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Die seltsame Kristall-Lampe des Shen Kuo

Gab es ewig brennende Leuchtmittel ? - V

Shen Kuo
Shen Kuo
Wenn man als Archäologe oder Hobby-Forscher eine 2.000-3.000 alten Gruft, Tempelanlage, geheime Höhle oder ähnliches findet, diese nach der Grabung öffnet und plötzlich im Innern eine brennende Lampe sieht, die seit der Zeit brennt / leuchtet, als wenn gerade der Zugang verschlossen wurde, wäre das nicht eine unheimliche Begegnung mit dem Unmöglichen! Vor einem eine angestaubte perfekt erhaltene Lampe, die immer noch kontinuierlich brennt oder leuchtet, wie ein magisches Objekt aus alten Legenden und vergessenen Erzählungen. Fragt man sich hier nicht automatisch, ob dies eine vergessene antike hochentwickelte Technik ist, ein geheimes Wissen einer elitären Priesterschaft oder sogar ein göttliches Werk oder Hinterlassenshaft alter Götter!? Wie bei all den vorherigen Teilen zu Gab es ewig brennende Leuchtmittel ? frage ich mich immer wieder, wie haben unsere Vorfahren das Geheimnis entdeckt und wer war Schöpfer dieser Technologie...

Ein Rätsel das man erst einmal sachlich akzeptieren muss, denn einst gab und heute noch gibt es den Aberglauben, das solche Lampen auch magische Kräfte hätten, so das Plünderer sie für viel Geld versuchten zu verkaufen oder manche sogar dachten, wem wunderst, das diese von einem bösen Zauber umgeben waren und deshalb zerstört werden mussten. Doch auch in der Neuzeit gibt es von vereinzelten konservativen Forschern ein Unverständnis gegenüber vergessener Technologien, die es ja nie gegeben haben dürfte und deshalb eine Fälschung sein müssen, was sonst. Ist dies nicht auch ein fataler Aberglauben, altes Wissen oder göttliche Werke zu verleugnen. Dabei hatte ich schon im Teil 2 Die ewige Lampe des Kallimacho darauf hingewiesen, das es auch durchaus schon sehr raffinierte Konstruktionen von Öl-Lampen gab, was aber nicht jedes Geheimnis ewiger Lampen und Leuchten lüftet, die vermutlich eine ander Kraftquelle hatten, die sie zum Leuchten brachte. Hier darf es auch kein Tabu sein, das es schon Gas oder sogar Elektrizität als Kraftquelle gab. Auch wenn letztendlich der Beweis oder der Fund solch einer Lampe fehlt, sollten solche alten Hinweise nicht ignoriert werden.

Das Universalgenie Shen Kuo

Die Song-Dynastie (960 bis 1279) war, wie auch andere Dynastien, eine Zeitalter der Entwickung und des Fortschritts. Ob Buchdruck, Papiergeld, Kompass, Schießpulver, Tiefenbohrungen nach Erdgas, der Einsatz von Düngemittel und Kanalschleuse, mit der Hochseeschifffahrt und Schaufelrad, die Züchtung von neuen Reis- und Weizensorten und viele andere Dinge, war prägend für diesen Zeitraum. Die Literatur blühte auf und es gab gab es eine Zunahme öffentlicher wie privater Schulen und Bibliotheken. Es war auch eine Zeit für Erfinder, Gelehrte, Techniker und Visionäre. Zu den bedeutesten Gelehrten jener Zeit gehörte auch ein gewisser Shen Kuo (auch Shen Gua geschrieben). Shen Kuo (1031-1095) wird bis heute als Archimedes Chinas hoch verehrt, denn er war nicht nur ein hoher Beamter und Diplomat, sondern ein Universalgenie. In seinem 30-bändigen umfassenden Werk Mengxi Bitan befasste er sich mit Architektur, Astronomie, Botanik, Chemie, Geographie, Geologie, Hydraulik, Kartographie, Landwirtschaft, Magnetismus, Mathematik, Mechanik, Medizin, Metallurgie, Militärtechnik, Mineralogie, Optik, Physik, Schiffsbau und Wetterkunde sowie weitere Themen. Es werden noch weitere Werke und Schriften in Chroniken erwähnt, die sich mit technischen und wissenschaftliche Fragen sowie mit Berechnungen der Umlaufbahnen des Mondes und der Planeten beschäftigten. Weiterhin wird ihm nachgesagt, einen Kohleofen gebaut zu haben, den er Drachenofen nannte und dem Kaiser Song Shenzong zum Geschenk machte. Auch soll er u.a. Armillarsphäre, Camera obscura, Kompass sogar ein See- oder Fernrohr und weitere mechanische Geräte modifiziert sowie einen bewegenden Pflug ohne Ochsen konstruiert haben, jedoch weiss niemand mehr, was damit gemeint gewesen mag. Eine zweite selbstbewegende Armillarsphäre wird so beschrieben, das sich dessen Metallringe ohne Unterlass selber weiter bewegten, berührte man nur einen von ihnen. Ihm faszinierte der Rohstoff Erdöl, woraus er ein Schreiböl entwickelte, was er selber als Steinöl bezeichnete, untersuchte die pharmazeutische Verwendungsmöglichkeit und extrahierte sogar schon festen Paraffin aus Erdöl. Seine Sammlung von alten Büchern und Schriftrollen wird als legendär beschrieben, was nicht immer selbtverständlich war, schließlich gab es auch in China grosse Bücherverbrennungen. So geschehen u.a. in der Qin Dynastie (221 v. Chr.-207 v. Chr.) und in der Qing Dynastie (1616-1912). Diese Literarische Inquisition, auch bei uns in Europa durch die Kirche eingeleitet, war ein direktes Mittel der politischen Verfolgung von Intellektuellen. In China war es zu diesen Zeiten verboten, sich über die ehemalige Dynastie oder Herrscher kritisch zu äußern, ausser es wurde vom jeweiligen Herrscher gebilligt, daher wurden alle, die damit zu tun hatten und alle Angehörige des Verurteilten versklavt oder getötet.

Die seltsame Kristall-Lampe des Shen Kuo

In alten Erzählungen wird erwähnt, das er oft bis Abends und darüber hinaus unermüdlich arbeitete und ihm dabei eine seltsame Glas- oder Kristall-Lampe unterstützte, wovon es heisst ...sie brannte ruhelos, aber doch ohne Öl, sie erhellte sich vor den Augen des Meisters, aber nicht den ganzen Raum...

Wei Pu, ein Kollege und Zeitgenosse von Shen Kuo und bedeutender Astronom seiner Zeit soll es so und wahrscheinlich am genauesten beschrieben haben ...hätte er (Shen Kuo) es mir nicht gezeigt, konnte ich mir vorher nur eine arge Täuschung vorstellen... das leuchtende Glas aus Bergkristall bekommt die Kraft aus einem Tongefäß, das 10 sheng (Liter) fasst...darin schwimmt ein Stab aus Metall und Kohle in einer Flüssigkeit aus dem Saft von Zitronen und Aprikosen... und der Stab verbindet versponnenes Kupfer und eines wie Silber, welches das Bambus im Glas zum Leuchten bringt... doch das schwache Licht ist nicht gut für des Meisters Augen, möge er doch die Kraft einer Kerze nutzen...

War dies womöglich schon eine einfache Batterie, das eine Art Glühbirne zum erleuchten brachte, auch wenn Wei Pu bemängelte, das es keine Kerze ersetzen könnte, weil es nicht hell genug leuchtete?

Der Schriftsteller Zhu Xi (1130-1200) war Gelehrter und Berater des Song-Kaisers, war Mitschöpfer der Vier Bücher des Konfuzianismus, schrieb darüber hinaus über 70 weitere Werke, und auch er bewunderte denn alten verstorbenen Lehrmeister und seine Werke. So notierte er in seinen Texten ...keiner vermochte die Mechanik der selbstbewegenden Armillarsphäre zu verstehen und niemand fragte den Lehrmeisters nach dem Geheimnis seiner stetig leuchteten Lampe, die er mit ins Grab nahm...

Der berühmte Schriftsteller Qu You (1341-1427) lebte in der Ming-Dynastie, und war empört über die Grab-Zerstörung des Shen Kuo, dessen letzte Ruhestätte in der Nähe von Hangzhou war, und gibt wohl denn letzten Hinweis auf die seltsame Lampe, wobei man hier nicht ausschließen kann, das er es als Schriftsteller vielleicht ausschmückte. Ihm schienen Lampen in jeder Form zu interessieren, denn er schrieb tatsächlich 1378 die 40-bändige unterhaltsame Novellensammlung Jiandeng Xinhua, das mit Neue Geschichten beim Putzen der Lampe oder auch mit Neue Geschichten beim Schneiden des Lampendochtes übersetzt wird. Ebenso schrieb er die fantasievolle Geschichte über eine Geisterlampe, die er die Die Päonien-Laterne nannte. Über die Grabschändung schrieb er, die wahrscheinlich kurz vor Beginn der Ming-Dynastie geschah, also etwa 250 Jahre nach dem Tod von Shen Kuo ... so blieben nur die Geschichten der Plünderer, die nach ihrer Folter eine qualvollen Tod fanden... so berichten sie von bewegenden Apparaten, vielen Büchern und Schriftrollen und auch von einer Lampe auf ein Gefäß am Fusse des Sarkophag, das wie ein Glühwürmchen leuchtete, und mit zwei Spiegeln am Kopfe den Deckel erhellte... als sie den Deckel zur Schändung hoben, trafen sie Pfeile, die aus dem Boden sprangen... so warfen sie den Deckel zur Seite, zerstörten in Wut die Lampe und alles was kein Gold oder Silber war, schändeten des Leichnams Schmuck... bis ihr eigenes Blut den Soldaten den Weg zu ihnen markierte... der Kaiser ließ sie lebendig in einer versiegelten Gruft vergraben... so schändlich war ihr Werk...

Wenn die Erzählungen stimmen muss die Lampe 250-300 Jahre geleuchtet haben, also auch schon vor dem Tod von Shen Kuo, als er sie noch benutzte. Wieder frage ich mich, wie im 1.Teil Die ewigen Lampen & Lichter: Nach unserem heutigem technischen Verständnis müssten solche Lampen, zumindest so eine Art Trockenbatterie als Energiequelle gehabt haben, um überhaupt ein Leuchten von Steinen, Glasgefäßen oder Kristallen erklären zu können, was aber immer noch nicht die die Langlebigkeit erklären würde, weil es bis heute nicht solche Batterien gibt.

Natürlich fehlt der Beweis, ein Fund solch einer intakten Lampe, doch traue ich auch einem Universalgenie wie Shen Kuo zu, das er die Erzeugung von Strom mittels einer Batterie entdeckte oder weiter entwickelte, doch seiner Zeit voraus war, die jedoch lieber Kerzenlampen oder Öl-Lampen bevorzugten. Schließlich interessierte sich Shen Kuo nachweislich auch für Archäologie und alte Relikte und er rekonstruierte auch mechanische Geräte aus alten Texten. Fand er vielleicht auch ältere Hinweise, die ihm zum Bau einer Batterie halfen? Die Spurensuche geht weiter...

Kurze Zwischenbilanz am Schluss:

Den Beitrag Leuchtturm von Alexandria ordne ich als Teil IV der Serie Gab es ewig brennende Leuchtmittel ? ein, weil auch hier die Frage des Leuchtmittels noch rätselhaft ist. Somit gibt es bisher 5 Beiträge dazu:

Teil 1 - Die ewigen Lampen & Lichter Teil 2 - Die ewige Lampe des Kallimacho Teil 3 - Das Nymphaion der Thetis und die leuchtenden Perlen Teil 4 - Leuchtturm von Alexandria Teil 5 - Die seltsame Kristall-Lampe des Shen Kuo

Bildnachweis:
  • Shen Kuo: xxxx

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Schlüsselwörter: ewige Lampe | ewiges Licht | Shen Kuo
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