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Wissenschaft: Sonstiges

Die Glitzernde Kammer von Teotihuacan

Rätselhafte Gewölbe unter der Sonnenpyramide gefunden

Modellansicht - Metropole von Teotihuacan
Modellansicht - Metropole von Teotihuacan
Die alte Ruinen-Stadt Teotihuacan gehörte zu den ältesten, größten und komplexesten Städten der vor-kolumbianischen Zeit, in der bis zu 200.000, wenn nicht sogar 300.000 Menschen leben konnten. Rundherum lokalisierte man große Areale für Landwirtschaft mit raffinierten Bewässerungssysteme, die auch die Stadt mit Frischwasser versorgten sowie Rückschlüsse von Tierzucht. Das überragende Zentrum der Stadt bildet die gewaltige Sonnenpyramide, die, nach der Pyramide von Cholula im zentral-mexikanischen Bundesstaat Puebla, die zweitgrößte Pyramide des amerikanischen Kontinents ist. Mit einer Grundfläche von 222 mal 225 Metern, einer Höhe von rund 65 Metern sowie einem Volumen von etwa einer Million Kubikmetern ist sie nicht nur die drittgrößte Pyramide der Welt, sondern ebenbürtig mit Pyramiden in Ägypten. Internationale Fachleute sind sich einig, das diese Zivilisation hohe Kenntnisse in Mathematik, Geometrie, Astronomie, Landwirtschaft, Bewässerung und Architektur gehabt haben muss. Diese imposante antike Metropole liegt etwa 40 km nordöstlich von Mexiko-Stadt und gehört seit 1987 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Über die Erbauer weiß man so gut wie nichts, und nach Analysen von verschiedenen Fundstücken, soll Teotihuacan spätestens zwischen 650 – 750 n.Chr. verlassen worden sein, wobei manche Fachleute vermuten, das dies sogar schon einige Jahrhunderte früher gewesen sein könnte. Die Azteken berichteten den spanischen Chronisten, das schon ihre Vorväter die Stadt verlassen vorfanden, als sie begannen das Hochland von Mexiko zu besiedeln. Beeindruckt von der baulichen Größe und Perfektion vermuteten sie, das es wohl nur Götter oder Riesen errichtet haben könnten. Sie nannten den Ort Teotihuacan, was soviel bedeutet wie Wo man zu einem Gott wird. Als danach die überheblichen Spanier in das Land einbrachen, es ausplünderten, die meisten Einwohner in Kriegen und Sklavenarbeit töteten, hatten sie auch nichts anderes zu tun, als auch noch alle auffindbaren Schriften, Manuskripte, Steininschriften, Altäre und Götterstaturen weitgehend zu zerstören. Dies mag auch ihre Ohnmacht gewesen zu sein, das Teotihuacan bereits als vollkommene durchdachte Großstadt mit einer Fläche von mehr als 20 Quadratkilometern existierte, das allen europäischen Metropolen weit überlegen war, und das schon Jahrhunderte, bevor die Spanier den Boden Mexikos betraten. Die Archäologen fanden zwar einige Hinweise in alten spanischen Schriften aus jener Zeit, aber schriftliche und ähnliche Zeugnisse der Azteken und Mayas wurden im religiösen Wahnsinn nahezu vernichtet.

Bernardino de Sahagun und die seltsamen Schriften

Der spanische Ethnologe und Missionar Bernardino de Sahagun (1499 – 1590) dürfte einer der wenigen und wichtigsten Chronisten seiner Zeit gewesen sein, der über das Leben und Kultur der Azteken berichtete. Er durchreiste nicht nur die Länder der Azteken und Mayas, sondern lernte auch interessiert die Kultur und Sprache der Azteken. Dadurch wurde er zu seiner Zeit sogar Experte für aztekische Sprache und Kultur. Zu seinem Entsetzen hatte der fanatische Inquisitor und Erzbischof von Mexiko, Juan de Zumarraga, aber auch der Bischof Diego de Landa, angeordnet, das alle auffindbare Schriftstücke der Mayas zu verbrennen, und Tempel der Mayas und Azteken systematisch zu zerstören seien. Indianische Adelige und Priester wurden nicht selten auf den Scheiterhaufen verbrannt, wenn sie sich nicht zwanghaft zum Christentum bekehren lassen wollten oder nicht verrieten, wo noch Gold und Silber zu finden sei. Viele andere wurden ausgepeitscht, gefoltert oder zu Sklavenarbeit in Minen verdammt. Eingeschleppte Krankheiten, die bis dahin vollkommen unbekannt waren, rafften große Teile der Bevölkerung hin. Bernardino de Sahagun kritisierte zunehmend das brutale Vorgehen gegen die Einheimischen, die Zerstörung der sehr wertvollen Schriftstücke, der Kultur, der Tempel, und verurteilte bald auch die scheinheiligen Inquisition-Prozesse. Wegen seiner Hingabe zu der indianischen Kultur und seiner Kritik gegenüber dem Vorgehen der fanatischen Kirchenvertreter und Inquisitoren, wurde ihm ein sechsjähriger Prozess gemacht, um ihn dadurch kleinzukriegen und mundtot zu machen. Eine damalige übliche Methode.

Sein Werk Relacion de las cosas de Yucatan bleibt aber legendär. Das Original-Manuskript ist verschollen, aber es gab Abschriften. (Davon gibt es übrigens eine spanische Online-Version im Internet!) Vermutlich war es Bernardino de Sahagun nicht selber, der dies notierte, dennoch gibt es im Zusammenhang seiner Arbeiten in Mexiko einen interessanten Vermerk: Und so brachten mir Azteken Schriften, die wie ein Buch aussahen, dessen viele Seiten mit alten Lederschnüren zusammen gehalten wurden , aber im schlechten Zustand waren. Sie behaupteten, das ihre Priester es aus Teotihuacan vor der spanischen Kirche retteten. Diese Schriftstücke sind ganz anders wie ich sie bisher sah, der Rand jeder Seite mit kunstvollen Bildern wie die der Mayas, aber der Text voller seltsamer Buchstaben, die er zuvor noch nie gesehen hatte. Später bedauerte er oder der Schreiber es zutiefst, dieses rätselhafte Werk im Eifer der Geschehnisse gerettet haben zu können. Welche Buch oder zusammen gebundene Schriftstücke meinte er wohl ? Waren es Schriftstücke der Azteken oder, wahrscheinlicher, sogar eine gefundene Hinterlassenschaft der Erbauer von Teotihuacan ?

Spurensuche unter der Erde – das Projekt Tlalocan

Seit den 1950er Jahren werden wesentliche Ausgrabungen und Untersuchungen in Teotihuacan von dem mexikanische Nationale Institut für Geschichte und Anthropologie unternommen und begleitet. Man fertigte ein maßstabgetreues Modell der Stadt an und ist erstaunt, das die Stadtplaner schon vor so langer Zeit die gesamte Metropole auf einer festen Rasterordnung basierend und so exakt erbaut hatten. Man fand so u.a. viele Markierungskreise in den Stuckfußböden von Gebäuden. Eine unglaubliche Präzision entlang genau definierter Achsen zu bestimmten Himmelskörpern. Jedes Gebäude, jede Straße, jede Statue und jeder Stein ist Bestandteil einer sehr hochentwickelten Architektur und Mathematik. Bereits in früheren Jahren hatte man auch einige unterirdische Kammern und Tunnel entdeckt, doch die größte Überraschung fanden die Archäologen unter der großen Sonnenpyramide.

Als man 2003 unvermutet einen kaum sichtbaren und versiegelten kreisrunden Bodenschacht lokalisierte, denn man zunächst als einen normalen Brunnenschacht hielt, hätte noch keiner der Forscher gedacht, welche Sensation sich hier verbergen könnte. Als sich herausstellte, das es ein Zugang war, wurde zu diesem Zweck das Forschungs-Projekt Tlalocan zu Ehren des Wettergottes Tlaloc, unter der Leitung des mexikanischen Archäologen Sergio Gomez Chavez vom Nationalen Institut für Anthropologie und Geschichte (Nacional de Antropología e Historia, INAH), gegründet. Als man den Bodenschacht vom Schutt befreite, fanden sie am Ende einen zweiten horizontalen Schacht, der sich später als einen 138 Meter langen verlaufenden Tunnel in über 18 Meter Tiefe entpuppen würde. Ein mit Laser-Abtaster und Infrarotkamera ausgestatteter Roboter, den man in die Tunnel zur Erkundung schickte, lokalisierte, zur großen Freude der Forscher, drei bisher unbekannte Kammern unter der Pyramide. Der Roboter, der auf den Namen Tlaloc II-TC getauft wurde, ist auch mit einen Freiarm ausgerüstet, um mögliche Hindernisse beseitigen zu können. Solch ein versteckter Ort unter der Erde muss einen besonderen Zweck gedient haben oder war sogar ein bedeutendes zeremonielles Zentrum der Stadt. Wenn man in einer Kammer das unversehrte Grab eines einstigen Herrschers von Teotihuacan finden würde, so die anfängliche Begeisterung, wäre das eine Weltsensation, die mindestens genauso bedeutungsvoll wäre wie das gefundene Grab des Tutanchamun in Ägypten.

Als man nach etwa 120 Metern über die Kamera des Roboters eine Treppe lokalisierte, die vermutlich noch tiefer führte, wurde mit viel Aufwand der Tunnel und die Treppe vom Schutt befreit, das diese auch von den Arbeitern und Forschern betreten werden konnten. Und tatsächlich führte ein noch tieferer Tunnel am Ende in einer dreiarmigen rund 20 qm großen Kammer. Diese unterirdische Kammer liegt exakt im Mittelpunkt der Pyramide, würde man eine gerade von unten nach oben führen! Eine derartige genaue Berechnung unterstreicht ein exaktes Wissen, was sich die Archäologen noch nicht erklären können, wie es vollbracht wurde.

Verbarg sich in einer dieser Kammern doch noch ein Grab eines ehemaligen Herrschers oder Hohenpriesters?! Der Archäologe Sergio Gomez Chavez ist davon überzeugt, das hier vermutlich eine Art Unterwelt oder Totenwelt, ähnlich wie es auch die Ägypter und andere Völker pflegten, geschaffen wurde, auch weil die Lage einmalig ist und die ganze Konstruktion sehr komplex ist. Über 50.000 Fundstücke wie Töpferwaren, hölzerne Masken, die mit Kristallen, Jade und Quarz verzierte sind, Saatgut, Tierknochen, Statuen, Schmuck, Schatullen, Klingen und Werkzeuge aus Obsidian, Räuchergefäße sowie viele weitere Gegenstände wurden gemacht. Ein großes Rätsel bleibt der zahlenmäßig große Fund von Seeschnecken und Muscheln. Ebenso scheint erwiesen, das das ganze Kammern-System vermutlich einst ein alter Grundwassersee war, den man vielleicht trockenlegte. Vier intakte Wächter-Figuren, die genau vom Eingang in die 3 Kammern blickten, sind wohl die bedeutendsten Funde. Unter der Berücksichtigung wo genau diese Figuren gefunden und gestanden haben müssten, blickten alle Figuren exakt auf dem Mittelpunkt der Geraden, die exakt zum Mittelpunkt der Pyramide führen würde. Warum es vier Figuren es sind und was sie vermutlich darstellen, ist noch ungewiss. Ein Grab fanden sie leider nicht, und noch kann Sinn und Zweck der Kammern nicht eindeutig erklärt werden, aber es muss ein besonderer zeremonieller oder religiöser Ort für Priester und Adlige oder Herrscher gewesen sein muss. Es ist eine Sensation, das dieses unterirdische Labyrinth seit so langer Zeit noch unberührt war und keine Grabräuber eingedrungen waren. Auch kamen die Archäologen zu einer weiteren überraschenden Erkenntnis, das sämtliche Tunnel und Kammern systematisch mit Erde und Schutt gefüllt wurden und teilweise auch mit Süßwasser geflutet wurden. Der ganze unterirdische Bau wurde dadurch bewusst versiegelt und fast unsichtbar gemacht.

Das eine ganze Großstadt wie Teotihuacan vor der Aufgabe oder dem Verlassen auch noch von den Bewohnern so systematisch mit Erde, Schutt und Wasser versiegelt wurde, besonders im Bezug zu den unterirdischen Kammern, ist schon eine geschichtliche Besonderheit. Die Vielzahl der Fundstücke im unterirdischen Reich stützt die Theorie, das es sich um einen besonderen religiösen Ort gehandelt haben müsste, wo auch Opfergaben gemacht wurden. Am Ende wurden auch hier die Eingänge mit Schutt und Wasser gefüllt. Andere Fachleute stellen die zweite mögliche Theorie auf, als die Bewohner die Stadt aufgaben und verließen, das sie viele der Gegenstände in das unterirdische Kammern-System bewusst brachten, um diese für alle Zeit zu schützen.

Die Glitzernde Kammer von Teotihuacan

Hätten die Erbauer nicht schon genug Rätsel hinterlassen, man denke nur an die seltsamen Glimmern-Kammern, die 1983 entdeckt wurden, und wäre diese ausgegrabene unterirdische Anlage nicht schon der Jahrhundertfund des Tlalocan-Projektes, so fand man noch eine einmalige Besonderheit, die bisher nur in Teotihuacan entdeckt wurde. Auf die gesamte Decke und auf den Wänden wurde eine sonderbare und künstlich angebrachte Schicht, ähnlich wie Mörtel, entdeckt. Wird diese durch eine Fackel oder anderer Lichtquelle beleuchtet, so sieht man Tausende glitzernde Stellen. Als man die Substanz untersuchte, fand man heraus, das die Baumeister eine Art Mineralstaub-Mischung aus Magnetit, Pyrit (Katzengold) und Hämatit verwendeten. Dadurch entsteht der Effekt, wenn man diese unterirdische Welt betritt, das besonders das Deckengewölbe wie eine Art Sternenhimmel funkelt. Eine unterirdische mystische Welt. War das der Sinn und sollte dieser Effekt erzeugt werden ? Es konnte zunächst nur vermutet werden. Doch dann fand man noch mehr.

Unter all den Fundstücken befanden sich in den Kammern Hunderte von unscheinbaren Lehmkugeln, die einen Durchmesser zwischen 3 – 12 Zentimeter hatten, und alle mit einer gelblichen, fast goldigen Schicht ummantelt waren. Die mexikanischen Archäologen Sergio Gomez Chavez und Jorge Zaval waren sprachlos von diesem Fund und hatten zunächst keinerlei Erklärung, welche Zweck die kleinen gelben Kugeln überhaupt gehabt haben könnten. Solch einen rätselhaften Fund haben sie bisher noch nie gemacht. Die Analyse erbrachte, das der Kern der Kugeln aus natürlichen Lehm bestand und die gelbliche-goldige Schicht größtenteils aus dem Mineral Jarosit, auch als Gelbeisenerz bekannt, bestand. Jarosit ist durchsichtig bis durchscheinend und entwickelt gelbliche bis bräunliche Kristalle. Es entsteht durch die Oxidation von Pyrit bzw. durch Verwitterung aus Pyrit. Es gibt zwei Hypothesen, um Sinn und Zweck der seltsamen Kugeln zu deuten:

1. Diese Kugeln dienten nur zur Dekoration / Zierde von Decken und Wänden, was aber selbst von den Archäologen angezweifelt wird.

2. Weil es solch ein Vielfalt unterschiedlicher Größen der Kugeln gab, kann es nicht ausgeschlossen werden, das durch diese Kugeln ganze Sternen-Bilder oder sogar eine ganze Sternen-Karte dargestellt wurde! Eine Sterne-Karte an den Decken und Wänden, was für eine phantastische Vorstellung.

Fragen, die Fragen bleiben

Nach all den vorherigen Ausgrabungen und Erkenntnissen der bisherigen archäologischen Untersuchungen hatten die einstigen Bewohner und Herrscher die Stadt wohl bewusst verlassen, denn bevor sie das taten, haben sie systematisch ihre Stadt versiegelt, indem sie alle Eingänge und alle verborgenen Kammern absichtlich mit Erde, Schutt und Wasser auffüllten. An vielen Stellen fand man auch Brandspuren, doch könnten diese auch aus der Zeit der spanischen Verwüstung bzw. späterer Zeit stammen. Dadurch waren sämtliche Eingänge in der Metropole verschlossen und konnten nur mit sehr großem Aufwand wieder befreit werden. Und trotz aller Analysen und Fundstücke hinterließen die Erbauer viele Rätsel einer verlassenen und mythischen Metropole. Bis heute gibt es 3 wesentliche offene Fragen:

Welches Volk oder welche hohe Zivilisation hatte diese Metropole erbaut ?

Warum wurde die Stadt verlassen und so zeitaufwendig versiegelt ?

Welchen Zweck dienten die Glimmern-Kammern und die glitzernde Kammern ?

So wird dies sicherlich nicht die letzte Entdeckung gewesen sein, so das uns Teotihuacan für die gesamte Zivilisationsgeschichte noch lange beschäftigen wird...

Bildnachweis:
  • Modellansicht - Metropole von Teotihuacan: Foto: © wikipedia. (This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license)

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Schlüsselwörter: Teotihuacan | Pyramide | Goldene Kugeln | Mexiko | Unterirdische Kammern
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