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Wirtschaft & Finanzen: Welt

Die Abwrackprämie - Auch eine geplante Obsoleszenz?

Der gewollte Produkttod (Teil 4)

Autoschrott - Dank Abwrackprämie...
Autoschrott - Dank Abwrackprämie...
Ein anderes Kapitel des Themas der „geplanten Obsoleszenz“ ist am Thema iPhone/Smartphone sehr gut dargestellt. Technische Innovation und Modetrends sind weitere Gründe etwas Neues zu kaufen, ohne dass das alte Produkt bereits defekt wäre. Das alte Produkt funktioniert noch sehr gut und ist technisch nicht viel schlechter. Es wird allein deswegen ausgemustert und entsorgt, weil beispielsweise Apple wenige Monate nach dem letzten iPhone ein neues auf den Markt bringt, wodurch automatisch die älteren aber nicht unbedingt schlechteren ausgemustert werden. Und dies nur weil es uns eine gut geschulte Marketingabteilung beim Hersteller durch ansprechende Werbung suggeriert. Auch dies ist ein ganz normaler, von der Wirtschaft gewünschter Vorgang zu Lasten und zu Kosten des Verbrauchers. Das neueste iPhone/Smartphone zu besitzen ist nicht notwendig, es ist lediglich eine von der Wirtschaft suggerierte Frage des Prestiges.

Staatliche Abwrackprämien sind auch eine geplante Obsoleszenz

Und wenn es darum geht den Verfall diverser Produkte zu beschleunigen, dann mischt auch der Staat ganz gewaltig mit. Schließlich bedeutet jeder Neukauf auch wieder neue Steuern. Dies nicht nur für das Produkt, sondern auch für die Herstellung. Bestes Beispiel der letzten Jahre ist die Abwrackprämie für Autos gewesen. Ausgelöst durch die Wirtschaftskrise im Jahr 2008, unter der besonders auch die Autoindustrie gelitten hatte, beschloss die damalige schwarz-rote Bundesregierung eine Prämie von 2.500 Euro für ältere Fahrzeuge zu gewähren. Der Grund, klimaschädliche Abgase zu reduzieren, wie er der Bevölkerung suggeriert wurde, war nur vorgeschoben. In Wirklichkeit ging es darum die Umsätze der Autoindustrie wieder anzukurbeln. Mehr Gewinne für die Autoindustrie bedeuten mehr Steuern für Bund, Länder und Gemeinden.

Was 2008 die Abwrackprämie war, ist acht Jahre später, im Jahr 2016, die Prämie für den Kauf von neuen E-Autos. Ab dem 19. Mai 2016, so wurde Ende April noch schnell beschlossen, gibt es für den Kauf eines neuen E-Autos eine Prämie von 4.000 Euro und für den Kauf eines Hybriden immerhin noch 3.000 Euro: Die Prämie wird – wie sollte es auch anders sein – vom Verbraucher bezahlt. Offiziell teilen sich Bund und Autohersteller die Kosten. Nun, die Autohersteller werden diese wieder auf den Kaufpreis einkalkulieren und der Bund nimmt sie halt von unseren Steuergeldern (von wo denn sonst?). Gefördert werden Modelle mit einem Listenpreis von maximal 60.000 Euro für ein Basismodell. Bei diesem Preis kassiert alleine der Staat durch die Mehrwertsteuer rund 8.940 Euro. Nach Abzug der 2.000 Euro Staatsanteil an der Prämie verbleiben ihm immerhin noch 6.940 Euro Gewinn. Ab einem Listenpreis von 16.530 Euro abzüglich der 4.000 Euro Prämie, was einen Kaufpreis von 12.530 Euro ausmacht, hat der Bund seine Prämie allein durch die Mehrwertsteuer des Verkaufspreises wieder eingefahren. Die Gewinner bei der Sache sind der Bund und die Automobillobby. Der Kunde ist wie immer der Verlierer.

Die ungeliebten E-Autos

Und dies in mehrfacher Hinsicht. Die Hauptprobleme der Hersteller beim Absatz der E-Autos sind nicht nur die relativ hohen Preise der Fahrzeuge, sondern vor allem auch die hohen Betriebskosten und die heute noch geringe Reichweite der großen und schweren Akkus. Hinzu kommt eine noch vollkommen unzureichende Ladestation-Infrastruktur. Deshalb soll auch der Ausbau von Ladestationen zusätzlich mit 300 Millionen Euro Steuergeldern gefördert werden. Die Gesamtkosten dieser selbst bei Experten und Umweltverbänden fragwürdigen Aktion belaufen sich auf 1,2 Milliarden Euro. Die Hälfte davon bezahlt der Steuerzahler direkt (Bund-Anteil) und von der anderen Hälfte einen Großteil über die Fahrzeugkosten.

Bis zum Jahr 2020 sollen auf deutschen Straßen eine Millionen E-Autos unterwegs sein. Bisher (zum Jahresbeginn 2016) sind es aber lediglich 25.500 E-Autos und 130.000 Hybride. Und das bei einer Fahrzeugmenge von insgesamt 45 Millionen PKW. Der Großteil der Bevölkerung kann sich in seiner Armut überhaupt kein E-Auto leisten – bei diesen Preisen. Daran ändern weder die Steuerbefreiung, die im Rahmen dieser Aktion von fünf auf zehn Jahre hoch gesetzt wurde, noch die schon als „Umweltbonus für Ladenhüter“ bezeichnete Prämie etwas. Und wieder einmal profitieren hier nur die Reichen und die Armen haben das Nachsehen.

Die geplante Obsoleszenz lässt sich kaum nachweisen

Schon oft hat es Versuche gegeben sowohl der Wirtschaft die „geplante Obsoleszenz“ und der Regierung zumindest indirekte Beteiligung oder Mitwisserschaft nachzuweisen. Meistens von wenig Erfolg gekrönt. Gibt es mal eine offensichtliche Schwachstelle bei einem Produkt, so wird dies mit dem Kostenargument abgetan. Jedenfalls ist es verdammt schwer der Industrie Arglist dabei nachzuweisen.

Auch eine Untersuchung der Stiftung Warentest, die angeblich unabhängig agiert, konnte keine Beweise finden. Es fehlt, laut Stiftung Warentest, der Nachweis, dass die Hersteller den Murks gezielt zusammenbauen um so die Verbraucher gezielt abzuschröpfen und übers Ohr zu hauen. Dauertests haben ergeben, dass Geräte oft frühzeitig kaputtgehen. Dies aber angeblich nicht schneller und nicht häufiger wie zehn Jahre zuvor. Das aber beweist doch, dass die „geplante Obsoleszenz“ schon seit vielen Jahren zum Nachteil der Verbraucher im großen Stile praktiziert wird. Allerdings kommt die Stiftung Warentest auch zu dem Schluss, dass der vorzeitige schnelle Verschleiß von den Herstellern zumindest bewusst in Kauf genommen wird. Und solange der Mammon winkt, solange wird sich garantiert nichts daran ändern.

Das gibt zu denken

Je mehr ein Gerät gebraucht wird, je kürzer die Lebenszeit. Manche Geräte werden von der Natur des Gerätes aus für bestimmte Tätigkeiten gebraucht, die wiederum auch bestimmte Betriebszeiten für das Gerät vorgeben. Die Firma Superior schoss schon den Vogel ab, indem sie in einer Anleitung für einen ihrer Stabmixer eine maximale Betriebsdauer von 15 Sekunden(!) vorgab.

Und laut „test“ teilte der Elektrohersteller Braun einem Kunden mit, der Akku seiner defekten elektrischen Zahnbürste sei auf etwa drei Jahre ausgelegt, in denen die Zahnbürste maximal vier Minuten täglich genutzt werden dürfte. Und das bei einem Produkt, das 150 Euro gekostet hat. Das Unternehmen Braun wollte diese Aussage jedoch genauso wenig bestätigen, wie der Handyhersteller HTC die Aussage eines seiner Servicemitarbeiter an einen Kunden, dem zufolge das Unternehmen Smartphones produziere „von der Halbwertzeit für einen 2-Jahres-Rhythmus“.

Benutzte Quellen:

  • Allgemeiner Anzeiger: „Im Kampf gegen plötzlichen Produktetod“; Allgemeiner Anzeiger, März 2015
  • Allgemeiner Anzeiger: „Nicht austauschbar“; Allgemeiner Anzeiger, 03.05.2016
  • Allgemeiner Anzeiger: „Umweltbonus für Ladenhüter“; Allgemeiner Anzeiger, 19.05.2016
  • Allgemeiner Anzeiger: „Osram-Patente lassen Investoren-Augen leuchten“; Allgemeiner Anzeiger, 01.10.2016
  • Böcking, David: „Geräteverschleiß: Warentester finden keine Belege für geplanten Produkttod“; Spiegel online (www.spiegel.de), 29.08.2013
  • Dannoritzer, Cosima & Reuß, Jürgen: „Kaufen für die Müllhalde“; Orange Press, Freiburg 2013
  • El-Sharif, Yasmin: „Verschwörungstheorien der Wirtschaft: Das Glühbirnenkartell“; www.spiegel.de, 16.09.2012
  • Liebrich, Silvia: „Geplanter Verschleiß von Produkten: Plötzlicher Tod der Glühbirne“; www.sueddeutsche.de, 27.04.2013
  • Narkus, Christian: „Die ewige Glühbirne“; www.sieben-sterngedanken.de, 24.08.2013
  • Rickens, Christian (Hrsg.): „Das Glühbirnenkomplott“; Kiepenheuer & Witsch (KiWi), Köln 2015
  • spiegel-online: „Elektroautos: Regierung beschließt Kaufprämie in Höhe von 4000 Euro“; www.spiegel,de, 27.04.2016
  • Uliczka, Dennis: „Älteste Glühbirne der Welt leuchtet seit 113 Jahren“; www.bhkw-infozentrum.de, Rastatt, 20.10.2014
  • Wikipedia: „Dieter Binninger“; http://de.wikipedia.org, 12.03.2015
  • Wikipedia: „Ewigkeitsglühbirne“; http://de.wikipedia.org, 05.07.2014
  • Wikipedia: „Leuchtdiode“; https://de.wikipedia.org, 13.05.2016
  • Wikipedia: „Osram“; http://de.wikipedia.org, 05.03.2015
  • Wikipedia: „Phoebuskartell“; http://de.wikipedia.org, 14.01.2015

Bildnachweis:
  • Autoschrott - Dank Abwrackprämie...: Foto: © Kurt Michel / pixelio.de. (Gemäß den Pixelio-Bestimmungen für dieses Bild.)

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Schlüsselwörter: geplante Obsoleszenz | Produkttod | Verschleiß | Haltbarkeit | Elektrogeräte
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