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Technik: Luft- und Raumfahrt

Rauchverbot! – Wofür sind noch die Aschenbecher im Flugzeug?

Trotz striktem Rauchverbot bei den Airlines auf allen Flügen sind noch Aschenbecher an Bord

Aschenbecher fliegen noch mit.
Aschenbecher fliegen noch mit.
Wir schreiben das Jahr 2016. Eine nagelneue Passagiermaschine startet vom Frankfurter Flughafen zu ihrem ersten offiziellen Linienflug nach Übersee. Die Passagiere sind verwundert. Was machen die Aschenbecher an Bord? Es besteht doch in den Flugzeugen seit vielen Jahren ein striktes, generelles Rauchverbot – und das bei allen Airlines. Wieso sind aber dann noch überall die Aschenbecher an Bord? Welche Bedeutung haben sie denn noch?

Vorschrift trotz generellem Rauchverbot

In der Tat sind Aschenbecher in Flugzeugen zwingend vorgeschrieben. Insbesondere auch in den Bordtoiletten. Diese Vorschrift stammt sowohl von der European Aviation Safety Agency (EASA), die die Europäische Agentur für Flugsicherheit ist, als auch von der amerikanischen Federal Aviation Administration (FAA). Die EASA ist die Flugsicherheitsbehörde der EU für die zivile Luftfahrt und hat Ihren Sitz in Köln. Ihre Aufgabe ist es, einheitlich hohe Sicherheits- und Umweltstandards auf europäischer Ebene zu erstellen und zu überwachen.

Trotz des heutigen rigorosen Rauchverbotes und hoher Bußgelder für Verstöße dagegen könnte es jederzeit vorkommen, dass jemand dagegen verstößt und sich eine Zigarette ansteckt. Diese müsste dann natürlich sicher entsorgt werden können. Und dazu eben die Aschenbecher an Bord. Damit diese jedoch nicht den Verdacht aufkommen lassen, dass man hier rauchen dürfe, wird auf jedem Flug noch einmal speziell auf das strikte Rauchverbot hingewiesen.

Flugunfall aus dem Jahr 1973 begründet die Vorschrift

Der Flugunfall des VARIG Fluges Nr. 820 vom 11.07.1973 wird für diese kurios erscheinende Vorschrift herangezogen. Flug 820 der brasilianischen Fluggesellschaft VARIG war eine Boeing 707, die sich auf dem Flug von Rio de Janeiro über Paris nach London befand. Etwa 40 Kilometer und nur noch wenige Flugminuten vom Flughafen Paris Orly entfernt bemerkten Passagiere, wie aus einer der hinteren Bordtoiletten Rauch herauskam und alarmierten die Besatzung. Wegen der bereits hohen Rauchdichte konnte der Brandherd nicht ausgemacht werden. Das hatte zur Folge, dass es nicht gelang das Feuer zu löschen.

Als die Rauchentwicklung immer dichter wurde und bereits die ersten Passagiere daran erstickten, entschloss sich Flugkapitän Gilberto Araujo da Silva die Maschine noch vor dem Flughafen, bei der Ortschaft Saulx-les-Chartreux, auf einem Zwiebelfeld notzulanden, das gerade abgeerntet wurde. Obwohl der Rumpf des Flugzeugs bei der Landung nur geringfügig beschädigt wurde, starben von den 134 Insassen 123 Personen. Der nicht angeschnallte Flugingenieur starb beim Aufprall. Alle anderen Getöteten erstickten am Rauch und den Brandgasen. Von den 11 Überlebenden waren 10 Besatzungsmitglieder, die sich im Cockpit oder ganz vorne im Flugzeug befunden hatten. Nur ein 19jähriger Passagier überlebte das Unglück, weil er sich entgegen den Anordnungen des Personals aus dem hinteren Flugzeugteil nach vorne, hinter das Cockpit, begeben hatte.

Brennende Zigarette als Ursache der Flugkatastrophe?

Im Rahmen der Unfallermittlungen wurden zwei mögliche Ursachen des Brandes dargestellt. Eine davon war ein vermuteter Kabelbrand. Diese Ursache wurde nachher jedoch wieder verworfen. Als alternative Ursache nahm man schließlich eine im Müllbehälter entsorgte glimmende Zigarette an. Diese habe die Papierhandtücher entzündet und so einen Brand verursacht. Die verbauten Materialien waren nicht feuerhemmend und stellten daher eine Begünstigung des Brandes dar.

Diese Version gab schließlich den Ausschlag für die Entscheidung der Sicherheitsbehörden die Aschenbecher nicht vollständig aus den Flugzeugen zu verbannen…

Bildnachweis:
  • Aschenbecher fliegen noch mit.: Foto: © Corinna Panek / pixelio.de. ((Lizenz: Gemäß den Pixelio-Bedingungen für dieses Foto.))

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Schlüsselwörter: Feuer an Bord | Vorschriften | Flugsicherheit | VARIG | Notlandung
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