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Thailands berühmter Tiger-Tempel geriet unter Beschuss

Nur Kommerz und Tierquälerei sagt die Tierschutzorganisation Care for the Wild International
04.07.2008 13:41:06 eingesandt von Alex Mais für OnlineZeitung 24.de

An der Nationalstraße 323, zwischen der Provinzhauptstadt Kanchanaburi (bekannt durch die legendäre „Brücke am Kwai“) und Nam Tok, liegt das Wat Pa Luang Ta Bua. Bekannt wurde es vor allem durch diverse TV-Reportagen als „Tempel der Tiger“ oder schlicht „Tiger-Tempel“. Einst ein von der thailändischen Regierung anerkanntes Tigerschutzzentrum, soll es heute nur noch dem Klosterkommerz dienen. Die Tiger werden hier illegal gezüchtet und gequält, um sie für zweifelhafte Touristenfotos gefügig zu machen. – Dies behauptet jetzt die Tierschutzorganisation Care for the Wild International

Der Indochina-Tiger, um den es sich hier handelt, ist nahezu ausgestorben. Nach vorsichtigen Schätzungen soll es in Thailand noch um die 250 frei lebende Tiger geben. Im an die Provinz angrenzenden, benachbarten Myanmar sogar nur noch weniger als 150 Exemplare. Früher war das anders. Als Myanmar noch Birma bzw. Burma hieß und unter britischer Kolonialherrschaft stand, waren die Tiger als Plage angesehen und zum Abschuss offiziell freigegeben. Allein in den Jahren 1928 bis 1932 gab es 1.328 belegte Tigerabschüsse. Wilderer tun auch heute noch in beiden Ländern ihr Übriges. Schließlich sind die verschiedensten Körperteile der Raubkatzen beliebte Zutaten der chinesischen Medizin, die auch von den Thai-Chinesen immer noch praktiziert wird. Und wegen der finanziellen Misere der einheimischen Bevölkerung besorgt dafür so mancher einen Tiger für deutlich weniger Geld als umgerechnet 20 Euro.

Die spektakuläre Geschichte des Wat Pa Luang Ta Bua als Tiger-Tempel begann 1998. Damals brachte man einen Tiger ins Kloster, der von einem Jäger schwer verletzt worden war. Trotz aller Pflege starb das Tier wenige Tage später. Begründet worden war das Kloster zuvor vom Abt Phra Acharn, einem ehemaligen Wirtschaftsstudenten, der aufgrund einer Krebserkrankung Mönch wurde. Als 1999 im nahen Dschungel zwei verwaiste Tigerbabys gefunden wurden, deren Mutter von Wilderern abgeschlachtet worden war, brachte man die Kleinen ins Wat und vertraute sie den Mönchen an, die mit der Aufzucht dieser Tigerbabys begannen.

Wer sich näher über den Tigertempel informieren möchte, der kann dies unter folgenden Links auf der Website des Tempels machen: http://www.tigert... (thailändische Version) oder http://www.tigert.../index.php (englische Version).

Jetzt veröffentlichte die Tierschutzorganisation Care for the Wild International einen Bericht, wonach alles ganz anders ist als es sein sollte und behauptet wird: Die Mönche betreiben illegale Tigerzucht und illegalen Tigerhandel. Die Tiger werden misshandelt, mit Steinen beworfen und mit Stöcken geschlagen, um sie gefügig zu machen, damit sie sich artig zusammen mit den Touristen fotografieren lassen. Dies soll das Ergebnis einer mehr als dreijährigen Beobachtung von Aktivisten der Organisation sein. Besonders angeprangert wird dabei auch, dass den Tigern auch der Urin ihrer Artgenossen ins Gesicht gespritzt wird, mit dem sie gewöhnlich ihr Revier markieren. Das sei, so ein Sprecher der Organisation, für die Tiger schlimmer als ein Faustschlag ins Gesicht. Außerdem bekämen sie nur gekochtes Hähnchenfleisch mit Tierfutter aus der Industrie vermischt. Dazu sagen die Mönche des Wats, dass sie dies machten um nicht den Blutdurst der Tiere zu wecken oder zu fördern. Doch hierdurch werden den Raubtieren wichtige Vitamine vorenthalten, die zusätzlich zu ihrer Lethargie beitragen.

300 Thai-Baht (ca. 6 Euro) kostet der Eintritt ins Kloster. Und wer 1.000 Thai-Baht (ca. 20 Euro) bezahlt, kann sich mit den Tigern fotografieren lassen – den Kopf des Tieres auf dem Schoß. Mehrere Hundert Besucher kommen pro Tag hierher. Der bisherige Besucher-Tagesrekord lag bei 880 Besuchern. Eine immense Einnahmequelle für das Kloster, die beweist, dass (zumindest heute) alles nur noch auf den Kommerz ausgerichtet ist. So die Meinung von Care for the Wild International.

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