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Politik: Welt

Menschenunwürdige Zustände in den philippinischen Gefängnissen

Anton Kampfmann sucht auf den Philippinen vergeblich Gerechtigkeit (Teil 6)

Toni (rechts) im Dialog mit Jesus (links).
Toni (rechts) im Dialog mit Jesus (links).
In einem „Hasenkasten“ der Größe 1,6 Meter lang, 0,7 Meter breit und 50 Zentimeter hoch muss Anton (Toni) Kampfmann in seinem philippinischen Gefängnis schlafen. Ach ja, es wäre beinahe unerwähnt geblieben: Dieser Kasten ist für zwei Personen(!) gedacht. Dies berichtete Toni Kampfmann neben vielen anderen, für uns kaum vorstellbaren Dingen in seinem Rundbrief im April 2017. Und, am Nachmittag des Ostersonntag starb einer seiner Mitgefangenen im Alter von 65 Jahren in der hoffnungslos überfüllten Zelle.

Noch ist Toni „nur“ in der Vorhölle

Das ist kein Einzelfall, denn die Sterberate dort ist enorm hoch. Kein Wunder bei den hier herrschenden Bedingungen. Zehn bis elf Stunden am Tag gibt es keinen Strom, die Zellen sind Ungeziefer verseucht und auch bei Temperaturen zwischen 39 und 45 Grad gibt es kaum Wasser.

Zu diesem Zeitpunkt ist Toni noch nicht in dem Hauptknast von Manila, in dem rund 40.000 Gefangene dahinvegetieren. Es ist noch ein verhältnismäßig kleines Gefängnis mit 1.500 Insassen. Und dennoch, die Zellen sind „mindestens zu 400 % überbelegt“ wie Toni schreibt. Geplant ist, dass er hier für etwa zwei bis drei Monate bleibt, „bevor es ins drei Kilometer entfernte Haupt-KZ geht“ (Originalzitat Anton Kampfmann).

Fest im Glauben an Jesus

Immer noch hofft Toni zu diesem Zeitpunkt, dass ihm das berüchtigte Hauptgefängnis erspart bleibt und er doch noch freigelassen wird. Die Hoffnung und sein Glaube an Jesus Christus gibt ihm die Kraft alles zu überstehen. Praktisch täglich liest er in der Bibel. Auch arbeitet er jetzt schon an einer Rede, mit der er nach seiner Entlassung in Deutschland die „Gute Nachricht“ verkünden will (s. dazu auch Tonis Zeichnungen in Teil 5).

Abschließend in seinem April-Rundbrief schreibt Toni: „Es mag komisch anmuten, aber je mehr ich zu leiden habe, umso stärker wird mein Glaube zu Jesus.“ Das drückt sich auch in seinen Zeichnungen aus. Die heutige Zeichnung ist wieder einmal mehr ein Dialog zwischen Toni und Jesus. Jesus sagt:„Irrlehren wie Fegefeuer ausrotten - ab zu den Motten“, worauf Toni antwortet: „Jesus, setz mich frei und ich bin dabei“.

Immer noch in der Vorhölle

Ende Juli/Anfang August berichtet Toni Kampfmann immer noch in seinem 6. Rundbrief aus der Vorhölle. Bisher ist ihm der Transfer ins „Haupt-KZ“ erspart geblieben. Und er hofft immer noch, dass ihm seine Entlassung dem Transfer zuvor kommt. Bereits Ende Mai hatte Toni eine Nachricht von einem in der „Haupthölle“ bereits seit Jahren inhaftierten Deutschen bekommen. Der schrieb ihm, dass er solange wie möglich seinen Transfer vermeiden solle, da im Hauptknast „schlimme Zustände herrschen“ würden.

Am 30. Juni 2016 wurde der am 28. März 1945 in Maasin City, Leyte geborene Rodrigo „Rody“ Roa Duterte Präsident der Philippinen. Bereits im August 2016 ließ Duterte sämtliche Wachen im Hauptknast ablösen und durch eine Spezialeinheit der Polizei ersetzen. Diese sollte dort die Korruption bekämpfen und letztlich abschaffen. Doch schon bald war klar, dass das Gegenteil der Fall ist. Die Korruption im Hauptknast war noch weiter ausgeartet. Schließlich wurde im Januar 2017 die Polizeieinheit durch eine Militäreinheit ersetzt, damit der Korruption nun endlich der Garaus gemacht würde. Doch wie Betroffene Gefangene berichten wurde damit endgültig „der Bock zum Gärtner gemacht“.

Diese kläglich gescheiterten Versuche die Korruption abzuschaffen brachten stärkere Kontrollen auch der Besucher mit sich, die kaum, noch etwas für die Gefangenen ins Gefängnis mitbringen durften. Für die Gefangenen selbst hatte es die Folge, dass sie nun fast alles in den gefängniseigenen Läden zu Wucherpreisen kaufen mussten. So kostet dort eine Zigarette 100 Piso (Normalpreis: 3 Piso).

Toni, der seiner Vorgangsnummer nach eigentlich um den 13. Juli 2017 in den Hauptknast hätte verlegt werden sollen war Anfang August immer noch nicht verlegt worden. Inzwischen war Informanten zufolge die Spezialeinheit des Militärs ebenfalls wieder durch eine neue abgelöst worden. Die alte wurde ins Krisengebiet von Mindanao strafversetzt.

Toni kommt in die „Haupthölle“ von Manila

Am 25. September bekam ich die Email eines Toni nahe stehenden Informanten, dass Toni Kampfmann nun in der „Haupthölle“ sei. Besuche wären nun deutlich schwieriger und beim letzten Versuch habe man ihn auch gar nicht hereingelassen. So könne er derzeit nur über LBC per Brief mit Toni in Verbindung stehen.

Tonis 7. Rundbrief für August/September 2017 kam dann erstmals „von Toni aus der Haupthölle“. Darin schreibt er, dass er am 16 August überraschend verlegt wurde. Insgesamt wurden an diesem Tag noch 110 Gefangene mit ihm in die „Haupthölle“ verlegt. Am Tor des alten Gefängnisses wurde ihnen erst einmal eine Glatze geschnitten. Danach mussten die Gefangenen in die Kleinbusse einsteigen. Das Ganze nahm etwa zwei Stunden Zeit unter glühender Sonne in Ansoruch. Die hatte in diesem Zeitraum bereits deutliche Spuren auf Tonis Kopf hinterlassen. Die eigentliche Fahrt war recht kurz. Bei der Ankunft im Hauptknast zeigte sich erneut das menschenverachtende Verhalten korrupter philippinischer Gefängniswärter.

Sicherheitscheck auf philippinisch

Über die Ankunft im Hauptgefängnis schreibt Toni in seinem 7. Rundbrief: „Dort angekommen mussten alle T-Shirts gelüftet werden, die Hosen wurden runtergelassen. Mit Stöcken bewaffnet gingen einige Wächter von Dutertes Spezial-Action-Gruppe durch die Reihen, jeder musste sich bücken und die A…backen auseinanderdrücken, die Geschlechtsteile wurden mit dem Stock hin und her geschaukelt, um Verborgenes aufzuspüren. Wer nicht spurte, bekam einen Schlag auf die Hoden. Wie Schlachtvieh auf dem Markt.“

Danach mussten die Neuankömmlinge zu den verschiedensten Stellen laufen, bei rund 40 Grad im Schatten. Etliche Zusammenbrüche waren die Folge und auch Toni konnte nach zwei Stunden nicht mehr und legte sich an ein schattiges Plätzchen: An dieser Stelle kommt im Rundbrief auch wieder Tonis Glaube ins Spiel und er spricht davon, dass er in diesem Augenblick wieder „Gottes wunderbares Wirken“ erleben durfte, indem er in das einzige recht neue Gebäude des Gefängnisses kam, dass an drei Seiten sogar große Fenster hatte. Trotzdem auf dem Boden geschlafen werden musste, war es für Toni eine Wohltat genügend Sauerstoff und etwa zwei Quadratmeter Platz zu haben. Doch schon wenige Tage später wurde klar, dass auch hier bald eine hoffnungslose Überbelegung sein würde, denn „Insassen und Ungeziefer nahmen von Tag zu Tag zu.“

Lesen Sie in der nächsten Folge: Das Leben in der „Haupthölle“ von Manila.

Bildnachweis:
  • Toni (rechts) im Dialog mit Jesus (links).: Zeichnung: Anton Kampfmann. (Unterliegt dem Urheberrecht.)

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Schlüsselwörter: Manila | Gefängnis | Knast | Kölle | unschuildig
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