschaft AVG ein Problem: Dann droht die Pleite. Unter solchen Gesichtspunkten sind Umwelt und Gesundheit für die Verantwortlichen absolut kein Thema.Die Interessen der Bürger sind denen vollkommen wurscht.

Und was das Tollste ist: Gerade eben sind die korrupten Politiker mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen! Die Kölner sollten die Verantwortlichen jetzt auf Schadensersatz verklagen. Denn die viel zu große MVA erzeugt natürlich auch viel zu hohe Kosten, die von den zwangsangeschlossenen Bürger bezahlt werden müssen. Für Fremdmüll kann natürlich nur der niedrigere Marktpreis verlangt werden. Auch die Korruptionszahlungen werden selbstverständlich in die Müllgebühren mit einberechnet.

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