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Sonstiges: Gesundheit

Krankenkassen machen Profit weil Versicherte Hilfsmittel teuer kaufen müssen

Kassen treiben mit ihren Praktiken die Armut zusätzlich voran

Gesundheitskarte der Krankenkasse.
Gesundheitskarte der Krankenkasse.
Als Beispiel nehmen wir hier einen jetzt aktuell real bekannt gewordenen Fall von Hilfsmittelgewährung bei Inkontinenz. Eine bekannte große deutsche Krankenkasse, die in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren mindestens fünfmal fusionierte (aus fünf mach eins) – zum Wohle und Vorteil der Versicherten, wie es hieß – kürzte ihre ursprüngliche finanzielle Zulage für Hilfsmittel zur Inkontinenz von 32,00 Euro über 31,00 Euro auf inzwischen nur noch 24,99 Euro.

Das Problem

Mit der sogenannten Inkontinenzpauschale sind die Betroffenen jedoch gezwungen die Hilfsmittel bei einem bestimmten Lieferanten zu beziehen, „der nach den Bestimmungen der gesetzlichen Krankenversicherung präqualifiziert ist“. Dies sind meistens Lieferanten, mit denen die Kassen einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen haben, der diese zum Alleinanbieter und damit Monopolisten macht. Es geht zumindest als Gerücht herum, dass die Kassen dabei eine satte Provision verdienen. Allenfalls Apotheken sind eventuell im Einzelfall noch zugelassen.

Diese „Kassen“-Lieferanten bieten die Artikel in der Regel zum vom Hersteller empfohlenen Verkaufspreis an, der allenfalls nur ganz geringfügig vom Verkaufspreis Ihrer Apotheke um die Ecke nach unten abweicht. Selbst Internet-Apotheken stehen da nicht zurück und es gibt sogar welche, die teurer als die Apotheken vor Ort sind.

Der Fall

Eine seit rund zwölf Jahren schwerbehinderte 62jährige Frau benötigt Inkontinenzmittel. Da sich die Inkontinenz vor allem während der Nacht auswirkt und sie am Tage in der Regel mit fremder Hilfe rechtzeitig zur Toilette gehen kann, trägt sie sogenannte Pants, auch als „Windelhöschen“ bekannt. Normale Windeln wären für die Toilettengänge völlig ungeeignet. Es kommt im Regelfall ein- bis maximal zweimal in der Woche vor, dass sie am Tag ein zweites Windelhöschen benötigt. Da die Pants am Abend noch völlig funktionsfähig sind, hält sie diese in der Nacht an.

Nun gibt es unzählige Hersteller solcher Pants. Die betroffene Frau probierte davon eine Vielzahl aus um die für sie idealste zu ermitteln. Schließlich war klar, dass nur die „T“-Pants in Frage kam, da die anderen entweder viel schlechter passten oder sie diese nicht vertrug und Ausschlag davon bekam. Nun sind die „T“-Pants (wie viele sagen) „der Mercedes unter den Pants“, was soviel bedeutet, dass sie nicht die billigsten sind.

Unglaubliche Preisunterschiede

In ihrer Hausapotheke, so berichtete der Ehemann, kostet in der benötigten Größe (L) und Stärke (super) ein 12er Päckchen 18,95 Euro. Wie die Apotheke bestätigte, liegt ihr eigener Einkaufspreis dafür bereits bei mehr als 15,00 Euro.

Es sind also durchschnittlich 3 Päckchen a. 12 Stück, die monatlich benötigt werden. Dafür gibt es von der Krankenkasse als Zuschuss die Inkontinenzpauschale in Höhe von 24,99 Euro. Davon die 18,95 Euro für das erste Päckchen abgezogen, verbleibt ein Zuschussrest in Höhe von gerade noch 6,04 Euro. Das bedeutet: Für das zweite Päckchen müssen noch 12,91 Euro an sogenannten Mehrwertkosten zugezahlt werden. Und wer nicht zuzahlungsbefreit ist, zahlt von den 24,99 Euro noch 2,50 Euro dazu und bekommt somit eigentlich nur noch lediglich 22,41 Euro Inkontinenzpauschale. Bei drei Päckchen Monatsbedarf heißt dies, dass die drei Päckchen trotz der Inkontinenzpauschale und der Zuzahlungsbefreiung immer noch 31,86 Euro kosten!

Preisgünstiger Interneteinkauf

Nun suchte der Ehemann über Amazon nach dem Produkt der „T“-Pants, um diese gegebenenfalls günstiger zu bekommen. Schon Anbieter mit Preisen von gut zwölf Euro schienen da sehr günstig zu sein. Doch dann kamen noch Angebote von 10,00 Euro und bei Abnahme von 2 Verpackungseinheiten (= 2 x 4 Päckchen) versandkostenfrei. Der Oberhammer lag bei auf den Cent genau 8,00 Euro pro Päckchen zuzüglich einer Versandpauschale von 4,88 Euro pro Lieferung.

Es wurden vom Ehemann hier zwei Verpackungseinheiten (= 8 Päckchen) bestellt, wofür er dann inklusive Versand 68,99 Euro bezahlt hat. Diese hätten in der Apotheke 101,62 Euro gekostet (schon nach Berücksichtigung des Abzuges einer zweimaligen Inkontinenzpauschale für zwei Monate.

Unflexible Paragraphenreiter

Der Ehemann der betroffenen Frau machte vor einiger Zeit eine Anfrage an die Krankenkasse, ob die Inkontinenzpauschale nicht für entsprechend günstigere Einkäufe direkt an die Betroffene ausgezahlt werden könne. Die Antwort kam jetzt nach mehr als zwei Monaten und war nicht nur vollkommen unflexibel, sondern man kam sich nach Aussagen des Ehemanns geradezu veräppelt (entschärfte Fassung des Originalbegriffes) vor.

Der Wunsch der Eheleute wäre mit einer 4seitigen „Zielvereinbarung nach § 4 Budgetverordnung (BudgetV)“ unter gewissen Bedingungen möglich. Diese hätten wieder (abgesehen vom Zeitaufwand) mit zusätzliche Kosten, alleine für den Versand der monatlichen Nachweise, zu Buche geschlagen. Zudem bestand die Kasse auch hier auf einen Lieferanten, „der nach den Bestimmungen der gesetzlichen Krankenversicherung präqualifiziert ist“.

In dem Schreiben heißt es auch. „Drogerien, Supermärkte und viele Internetanbieter erfüllen diese Voraussetzung nicht.“ Prima, dann bleibt ja sowieso alles beim Alten…

Der Ehemann sagte abschließend, auch im Auftrag seiner behinderten und betroffenen Ehefrau: „Vielen Dank für Eure Mühe, liebe Kasse, aber dieser Aufwand für die Antwort war unnötige Mühe, da es sich nicht, wie Ihr meintet, um einen Antrag gehandelt hat sondern, wie doch aus unserem Schreiben hervorging, nur um eine simple Frage, die mit zwei oder drei kurzen Sätzen schon beantwortet gewesen wäre.“

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Schlüsselwörter: Krankenkasse | Hilfsmittel | Inkontinenz | Pauschale | Preisunterschied
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