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Lokales: Sonstiges

Die Frauensteine im Aaper Wald

Sagen und Volkserzählungen eines einstigen Kultortes

Frauenstein im Aaper Wald
Frauenstein im Aaper Wald
Man mag es manchmal kaum glauben, das es praktisch einem vor der Haustüre noch geschichtliche geheimnisvolle Dinge gibt, die man anscheinend kennt und dann doch nicht kennt. So erging es mir bei den sogenannten Frauensteine im Aaper Wald, im Norden von Düsseldorf (Stadtteil Grafenberg) gelegen. Der uralte Aaper Wald ist ein zur Stadt Düsseldorf gehörendes Waldgebiet und liegt am angrenzenden Wildpark Grafenberger Wald, den ich schon als Kind besuchte. Mit einer Größe von rund 200 Hektar ist es ein ideales Areal zum spazieren gehen oder wandern.

Im Laufe der vielen Jahre war ich schon öfters in diesem Waldareal und hatte dabei auch mehrmals die Frauensteine untersucht. Sie liegen auf einer Anhöhe, haben viele Ritzungen aus vielen Jahrhunderten, darunter auch vermutlich uralte Linienkreuze. Aber die Steine haben inzwischen schon derart viele Ritzungen, auch von neuzeitlichen Besuchern, das man dies nicht mehr deuten kann. In meinen Jugendjahren erschienen sie mir zunächst noch nicht interessant genug, eben nur grosse Steine, gar nicht spektakulär, bis mir meine Großmutter erzählte, es gäbe alte Hexen-Geschichten und Sagen, von denen sie auch schon hörte, als sie noch ein Kind war. Auch hieße der Ort vor vielen Hundert Jahren nicht Grafenberg sondern Godesbusch (Gottesbusch). Sie machte sich die Mühe, mir die Geschichten aufzuschreiben. Als ich mich wenig später mehr für Archäologie und Prä-Astronautik interessierte, wurden die Frauensteine ein Thema meiner ersten Beiträge als angehender Jungschriftsteller. Erst jetzt, nach so vielen Jahren, erinnerte ich mich wieder an Großmutters Worte und widme mich erneut den scheinbar unscheinbaren Frauensteine, auch mit ein wenig grenzwissenschaftlicher Sichtweise.

Die Frauensteine haben verschiedene Namen

Die Frauensteine sind eine am Boden liegende Steingruppe, wobei der größte Stein etwa 10 Meter gross ist. Es sind Quarzite die vor 35 Millionen Jahren entstanden sein sollen. Nach alten Volkserzählungen sollen es einst sechs aufrechte Steine in einem Steinkreis mit einem großen Stein in der Mitte gewesen sein. Diese wurden aber zerbrochen und die Steinen mit magischen Symbolen weggeschafft, so das man jetzt nur kleinere Steine sieht. Betrachtet man heute die moosbedeckten sehr alten Steine, die teilweise schon halb versunken im Erdreich liegen, kann man es sich mit etwas Phantasie gut vorstellen, wie mythisch der Steinkreis wohl ausgesehen haben mag.

Wenn es tatsächlich 6 aufrechte Steine gewesen waren, wäre dies kein Zufall! Die Zahl 6 in der Numerologie von Priester/innen, Hexen, Magier und Zauberer kann durch die Zahlen 1, 2 und 3 geteilt werden und die Summe der drei Zahlen entspricht wiederum die Zahl 6. Doch wesentlicher ist der Bezug zum uralten Hexagramm mit seinen 6 Ecken, in seiner ursprünglichen Form war es Schutzsymbol gegen Dämonen und Feuer. Im Aberglauben und in alten Zauberbüchern wurde es auch als Zeichen des Teufels, Symbol von Schlange und Drachen oder als das erste Zeichen des Beginns gedeutet. Später wurde es u.a. als ein Zeichen in der Alchemie (Für die Elemente Äther, Erde, Feuer,Luft, Wasser und Magnetismus), als Sechort in der gotischen Baukunst oder in einigen Religionen verwendet. Weil diese Zahl bei den Germanen in der Runenmagie eine Rolle spielte, kommen wir wieder zu den Frauensteinen als mögliche altgermanische Kultstätte. Bis zurück im Mittelalter wurden die Steine noch als die Steine der weisen Frauen bzw. die Steine der weisen Weiberchen oder nur einfach als Witte Wiewerkes (weiße Weiberchen) bezeichnet. Das altdeutsche Wort witte wird aber zweifach interpretiert, als weiß und weise. Damals wie heute bin ich davon überzeugt, das dieser Ort im alten germanischen Glauben (Orakel) nicht nur eine besondere Rolle spielte, sondern später auch Treffpunkt für einen möglichen vergessenden Hexenkult wurde. Oft bezeichnet man solche magische Orte auch als einen alten Kraftort oder Kultstätte/Kultsteine, ähnlich wie bei den Externsteinen in der Nähe des Ortes Horn oder wie die Bruchhauser Steine nahe von Brilon.

Ein Opferaltar für Gott Wotan(?)

Da gibt es die erste alte Sage der Rhein-Flut aus alter germanischer Zeit. So soll einst der Rhein so hoch gestiegen sein, das die ängstlichen Anwohner auf die Anhöhe flüchten mussten. Weil der Glauben herrschte, das nur die Götter das Schicksal der Menschen bestimmten, warf eine Schamanin oder Priesterin heilige Runensteine auf den Boden, um das weitere Vorgehen zu bestimmen. Es wurde als Warnung des Gottes Wotan betrachtet, weil die Menschen ihn nicht respektvoll ehrten. So errichteten sie hier einen heiligen Altar aus großen Steinen Kreis mit dem großen Opferstein, um danach ein kostbares Pferd für Wotan zu opfern, indem sie es auf den Altar verbrannten. Die Archäologen fanden jedoch keinerlei Reste von Asche, Tierknochen oder ähnliches, so das dies wohl eine ausgeschmückte Sage sein müsste. Doch unterstreicht es, das der Glaube bestand, das dies ein besonderer Ort war.

Kultstätte für Priester/innen und Zauberer/innen(?)

In einer zweiten Volkserzählung, die wohl eher die Wahrheit trifft, heißt es, das hier eine heilige Kultstätte der weisen Hohepriesterinnen (auch Zauberinnen) errichtet wurde, die sich ganz in weiß kleideten. Es heißt weiter, das diese Heilkünste und Zauberkräfte besaßen und manche sie auch als gute geisterhafte Feen bezeichneten. Zu bestimmten Zeiten konnte man hier seine Zukunft voraus sagen oder die Runensteine über sein Schicksal werfen lassen, oder auch Heilkräuter erhalten. Dies würde auch die Namensgebung die Steine der weißen/weisen Frauen erklären. Könnte es sein, das daraus später Hexen wurden?. In einer anderen Version war dies auch ein heiliger Platz der Wicca´s, der weisen Zauberer, die auch als die männlichen Hexen oder Träger des Athame-Dolches (zeremonielles Messer für magische Riten) bezeichnet wurden, die geheimnisvolle Rituale abgehalten haben sollen. Wie die Druiden, kleideten sie sich ganz in Weiß, besaßen Zauberkräfte und fühlten sich auch zur schwarzen Magie hingezogen. Nach dem Volksglauben beherrschten sie die Kunst der Heilung (Weiße Magie) und der Krankheit (Schwarze Magie) zugleich.

Mit Beginn der Christianisierung wurde der heilige heidnische Altar bzw. die Kultstätte, der/die ursprünglich nur aus sieben großen Steinen bestanden haben soll, in Stücke zerschlagen. Dabei ließen sie den heiligen oder großen Altarstein unberührt, doch warum? Noch bis im späten Mittelalter sollen sich hier weiß gekleidete Frauen heimlich getroffen haben, um alte germanische Kulte abzuhalten, bis durch die kirchliche Inquisition sie als Hexen bezeichnet wurden. Ob diese als Hexen bestraft oder verfolgt wurden, ist nicht bekannt.

Der Düsseldorfer Mundartdichter Jupp Silvester Kels, gestorben 2006, schrieb ein altes Gedicht über die Frauensteine.

Hoch owe op d'r AaperHöh

do wore sibbe Wiewer am Werke,

ze helfe bei Krankheet un Wondeweh,

och Wanderer doden stärke.

Se sammelten Krüder un kochten ne Sood

un hand Blessierte verbonge.

So wirkten se jejen dä fröhe Dod,

oft esd önne jelonge.

So sind die unscheinbaren Frauensteine noch immer eine persönliche spannende Sache, wobei ich nicht glaube, schon alles herausgefunden zu haben. Leider fand ich bisher auch keine weiteren Informationen in der Handschriftensammlung der Uni Düsseldorf, forsche aber weiter. Vermutlich gibt es lokale Parallelen/Sagen zu (anderen) "Weißen/weisen Frauen", wie u.a. die weißen Jungfern am Hohenstein, die weißen Jungfern bei Recklinghausen, die weißen Jungfern zu Hachen oder die weißen Jungfern am Hohenstein, doch dies wäre ein Thema für einen anderen Beitrag.

Bildnachweis:
  • Frauenstein im Aaper Wald: wikipedia (This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license)

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Schlüsselwörter: Frauensteine | Düsseldorf | Aaper Wald | Hexen | Kultstätte
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