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Sonstiges: Kultur & Religion

Ehrentag für den treuen Phanthai Norasing

Ein Schrein in Samut Sakhon und seine Geschichte

Schrein in Samut Sakhon
Schrein in Samut Sakhon
In der Stadt Samut Sakhon, etwa 30 km westlich von Bangkok gelegen, gibt es den wenig bekannten Phanthai Norasing-Schrein. Mit diesem Schrein wird der bekannte Steuermann Phanthai Norasing geehrt, der in der Ayuthaya-Periode lebte und für seine Ehrlichkeit und Treue starb. Dieses Denkmal nennt man deshalb auch Schrein der Ehrbarkeit. Folgende Geschichte soll sich zugetragen haben:

Im Jahre 1704 besuchte König Phra Chao Sua (Sanphet VIII), den man wegen seiner Verwegenheit auch den Tigerkönig nannte, auf einem königlichen Boot die Stadt Sakhon Buri. Auf die Fahrt dorthin, musste der kurvenreiche Klong Khok Kham (Khok Kham-Kanal) befahren werden. Ruderer bewegten das Boot dem schnell fließenden Kanal, und das Steuerruder wurde von dem Steuermann Norasing am Heck des Bootes bedient. In der Nähe des Dorfes Khok Kham wurden die Kurven immer enger und auch das Wasser floss stärker an dieser Stelle, so das der Steuermann mit dem Steuerruder schnell reagieren musste, wenn eine neue Biegung kam. Trotz seiner Aufmerksamkeit konnte der Steuermann Norasing es nicht verhindern, das hinter einer unübersichtlichen Biegung ein tief hängender dicker Ast den vorderen Bug des Bootes beschädigte.

Die Schnitzerei am Bug des Bootes zersplitterte, brach ab und fiel im Kanal. Als der Steuermann das Bersten des Holzes hörte und das zersplitterte Haupt des Bootes sah, erschrak er stark. Sofort steuerte er das Boot am Ufer, sprang von seinem Sitz und warf sich auf dem Boden nieder. Er schaute seine König im Boot an und sprach laut zu ihm:

"Mein König, ich bitte Dich hier an dieser Stelle einen Schrein errichten zu lassen, damit ihn jeder sehen kann. Wenn Du mir den Kopf abschlagen lässt, dann bitte ich Dich nur, meinen Kopf und den geborstenen Bug deines Schiffes in dem Schrein reinzustellen."

Denn nach einer königlichen Anordnung wurde derjenige mit dem Tode bestraft, der eine Beschädigung eines königlichen Bootes zu verantworten hat. Doch der König wusste, das es nicht die Schuld des Steuermannes war, sondern es an den Konstruktionsmängel des Kanals lag, das man das Boot so schwer steuern konnte.

So entgegnete der große König: "Steh auf Steuermann Norasing und komme zurück ins Boot. Du ersehnst die Todesstrafe, aber ich erlasse sie dir und bestrafe dich nicht. Der Bug ist zwar durch Deine Schuld zerbrochen, doch lasse ich ihn wieder neu schnitzen. Komm also wieder ins Boot, habe keine Furcht mehr und lass uns weiter fahren".

Abbildung Phanthai Norasing
Abbildung Phanthai Norasing
Doch Norasing antwortete: "Was Du mir aus Mitleid sagst, mein König, und das Du mich ohne Strafe wieder in dein Boot aufnimmst, das ist eine grosse Begnadigung für mich. Doch würdest du mich begnadigen, dann würden die königliche Anordnung verletzt werden. Das wäre aber nicht richtig mein König, würden wegen mir und meiner Schuld so ein ehrwürdiges Gesetz so missachtet. Wenn es die Menschen hören, dann würden sie über dich lachen oder dich sogar verachten. Doch das darf nicht sein, mein König, deshalb kümmere dich nicht um mich, sondern folge deiner königlichen Pflicht. Schon lange gibt es das ehrwürdige Gesetz, das auch besagt, wenn der Steuermann des königlichen Bootes das Haupt des Schiffes schuldhaft beschädigt, so soll dieser dann die Todesstrafe erleiden und sein Kopf soll abgeschlagen werden."

Als der aufgeregte Steuermann Norasing dies alles dem König vorgetragen hatte, bekam der König viel Mitgefühl für seinen Steuermann, war er doch einer der treuesten und besten Beamten die er hatte. So befahl er den anderen Ruderern und Beamten, die mit im Boot fuhren, aus Tonerde ein Abbild des Steuermanns Norasing zu formen. Als es fertig war, ließ er der Tonfigur den Kopf abschlagen und sprach zu Norasing:

"Siehe hin, treuer Norasing, das ist deine Strafe gewesen, nun bist du tot! Diese Figur habe ich an deiner Stelle gerichtet, den du bist ein guter und treuer Untertan, den ich nicht verlieren möchte. Deshalb brauchst du nicht mehr zu sterben. Komm jetzt ins Boot zurück und wir fahren alle zusammen weiter."

Als der Steuermann den abgeschlagenen Kopf der Tonfigur betrachtete und die Worte des Königs hörte, schämte er sich noch mehr vor dem König und all den anderen, denn er war jetzt der Anlass dafür, das der König für ihn das alte ehrwürdige Gesetz nicht beachtete. Er befürchtete jetzt sogar, wenn das bekannt wird, das alle Leute in seiner Stadt den König sogar beleidigen würden. Das ist es, so dachte er, besser dem Gesetz zu folgen und das Leben dafür hinzugeben. Norasing dachte nur daran, das er seinem König in keiner Weise schädigen wollte.

So warf er sich erneut zu Boden und flehte den König an: "Habt doch Erbarmen, mein König, dein Mitleid ist eine grosse Fürsprache für mich gewesen, aber als du befahlst, der Tonfigur den Kopf abzuschlagen, so geschah es jedoch nicht aus Ernsthaftigkeit. Man wird dir deshalb Vorwürfe machen, weil du der Tonfigur den Kopf abgeschlagen hast und nicht mir."

"Ich bitte dich also nochmals, mein König, bestrafe mich nach dem alten Gesetz und lasse mir den Kopf abschlagen, so wie ich es verdient habe. Meine Kinder und meine Frau vertraue ich deiner Gnade an. So möchte ich nun Abschied nehmen, um ehrenvoll zu sterben gemäß dem Gesetz."

Der König wurde wütend über das Sinnen, das er gerichtet werden will. Lange saß er da und überlegte was er antworten könnte. Mit Norasing verbinden ihn viele gute Erinnerungen. Für ihn war Norasing mehr als nur ein treuer Beamter. Vieles hatten sie gemeinsam erlebt, er war einer seiner ersten Diener, sie kannten sich schon lange Zeit und Norasing hat seinem König immer loyal gedient. Er schickte seine Gefolgschaft weiter weg und versuchte nun, alleine auf Norasing einzureden, ihn zu besinnen und zum Leben zu überreden.

Als sie alleine waren, wurde der König verzweifelt und konnte seine Tränen nicht mehr zurück halten. Norasing kniete vor dem König und weinte ebenfalls, das er seinem geliebten König diese Bürde gab. Der König versuchte ein letztes Mal Norasing zum Einlenken zu bewegen, doch Norasing blieb bei seinem Vorhaben, das Gesetz einhalten und sterben zu wollen. So musste der König traurig sich dem Wunsch Norasings und dem alten Gesetz folgen und seinen geliebten Steuermann den Kopf von einem Scharfrichter abschlagen. Dann erfüllte er den letzten Wunsch seines Steuermanns und er ließ an dieser Stelle einen Schrein errichten, wo sein Kopf zusammen mit dem abgebrochenen Haupt des Bootes ausgestellt wurde, so das er jedermann sehen konnte.

Auch ließ der König im Gedenken von Phanthai Norasing, einen neuen Kanal graben, um die scharfen Kurven von Klong Khok Kham zu beseitigen. Der neue Kanal wurde von seinem Sohn du Thronnachfolger, König Thaisra fertiggestellt und bekam den Namen Klong Mahachai. An dieser Stelle hatte der treue Steuermann Norasing sein Leben geopfert, um das königliche Gesetz ehrlich zu pflegen. Das machte Norasing so berühmt, dass sein Name heute noch in aller Munde ist. Ehrentag für den treuen Phanthai Norasing

Die Geschichte des Phanthai Norasing ist jedem im Ort bekannt, und er wurde ein Symbol für Loyalität. Jedes Jahr, im dritten Mondmonat, wird der Geist des treuen Phanthai Norasing, der im errichteten Schrein als Phra Phum (Hausgeist) wohnt, von den Einwohnern Samut Sakhon in einer feierlichen Zeremonie geehrt. Bei dieser lokalen Feierlichkeit, die man Prapaynee Buang Suang Pantai Norasingh nennt, versammeln sich viele Einwohner vor dem errichteten Schrein, und man betet gemeinsam mit einem anwesendem Mönch.

Danach folgt der wichtigste Teil der Zeremonie, die symbolische Darreichung der Opfergaben für den Geist von Phanthai Norasing. Geopfert werden Speisen, die ein Phra Phum, ein Hausgeist, gerne bevorzugt. So ganze Schweineköpfe, ganze Hühner und Enten, Kokosnüsse, Bananen und Süßigkeiten sowie Wasser als Getränk dargereicht. Auch werden zahlreiche Kerzen und Rauchstäbchen entzündet und man ehrt bei jeder Darreichung den Schrein mit einem respektvollen Wai. Mit vielen duftenden Blumengirlanden schmückt man den Schrein.

Nach der Zeremonie essen die Anwesenden zusammen. Die Bewohner sagen zu dieser Zeremonie, das sich die Einwohner sehr gerne an ihren lokalen Helden erinnern. Auch sollte er weiterhin ein Vorbild für die Jugend sein, um die Werte Loyalität und Rechtschaffenheit des Phanthai Norasing nachzudenken.

Bildnachweis:
  • Abbildung Phanthai Norasing: Archiv: Wilfried Stevens
  • Schrein in Samut Sakhon: Archiv: Wilfried Stevens

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Schlüsselwörter: Phanthai Norasing | Thailand | Ehrentag | Samut Sakhon | Geschichte Thailands
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