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Politik: Recht & Co.

Anton Kampfmanns Leben in der Hölle philippinischer Gefängnisse

Anton Kampfmann sucht auf den Philippinen vergeblich Gerechtigkeit (Teil 5)

Tonis Tiny Haus. Es kann nur aufwärts gehen.
Tonis Tiny Haus. Es kann nur aufwärts gehen.
Wenn Deutsche im Ausland mit den dortigen Gerichten in Konflikt kommen, dann mischt sich der deutsche Staat angeblich nicht ein. Doch deutsche Behörden entscheiden jeweils im Einzelfall ob sie dann intervenieren oder nicht und wenn ja, wie viel. Als ich diese neuen Folgen zu dem spektakulären Fall eines augenscheinlich unschuldig auf den Philippinen in Haft befindlichen deutschen Staatsbürgers in Angriff nahm, gab es eine interessante Meldung aus dem Irak.

Die zwei Seiten der Medaille

Dort war aktuell im Januar 2018 eine Deutsche von einem irakischen Gericht zum Tode durch Erhängen verurteilt worden. Aufreißerisch titelte die Presse dazu. Wie kam es zu diesem Urteil? Die Frau mit deutschem Pass war nachweislich mitsamt ihrer beiden Töchter aus Deutschland Richtung Syrien und den Irak ausgereist, um sich dort dem IS (Terrorgruppe Islamischer Staat) anzuschließen. Die beiden Töchter heirateten dort sogenannte „IS-Kämpfer“ (eigentlich richtiger: IS-Terroristen).

Das irakische Gericht sah es als bewiesen an, dass die Frau logistische Hilfe und Unterstützung für den IS betrieben habe um Verbrechen zu verüben. Darauf basieren schließlich die Verurteilung und das Todesurteil. Nun will die Bundesregierung intervenieren, der Frau helfen, damit das Urteil zumindest in eine Gefängnisstrafe abgemildert wird.

Fakt ist, dass die Frau sich einer Terrorgruppe angeschlossen hat, was sie auch unumwunden zugegeben hat. Damit ist sie eine Gewaltverbrecherin und Terroristin geworden. Übrigens: Diese Frau hat zudem marokkanische Wurzeln und kommt damit selbst aus dem Teil der Welt, in dem der Islam vorherrscht. Dies ist die eine Seite der Medaille.

Unschuldig im philippinischen Knast und deutsche Behörden schweigen

Als ich 2015 erstmals über den nachstehenden Fall berichtete, erhielt ich von der Deutschen Botschaft auf den Philippinen nur zur Antwort dass ich mich dazu an das Auswärtige Amt wenden solle. Von dort hieß es nur, dass man den Fall kenne, ihn beobachte und mit den zuständigen Stellen in Kontakt sei. Aber selbst etwas unternehmen oder gar fordern? Davon war weder etwas zu hören, noch zu lesen oder gar zu sehen.

Im November 2005, also vor mehr als zwölf Jahren, wurde der deutsche Staatsbürger Anton Josef Kampfmann, genannt Toni, auf den Philippinen inhaftiert (die OZ24 berichtete mehrfach exklusiv darüber). Bis zum Jahr 2015 saß er dort in Untersuchungshaft und wartete auf seinen Prozess. Schließlich war am 15. April 2015 der letzte Verhandlungstag. Danach ging das Warten weiter…

Urteilsspruch nach mehr als einem halben Jahr

Nach der Verhandlung hatten die Verteidiger und die Staatsanwaltschaft 30 Tage Zeit ihre Memoranden zu verfassen. Der Richter bzw. im Fall Kampfmann die Richterin, muss dann ihr Urteil fällen, was erfahrungsgemäß mindestens wieder drei bis vier Monate in Anspruch nehmen wird, bevor das Urteil tatsächlich gesprochen wird.

Und das Urteil kam – mit aller Härte der Ungerechtigkeit für den unschuldig inhaftierten Anton Josef Kampfmann. Am 29. Oktober 2015 wurde Kampfmann auf den Philippinen des Doppelmordes für schuldig gesprochen und zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Ein Anklagepunkt war von Mord auf Totschlag herabgestuft worden. Für die Anklagepunkte des illegalen Waffenbesitzes und des versuchten Mordes hingegen gab es einen Freispruch.

Ein irrwitziges, widersprüchliches und nicht gerechtfertigtes Urteil – darin waren sich Rechtsanwälte, Prozessbeobachter und sogar ehemalige philippinische Richter einig. Sie alle sagten, dass es eigentlich nichts anderes als einen Freispruch hätte geben müssen. Ein Schock vor allem auch für den Inhaftierten selbst.

Kampfmann im zweiten Jahr nach dem vernichtenden Urteil

Vision: Toni auf Missionstour in Deutschland.
Vision: Toni auf Missionstour in Deutschland.
Wie mir bereits im November 2015 ein Freund von Toni Kampfmann mitteilte, nahm er schon im Folgemonat des vernichtenden Urteils, dass nach Einschätzung von Kennern mindestens 30 Jahre bedeutet. seine Zukunft gelassen. Er hat seinen Gegnern und Peinigern, die ihn vor über 10 Jahren fast zu Tode gefoltert hatten, vergeben.

Wie kann so etwas Großmütiges zustande kommen? Auch habe er dabei Ruhe und inneren Frieden gewonnen. Wir wissen nicht, ob es ein besonderes Erlebnis war, dass Toni zum Glauben verhalf, oder ob es eine Überlegung aus der Verzweiflung heraus war. Auf jeden Fall ist er heute, gut zwei Jahre danach, in all seinen Gedanken voll auf den christlichen Glauben und vor allem auf Jesus fixiert. Das zeichnet sich deutlich in seinen monatlichen Rundbriefen und seinen Zeichnungen ab.

Textlich schreibt Toni seine Rundbriefe, die ein Freund an einen Kreis Nahestehender versendet, nüchtern und sachlich. Anders erscheinen da schon etwas seine Zeichnungen, die er den Rundbriefen anfügt. Es handelt sich dabei überwiegend um fiktive Episoden mit Jesus, die einen Dialog zwischen Jesus und Toni darstellen. Auf fast allen ist das „Tiny Haus“ (Abb. oben) zu sehen. Dabei handelt es sich um eine Art von kleinem Wohnmobil, mit dem Toni durch die Lande zieht und Kontakt zu Jesus hat. Es ist zugleich eine Zukunftsvision an die sich Toni klammert. Mit so einem Gefährt will er nach seiner Freilassung durch Deutschland fahren (Abb. unten), predigen und Taufen – genauso, wie Johannes der Täufer – sinnierte Toni in seinem April-Rundschreiben 2017.

Flucht aus der philippinischen Hölle in eine Scheinwelt

Es hat den Anschein, als ob sich Toni in eine Phantasiewelt flüchtet um der philippinischen Korruptions- und Gefängnishölle zu entgehen. Nur mit dem Abschweifen der Gedanken in diese Phantasiewelt lässt sich auf Dauer der Zustand in philippinischen Gefängnissen ertragen. Und diese Scheinwelt, die für Toni Kampfmann zugleich seine eigene Zukunftsvision ist, hilft ihm offenbar auch seinen christlichen Glauben zu leben. Der gibt ihm ganz offensichtlich den Halt und die Kraft alles zu überstehen. Aber wie lange noch?

Immer noch hofft Toni darauf doch noch der Hölle entfliehen zu können und endlich seine Freiheit wieder zu erlangen. Solange diese Hoffnung besteht, solange darf Toni auch hoffen, dass seine Scheinwelt zumindest zum Teil Realität wird und er doch noch Gerechtigkeit erfährt. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt…

In der nächsten Folge lesen Sie wie es Toni in der Realität erging und was er sonst noch zu berichten hatte.

Bildnachweis:
  • Tonis Tiny Haus. Es kann nur aufwärts gehen.: Zeichnung: Anton Kampfmann (Unterliegt dem Urheberrecht.)
  • Vision: Toni auf Missionstour in Deutschland.: Zeichnung: Anton Kampfmann (Unterliegt dem Urheberrecht.)

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Schlüsselwörter: Manila | Knast | Jesus | Scheinwelt | Vision
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