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Technik: Automobil

Das autonome Fahren und die Ethik

Wenn Computer über Leben und Tod entscheiden sollen

Demnächst im Stau die Zeitung lesen?
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Laut Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, der große Hoffnungen auf das autonome Auto der Zukunft setzt, gibt es seit Mittwoch, dem 21. Juni 2017 ein neues Gesetz das den gesetzlichen Rahmen für autonomes Fahren regelt. Doch ganz so, wie es auf den ersten Blick auf die Dobrindt-Aussage erscheinen mag, kann es logischer Weise nicht sein. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann alles nur ein erster Ansatz, eine erste Überlegung für ein entsprechendes Gesetz sein, denn die Technik ist noch gar nicht imstande wirklich das autonome Fahren der Zukunft zu präsentieren.

Das autonome Fahren - Eine Frage der Ethik?

Ein solches Gesetz wirft nicht zuletzt auch ethische Fragen auf. Doch solche Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Der frühere Verfassungsrichter Udo Di Fabio und ein gutes Dutzend weiterer Experten haben im Zusammenhang mit dem neuen Gesetz nun auch die ersten ethischen Grundsätze aufgestellt, die für das autonome Fahren gelten sollen und müssen.

Wenn das autonome Fahren im größeren Stil auf die Straße kommt, dann müssen die computergesteuerten Maschinen unter Umständen Entscheidungen treffen, die über Leben und Tod entscheiden. Die Kommission unter Di Fabio formulierte dazu einen Grundsatz, nachdem Sach- und Tierschäden vor Personenschäden gehen müssen. Das autonome Auto muss bei einem unausweichlichen Unfall lieber eine Laterne oder ein Reh umfahren statt eines Menschen. Soweit so gut. Was aber, wenn die Entscheidung nicht Sache/Mensch oder Tier/Mensch betrifft, sondern Mensch/Mensch? Nach der Ethikkommission unter Di Fabio darf der Computer dann nicht nach Alter, Geschlecht oder anderen Merkmalen entscheiden. Dazu sagt Di Fabio: „Die alte Frau mit dem Rollator oder die Kindergruppe – wen muss man jetzt bevorzugt niederfahren? Ein solches Szenario ist ausgeschlossen.“

Entscheidet demnächst ein Zufallsgenerator über Leben und Tod?

Jeder Mensch ist gleichwertig meint die Ethikkommission zu Recht. Aber wie soll dann die Entscheidung im genannten Beispiel ausfallen? Soll das autonome Auto die einzelne alte Frau mit dem Rollator umfahren oder soll es stattdessen in eine ganze Kindergruppe rasen? Doch wie entscheidet dies der Computer, wenn er seine Entscheidung nicht auf menschliche Kriterien stützen darf? Entscheidet dann ein Zufallsgenerator? Ist die erforderliche Technik nicht schon längs die erste Stufe zur tatsächlichen künstlichen Intelligenz? Und entscheiden dann nicht eines Tages die Maschinen nur noch zu eigenen Gunsten?

Nach Di Fabio darf nicht der wirtschaftliche Nutzen beim autonomen Fahren an vorderster Stelle stehen sondern die Sicherheit. Damit seien die autonomen Systeme nur vertretbar, wenn sie die Sicherheit erhöhen. Dann aber sei es sogar geboten dass der Staat sie fördert. Allerdings sei eine vollständige Vernetzung der autonomen Autos untereinander bedenklich, wenn dabei die totale Überwachung und Manipulation nicht ausgeschlossen werden können. Und auf die Frage, wer bei einem Unfall haftet empfiehlt die Ethikkommission, dass der Autobesitzer nur dann haftet, wenn er selbst fährt. Übernimmt das System das Steuer, haftet der Produzent und Betreiber in voller Höhe…

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  • Demnächst im Stau die Zeitung lesen?: Foto: © Thommy Weiss / pixelio.de. (Verwendung: Redaktionelle Nutzung mit erweiterten Bearbeitungsrecht.)

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Schlüsselwörter: Verkehrsminister | Ethikkommission | Computerauto | computergesteuert | Autonomes Fahren
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