Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Politik: Welt

Das Leben in der „Haupthölle“ von Manila

Anton Kampfmann sucht auf den Philippinen nach Gerechtigkeit (Teil 7)

Toni beim missionieren.
Toni beim missionieren.
Am 27. Oktober 2017 kam aus Manila die Nachricht, dass Toni Kampfmann nunmehr seit fast zwei Jahren immer noch auf die Resolution des Court of Appeal wartet. Sein Anwalt ist der Ansicht, dass sein Mandant Toni Kampfmann bald freikommen müsste. Doch bis heute ist noch nichts in dieser Richtung geschehen oder auch nur abzusehen und seit dem 16. August letzten Jahres sitzt Toni nun auch im Hauptknast von Manila, der „Haupthölle“, wie es Toni immer nennt.

Offene Toiletten und kleine Privaträume

Die Toiletten, zwei an der Zahl, für die Zelle in der Toni nun haust, liegen nebeneinander und sind offen. Das heißt, dass man vor allem aus der rechten der beiden einen guten Einblick in die Zelle und auf die anderen Mitgefangenen hat. Diese können wiederum die Toilettengänger bei ihrem „Geschäft“ beobachten. Intimsphäre? Fehlanzeige!

Ein anderer Deutscher, der bereits einige Monate vor Toni hierher verlegt worden war, sagte zu Toni dass er es „langsam angehen“ lassen solle. Auch riet er Toni sich nach einem „Kube“ umzusehen. Das sind kleine Verschläge mit Stehhöhe und einer abschließbaren Tür. Falls Toni nicht bald freikommt, wird er versuchen sich einen solchen zu kaufen.

Gefährlich und teuer

Schließlich hatte er bereits feststellen können, dass es hier nicht ungefährlich war. Die Insassen kamen in der Hauptsache aus allen Schichten der Kriminalität. Auch Verrückte gab es genug und die Ärmsten unter den Insassen waren oft halbverhungert oder krank. Schlägereien gab es kaum. Stattdessen wurde lieber gleich kurzer Prozess gemacht, was dann offiziell als Unfall dargestellt wurde.

Hier vor Ort hat vor allem die Drogen- und Zigaretten-Maffia das Sagen. Dadurch wird das Leben in Manilas Hauptknast für manche Insassen fast unbezahlbar. Und selbst für Strom und Wasser müssen die Insassen bezahlen, wie Toni aus dem Knast berichtet.

Das Gefängnis von Muntinlupa, dem südlichsten Zipfel der Hauptstadtregion Metro Manila, ist wie eine kleine Stadt. Wenn man durch die Straßen und Gassen geht, beschreibt Toni es in seinem 8. Rundbrief, dann erkennt man kaum einen Unterschied zu den Slums „drau0en“. Und auch hier gibt es verschiedene Gangs, die sich auch untereinander bekriegen – mit Toten und Verletzten. Fast wöchentlich gibt es hier einen Mord und erst im Oktober 2017 wurden zwei Gangmitglieder von einem rivalisierenden Gangmitglied erschossen. Das beweist wieder einmal mehr, dass es sogar Schusswaffen im Knast gibt – von Stichwaffen und Messern gar nicht erst zu reden.

Lebensalltag fast wie draußen

Die Insassen tragen hier orangefarbene T-Shirts und man könnte fast den Eindruck haben es wären holländische Fußballfans meint Toni sarkastisch. Es gibt hier einzelne Leute, die sich Geld mit Dienstleistungen verdienen. So repariert einer Uhren, der andere Schuhe und wieder ein anderer betätigt sich als Schneider. Auch Garküchen gibt es, und die verbreiten hier den einzig angenehmen Duft. Trotz all dieser Dinge stirbt fast täglich einer der Insassen an einer Krankheit.

Es gibt hier sogar Kirchen und andere Religionsgemeinschaften wie einen buddhistischen Tempel. Die größte Kirche ist die katholische Kirche mit Platz für rund 1.000 Personen. Und die Baptisten sind mit vier Gemeinden vertreten. Es gibt weitere religiöse Gruppen aber keine christliche Kirche speziell für Ausländer. So überlegte Toni bereits ob er vielleicht eine solche anregen und gründen sollte. Doch erst einmal will er seine Resolution vom Gericht abwarten. Noch immer hofft er auf eine baldige Freilassung.

Und was macht Toni?

Seit Oktober liest Toni vorwiegend im Neuen Testament. Das Alte Testament hat er teilweise wie einen Abenteuerroman gelesen schreibt er im 9. Rundbrief. Noch immer schläft er auf dem Boden, hat sich inzwischen aber einen überteuerten Petroleumkocher zugelegt. Mit dem kocht er sich jeden Tag ein bis zwei Diätmahlzeiten. Zum Frühstück kauft sich Toni immer zwei sogenannte „France-Bread“, die werden morgens frisch gebacken und Toni isst sie ohne Belag. Nur bis abends kann man sie nicht aufbewahren, da sie dann schon so gut wie ungenießbar sind.

Seine Gedanken schweifen auch im neuen Rundbrief wieder zur Situation der Kirchen. Da diese allesamt nur in der Landessprache ihre Predigten ausrichten, sind sie für Ausländer, wie Toni bereits festgestellt hatte, ungeeignet. Und so spielt er erneut mit dem Gedanken eine Freikirche für Ausländer zu gründen. Ein passendes Grundstück dafür, so meint er, würde er bekommen. Diese Kirche könnte dann auch für die Alten und Armen da sein und denen zumindest einmal in der Woche einen Eintopf bieten. Und auch bei diesen Gedankengängen zeigt sich wieder deutlich sein Glaube, den er auch in seinen Zeichnungen immer wieder zum Ausdruck bringt.

Doch erst will er noch die Resolution des Court of Appeal abwarten, denn dadurch erhofft er sich ja seine Freilassung. Die Hoffnung darauf hat allerdings schon einen Dämpfer bekommen, denn viele der Insassen sagen, dass ohne entsprechende Schmiergelder (Bestechung) an die Richter hier nichts läuft und diese dann bei dem Urteil des Regional-Gerichts bleiben, dass da auf lebenslänglich lautete.

Tonis Leidensweg geht weiter

In seinem November-Rundbrief berichtet Toni dass er auf glattem, nassen Betonboden ausgerutscht und gefallen sei. Die Hüfte und die Oberschenkel bereiteten ihm deutliche Schmerzen. Zum Glück, so meinte er, war nichts gebrochen. In das Gefängniseigene Hospital kann mein kein Vertrauen setzen. Die meisten, die dort wieder herauskommen werden mit den Füßen voran heraus getragen. Zu allem Unglück kam dann auch noch eine Mittelohrentzündung und die Größe seines Schlafplatzes sank wegen der Überbelegung auf 60 Zentimeter Breite und 1,3 Meter Länge.

In der Weihnachtszeit, Toni ist mittlerweile das 13. Weihnachten in Haft, beschäftigt er sich gedanklich wieder sehr viel mit Jesus, was sich auch in seinem Dezember-Rundbrief widerspiegelt. So beginnt er ihn mit den Worten „Glück, Gesundheit und Gelassenheit wünsche ich allen Lesern und ihren Angehörigen!“

Toni hat inzwischen auch seinen 64. Geburtstag in Haft verbracht. Der erste Rundbrief für Januar 2018 ist inzwischen auch eingetroffen. Immer noch wartet Toni auf die Resolution und damit seine Freilassung…

Die heutige Zeichnung aus dem Januar-Rundbrief von Toni zeigt ihn mit seinem fahrbaren Tiny-Haus beim Missionieren (rechte Bildhälfte). Links sitzt der verzweifelte Teufel in der Angst, dass ihm Toni seine ganze Kundschaft entzieht.

Bildnachweis:
  • Toni beim missionieren.: Zeichnung: Anton Kampfmann (Unterliegt dem Urheberrecht.)

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Lesen Sie dazu auch:
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Hölle | Manila | unschuldig | Gefängnis | Gangs
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.13 Sekunden
35,091,873 eindeutige Besuche