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Politik: Deutschland

Wie arm ist Deutschland wirklich?

Wer am lautesten jammert verdient meistens gar nicht so schlecht

Foto: Alex Mais
Foto: Alex Mais
Das Statistische Bundesamt Wiesbaden hat jetzt aktuell die neuesten Zahlen der Armutsgrenzen in Europa veröffentlicht („EU-SILC 2006“). Danach liegt Deutschland (9.370 € netto/Jahr) knapp unterhalb der Mitte zwischen dem Spitzenreiter Luxemburg (17.808 € netto/Jahr) und dem Schlusslicht Litauen (1.519 € netto/Jahr). Die Armutsgrenze liegt bei 60 % des Durchschnittseinkommens des jeweiligen Landes.

Da fand ich kürzlich im Internet den Beitrag eines Mannes, dessen Frau in einem Reisebüro als Teilzeitkraft (30 Std./Woche) arbeitet. Diese „Schwerstarbeiterin“ (wörtlich zitiert) verdient 1.500 € im Monat, wohlgemerkt: netto – also nach Abzug von Steuern und Sozialversicherung. Und dann beschwert er sich, dass dies viel zu wenig ist. Nach der Hans-Böckler-Stiftung liegt das Monatsgehalt eines Fachangestellten in der Branche zwischen 1.666 € und 2.418 € brutto (wovon also noch die Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abgehen). Also, die Frau verdient eigentlich gar nicht schlecht – als Teilzeitkraft. Zudem ist dies ein Stundenlohn von rund 11,50 € netto.

Immerhin liegt die Armutsgrenze in Deutschland nach der neuesten Statistik bei 781 € netto im Monat. Erst wer darunter liegt, gilt nach der amtlichen Definition als von Armut bedroht. Die Armutsquote liegt im EU-Durchschnitt bei 16 %. Auch hier schneidet Deutschland mit 13 % noch recht gut ab und selbst im reichen Großherzogtum Luxemburg liegt die Quote bei 14 %. Am schlimmsten trifft es hierbei die Letten mit 23 %. Und sogar in Spanien, Griechenland und Italien ist rund 1/5 der Bevölkerung armutsgefährdet, wogegen die Niederlande und Tschechien mit 10 % die besten Quoten aufweisen können.

Diese EU-Daten bilden auch die Grundlage für den Armuts- und Reichtumsbericht unserer Bundesregierung. Dieser hatte im Juni eine hitzige Diskussion um wachsende Kinder- und Altersarmut ausgelöst. Die Kinderarmut kann jedoch von der EU-Statistik nicht belegt werden. Im Gegenteil, hier schneidet Deutschland bei einer Quote von 12 % bei den unter 18jährigen sehr gut ab und liegt dabei sogar im Spitzenfeld. Nur Dänemark, Zypern und Finnland sind in diesem Punkt noch besser. Auch in der Quote bei den über 65jährigen liegt Deutschland mit 13 % noch deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 19 %. Hauptgrund für die deutsche Armut ist die Arbeitslosigkeit, denn von den Arbeitslosen sind 43 % armutsgefährdet, von den Erwerbstätigen hingegen nur 5 %.

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Schlüsselwörter: Armut | Armutsgrenze | Einkommen | Kinderarmut | Altersarmut | Arbeitslosigkeit
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Kommentare

Gudrun Hoffmann
am 18.07.2008 15:37:22 (84.176.223.xxx) Link Kommentar melden
Die Leute, die wirklich arm sind, schreien nicht. Die haben zu tun, dass sie über die Runden kommen.
Zur Kinderarmut fällt mir ein, dass wir, der deutsche Staat, für eine vernünftige Ernährung und qualfizierte Beteuung der Kinder sorgen müssen, notfalls mit freundlichem Druck.
Gerade die Kinder der sogenannten bildungsfernen Schichten sind zu dick, ohne altersgerechte Bildung und bewegen sich möglicht nicht. Eine Erziehung durch Ganztagsbetreuung zu Menschen, die ihr Leben selbst gestalten wollen und nicht auf Fütterung durch die Gemeinschaft warten, ist wieder dringend nötig.

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