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Siegener Studenten wollen Studiengebühren boykottieren

Erstveröffentlichung: www.readers-editon.de Autor: Johannes Nuß

Die Hochschulleitung warnt: „Wer die erhobenen Studiengebühren nicht zahlt, muss mit der Exmatrikulation rechnen”, erklärt der Rektor der Siegener Universität Prof. Dr. Ralf Schnell. Unbeeindruckt davon arbeitet der Siegener AStA und die so genannte Boykottgruppe seit zwei Wochen fast rund um die Uhr, um neben ihrem Studium den Studiengebührenboykott auf die Beine zu stellen. „Von Seiten der Hochschule wird mit Exmatrikulation gedroht. Das ist natürlich verständlich, und ist ein Punkt, der überdacht sein muss, allerdings haben wir den rechtlichen Aspekt durchaus geprüft und festgestellt, dass eine Zwangsexmatrikulation so schnell und so einfach nicht durchzuführen ist“, erklärt ein Sprecher der Boykottgruppe.

Recht hat er, tatsächlich kann der Rektor einer Hochschule einen Studenten nicht so einfach aus der Universität werfen – dafür gibt es nämlich Fristen, an die sich auch eine Hochschulleitung zu halten hat. Schon gar nicht, und da sind sich die Siegener Studenten derzeit sicher, wenn man es schaffe, mehr als 25 Prozent der Studierendenschaft davon zu überzeugen, die Gebühren nicht an die Hochschule zu zahlen. Stattdessen wollen die Studenten den Betrag von 500 Euro auf ein von AStA und Anwalt verwaltetes Treuhandkonto überweisen, um dann mit der Hochschulleitung in Verhandlung zu treten. Wer kalte Füße bekommt kann jedoch jederzeit aussteigen.

25 Prozent der Siegener Studenten, dass sind rund 3200 angehende Akademiker, die sich dem Risiko einer Exmatrikulation aussetzen. Allerdings, und das ist das stärkste Argument der Boykotteure, sind 3200 angehende Akademiker auch zahlende Kunden, die immerhin 1000 Euro pro Studienjahr zahlen sollen: Das macht pro Semester rund 1,6 Millionen Gebühren-Euro, die die Hochschulleitung natürlich haben möchte. Mit der Exmatrikulation von der erwarteten Teilnehmerzahl ist wohl auch tatsächlich nicht zu rechnen: Noch im Sommer hat der NRW-Innovationsminister und Hochschuldozent Andreas Pinkwart verkündet, dass Universitäten, die weniger als 10.000 eingeschriebenen Studierende haben, wirtschaftlich nicht mehr tragbar seien.

Dass die Uni in Siegen vom wirtschaftlichen Aus bedroht wird, will man natürlich in der Studierendenschaft auch nicht, im Gegenteil: man hofft, dass man die Verhandlungssituation verbessern kann, wenn man das Geld zurück hält: „Wir wollen, das Studiengebühren abgeschafft werden. Es kann nicht sein, dass Vermögen darüber entscheidet, wer studieren kann und wer nicht“, betont AStA-Referentin Julia Nickel.

Das ist in Rheinland-Pfalz vergangene Woche geschehen. Dort sollte eine sogenannte „Landeskinderregelung“ greifen, nach der nur Studenten, die nicht in Rheinland-Pfalz ihren Erstwohnsitz haben, zahlen sollten. Verabschiedet hat man das Gesetz zwar, aber ob es je in Kraft treten wird, steht in den Sternen. Der offizielle Grund dafür ist die Befürchtung, dass durch die Einführung der Gebühren der Anteil der „ausländischen“ Studierenden unter den Pflichtanteil fallen könne. Begründet wird diese Vermutung mit dem geänderten Hochschulpakt. Dort bekommt Rheinland-Pfalz mehr Geld für Studierende von außerhalb, dafür müssen die Pfälzer aber auch mehr aufnehmen. Also wird Ministerpräsident Beck im kommenden Semester feststellen, dass nun zuviele Studierende an seinen Hochschulen sind, und diese Regelung letztenendes doch einführen, befürchten Studierendenvertreter.

Der einzige Widerspruch: Noch im Frühjahr des Jahres hatte sich der SPD-Bundesvorsitzende äußerst kritisch zu Studiengebühren geäußert: In einem Spiegel-Interview im Mai forderte er alle Studenten dazu auf, auf die Straße zu gehen und ihr Recht auf freie Bildung einzufordern.

Erstveröffentlichung bei "Readers Edition" Autor Johannes Nuß Grundlage für Zweitveröffentlichung Creative Commons-Lizenz

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Schlüsselwörter: Studiengebühren | Siegen | Studium | Student | Studenten
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