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Wirtschaft & Finanzen: Welt

New Yorker Immobilienmakler wollte ein Gesetz für geplante Obsoleszenz

Der gewollte Produkttod (Teil 3)

Sondermüll der Wegwerfgesellschaft: Elektroschrott
Sondermüll der Wegwerfgesellschaft: Elektroschrott
Fortsetzung von Teil 2: Ähnlich wie mit der ewigen Glühbirne, die bei Osram in den Panzerschränken verschwand, verhielt es sich schon in der Vergangenheit mit vielen anderen Dingen. So zum Beispiel auch mit einer Damenstrumpfhose, die niemals eine Laufmasche bekommen konnte. Auch sie wurde niemals in großer Menge auf den Markt geworfen, da man darauf bedacht war zu verkaufen und Geld zu verdienen. Meine Damen, stellen Sie sich einmal vor, sie hätten ein paar solcher Strumpfhosen von Anfang an im Schrank gehabt. Wie viel Geld hätten Sie da bis heute sparen können?

Ein Gesetz für die geplante Obsoleszenz?

Der New Yorker Immobilienmakler Bernard London veröffentlichte 1932 ein geheimes Papier an die Regierung, indem er vorschlägt, die Depression durch ein Gesetz für geplante Obsoleszenz zu beenden. Darin heißt es, dass die Regierung eine maximale Nutzungsdauer für alle Arten von Gütern, zu denen er auch Häuser und Maschinen zählt, festzulegen. Wenn diese Nutzungsdauer abgelaufen ist, so müssten alle diese Dinge für „tot“ erklärt und vernichtet werden. Bernard London schlägt in dem Geheimpapier weiter vor, eine entsprechende Behörde als eine Art Produktpolizei einzurichten. Diese soll Verstöße ermitteln und Strafen verhängen, wenn Bürger beispielsweise ihre Schuhe zu lange tragen. Eine Umsetzung dieser Forderungen wäre als Gipfel ein staatlich verordneter Konsumzwang.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie verwirklichen sich Ihren Lebenstraum und bauen ein Haus. Nach 20 Jahren haben Sie die Kredite und Darlehen dafür abbezahlt. Nun ist nach 20 Jahren aber auch die Nutzungsfrist für Häuser abgelaufen und Sie müssen Ihr eben erst mühsam abbezahltes Haus zwangsweise wieder abreißen weil das „Mindesthaltbarkeitsdatum“ abgelaufen ist.

Das klingt nicht nur aus heutiger Sicht völlig absurd, sondern solche absurden Ideen wären dann auch endgültig das Aus für die Menschheit. Schon seit Jahren zeichnet sich ab, wie lange unsere nicht unendlichen Rohstoff- und Energiereserven noch ausreichen. Auch dies ist ein absolutes Limit für das künftige Wirtschaftswachstum und den zweifelhaften Wohlstand unserer Wegwerfgesellschaft.

Zum Nachdenken

Trotzdem werden die Lebensdauern vieler Konsumgüter künstlich verkürzt bzw. so ausgelegt, dass sie nur eine kurze Zeit überdauern. Wie sonst soll man sich erklären, dass…

  • …bei einem neuen paar Schuhe sich bereits nach weniger als sechs Monaten die Schuhsolen auflösen und abfallen?
  • …der Fernseher gerade dann kaputtgeht, wenn zwei Wochen vorher die Garantie abgelaufen ist?
  • …der Drucker meldet die Tinte sei leer obwohl die Patrone eigentlich noch zur Hälfte voll ist?

Dies ließe sich beliebig weiter fortführen. Und was ist mit der Waschmaschine, bei der nach zwei Jahren ein Kugellager defekt ist? Früher ließ sich so ein Lager leicht und schnell austauschen. Heute ist es in der Regel fest mit der Waschtrommel verbunden. Ein Austausch der kompletten Einheit würde nach Einschätzung der Experten mindestens die sechsfache Zeit in Anspruch nehmen und die Reparatur somit auch mindestens sechsmal so teuer machen. Da kommt man schnell auf Summen, bei denen sich eine Reparatur nicht mehr lohnt, weil sie genauso teuer würde wie eine neue Maschine aber keine Garantie mehr besäße. Warum also sind Trommel und Lager heute eine Einheit? Richtig! Damit der Verbraucher eine neue Waschmaschine kaufen muss, weil sich die Reparatur nicht mehr rechnet.

Problemfall Aktenvernichter

Problematisch ist auch, dass bereits eine einzige Schwachstelle die Lebensdauer eines Elektrogerätes drastisch verkürzen kann. Aktenvernichter beispielsweise spielen heute in jeder Firma eine Rolle, wenn es darum geht vertrauliche Unterlagen zu vernichten. Dazu gehören Rechnungen, Bilanzen, Kontoauszüge und andere steuerlich relevante Dinge, deren Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist. Nach einer bestimmten Betriebsdauer knirscht es plötzlich ganz gewaltig im Getriebe und das Schneidwerk steht zur Hälfte oder gleich ganz still, während der Motor weiterarbeitet. Doch das Papier wird nicht mehr in Streifen oder Schnipsel zerschnitten.

Ruft man beim Kundendienst an wird einem gleich klargemacht, dass es das Getriebe zerhauen hat. Selbst wenn man das Gerät an den Kundendienst einschicken würde, alleine fürs Nachsehen und die Besorgung der Ersatzteile müsste man schon mit 50 bis 80 Euro Kosten rechnen. Hinzu kämen die Reparatur, die sicher mindestens ein bis zwei Stunden dauerte, die Kosten für die Ersatzteile und der Rückversand. In Anbetracht, dass ein neuer Aktenvernichter dieses Modells 299 Euro kosten würde, stünde die Reparatur dazu in keinem Verhältnis. Und im Supermarkt gibt es immer wieder Angebote von Aktenvernichtern, die um die 30 bis 40 Euro liegen.

Das gleiche betrifft alle Kleinmaschinen wie auch alle kleinen Elektrowerkzeuge von der Handkreissäge über die Stichsäge bis zur Bohrmaschine. Ist so ein Gerät defekt würde allein die Fehlerprüfung durch den Hersteller mindestens 40 bis 50 Euro zuzüglich des Versandes kosten. Die Reparatur und die Ersatzteile sind darin nicht enthalten. Die Schlussfolgerung wäre, dass eine Reparatur einer solchen Kleinmaschine teurer kommen würde als der Kauf einer identischen Neuen.

Nur ein Rädchen im Getriebe?

Die Erfahrung einer solchen Aussage machte ich selber. Bevor ich jedoch einen neuen Aktenvernichter orderte wollte ich mir das Ganze einmal von innen ansehen. Fünf Schrauben mussten gelöst werden, dann war ich nach nicht einmal fünf Minuten im Innern und konnte das Problem auf den ersten Blick erkennen. Es hatte eines der Zahnräder erwischt, die das Schneidwerk drehten. Dieses bestand aus Hartplastik, was ein Brechen der Zacken nach einer gewissen Betriebszeit unweigerlich zur Folge haben musste. Wären die Zahnräder aus Metall, hätten sie ein Vielfaches an Laufzeit der Hartplastikrädchen gebracht. Nun, ich bestellte das entsprechende Zahnrad als Einzelersatzteil beim Hersteller. Die ganze Aktion bis zum Einbau des neuen Rädchens kostete weniger als 10 Euro und mich zudem ca. 15 Minuten Arbeitszeit. Das Fazit, ein Schaden, der inkl. Arbeitszeit und Material bei einer Reparatur ca. 30 bis 40 Euro gekostet hätte wird dem Endverbraucher als Totalschaden und Totalverlust verkauft. Der Müllberg an Elektroschrott steigt und wertvolle neue Rohstoffe werden verschwendet – von den unnötigen Kosten für den Normalverbraucher mal ganz zu schweigen.

Vernichtung wertvoller Rohstoffe

Rund 2,5 Millionen Tonnen Sperrmüll fallen pro Jahr allein in Deutschland an. Die landen auf der Kippe oder in Verbrennungsanlagen. Dabei werden auch wertvolle Rohstoffe vernichtet – Rohstoffe im Wert von 2 Milliarden Euro pro Jahr. Entsorgter Elektroschrott fällt im Jahr mit 1,6 Millionen Tonnen zusätzlich an. Gäbe es die „geplante Obsoleszenz“ nicht, wäre dies nur ein Bruchteil davon. Wichtige Rohstoffquellen könnten geschont werden und die Bevölkerung müsste weniger Geld ausgeben, was auch allgemein zur Verlangsamung der Armut führen würde, die heute rasend schnell voranschreitet.

Die Industrie, Hersteller und Verbände, streiten permanent ab, dass es so etwas wie die „geplante Obsoleszenz“ gibt. So auch der Zentralverband der deutschen Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. Der behauptet offensichtlich wider besseren Wissens, dass Qualität und Haltbarkeit sehr wichtige Aspekte bei der Produktentwicklung seien. Sicher doch, glauben wir gerne – aber nur zu Gunsten der Industrie und zum Nachteil der Verbraucher! Und Fakt ist, dass heute Elektrogeräte viel schneller ausgetauscht werden als früher. Früher sprach man immer von der „guten alten deutschen Wertarbeit“ und war stolz auf das Produkt „Made in Germany“. Doch diese Zeiten sind schon lange vorbei…

Fortsetzung folgt.

(Das Verzeichnis der benutzten Quellen folgt im Anhang an den letzten Teil.)

Bildnachweis:
  • Sondermüll der Wegwerfgesellschaft: Elektroschrott: Foto: © Frank Radel / pixelio.de. (Gemäß den Pixelio-Bestimmungen für dieses Bild.)

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Schlüsselwörter: geplante Obsoleszenz | Produkttod | Elektronikartikel | Kleinmaschinen | Verschleiß
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