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Wissenschaft: Sonstiges

Größter versteinerter Schachtelhalm in Chemnitz gefunden

Versteinerter Gigantismus aus der Urzeit

Schachtelhalmwald in Miniatur...
Schachtelhalmwald in Miniatur...
Schachtelhalme gehören wie die Farne zu den ältesten Pflanzen der Erde. Bisherige Funde belegen, dass beide Pflanzenarten seit mindestens 400 Millionen Jahren auf unserem Planeten wachsen und sogar alle bekannten Massensterben überlebten. In Klosterrezepten aus dem Mittelalter wurde beschrieben, dass Schachtelhalme rheumatische Beschwerden lindern, den Stoffwechsel anregen und als Tee sogar Blase und Blut reinigen könnten. Das Wissen ging fast verloren, bis der berühmte Sebastian Kneipp, der Vater der Kneipp-Medizin und Wasserkur, es als Heilpflanze (Ackerschachtelhalm/Zinnkraut) mit erstaunlichen Inhaltsstoffen neu entdeckte, und wandte die Pflanze gegen Rheuma und Gicht an. Während heutige Schachtelhalme, klimatisch bedingt in unseren Regionen, im Durchschnitt nur bis ca. 3 Meter hoch wachsen, gibt es in den tropischen oder subtropischen Regionen Südamerikas noch weitaus größere Arten. Die Art Equisetum giganteum wird bis zu 6 Meter hoch und die Art Equisetum myriochaetum sogar bis zu 8 Meter, mit Stielen von bis zu 3,5 Zentimeter Durchmesser. Dies sind schon, gegenüber heimischen Arten, beeindruckende Maße für einen Schachtelhalm, doch in den langen Zeiträumen der Erdgeschichte, in der Urzeit, konnten Schachtelhalme noch größer und höher wachsen. Unter idealen tropischen oder subtropischen Bedingungen muss es in der Urzeit ganze Schachtelhalm-Urwälder gegeben haben, ein Gigantismus in der Pflanzenwelt.

Gigantismus in der Erdgeschichte

Lebendigen Gigantismus gibt es auch in der Gegenwart: in der Tiefsee entdeckte man z.B. die 1,7 kg schwere und 45 Zentimeter große Riesenassel Bathynomus giganteus oder die japanische Riesenkrabbe mit einer Länge von bis zu 4 Metern. Es wird vermutet, das sogar der urzeitliche Megalodon (Riesenhai), der bis zu 20 Meter lang wurde, in der noch kaum erforschten Tiefsee überlebte. Im heutigen Pflanzenreich gibt es z.B. die 3 Meter hohe Riesenblume Titanenwurz oder die beeindruckende Karnivore der Welt, die Nepenthes attenboroughii, mit einer Wuchshöhe von bis zu 1,5 Meter und einen Durchmesser von bis zu 3,5 Zentimeter. Gegenüber den bisherigen Funden aus der Urzeit sind dies jedoch noch kleine Maße, mal abgesehen von den riesigen Dinosaurierarten. So fand man u.a. Millionen alte Überreste des Riesenskorpion Euryteriada, der fast 2 Meter lang war, oder die des Tausendfüssler Arthropleura, der eine Länge von 2,5 Meter erreichte.

Größter versteinerter Schachtelhalm in Chemnitz gefunden

Zu den größten fossilen Pflanzenüberresten, die man bisher fand, gelten die Versteinerungen von Farnen und Schachtelhalmen. Während bis heute riesige urzeitliche Baumfarne überlebten, wie der Norfolk-Baumfarn von bis zu 30 Metern Höhe, überlebten nur einige der größten Schachthalmarten in den tropischen oder subtropischen Regionen Südamerikas. Dass es aber auch riesenhafte Schachtelhalme vor vielen Millionen Jahren gab, bewies der sensationelle Fund in Chemnitz. Der versteinerte Wald von Chemnitz ist eine weltweit bedeutende Paläobotanische Fossilienfundstätte, wo man schon 1751 einen 3,7 Meter hohen versteinerten Baumstamm (megadendron saxonicum) ausgegraben hatte. Im Jahre 2009 wurde dort der eindrucksvollste Schachtelhalm-Baum (Riesen-Calamit) der Welt entdeckt. Mit einer Länge von rund 10 Metern und einem Alter von 290 Millionen Jahren (Perm), gilt dieser Fund als sensationell, wobei dieser Riesen-Calamit (Arthropitys bistriata) verholzt war und einen Stammdurchmesser von 1 Meter gehabt haben muss. Auch fand man bisher 300 weitere fossile Pflanzenreste im Areal.

Andere Forscher gehen davon aus, dass der Fund in Chemnitz noch kein ausgewachsener Schachtelhalm gewesen sein kann, weil sie vermutlich auch eine Höhe von 20 bis 30 Metern erreichen konnten. Bis heute bleibt die evolutionsbiologische Frage ungelöst, was auch den Gigantismus in der Pflanzenwelt förderte, und wo die genaue Wachstumsgrenze vor vielen Millionen Jahren gewesen sein könnte. Ob es tatsächlich eine Art Wachstums-Obergrenze von maximal 150 Metern wie bei den Mammutbäumen gab, ist noch nicht bewiesen. Ein zweiter Gigant, der Gelbe Merantibaum wird bis zu 100 Meter hoch. Auch das die Pflanzen nur deshalb so eine hohe Triebkraft entwickelten, um z.B. eine bessere Versorgung mit dem Licht der Sonne zu erreichen, um dadurch einen effizienteren Stoffwechsel zu erreichen, scheint nur ein Teil der Lösung zu sein, weil die Umweltbedingungen vor so langer Zeit ganz anders waren. Wissenschaftler gehen davon aus, das der Gigantismus in der Erdgeschichte so zu erklären ist, das vor vielen Millionen Jahren die Atmosphäre einen weitaus größeren Sauerstoffgehalt hatte wie heute, und die Erde größtenteils nur tropisch und subtropisch war. Die Möglichkeiten einer anderen Rotationsachse der Erde und eine damalige Anomalie der Magnetfelder, was vielleicht 200 bis 300 Meter hohe Bäume hervorbrachte, sind noch hypothetisch. Dies und warum gerade diese Pflanzenart, wie auch die Farne, jedes Massensterben überlebte, regt zu weiteren Forschungen an. Dieser Fund und andere Funde aus dem versteinerten Wald von Chemnitz können heute im Museum für Naturkunde der Stadt besichtigt werden.

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Schlüsselwörter: Schachtelhalm | versteinerte Bäume | Chemnitz | Urzeit Perm | Gigantismus
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