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Wirtschaft & Finanzen: Welt

Industrie will keine Ewigkeitsglühbirnen

Der gewollte Produkttod (Teil 2)

LED-Spot.
LED-Spot.
Fortsetzung von Teil 1: Das Sandia National Labor Kalifornien untersucht derzeit ein baugleiches Modell (30 Watt Shelby Glühbirne) der „Jahrhundert-Glühbirne“ aus der Feuerwache 6. Man möchte so mehr über die Haltbarkeit herausfinden. Man vermutet, dass die Glühbirne aus der Feuerwache um das Jahr 1895 hergestellt wurde. Der Hersteller, Shelby Electric, hatte das Produkt seinerzeit mit dem Slogan „Longest Life“ beworben. Die Langlebigkeit hat ihre Ursache vermutlich in dem von Chaillet entwickelten Glühfaden, dessen genaue Zusammensetzung bis heute ein Geheimnis blieb.

Neuer Konzern stellt Produktion der Langlebigkeitsbirnen ein

Rund zwei Jahrzehnte später übernahm der US-Konzern General Electric den Glühbirnenhersteller Shelby Electric. Der mächtige Konzern hatte jedoch überhaupt kein Interesse Glühbirnen mit einer solch langen Lebensdauer herzustellen und stellt die Produktion der langlebigen Birnen ein. Printers Ink, ein bekanntes US-Werbemagazin bringt es bereits 1928 auf den Punkt: „Ein Artikel, der nicht verschleißt, ist eine Tragödie fürs Geschäft.“ Das bedeutet nichts anderes, als dass die Konsumenten neue Produkte in immer kürzeren Abständen kaufen sollen. Dies ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Massenproduktion eines Artikels.

Milliardenumsätze dank gewollter Kurzlebigkeitsglühbirnen

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg kaufte ein Mann aus dem Großraum Hannover in einem Elektroladen eine Glühbirne, die er in seine Küchenlampe schraubte. Sie hatte die industrielle Lebensdauer von 1.000 Stunden lange überdauert, als ihr Besitzer nach dem Zweiten Weltkrieg die Glühbirne aus der Fassung schraubte um nach der Herstellerangabe zu sehen. Es war die Firma Osram. Er teilte der Firma Osram daraufhin seine Beobachtungen bezüglich dieser Glühbirne schriftlich mit.

Die Antwort von Osram war postwendend und man teilte dem Mann mit, dass Osram sehr interessiert am Erwerb dieser Glühbirne sei. Sie würden einen Mitarbeiter bei ihm vorbeischicken. Als der Mitarbeiter bald darauf eintraf bot dieser dem Mann eine gewaltige Summe an um die Glühbirne für Osram zu erwerben.

„Osram“ war ursprünglich ein Warenzeichen für „Elektrische Glüh- und Bogenlichtlampen“ der Deutschen Gasglühlicht-Anstalt. Die Anmeldung dazu wurde am 10. März 1906 beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin gemacht und am 17. April 1906 unter der Nummer 86.924 in die Warenzeichenrolle des Patentamtes aufgenommen. Die Gründung der heutigen Firma Osram geschah am 01. Juli 1919 in Berlin. Der Firmensitz ist München. Der heutige Jahresumsatz beläuft sich auf rund 5 Milliarden Euro und der Gewinn auf rund 120 Millionen Euro (Stand 2014). Heute ist Osram unter anderem der Weltmarktführer in der Automobilbeleuchtung. Außerdem hält die Firma Osram rund 18.000 Patente. Kein Wunder, dass die Chinesen im Spätsommer 2016 an einer Firmenübernahme interessiert waren.

Auch Osram hat Patente einer Ewigkeitsglühbirne

Schon in der Anfangszeit war Osram ein Patent für eine „immerwährende Glühbirne“ angeboten worden, das von Osram auch gekauft wurde. Die Firma stellte eine Testserie dieser Glühbirnen her, deren Untersuchung ergab, dass diese Glühbirnen tatsächlich unbegrenzt haltbar waren. Die Testserie wurde aus dem Verkehr gezogen und das Patent verschwand in den Geheimarchiven von Osram. Schließlich wollte Osram ja Geld verdienen – natürlich wieder auf Kosten der Bevölkerung. Anders würden diese heutigen Umsätze in Milliardenhöhe gar nicht zustande kommen und bei Osram hätte man die Produktion bereits vor Jahrzehnten einstellen können. Die Begebenheit des Mannes aus dem Großraum Hannover lässt vermuten, dass durch Zufall eine Glühbirne der Testserie in den Verkehr gelangt ist. Anders lässt sich auch die gewaltige Summe nicht erklären, die Osram dem Mann für die Birne geboten hat.

Der neue Trick mit den LED-Lampen

Anstelle der guten alten Glühbirne gibt es heute auch vielfach LEDs als Leuchtmittel. Mit der Kurzbezeichnung LED (aus dem englischen Sprachgebrauch von „light-emitting diode“) bezeichnet man eine Leuchtdiode (auch „Licht-emittierende Diode“ oder „Lumineszenz Diode“). Dabei handelt es sich um ein Licht emittierendes Halbleiter-Bauelement, dessen elektrische Eigenschaft einer Diode entspricht. Fließt hierdurch elektrischer Strom in Durchlassrichtung, so strahlt sie Licht aus. Seit ihrer Erfindung im Jahre 1962 diente sie zuerst als Leuchtanzeige. Durch eine stete Weiterentwicklung erhielt man eine immer größere Lichtausbeute, so dass LEDs seit dem Ende der 1990er Jahre immer mehr als Leuchtmittel und damit auch als Ersatz für die Glühbirnen und Energiesparlampen im Alltagsgebrauch eingesetzt wurden.

Neuerdings bauen die Lampenhersteller solche LEDs in immer mehr Tisch-, Steh-, Wand- und Deckenlampen fest ein, so dass sie nicht mehr ausgetauscht werden können. Gehen dann einzelne LEDs nach Ablauf der zweijährigen Gewährleistungsfrist kaputt, muss man die Lampe auf eigene Kosten reparieren lassen, was recht teuer wird.

LED-Lampen für die Müllberge

Die Folge: Viele dieser LED-Lampen landen dann auf dem Müll und der Verbraucher muss eine neue Lampe kaufen. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat Anfang 2016 in einer Stichprobe über 4.000 Lampen aus fünf Baumärkten überprüft. Bei fast einem Drittel (entspricht fast 3 von 10 Lampen) in drei der fünf Märkte waren die LEDs nicht austauschbar. In den anderen beiden Märkten lag der Anteil der nicht austauschbaren LEDs sogar bei über 40 Prozent (entspricht mehr als 4 von 10 Lampen).

Nach den Aussagen der Hersteller beträgt die Haltbarkeit der LEDs 15 bis 25 Jahre. Doch so ganz genau hält man es nicht. Und das mit staatlicher Hilfe, denn die Mindestlebensdauer von 6.000 Stunden muss nur von 90 % der getesteten Lampen erreicht werden. Und die Ökodesign-Richtlinie besagt sogar, dass die angegebene Lebensdauer nur von 50 %, also der Hälfte aller Lampen, erreicht werden muss. Wer eine Lampe aus der anderen Hälfte gekauft hat – was man ja bedauerlicherweise rein äußerlich nicht erkennen kann – ist dann der Gelackmeierte.

Fortsetzung folgt.

(Das Verzeichnis der benutzten Quellen folgt im Anhang an den letzten Teil.)

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Schlüsselwörter: geplante Obsoleszenz | Glühbirne | Ewigkeitsglühbirne | Produkttod | LED
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