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Sonstiges: Gesundheit

Werden Frauen vom Gesundheitssystem benachteiligt?

In einer Mitteilung des Institutes für Geschlechterforschung an der Berliner Charité vom 2.Juli 2008 (Wochenzeitung "Die Zeit") ist diese Frage bejaht worden. Das stimmt natürlich nicht. Und schon gar nicht kann sich die Bejahung auf "Das deutsche Gesundheitssystem" an sich beziehen.

Aus allen möglichen Krankheitsbildern und Arbeitsgebieten wurden ganz isoliert Herzinfarkt und Herztransplantation als Beispiele herausgegriffen. Beide sollen offenbar die Bejahung von Ungleichbehandlungen zwischen Frauen und Männern im deutschen Gesundheitssystem beweisen.

Nachfolgend sind zur kritischen Meinungsbildung des Lesers ein paar medizinische, wissenschaftlich gesicherte Tatsachen dargelegt. Zugleich soll der Meinung des eingangs genannten Institutes widersprochen werden.

Herzinfarkt

Er wird in der Bevölkerung immer noch als typische Männererkrankung verstanden. Das stimmt jedoch so nicht. Bei beiden Geschlechtern nimmt das Erkrankungsrisiko, einen Infarkt zu erleiden, mit dem Alter zu. Allerdings ist das prädisponierende Risikoprofil nicht für beide Geschlechter gleich. Es liegt in jeweils gleichen Altersgruppen bei Frauen deutlich niedriger als das der Männer. Daher erleiden Frauen später als Männer einen Infarkt, durchschnittlich sogar acht bis zehn Jahre später.

Aber, der Herzinfarkt ist die häufigste Todesursache bei Frauen, nicht so bei Männern. In Deutschland versterben mehr Frauen als Männer an einem Herzinfarkt. Ihre Sterberate liegt etwa doppelt so hoch wie die der Männer. Das wirft eine Vielzahl Fragen auf, die bislang nur unvollkommen beantwortet werden können. Insbesondere, inwieweit diese Unterschiede rein medizinisch oder vielleicht doch behandlungsorganisatorisch erklärbar sind.

Die klassischen Symptome eines Infarktes sind bei Frauen weniger deutlich ausgeprägt als bei Männern. Bei ihnen stehen eher atypische Symptome, vorwiegend vegetative Beschwerden, im Vordergrund. Man bezeichnet daher das weibliche Infarktgeschehen auch als "Eva-Infarkt".

Diese in etwa 40 Prozent der Fälle vorhandene, uncharakteristische weibliche Symptomatologie eines Infarktes hat jedoch zur Folge, daß das Krankheitsbild selbst von erfahrenen Ärzten anfänglich fehlgedeutet oder die Ernsthaftigkeit des Geschehens verkannt wird. Aus diesem Grunde werden Frauen häufig später als Männer der klinischen Diagnosesicherung und Behandlung zugeführt. Somit verstreicht wertvolle Zeit für das mögliche Überleben.

In der Schweiz wurde diese Zeitverzögerung (Frauen gegenüber Männern) mit durchschnittlich 80 Minuten errechnet (Radovanovic, D., Managed Care 7/8, 2005).

Und umgekehrt: bei nur etwa 32 Prozent aller Patientinnen, die unter dem Anfangsverdacht eines Infarktes klinisch aufgenommen worden waren, hatte sich die Diagnose Infarkt bestätigt.

Doch zurück zur Ausgangsfrage. Also, die tatsächlich vorhandenen biologischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern bestimmen ganz wesentlich das Krankheitsgeschehen. Bei Frauen ist die Diagnose letztlich schwieriger zu sichern als bei Männern; d.h., bei Frauen sind oftmals mehr differentialdiagnostische Überlegungen notwendig als bei Männern. Das kostet Zeit. Außerdem beeinflußt eine Vielzahl weiterer, bislang ungelöster medizinischer Spezialfragen die Lebensprognose von Infarktpatienten beider Geschlechter.

Das alles hat wohl kaum etwas mit Benachteiligungen von Frauen durch das deutsche Gesundheitssystem zu tun; eher Gegenteiliges ist der Fall. Der Meinung des oben genannten Institutes kann nicht zugestimmt werden.

Herztransplantation

Weit über 1.000 Menschen werden jährlich in Deutschland für eine Herztransplantation auf die Wartelisten gesetzt. Wesentlich weniger, geschätzt so um die 500, erhalten ein Spenderherz.

Die medizinischen Möglichkeiten der Organverpflanzung für einen bestimmten Patienten werden von hoch qualifizierten Gremien bewertet. Sie unterscheiden Hoch-, Mittel- und Niedrigrisikogruppen, insbesondere unter Beachtung des Sterberisikos während der Wartezeiten. Selbstverständlich werden Hochrisikopatienten bevorzugt. Etwa 75 Prozent aller Transplantierten sind männlich, zumeist zwischen 50 und 65 Jahren.

Voraussetzung für eine Auswahl ist u.a. wahrscheinliche Verbesserung von Lebenserwartung und Lebensqualität. Hiernach gehen fast alle jüngeren Betroffenen und auch mehr als 80 Prozent der über 55jährigen bereits nach etwa drei Monaten ihrer normalen beruflichen Tätigkeit nach.

Die Auswahlgremien richten sich nahezu ausschließlich nach medizinischen und ggf. nach sozialen Indikationen. Sie folgen keineswegs einer vielleicht politisch sogar gern gesehenen Geschlechter-Quotenregelung. Und keineswegs dürfen die sachlich-nüchternen statistischen Zahlenverhältnisse zwischen Frauen und Männern für politische Argumentationen im "Geschlechterkampf" mißbraucht werden.

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Schlüsselwörter: Gesundheitssystem | Frauen | Männer | Herzinfrakt | Herztransplantation
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Kommentare

Tepes
am 14.07.2008 18:25:59 (77.184.24.xxx) Link Kommentar melden
Schöner Artikel. Eine Benachteiligung von Frauen im deutschen Gesundheitssystem halte ich auch für eine politische Argumentation im Geschlechterkampf. Eine Benachteilgung gibt es aber unbestritten im deutschen Gesundheitssystem, dass ist die Benachteiligung gesetzlich Versicherter gegenüber den privat Versicherten.

Ich selber bin privat versichert und habe eigentlich immer Schuldgefühle wenn ich zum Arzt gehe und mit ansehen muss wie "Ottonormalversicherter" behandelt (oder auch nicht) wird. Bei meinem letztem Besuch beim Orthopäden musste ich mit ansehen, wie Schmerzpatienten am Empfang von der Schwester abgewiesen wurden, mit der Begründung, dass täglich nur 5 Patienten ohne Termin angenommen werden. Die Frau ging an Krücken und weinte an der Theke doch die Schweste hatte kein Erbarmen. Ich dagegen mit meinem Tennisarm kam ohne Problem zum Arzt auch ohne Termin, eine Frechheit wie ich finde. Auf mein Nachfragen bei der Schwester warum man so hart mit den patienten umgehen würde, kam die Antwort "... der Chef aht das so festgelegt"

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