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Wissenschaft: Sonstiges

Die Mistel - Pflanze der Heiler und Zauberer

Ihre Bedeutung von der Antike bis zum Mittelalter II

Misteln im Baum - Düsseldorf 2017
Misteln im Baum - Düsseldorf 2017
Bei meinen Recherchen zu Alchemie, Magie und Zauberei, fand ich auch immer wieder Hinweise über besondere Pflanzenarten, die von der Antike bis zum Mittelalter eine große Bedeutung für allerlei Rezepturen hatten. Dazu schrieb ich bereits den Beitrag Die Dachwurz - Blitzableiter, Heilpflanze und Zaubermittel zugleich. Noch weitaus bedeutender schien die Mistel-Pflanze gewesen zu sein, die schon bei den alten Ägypter, Sumerer und Griechen einen hohen medizinischen Stellenwert hatte. Die Mistel-Pflanze ist eine parasitische Blütenpflanze (auch Halbschmarotzer genannt), die sich meistens einen Baum als Wirtpflanze aussucht, um dann, mit Hilfe spezieller Saugorgane (Haustorien), dem Baum Nährsalze und Wasser zum Überleben zu entziehen. Auf Bäumen erkennt man sie oft als einzelne Büschel. Schon in der Antike vermutete man in der Mistel eine geheimnisvolle Pflanze, weil sie wie von selbst in den Bäumen wuchs und überlebte, obwohl sie eigentlich nicht zum Baum gehörte. Solch eine besondere Pflanze musste einfach über magische Kräfte bzw. Heileigenschaften verfügen. Es wurde nachgewiesen, das seit Jahrtausenden die Mistel-Pflanze für allerlei heilende Wirkungen eingesetzt wurde, so bei Arteriosklerose, erhöhten Blutdruck, Herzschwäche, Arteriosklerose, Verdauung- und Stoffwechselstörungen, gegen rheumatische- und Wechseljahresbeschwerden, Entzündungen, Eitrige Wunden und Geschwüre, Hauterkrankungen und noch einiges mehr. So ist es auch nicht verwunderlich, das die Mistel nicht nur wichtiger Bestandteil für Heilmittel verschiedenster Art war, sondern sogar für Zaubertränke. Es gibt viele Legenden, Mythen und allerlei Erzählungen über diese besondere Pflanze, mit der sich, neben Ärzten, auch Götter, Priester, Druiden, Mönche, Heiler, Schamanen, Alchemisten und Zauberer, aber auch Scharlatane intensiv beschäftigten. Dieser Beitrag ist nur ein kurzer Auszug meiner Recherchen.

Alte Götter und die Aeneas-Erzählung

Schon die alten Götter in der griechischen Mythologie sollen die Mistel auch wegen ihrer narkotisch-psychoaktiven Eigenschaften gekannt haben. Am bekanntesten dazu ist die Aeneas-Erzählung (auch Aineias oder Äneas). Aeneas soll ein trojanischer Prinz gewesen sein, der während der Schlacht um Troja schwer verwundet wurde. Der Gott Apollon (u.a. Gott der Heilung) soll ihn bei der Flucht geholfen haben, indem er ihn und seine Familie zuerst in einem Schutznebel (Unsichtbarkeit?) verbarg, das sie keiner sah, und anschließend sie zur Zitadelle des Pergamon, südlich von Troja, versetzte (Teleportation?). Dies erzürnte die Göttin Hera, die unerbittlich den Prinzen verfolgte, denn im Trojanischen Krieg unterstützen auch die Götter die unterschiedlichen Kriegsparteien. Nach seiner Genesung soll es eine Weissagung eines Orakels gegeben haben, das Aeneas den Hades aufsuchen musste, wobei jeder wusste, das niemand aus dem Hades wieder entkommen kann. Denn es gab dort den Atem der Unterwelt, der jedem den klaren Verstand nahm wieder weggehen zu wollen, und Illusionen erzeugte, sich nicht mehr im Labyrinth des Hades zurechtfinden zu können. Doch Gott Apollon soll ihm einen goldenen Zweig (Zauberrute) aus magischen Misteln gegeben haben, damit er wieder in die Welt der Lebenden zurückkehren konnte. Eine narkotisch-psychoaktive Eigenschaft der Pflanze schien die Wirkung des Atems der Unterwelt zu neutralisieren. Heute weiß man, das eine psychotrope Substanz z.B. das Bewusstsein anregen kann, angstlösend wirkt, aber auch die geistige und körperliche Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit steigern kann. Nach einer anderen alten Legende soll Asklepios, der griechische Gott der Heilkunst, sogar eine Verjüngungs-Salbe hergestellt haben, die jede alte Haut binnen weniger Tage um ein Kindesalter (mehrere Jahre?) verjüngt.

Mistel im alten Ägypten, Mesopotamien und Griechenland

Der Legende nach soll der berühmte Hohepriester Imhotep (etwa 2700 v. Chr) der Begründer der altägyptischen Medizin gewesen sein. Man fand einige Rezepturen, worin auch die Mistel als wichtiger Teil der altägyptischen Medizin vorkommt. Berühmt ist z.B. der Papyrus Ebers, ein medizinischer Papyrus, der bereits in der Regierungszeit von Ahmose I. (1560 v. Chr. - 1525 v. Chr.) bekannt und vermutlich eine Abschrift einer älteren Vorlage war. Es ist nachweisbar, das bereits im Alten Reich (ca. 2686–2160 v. Chr.) sich die Ägypter mit Krankheiten und deren Symptomen und Diagnosen beschäftigten, sowie deren Behandlungen und Zubereitung von Heilmitteln. Ob Darm-Erkrankungen und Parasiten, Augen- und Hautprobleme, Verbrennungen, Zahnerkrankungen oder gynäkologische Erkrankungen, sie waren ebenso schon bekannt wie auch die operative Behandlung von Abszessen und Tumoren und das Richten von Knochen. Es gab sowohl Ärzte als auch Priester, und sogar Personen in beiden Funktionen, die bei Krankheiten jeder Art halfen. Um den Heilerfolg zu begünstigen, gab es auch zur Unterstützung allerlei Zaubersprüche (Beschwörungsformeln). Die Heileigenschaften der Mistel-Pflanze wurden weiterhin zur Beruhigung des Kreislaufes, gegen Fieber und Kopfschmerzen, Ödeme, Verstopfung, Entzündungen und Menstruationsbeschwerden eingesetzt. Ebenso hatte die Ägypter eine Art Inhaliergerät, bestehend aus heißen Steinen, einem Gefäß mit heißem Wasser und einem Schilfrohr, das an Mund und Nase gehalten werden musste. Damit behandelte man z.B. Husten, wobei die Mistel-Pflanze, als Teil einer Rezeptur, krampflösend gewirkt habe. Ähnliche Rezepturen fand man auch bei den alten Sumerern, in Keilschriften des 3. vorchristlichen Jahrtausend, so das es sehr wahrscheinlich war, das es einen medizinischen Austausch zwischen Ägypten und Mesopotamien gegeben haben muss. Die medizinischen Kenntnisse beider Kulturen waren ihrer Zeit weit voraus und gleichermaßen fortgeschritten, und ebenso spielte in deren Medizin auch der Götterglaube, die Anwendung von Beschwörungsformeln (Zaubersprüche) sowie Opfergaben ein große Rolle.

Die Bibliothek von Alexandria war wohl eine der größten und wichtigsten antiken Bibliotheken, und natürlich gab es hier auch eine große Abteilung nur für Heilkünste und Medizin. Das mag auch ein Grund gewesen sein, das die ersten Hof-Ärzte der griechischen Herrscher noch ägyptischen Ärzte waren. Die Altgriechische Medizin entwickelte das alte eigene Wissen weiter und gilt als Vorläufer der europäischen und persischen Heilkunst und Medizin, wo es wiederum weiter entwickelt wurde. Der Mistel-Pflanze wurde auch hier nachweislich als wichtiger Bestandteil in der Heilkunde erwähnt, und gleichermaßen wie schon im Alten Ägypten und Mesopotamien eingesetzt. Vom berühmten Arzt Demokedes (etwa 550 bis 460 v. Chr) wird behauptet, das er eine Rezeptur entwickelte, worin Mistel-Pflanze als wichtiger Hauptbestandteil genannt wurde. Dadurch soll er das Leben der Königin Atossa gerettet haben, die vermutlich an einer schweren bakteriellen Entzündung (Mastitis) litt, und von allen anderen Ärzten bereits aufgegeben wurde. Das frühe Wissen ist erstaunlich, denn heutzutage wird bei möglichen Therapie für chronische Bakterien- und Viruserkrankungen auch die Wirksamkeit der Mistel-Pflanze genannt. Hippokrates von Kos (460–370 v. Chr.), der sogar gilt als Begründer der Medizin als Wissenschaft gilt, soll bemerkt haben: Nur der wahre Mediziner kennt die großen heilenden Wirksamkeiten ihrer Blüten, der jungen und alten Blätter und die der Zweige. Es reinigt und heilt den kranken Körper von Innen und Außen, stellt die Ordnung aller Körpersäfte wieder her und nimmt den Schmerz bei Operationen.

Von Druiden, Mönchen und Zauberer

Die meist weiß gekleideten Druiden gehörten zur geistigen Elite der keltischen Gesellschaft, und galten als Astrologen, Heiler, Priester, Weissager und Zauberer in einer Person. Viele Informationen über die Druiden stammte aus dem Römischen Reich, und es ist bekannt, das sie bis zum Beginn des Mittelalters noch in vielen Teilen Europas aktiv waren. Ab etwa dem 7.Jahrhundert wurden aus vielen Druiden dann Heiler, Magier und Zauberer, aus der Druidenkunst wurde Magie und Zauberei, und nicht wenige ließen sich bekehren und wurden Mönche. Das große Druiden-Wissen über allerlei Heil-Kräuter, Heil-Pflanzen und Rezepturen wurde so ins Mittelalter getragen, und dort gepflegt und weiter entwickelt. Dabei spielte bei den Druiden schon die Mistel-Pflanze eine bedeutende Rolle, manche behaupten sogar, das sie als heilige Pflanze verehrt wurde. Deshalb durfte sie zur Zeit der Kelten, nur von Druiden verwendet werden. Diese machten daraus ein heiliges Ritual, das nur zur bestimmten Mond-Zeiten (nach Vollmond) und mit vorherigem Tieropfer, die Mistel nur mit einer besonderen Sichel abgeschnitten werden durfte. Dabei wurde sie auf ein weißes Tuch aufgefangen und durfte nicht auf den Boden fallen. Um sich gegen böse Geister zu schützen, brachten die Druiden die Mistelzweige als Schutz über der Haustür an. Manche denken vielleicht wie ich an den Druiden Miraculix, der bei Asterix und Obelix einen Unbesiegbar-Zaubertrank brauen konnte. Ganz abwegig scheint es nicht zu sein, den Gaius Iulius Caesar (100 v. Chr. - 44 v. Chr.) soll schon berichtet haben, das die Gallier einen Druidentrank einnahmen, der sie todesmutig und nicht müde werdend ließ, so das er auch die Druiden bekämpfen musste. Das erinnert an die Aeneas-Erzählung und die Wirkung der Mistel-Pflanze. Plinius der Ältere (23/24 - 79) behauptete, das die Druiden einen (Zauber-) Trank aus Mistelblüten kannten, das das Blut kochen ließ, und ein Krieger trotz Verwundung ohne Schmerz weiter kämpfen konnte.

Im Mittelalter wurde die Mistel-Pflanze besonders von Nonnen und Mönchen wieder als Heilpflanze wahr genommen, und in allerlei Heiltränken mitverarbeitet. Dies war aber nicht selbstverständlich, denn nach dem Niedergang des Römische Reiches ging das alte Wissen, auch das der Antike, weitgehend in Vergessenheit. Ob im Adel oder beim Volke, der Aberglaube, das Pflanzen wieder schwer Erkrankte, die von "Ärzten" aufgegeben wurden, wieder gesund machen können, wurde oft als Wunder, aber meisten doch eher als Werk von Dämonen und Teufel angesehen, so das hier, unwissend, unaufgeklärt und naiv, der Begriff Zaubertrank oder Teufels-Tränke im Munde stand. Dazu kamen die Umstände, das die Kirche gegen Aufklärung war. Es begann ab dem 6.-7. Jahrhundert die Epoche der Klostermedizin und es ist Nonnen und Mönchen zu verdanken, das sie das Wissen der Antike nutzten, um die alte und eine neue Heilpflanzenkunde wieder im Einklang mit Kirche und Äbte einzuführen. Auch hier nahm die Mistel-Pflanze wieder einen hohen Stellenwert ein, und nach und nach wurden wieder die antiken Erkenntnisse der Mistel-Pflanze wiederbelebt. Die Verfolgung von kräuterkundigen Frauen, auch Hexen genannt, von falschen Heilern und solche, die dem alten Druidentum noch folgten, bleibt ein dunkles Kapitel dieser Zeit. Der Brauch, das Mistelzweige über der Haustür als "hexenabwehrend" galten, stammt aus dieser düsteren Zeit. Ebenso der Glaube, das Hexenbesen nur mit Mistelzweigen fliegen konnten, und brennende Mistelzweige alles Böse aus Ställe ausräuchern konnten. Auch trug man eine um den Hals getragene und in Silber eingefasste Mistelbeere, was Glück versprach, aber auch jeden Verhexungszauber abwehren konnte.

Mit der neuen Ära der Alchemie und der Zauberei zwischen dem 12. und 13.Jahrhundert, wurde auch die Mistel als Allheilmittel und geheime Zutat immer wieder genannt. Wenn man in Betracht zieht, welche Krankheiten bereits im Alten Ägypten und im Alten Griechenland als Selbstverständlichkeit geheilt oder gemindert werden konnten, dann ist es verständlich, das das unwissende Volk und wahrscheinlich auch unaufgeklärte Adelige im Mittelalter, es zunächst als Wunder oder Zaubertrank ansahen. In der Alchemie war das Druidenkraut oder Zauberkraut für universale Tinkturen und Salben, auch Allheilmittel genannt, unverzichtbar, die praktisch alles versprach, sogar die angezauberte Impotenz zu heilen. Ebenso soll es als Rauschmittel von Alchemisten verwendet worden sein, das zu Illusionen und Visionen geführt haben soll. Nach einer anderen Erzählung war es Bestandteil eines universellen Gegengiftes. Doch insgesamt bleibt es wohl ein Geheimnis, ob es außergewöhnliche Hexensalben oder Zaubertränke gegeben haben könnte, die mehr als nur heilen konnten.

Mistel-Präparate werden heutzutage, und dies ist weniger bekannt, auch bei der Behandlung von Krebsarten eingesetzt!

Siehe auch Beitrag über die Dachwurz:

http://www.online...ticle/5136

Bildnachweis:
  • Misteln im Baum - Düsseldorf 2017: Wilfried Stevens

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Schlüsselwörter: Mistel | Magie und Zauberei | Druiden | Götter | Pflanze
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