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Bruder Benedikt von Chorin und andere Mönche auf Zeitreise

Gibt es eine Bewegung durch die Zeit ? - Teil VI

Auch im sechsten Teil geht es um eine sehr alte Sage, die Sage eines Zisterziensermönch mit dem Namen Benedikt, der, ähnlich wie der Mönch von Heisterbach, einen Zeitsprung von über 300 Jahre gemacht haben soll. Und wie bei allen bisherigen Teilen über Mönche auf Zeitreisen, war es auch hier nicht so leicht, das Puzzle einer alten Sage auch mit den örtlichen Sagen-Gegebenheiten in Einklang zu bringen.

Das geheimnisvolle Kloster Chorin

Das Kloster Chorin liegt in der Nähe des Ortes Chorin, etwa sechs Kilometer nördlich von Eberswalde im Brandenburger Landkreis Barnim gelegen. Das heutige Chorin wurde aber erst im Jahre 2000 durch den Zusammenschluss mehrerer Dörfer und einer Bevölkerungszahl von rund 2.300 Personen gebildet, und hatte nichts mit der Gemeinde Chorin vor etwa 800 Jahre zu tun. Im Mittelalter gab es auch die Schreibweisen Corin, Coryn und Koryn. Der Ort Chorin ist eigentlich überregional nur durch das Zisterzienserkloster Chorin bekannt. In der regionalen wechselvollen Geschichte um Chorin herum, haben sich im Laufe der Jahrhunderte viele Sagen um dieses Kloster angehäuft. Bekannt ist u.a. die Zwergen-Sage des Böttchers (Fassmacher), der für die Zwerge 12 grosse Fässer anfertigte und reichlich mit Gold belohnt wurde. Daraus resultiert wahrscheinlich die Jahrhunderte alte Sage, das es einen geheimen Schatz in einem noch unentdecktem Klostergewölbe geben soll. Nach einer anderen Version, als die Mönche einen unterirdischen Fluchttunnel gruben, stießen sie auf die Wohnstätte der Unterirdischen (Zwerge ?), mussten deren Existenz leugnen und den Tunnel an ihrer Wohnstätte vorbei anlegen. Auch einzelne Sagen von Erscheinungen und Geistern existieren. Bemerkenswert sind auch Legenden, das genau hier einst keltische Druiden einen heiligen oder magischen Ort oder Versammlungsort gehabt haben sollen. Nordöstlich des Sees befindet sich übrigens im Angermünder Ortsteil Mürow ein Großsteingrab aus der Megalithkultur.

Das Zisterzienserkloster wurde 1258 von den askanischen Markgrafen Johann I. und Otto III als Stiftung gegründet. Die Askanier sind ein deutsches Uradelsgeschlecht, das sogar zum ältesten regierenden Hochadel zählt und deren Geschichte bis zu Beginn des 11. Jahrhunderts urkundlich zurückverfolgt werden kann. Zunächst wurde das Kloster auf einer Insel im Parsteiner See angelegt und hatte den Namen Kloster Mariensee. Dieser Ort wurde wahrscheinlich gewählt, weil es hier Überreste einer einstigen slawischen Befestigung gab, und das hier bereits 1231 ein Kloster mit dem Namen Civitas Dei gegeben haben soll. Doch schon in den ersten Jahren stellte sich heraus, das das Gelände ungünstig und schwer zugänglich war, aber es fehlte auch ein fließendes Gewässer für eine Wassermühle und frisches Wasser, und nahende Sümpfe beeinträchtigten auch die Hygiene. Aus diesen Gründen wurde schon 1266 entschieden, den Ausbau zu stoppen und das Kloster nach Chorin zu verlegen. Im Jahr 1273 war es schließlich vollbracht. 1274 bestätigte Papst Gregor X. dem Kloster in Chorin und den dort lebenden Zisterziensern deren Besitztümer, die sich in den folgenden Jahren vermehrten, sei es durch grosszügige Schenkungen und den Ankauf von Grundstücken umliegender Ortschaften. Dadurch hatte das Kloster bald einen grossen Einfluss auf die ganze Region um Chorin. Die Sage um den Mönch Bruder Beendikt soll sich in der Gründungszeit zwischen 1258-1270 ereignet haben, als das Kloster noch auf einer Insel lag und Kloster Mariensee hieß, und so wurde es überliefert...

Bruder Benedikt und das verschwundene Kloster

Im Parsteinsee lag das neu gegründete Zisterzienser-Kloster Mariensee, wo einst der fromme Bruder Benedikt lebte. Sein Wissensdurst nach Gottes Werken war so gross, das er nicht nur die heiligen Schriften gründlich studierte, sondern auch gelehrig in alten Schriften der Wissenschaften war. Kaufleuten, die des Weges waren, und wussten das der gelehrige Mönch Bendikt auch alte Schriften und Bücher gegen wertvolle Kräutersäfte tauschen konnte, warteten hin und wieder am Ufer des Sees. Sah Bruder Beendikt die Kaufleute wartend, stieg er in sein kleines Boot und ruderte geschwind zu anderen Ufer. Sein Studium der heiligen Schriften und die Erkenntnisse aus den Büchern der Wissenschaften brachte ihn bald in einem Zwiespalt. So fragte er sich, wie Gott all seine Werke in so kurzer Zeit schaffen konnte. So erschuf Gott den Menschen schon am sechsten Tag, so steht es in den heiligen Schriften, aber ein Weib trägt einen neuen Menschen ganze 9 Monate in sich. Auch gingen ihm weitere Fragen durch den Kopf, aber keiner seiner Brüder zweifelten an Gotteswerk und verstanden die geistige Unruhe Benedikts nicht. Schließlich sorgten sie sich um Benedikt, immer wenn er am Ufer des Sees saß, und darüber so sehr grübelte, warum er im Zwiespalt zwischen Gottes Werke und der Wissenschaft stand. So riet ihm schließlich der Abt des Klosters, sich doch nur noch den heiligen Schriften zu widmen, um seinen Geist zu befreien, und so gestattete Benedikt schweren Herzens seinen Brüdern, das man ihm seine Bücher nur einmal im Monat zum studieren gab und verschloss alles in einer abschließbaren Kiste. Der Schlüssel bewahrte der Abt auf, und gab ihm nur einmal im Monat Benedikt, wenn er sich an die Regel hielt. Benedikt gelobte in Demut dem Kloster zu dienen, die heiligen Schriften zu lehren und Gottes Werke nicht in Frage zu stellen. Doch kaum war der erste Monat vorbei, und kaum händigten ihm seine Brüder wie versprochen seine Bücher-Kiste für einen Tag aus, blieb er den ganze Tag in seiner Mönchszelle, und erneut traf ihm der Zwiespalt mit sich. An einem solchen besonderen Tag erschrak er plötzlich, das bald die Nacht anbrach, und er das Abend-Gebet noch nicht gesprochen hatte. Er schloss seine Augen und betete:

Herr, hilf mir meinen rechten Weg wieder zu finden, den ich fürchte mein Bestreben nach Wissen, doch möchte ich doch in Demut nur Dir dienen.

Nach dem Gebet zweifelte Benedikt sogar an seine Worten an den Herrn, denn er vernahm keine Stimme in seinem Kopf, und sah dabei auf die heilige Schrift, die auf seinem kleinen Tisch neben dem Bett lag. So nahm er die heilige Schrift, hielt sie an seiner Brust und sprach suchend im Raum:

Bin ich noch würdig Mönch zu bleiben, reicht doch nur ein Tag des Lesens im Monat für meinen neuen Zweifel an Dich, mein Herr, doch gelobte ich doch bei meinem Leben, Dir ewig zu dienen, warum hilfst Du mir nicht.

Schwermütig und enttäuscht legte er die heilige Schrift wieder auf den Tisch. Dann schaute er in die Bücherkiste hinein, die alsbald seine Brüder ihm wieder wegnahmen und schloss den Deckel der Kiste. In diesem Moment erschrak er, denn wie von Geisterhand fiel die Heilige Schrift mit der Lesekerze von seinem Tisch und lag als offenes Buch auf dem Boden. Behutsam hob er es auf, wollte er wieder verschließen und auf dem Tisch zurücklegen, da sah er bedrückt, das Wachstropfen eine Stelle bedeckten. Als er diese vorsichtig mit seinem Fingernagel abtrug, sah er das es die Stelle von 2. Petrus 3,8 war, und dort stand geschrieben:

Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, daß ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag.

Da kniete er sich hin und bete inbrünstig vor dem Kreuz des Herrn: Dies ist deine Antwort mein Herr, dies ist Dein Zeichen, um meinen Zweifel zu beseitigen. Wie kann ich Deine Worte in der Tat erkennen ?

Doch nichts passierte, und nachdem seine Brüder ihm seine Bücher wieder für einen Monat abnahmen, schlief Benedikt niedergeschlagen ein. Er dachte sich, das er vielleicht den Herrn mit seinen Taten für das Kloster erst überzeugen muss. So nahm er am nächsten Tag wieder am Klosterleben teil, tat seine Arbeit und dachte nicht mehr darüber nach. Am sechsten Tag des Monats bekam er die Aufgabe, das Schilfrohr am Seeufer zu schneiden, was das Kloster als Dachdeckmaterial verwendete. Bereits nach der Mette um 3 Uhr ging er mit einer Laterne zum Ufer, um seine Arbeit zu beginnen. Als um Fünfe die ersten Sonnenstrahlen nach einiger Zeit alles erhellten, hörte er einen wunderschönen Vogelgesang, weil er ihn noch nie vernommen hatte. Er sah am anderen Ufer etwas auf einen Ast sitzen, das wie ein Vogel aussah und weil ihm der Gesang derart im Bann zog, wollte er mit seinem kleinen Boot zum anderen Ufer vorsichtig rudern und den Gevatter Gesang mit eigene Augen sehen. Doch fiel ihm das Rudern schwerer als sonst, und es schien ihm sogar so, das er kaum von der Stelle kam, doch nach einiger Zeit erreichte er erschöpft das andere Ufer. Er ging weiter zu dem nahe liegenden Hain woher er den Gesang hörte, suchte aber vergebens den Vogel. Plötzlich wurde er von solcher Müdigkeit erfasst, das er sofort unter einem Baum einschlief.

Erschrocken wachte Benedikt wieder auch und wusste nicht wie ihm geschah und wie lange er schlief, aber das er schnell zur Prim (Morgengebet/Stundengebet) zurück ins Kloster musste. Weil er keine Glocke hörte, dachte er verschlafen zu haben, und wollte schnell zurückrudern, um den Abt und seine Brüdern um Entschuldigung zu bitten. An der Insel angekommen, war das Kloster nur noch eine Ruine und weit und breit sah er keinen seiner Brüder. Verwirrt stand er da und wusste wieder nicht wie ihm geschah. Da sah er etwas weiter weg am Rande der Insel, das dort ein alter Eremit mit wachen Augen hauste. Er fragte den Eremit:

Sag mir alter Mann, wo ist das Kloster, ich war doch nur wenige Stunden von diesem Ort fern, wo sind meine Brüder ?

Der alte Eremit kicherte und mit grossen Augen erwiderte er kichernd:

Kann ein Mönch so töricht sein, das er nicht weiss, dass das Kloster schon seit über dreihundert Jahren nach Chorin verlegt sei. Sehen Deine Augen nur, was sie sehen wollen, zweifelst Du nie an Deinen klaren Verstand, der alle Antworten schon kennt ?

Töricht bist nur Du alter Mann, entgegnete Bendikt. Da sah er ankommende Boote von Fischern, und wollte sie fragen, was mit dem Kloster geschehen sei, weil er dachte, das der alte Eremit schon verrückt sei. Als er auf die Fischer zuging, kamen ihm die Trachten fremd vor. Doch auch die Fischer schauten ihn erstaunt an, und auch sie konnten seine Frage nicht verstehen, aber auch sie sagten ihm dasselbe wie schon vorher der alte Eremit. Als er sich umdrehte, um zum Eremiten zurückzukehren um sich zu entschuldigen fand er ihn nicht mehr, als sei er nie dagewesen. Er jetzt erkannte Benedikt, das ihm der Herr eine schwere Lehre erteilte, den er begriff die Worte der heiligen Schrift, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag...

Er kniete nieder, sank den Kopf voller Demut und verstarb noch am Ufer voller Reue.

Epilog

Auch bei dieser Sage, kann es nicht ausgeschlossen werden, dass auch der Mönch Benedikt einen ungewollten und unerklärlichen Zeitsprung machte. Ähnliche Erzählungen folgen…

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Schlüsselwörter: Mönch | Zeitverschiebung | Zeitsprung | Zisterzienser | Kloster Chorin
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