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Politik: Asien

Gerechtigkeit – Auf den Philippinen offenbar ein unbekanntes Wort

Anton Kampfmann (61) kämpfte auf den Philippinen vergeblich um Gerechtigkeit (Teil 4)

Anton Kampfmann
Anton Kampfmann
Anfang November erreichten mich überraschende Informationen von einem meiner Informanten auf den Philippinen. Nach mehr als sechs Monaten nach dem letzten Verhandlungstag wurde jetzt das Urteil über den auf den Philippinen inhaftierten Anton Kampfmann (die OZ24 berichtete bereits mehrfach über ihn; siehe unten die Links auf die Artikel) gefällt.

Das Ende der Ungewissheit

Anton Kampfmann wurde am 29. Oktober 2015 auf den Philippinen des Doppelmordes für schuldig gesprochen und zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Ein Anklagepunkt war von Mord auf Totschlag herabgestuft worden. Für die Anklagepunkte des illegalen Waffenbesitzes und des versuchten Mordes hingegen gab es einen Freispruch.

Nach Einschätzung meines Informanten wird dies wohl eine Zeitspanne von über 30 Jahren bedeuten, die Anton Kampfmann in Haft bleiben muss. Wird die bisherige „Untersuchungs“-Haft von mehr als 10 Jahren dabei nicht berücksichtigt, bedeutet dies dass Anton Kampfmann bei seiner Entlassung mehr als 90 Jahre alt sein wird – wenn er dass dann überhaupt noch erleben wird.

Ein widersprüchliches Urteil

Wie mein Informant weiter berichtete, sagte Kampfmanns Anwalt nach dem Urteilsspruch, dass eine Verurteilung wegen Mordes eigentlich völlig unmöglich sei, wenn es gleichzeitig einen Freispruch für illegalen Waffenbesitz gab. Wie hätte denn dann der Verurteilte die beiden Opfer erschießen sollen, wenn er keine Waffe hatte. Und nach dubiosen Zeugenaussagen sollen die Opfer erschossen worden sein. Der Anwalt soll bereits angekündigt haben in Berufung zu gehen.

Wie es weiter hieß soll ein ehemaliger Richter das Urteil gegen Kampfmann wie folgt kommentiert haben: „Wenn in einem Verfahren wie bei Anton Kampfmann eine Anklage von Mord auf Totschlag heruntergestuft wurde, dann hätten eigentlich alle Mordklagen auf Totschlag reduziert werden müssen.“

Sorgte die Bild-Berichterstattung für Ungerechtigkeit?

Zwischenzeitlich gab es auch einen reißerisch aufgemachten Artikel über Anton Kampfmann in der Bild-Zeitung. Darin wurde unter anderem auch ein Foto aus dem Quezon City Jail veröffentlicht, dass ein total überfülltes Gefängnis zeigte, in dem dicht an dicht gedrängt Dutzende von Inhaftierten auf wenigen Quadratmetern hausten. Ähnliches war auch schon in Reportagen des deutschen Fernsehens zu sehen, die allerdings nichts mit Kampfmann zu tun hatten.

Ein weiterer Informant von den Philippinen meinte, dass gerade die Bild-Berichterstattung mit diesem Foto ein großer Fehler gewesen sei. Bilder kann man im Gegensatz zu Texten schwerlich widerrufen und dementieren. So muss auch das betreffende Foto der philippinischen Regierung sauer aufgestoßen haben. Vielleicht hat deswegen auch der urteilende Richter seinen Urteilsspruch von höchster Stelle bekommen – mutmaßt mein Informant weiter. Ganz ähnlich sehen es viele Europäer, die auf den Philippinen leben aber verständlicherweise nicht namentlich genannt werden wollen. Zu leicht kann man für solche Spekulationen dort für immer in den Gefängnissen verschwinden.

Innere Ruhe und Frieden durch Gespräche mit Gott

Ein Freund des Verurteilten meldete sich ebenfalls jetzt bei mir. Wie er mir berichtete, fühlt sich Anton Kampfmann gut und er sei inzwischen auch relativ gelassen. Durch seine zahlreichen Gebete, in denen er zu Gott sprach, habe er Ruhe und inneren Frieden gewonnen. So hat er, wie der Freund mir versicherte, all seinen Gegnern und Peinigern, die ihn vor über 10 Jahren fast zu Tode gefoltert hatten, vergeben.

Zudem möchte sich Kampfmann bei allen Menschen bedanken, die für ihn gebetet haben oder es auch noch tun. Und er ist zuversichtlich, dass er durch Gottes wunderbares Wirken eines Tages aus der Haft befreit wird. Heute schreibt er Gedichte über Gott und die Welt sowie über Erlebnisse aus seinem Leben. Und er bittet seine Freunde, ihn mit Lesestoff zu versorgen, damit er nicht dem Alltagstrott im Gefängnis verfällt.

So vieles im Argen…

Nicht nur in sozialen Netzwerken und Foren im Internet wird immer öfter berichtet, dass auf den Philippinen und anderswo so vieles im Argen liegt. Auch das deutsche Fernsehen berichtet immer öfter mal über irgendwelche menschenverachtende und menschenunwürdige Missstände und Machenschaften. Doch die Politiker der Welt verschließen ihre Augen, Ohren und Münder wie die drei Affen des japanischen Sprichwortes „nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen“.

Erst im Oktober 2015 berichtete eine Journalistin, die für Human Rights Watch auf den Philippinen Goldminen besuchte, über die dortige Kinderarbeit. Sie selbst war sehr betroffen und schockiert, als sie sehen musste, wie viele Kinder hier viele Stunden lang in stark mit Quecksilber belastetem Wasser arbeiten mussten. Und dies, obwohl die philippinische Regierung offiziell ein Gesetz gegen Kinderarbeit erlassen hat. Deshalb dürfte es so etwas eigentlich dort gar nicht geben. Doch: Papier ist geduldig und zwischen einem Erlass und dessen Umsetzung liegen oft Welten, die Lichtjahre voneinander entfernt sind…

Bildnachweis:
  • Anton Kampfmann: Foto: Anonymus (Das Foto, das mir von einem der Informanten übersandt wurde, soll Anton Kampfmann nach der Urteilsverkündung zeigen. Der Urheber des Fotos ist unbekannt und will anonym bleiben. Eine Weiterverwendung ist nicht gestattet.)

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Schlüsselwörter: Quezon City Jail | Untersuchungshaft | Korruption | Gefängnis | Kinderarbeit
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