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Wirtschaft & Finanzen: Deutschland

Spargelzeit - Ausbeutung von Erntehelfer nimmt zu !

Skrupellose und geldgierige Betriebe werden nicht betraft.

Wissen Sie was ein Agrarökonom ist, ein neues fachmännisches Zauberwort unserer Mediensprache, das sind Bauern, Kleinbauern und immer mehr Firmen, die Landflächen pachten, um landwirtschaftliche Produkte saisonbedingt abzubauen. In der jetzigen Zeit werden wieder einmal riesige Erdbeer- und Spargelfelder bewirtschaftet, um daraus ein lukratives Geschäft zu machen. Nur wird meistens nicht bedacht, das im Grunde die durchschnittlichen Verkaufs-Preise für Erdbeeren und Spargel um rund 50% höher liegen müssten, würden die fleißigen Erntehelfer menschenwürdig bezahlt werden und aus dem deutschen Arbeitsmarkt kommen. 2017 liegt der durchschnittliche Spargelpreis, je nach Sorte, bei 8 - 10 Euro pro Kilo. Dies ist ein vertretbarer und gerechter Preis, die Gewinnspanne ist hoch genug, weshalb jene Betriebe, die Erntehelfer mit sehr schlechter Bezahlung saisonbedingt einstellen, bestraft werden müssten. Mitschuld habe auch jene Verbraucher, wenn diese immer wieder günstig einkaufen wollen ! Weiterhin haben auch die großen Discounter eine Mitschuld an die Ausbeutung von Erntehelfer, weil sie die Preise drücken ! Für das Jahr 2017 rechnete man mit einem Mindestbedarf von 300.000 ausländischen Hilfskräften für die Obst- und Spargelernten.

Dabei müsste die Logik sein, wenn ein Betrieb, der Landflächen pachtet, keine gerechten Löhne bezahlen will, um in der kurzen Saison viel Gewinn zu machen, dann sollte denen gar keine Landflächen zukommen dürfen. Das schnelle Geld auf den Rücken von Billigarbeitskräften muss bestraft werden. Und wenn ein Verbraucher sich keine Spargel für 8 - 10 Euro leisten kann, dann eben nicht, so ist das auch bei anderen Produkten wie z.B. hochwertigen Pilzen.

Es ist halbherzig und schamlos, wenn sich in diesen Monaten Erdbeer- und Spargelbauern beklagen, keine oder zu wenige deutschen Erntehelfer zu finden, die für Dumpinglöhne arbeiten können, und müssten dann, beklagenswerter weise, auf Erntehelfer aus Rumänien, Polen und anderen osteuropäischen Arbeitskräften zurück greifen. Auch beklagen die Betriebe, das der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro gezahlt werden müsste.

Das es auch anders geht, verriet mir ein großer Hof in Nähe von Berlin. Dieser stellt nur vom deutschen regionalen Arbeitsmarkt ein, zahlt 10 Euro die Stunde per Zeitvertrag und reguliert die tägliche Arbeitszeit auf maximal 4-5 Stunden. Weil die Arbeit körperlich sehr anstrengend ist, werden die Arbeitnehmer in zwei Schichten, wechselhaft, eingesetzt, ohne Überstunden. Der Gewinn ist immer noch hoch und zufriedenstellend genug, um auf einen Mehrgewinn von etwa 20 % durch Billigsarbeitskräften verzichten zu können. Eine kurzweilige saisonbedingte Gewinnspanne durch Ausbeutung von Arbeitnehmern einzukalkulieren, auch über Arbeitsvermittler, hält dieser ehrliche Betrieb für das Hauptproblem des deutschen Arbeitslosenmarktes.

Die Erntehelfer arbeiten grundsätzlich in Akkord und meistens 10 Stunden am Tag, wobei Überstunden nicht bezahlt werden. Viele wohnen für einige Zeit, mehr schlecht als recht, auf einen Hof und müssen oft dafür auch noch bezahlen. Dabei gibt es immer wieder Fälle von Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung und Dumping-Stundenlöhne von nur 4-5 Euro, abzüglich der Unterkunftskosten. Negativ sind auch Vermittlungsfirmen in osteuropäischen Ländern, die einen großen Teil des Arbeitsmarktes für Erntehelfer kontrollieren. Solche Umstände werden von vielen Betrieben toleriert, schließlich ist der Gewinn maßgeblich. Und das solche Betriebe wie auch viele andere Arbeitgeber, z.B. das Monstrum Fleischwirtschaft, auch aus anderen Branchen Flüchtlinge als billige Arbeitsware begrüssen, ist eine Fratze des gierigen Kapitalismus und das 3-Affen-Prinzip der scheinheiligen Politik.

Die Schamlosigkeit und Geldgier mancher Betriebe, das Wegschauen der Politik, die systematische Ausbeutung von Arbeitnehmern durch Firmen, die Preisdrückerei von großen Discountern und das schon krankhafte Verbraucherverlangen nach billiger Ware ist die Kombination solch einer total verfehlten und falsch strukturierten Marktwirtschaft ! Ob Erntehelfer, Saisonarbeiter auf Baustellen oder in der Fleischindustrie, sowie die Kaltschnäuzigkeit von Arbeitgebern und Saison-Pächtern, sie bereichern sich durch das Prinzip Gier.

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Schlüsselwörter: Erntehelfer | Saisonarbeiter | billige Arbeitskräfte | Ausbeutung | Kapitalismus
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