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Der heilige blaue Stein

Russland - sagenhafter Steinblock am Pleschtschejewo-See

Blauer Stein am Ufer
Blauer Stein am Ufer
Der Pleschtschejewo-See, andere Schreibweise ist auch Plesheevo, liegt in Zentral-Russland und etwa 130 km nordöstlich von Moskau. Mit einer Länge von etwa 9,5 km und einer Breite von über 6,5 km ist er einer der größten natürlichen Seen in Zentral-Russland. Seit 1988 gehört der See zum umliegenden waldreichen Nationalpark, der eine Fläche von insgesamt 24.000 Hektar hat. Für Touristen ist dieser Tier- und Pflanzenreiche Nationalpark ein sehr beliebtes Ausflugsziel. In den 60er Jahren gab es hier zwei spektakuläre UFO-Sichtungen. Die Augenzeugen berichteten, das ein Objekt aus den See aufstieg, das wie ein aufsteigendes Licht aussah, kurz anhielt und dann mit ungeheurer Geschwindigkeit schnurgerade nach Osten verschwand. Nach einigen Tagen kam eine militärische Aufklärungs-Kompanie für anomale Phänomene, um den See zu untersuchen und Wasserproben zu entnehmen. Weil jedoch nichts ungewöhnliches gefunden wurde, sollte die Untersuchung am nächsten Morgen beendet werden. Spät am Abend wurden die Soldaten aufgeschreckt, als der See plötzlich zu leuchten begann und ein etwa 10 Meter Flugobjekt aufstieg, das dabei pulsierend leuchtete und eine starke Wärme ausstrahlte. Die Instrumente zeigten eine extrem hohe Schwingung mit einer steigenden Frequenz an. In diesem Moment sollen sämtlichen militärischen Kommunikationseinrichtungen ausgefallen sein. Auch in diesem Fall entschwand das Flugobjekt vollkommen lautlos mit nie gesehener Geschwindigkeit Richtung Osten. Neue Untersuchungen am und im See ergaben jedoch keine Resultate. Danach gab es keine UFO-Sichtungen mehr am See. Doch die heutigen Besucher des Nationalparks kommen nicht nur wegen der einmaligen Landschaft, der reichen Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch wegen einen ungewöhnlichen und uralten sagenhaften Stein - den Blauen Stein.

Am Ostufer des Pleschtschejewo-Sees, in der Nähe des Ortes Kriushkino, liegt ein anscheinend nur gewöhnlicher großer grauer Stein, halb in der Erde versunken, der eine gute Sitzgelegenheit bietet. Seine Länge ist 3,1 Meter, seine Breite 2,6 Meter, seine gesamte Höhe 0,6 Meter und das Gewicht wird auf 12 Tonnen geschätzt. Manche nennen ihn auch Sinii-kamen oder einfach nur Xin-Stein. Doch wenn es regnet oder eine gewisse Luftfeuchtigkeit erreicht wird, verändert sich sein Farbe zu Blau-Grau bis hin zum Blau. Natürlich wurde dieses Phänomen wissenschaftlich untersucht, und man stellte fest, das dies eine Eigenschaften des metamorphen feinkörnigen Quarzgesteins sei. Ebenso erstaunlich ist die Tatsache, das im Winter auf dem Stein nie überall Schnee liegen bleibt, sondern die Schneeflocken sofort schmelzen. Doch dazu später. Ein Wunder der Natur und einer der wichtigsten Attraktionen nennt es die Parkverwaltung. Ursprünglich soll der Stein zu einer rund 2.000 Jahre alten heidnischen Anlage gehört haben, die auf einem rund 30 Meter hohen Hügel, südlich vom See gelegen, errichtet wurde. Der Hügel hieß früher Yarilova, dann wurde er auf Alexandrova umbenannt. Die Bewohner nennen ihn auch liebevoll liebevoll Mount Pereslavl. Doch warum wurde dieser Stein in früheren Zeiten heiliger Stein oder heiliger Platz genannt?

Der heilige blaue Stein – Aberglauben und Sagen

Eine alte Sage erzählt, das es einen dicken milchigen Nebel gäbe, der nur ab und zu an einigen Stellen am See entsteht, und dann auch mal eine Person fangen kann, die diesen Nebel sieht. Dann sieht diese Person für kurze Zeit seltsame Dinge aus der Vergangenheit, ist wie benommen und kann sich sogar in die Sümpfe verlaufen, andere bis zu 15-20 Kilometer von dem Ort entfernt wieder bei klaren Verstand waren, wo sie der Nebel gefangen hatte. Nicht wenige erreichen den heiligen Platz. Wissenschaftler vermuten als Ursache simple Sumpfgase (Faulgase) der umliegenden Sümpfe als Ursache und halten die alten Geschichten für Humbug.

Es wird vermutet, das männliche und weibliche Schamanen auf den Hügel eine Art Altar oder heiligen Platz errichtet hatten. Schamanen, und später Druiden, sollen manche Orte sogar als Tor oder Energiefeld zu einer anderen Welt bezeichnet haben. Natürlich bildeten sich Legenden und Volkserzählungen an so einen heiligen Ort. Da der Stein seine Farbe bei Nässe ändern konnte, und nie Schnee auf den gesamten Stein liegen blieb, war im Glauben der Menschen sehr ungewöhnlich, so das dem Stein dann wundersame Eigenschaften nachgesagt wurden. So rieben unfruchtbare Frauen ihren bloßen Hintern am Stein, um schwanger zu werden. Andere legten sich für einige Zeit auf den Stein, um eine Krankheit geheilt zu bekommen oder Männer, um ihre Impotenz zu heilen. Junge Paare legten sich darauf, um gesunde Kinder zu bekommen. Wer von Krankheit geheilt werden wollte, musste barfuß auf ihn stehen und beten.

Damals war man fest davon überzeugt, das in ihm ein guter Geist lebte, der Träume und Wünsche wahr machen konnte und voller Energie war. So schmückte man ihn regelmäßig zum Ivan Kupala-Tag mit Blumen und Bändern und opferte Fisch und Obst darauf. Dieser Tag war, wie auch in Germanien und anderen Regionen, das traditionell gefeierte Fest der Sonnenwende. Der Tag steht Korotschun, dem slawischen Fest der Wintersonnenwende gegenüber. Üblich war es, um den Stein zu Tanzen und auch Gebete auszusprechen. An diesem Tage konnten bestimmte Kräuter ihre magischen Eigenschaften entfalten, besonders bei Vollmond, und auch nur eine bestimmte Farnart blühte an diesem Tag. Wer im Wald eine Farnblume findet, so war man überzeugt, könnte mithilfe der Blüte alle in der Erde verborgenen Schätze sehen können, wenn man sie auf den Stein legen würde. Doch nur jungfräuliche Frauen dürften sie pflücken, woraus sie auch Blumenkränze flochten, bestückten dies mit einer Kerze und brachte sie zu den Flüssen. Anhand ihres Driftens im Wasser wollte man so die eigene Zukunft ablesen können. Der Ivan Kupala-Tag war auch Tag der Selbstreinigung, wobei es Brauch war, das junge Paare über ein Lagerfeuer sprangen.

Die Bewohner verehrten den Stein noch, als längst schon die Christianisierung begann. Regelmäßig ging man auf den Hügel, um heidnische Bräuche zu pflegen, wie es schon ihre Vorfahren getan hatten, schließlich versprach der Stein neue Energie und Heilung. Als die Mönche aus dem St. Nagorno Kloster, nahe der kleinen Stadt Pereslavl, die südlich vom See liegt, von dem heidnischen Treiben hörten, wollten sie diesem alten Glauben ein Ende setzen, um die Menschen zu guten Christen zu erziehen. Vielleicht war ja sogar der Teufel selbst in den Stein gefangen. Im Jahre 1788 wollten sie endgültig den Heidenkult beenden. Deshalb beschlossen sie, auf den Hügel die heidnische Stätte zu zerstreuen, um ihr die Macht zu nehmen und einen gesegneten Glockenturm zu errichten, damit das Böse im Hügel für immer verborgen bliebe. An einem strengen Wintertag, als keine Heiden zum Hügel kamen, wuchteten sie mit geeinten Kräften und Pferden den schweren Haupt-Stein auf einen extra angefertigten Schlitten, um ihn mitten im See zu versenken. Zu dieser Zeit war der See bis zum Ufer vereist, also die beste Gelegenheit. Doch bevor sie die Mitte des Sees erreichten, brach das Eis und der Schlitten kippte mit dem schweren Stein um und versank in fünf Meter Tiefe. Als aufgebrachte Eis-Fischer dies sahen, schimpften sie auf die Mönche ein, und das sie dafür betraft würde. Und tatsächlich sollen sich merkwürdige Unfälle im Kloster ereignet haben und einige Mönche bekamen Fieber. Doch danach begann ein Wunder, den der Stein kriechte, kaum bemerkbar, zum Hügel zurück. Im Frühjahr 1850 erreichte er schließlich das Ufer und blieb dann stecken. Niemand konnte sich das erklären, und als die Mönche sahen, wie die Menschen wieder den Stein besuchten, buddelten sie ein Loch, so das der Stein darin gefangen war und nicht mehr aus eigener Kraft sich weiter bewegen konnte, so wird es erzählt. Doch im Glauben der Bewohner war es der Beweis, das im Stein wohl noch immer ein guter lebendiger Geist lebte.

Noch heute liegt der Blaue Stein an dieser Stelle und ist eine Attraktion im Naturpark. Zu bestimmten Jahreszeiten, wenn sich auf ihn Tau gebildet hat oder es eine hohe Luftfeuchtigkeit gibt, ändert sich die Farbe in Grau-Blau oder Blau, an mondhellen Nächten sogar in ein magisch Blau-Lila. Interessanterweise sieht man jetzt noch Besucher, die am Stein ein kurzes Gebet oder eine Wunsch aussprechen. Manche legen als Opfergabe Blumenkränze, Münzen oder Süßigkeiten auf den Stein, junge Paare legen sich auf den Stein, oder Frauen bleiben für längere Zeit auf ihn sitzen. Manche behaupten heute noch von einer Erkältung, von Asthma, Rückenschmerzen, Schuppenflechte oder Geschwüre, geheilt worden zu sein, oder das sich bei einigen der Blutdruck normalisiert hätte oder sogar Kopfschmerzen verschwinden, wenn man den Stein regelmäßig besucht und anfasst. Auch wird Wasser von der Stelle am See mitgenommen, wo der Stein liegt, weil ihm besondere Eigenschaften nachgesagt werden. So hat sich seit 2.000 Jahren der Glaube, das dieser Stein besondere Eigenschaften hat, kaum geändert. Ist das nicht erstaunlich!

In den 60er Jahren haben britische Wissenschaftler ein Art von elektrischen Schwingungen mit einer bestimmten Frequenz am Hügel messen können, konnten sich aber damals noch nicht die Ursache erklären. Rutengänger haben das in ihrer traditionellen Art bestätigt, was jedoch nicht ernst genommen wurde. Für damalige Wissenschaftler bleibt der Stein ein Phänomen. Die Eigenschaften von metamorphen Quarzgestein ist ja eigentlich bekannt. Dennoch gibt es das zweite Paradoxon, das an einer Kante des Steins das Magnetfeld völlig normal ist, aber auf der anderen Seite um ein Mehrfaches höher. Jedoch sind die Wissenschaftler skeptisch, das der Stein an seiner ursprünglichen Stelle zu einem Energiefeld oder einer Ley-Linie auf den Hügel gehörte, dies sei Aberglauben. Zuletzt im September 2000 untersuchten russische Wissenschaftler nochmals den Stein mit neueren Messmethoden, und bestätigten, das an der Südseite des Steins eine ungewöhnliche elektrostatischen Ladung zu messen war, eine Statische Elektrizität im Quarzgestein. Warum gerade dieser Stein sich praktisch aufladen konnte, wurde nicht beantwortet, erklärt aber, weshalb kein Schnee an dieser Stelle bleibt. Weil die Mönche den heidnischen Platz gesäubert hatten, kam noch keiner auf die Idee, den Stein an seiner ursprünglichen Stelle zurück zu bringen. So bleibt bis heute der Blaue Stein mit seiner alten mystischen Geschichte kein gewöhnlicher Stein.

Bildnachweis:
  • Blauer Stein am Ufer: Archiv: Wilfried Stevens

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Schlüsselwörter: Sin-Kamen | Russland | Pleschtschejewo-See | Blauer Stein | Iwan-Kupala-Tag
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