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Wissenschaft: Forschung

Das tiefste Loch in Deutschland

In Windischeschenbach geht es 9.101 Meter tief hinab

Von 1987 bis 1995 wurde vom Bundesministerium für Forschung und Technologie das geowissenschaftliche Projekt Kontinentale Tiefbohrprogramm der BRD (KTB) durchgeführt. Für dieses Projekt wurden rund 270 Millionen investiert. Es hatte die Aufgabe neue Erkenntnisse über die Erdkruste zu erhalten und den fachlichen Anschluss an den weltweiten Tiefenbohrungen nicht zu verlieren. Das bisher tiefste Loch der Erde wurde bereits auf der Halbinsel Kola mit 12.262 Metern gebohrt.

Geeigneter Standort: Oberpfalz

Ursprünglich wurde eine Tiefe von 12 - 14 km angepeilt, um vielleicht sogar das tiefste Loch der Erde zu bohren. Aber dann wurde jedoch eine Bohrung geplant, bis man eine Tiefe erreichte, in der maximal 250 - 300 Grad herrschen, weil die Messgeräte nur bis zu dieser Temperatur noch einwandfrei arbeiten würden. Für dieses ehrgeizige Vorhaben mussten spezielle Bohr- und Überwachungstechniken entwickelt und erprobt werden, die hohe Temperaturen und besonders den hohen Druck aushielten. Auch wurde mit 83 Metern Höhe die größte Landbohranlage der Welt errichtet.

Als geeigneter geologischer Standort wurde der Ort Windischeschenbach in der Oberpfalz gefunden. Von 1987 bis 1989 wurde zunächst eine Kernbohrung bis 4.000 Metern Tiefe durchgeführt, um die Resultate der Untersuchungen in das technische Konzept für die eigentliche Hauptbohrung zu integrieren, die in 200 Metern Entfernung erfolgen sollte. Auch nutzte man alle Bohrkerne zur Forschung, so dass diese bei der Hauptbohrung bis zu der Tiefe von 4.000 Metern nicht mehr gezogen werden mussten.

Im September 1990 begann man mit der Hauptbohrung und der Zielsetzung, etwa maximal 10.000 Meter zu erreichen. Durch die unterschiedlichen Materialien in der Erdkruste blieb der Bohrer mehrfach stecken, was die geplante Bohrzeit verzögerte und das fest eingeplante Budget fast zum Scheitern brachte. Am 12. Oktober 1994 wurde nach genau 1.468 Tagen eine Tiefe von exakt 9.101 Metern erreicht. Dabei hatte der Bohrer nur eine Abweichung von ca. 300 Metern, was gegenüber anderen weltweiten Tiefenbohrungen schon als das senkrechteste Loch der Welt bezeichnet wurde, ein Weltrekord. Die russische Bohrung auf der Halbinsel Kola hatte eine Abweichung von immerhin über 800 Meter. Die am höchsten gemessene Temperatur wurde mit 265 Grad angegeben. Überrascht wurde man von einigen magnetischen Anomalien und sogar von Hohlräumen, die zum Teil mit Gasen und Flüssigkeiten gefüllt waren.

Bevölkerung musste beruhigt werden

Als kleine Mengen Kohlendioxid, Wasserstoff, Methan und Helium-3 freigesetzt wurden und nach oben kamen, musste die Bevölkerung beruhigt werden. Nach weiteren Versuchen endete schließlich das Programm am 31.12.1995, weil hier nicht mehr investiert werden sollte, und die Anlage wurde teilweise außer Betrieb genommen. Viele Forscher bedauern dies bis heute, und theoretisch könnte die Anlage wieder reaktiviert werden, um noch tiefer zu bohren. Damit ist das tiefste Loch von Deutschland, und eines der tiefsten Löcher weltweit, in Windischeschenbach zu finden.

Heute wird die Anlage als Geozentrum und geotechnisches Labor weiter genutzt. Als Teil des Geopark Bayern Böhmen kann man die eindrucksvolle Anlage auch besichtigen. Am Bohrloch hat man eine 22 Zentimeter breite Plexiglasscheibe angebracht und kann ins endlose Schwarz schauen. Leuchtet man hinein, ist die Sicht maximal 10 Meter, dann kommt Wasser. Forscher aus aller Welt besuchen regelmäßig die Anlage und lassen Messsonden ins Bohrloch hinunter. Windischeschenbach hat die besten Voraussetzungen, die Erdkruste noch tiefer zu erforschen.

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Schlüsselwörter: Windischeschenbach | Tiefbohrprogramm | tiefste Loch Deutschland | Erdkruste | Tiefenbohrung
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