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Der Mönch aus dem Eis und andere Mönche auf Zeitreise

Gibt es eine Bewegung durch die Zeit ? - Teil IV

Das Interesse für Asien und im speziellem für die Himalaya-Region habe ich meinem Großonkel zu verdanken, der als Teilnehmer der deutschen Tibet-Expedition und anschließenden eigenen Reisen dorthin, immer das Außergewöhnliche suchte und teilweise auch fand. Wenn ich ihn in der Kindheit besuchte, erzählte er mir immer spannende Erlebnisse und Geschichten aus dieser bis heute noch verschlossenen Region. Er war mein erster Indiana Jones. Ob zum Teil dazu gedichtet oder nicht, beim Betrachten seiner Schwarz-Weiß-Fotos hörte ich gebannt zu, wenn es um geheimnisvolle alte Klöster mit alten Klosterbibliotheken, unbekannten Schriftrollen, um Mönche mit außergewöhnlichen Fähigkeiten oder um Geschichten vom Yeti und anderen Fabelwesen ging. Auch die legendären Vimanas sowie weitere Legenden, die die Einheimischen ihm erzählten, waren so prägend für mich, das einer meiner ersten Artikel Agharti – gab es das unterirdische Reich ? hieß. Nach seinem Tod erfolgten auch eigene Recherchen, eigene Reisen und die Auswertung der bisherigen gefundenen Materialien. Auch zum Thema Mönche auf Zeitreise gibt es einige seltsame alte Volkserzählungen aus der Himalaya-Region. Die erste und recht aussergewöhnliche Zeitreise-Geschichte handelt von einem Mönch aus dem Eis, der einen regelrechten Zeitsprung von rund 125 Jahren machte…

Lamayuru-Kloster in Ladakh

Im Osten des ehemaligen Staates Ladakh (im heutige indischen Bundesstaat Jammu und Kashmir) befindet sich auf rund 3.500 Meter Höhe das tibetische buddhistische Lamayuru-Kloster (auch Kurzform Yuru-Kloster), was übersetzt bedeutet das Ewige Kloster, in der Nähe des kleinen Ortes Lamayuru bzw. rund 70 km westlich der grösseren Stadt Leh am Highway 1D. Die Namensgebung ist passend, denn auch hier ranken sich uralte Legenden und Volkserzählungen. Das Kloster ist ähnlich bedeutend wie das Kloster Samye und gehörte einst sogar zu den bedeutendsten Bönklöster in Ladakh. Ein gewisser Naropa (auch Naro oder Narotapa) wurde 1016 in Shrinagar als Königssohn geboren (verstarb 1100), entsagte dem weltlichen Leben und wurde zunächst Mönch und Gelehrter in Nalanda (alte indische Klosteruniversität). Er wurde ein bedeutender buddhistischer Meister, der ebenfalls, wie Padmasambhava aus Samye, über übernatürliche Kräfte und magische Fähigkeiten verfügt haben soll. Naropa wird oft als Begründer des Lamayuru-Kloster genannt, andere Quellen schreiben jedoch dem Mönch Rinchen Sangpo (958-1055) die Klostergründung zu. Somit dürfte das Kloster etwa zwischen 1000-1050 gegründet worden sein. Zu seine besten Zeiten sollen bis zu 400 Mönche dort regelmäßig gelebt haben. Heute leben dort etwas über 100 Mönche. Doch zur Legende...

Gegenüber den vorherigen Erzählungen, hat hier kein Mönch geschlafen und machte dadurch einen Zeitsprung von Jahrhunderten in die Zukunft, sondern hier scheint es so, das ein Mönch plötzlich von der Vergangenheit in die Zukunft versetzt wurde, um nach einiger Zeit genauso wieder spurlos verschwunden sein. Diese seltsame Geschichte soll sich vor etwa 100 Jahren in dem Lamayuru-Kloster ereignet haben, und wurde mündlich weiter erzählt. Die älteren gläubigen Mönche schließen jede Erzählung mit dem Satz ab … so hat es sich ereignet, und der Yama (ein schrecklicher Dämonenfürst) soll mich holen, wenn es nicht stimmt... so dass man sich auch hier darauf verlassen muss, das diese Erzählung inhaltlich authentisch sein könnte bzw, wie auch bei den anderen Erzählungen ein wahrer Kern dahinter steckt. Und so soll es sich ereignet haben…

Am frühen Morgen arbeiteten die Mönche draussen, um den Bachverlauf neu zu befestigen. Jetzt war Frühling und das verschwundene Eis ließ nicht nur grüne Weiden wachsen, auch die Steine der Bachbefestigung konnten jetzt in der weichen Erde neu gerichtet werden, während andere Mönche das Unkraut mit ihren Sensen wegschnitten. Nach ein paar Stunden war es Zeit eine Pause einzulegen, zu Beten und danach eine Mahlzeit einzunehmen. So gingen sie ins Koster zurück, reinigten sich und beteten mit ihren Novizen am Altar. Während die älteren Mönche noch den Altar säuberten, wurden die Novizen in die Küche geschickt, um das gespendete Essen für die älteren Mönche vorzubereiten. Nach kurzer Zeit liefen die Novizen erschrocken aus der Küche, und flüsterten den Abt ins Ohr: Leise Meister, in der Küche schläft ein Gang Mi (Gletschermann), fast wären wir über ihn gestolpert und hätten ihn geweckt. Er ist voller Eis…

Seid ruhig Schüler, hattet ihr die Küche nicht verschlossen und wie kann er voller Eis sein, wenn es draussen taut ?, entgegnete der Abt. Dann flüsterten die anderen Mönche... seien wir vorsichtig und leise, holen unsere Sensen, vielleicht ist es ein Tier oder noch schlimmer, ein böser Chumung (Berggeist), und die mutigsten drei Mönche, mit scharfen Sensen bewaffnet, betraten leise die Küche, während sich die Novizen hinter dem Kloster versteckten, und der Abt alles von hinten beobachtete. Und tatsächlich sahen sie einen Körper mit einem Fell, an dem Eistropfen abfielen. Weil sie keine nassen Spuren sahen, konnte es kein Gang Mi sein, den dieser, so der Volksglaube, kündigt sein Kommen mit grossen nassen Fußspuren an. So konnte dies nur ein Berggeist sein, den nur Berggeister haben die Gabe sich unsichtbar zu machen und über den Schnee zu wandeln, so der weitere Volksglaube. Und weil alle Mönche der Überzeugung war, das sie keine Chance hatten, einen Berggeist zu besiegen, legten sie ihre Sensen nieder, aber aus Vorsicht zunächst in greifbarer Nähe hinter einem Essenkorb. Plötzlich bewegte sich der Chumung, und alle erschraken, bis auf den Abt des Klosters, der ängstlich und ruhig zugleich die Küche betrat.

So rief er laut: Verehrter Chumung, wir sind einfache heilige Männer, sag uns was Du begehrst, und sein willkommen, denn wir sind dir wohlgesinnt. Dann knieten sich alle nieder, um ihre Demut vor dem Berggeist zu bezeugen, auch weil sie dachten, das er jeden Moment sein wahres Gesicht zeigen würde, ob er ein böser Dämon oder gut auf die Menschen gesinnt sei. Als jedoch der Körper anfing zu zittern, und der ganze Boden vom schmelzenem Eis nass wurde, ging der Abt zum Körper hin, und zog das Fell zur Seite. Ein Mensch, es ist ein Mann, kein Chumung, er sieht aus wie unser, rief der Abt, schnell holt heissen Tee und warme Decken. Weder die Mönche noch der Abt konnten sich erklären, wie dieser Mann in Mönchsgewändern plötzlich in der Küche erschien, war doch die Küchentür stets verschlossen und wurde eben erst von den Novizen geöffnet. Das Fenster ließ sich nur von innen öffnen und war immer noch verriegelt. Man konnte sich nicht erklären, wie der fremde Mönch es in die Küche schaffte, ohne eine nasse Spur zu hinterlassen, aber das grübeln der Mönche dauerte nur kurz, denn von der Decke zum Leben erwärmt, erwachte der Fremde, und sein freundliches Gesicht schien dankbar für die warmen Decken und den heissen Tee zu sein, den ihm der Abt überreichte. Während der fremde Mönche Tasse um Tasse heissen Tee schlürfte, betrachtete der Abt ihn von unten und oben, und grübelte nach. Inzwischen hockte der Abt und die drei älteren Mönche vor ihm, und warteten noch eine Weile.

Dann fragte der Abt: Wer seid ihr Bruder, und woher kommt ihr. Mögt ihr ein ähnliches Gewand anhaben wie wir, kann ich mich nicht erinnern, euch jemals im Kloster gesehen zu haben ?

Ich bin Mönch Rawati aus diesem Kloster und arbeite in diese Küche, als ich das neue Holz von draussen für die Wintermonate hereinholte, in diese Küche, die mir jetzt etwas fremd vorkommt, mit den anderen Töpfen, Stühlen und vollem Essen, das vorher noch nicht da war, begann der fremde Mönch zu erzählen, das ist seltsam, aber noch seltsamer war das Schneelicht, das plötzlich in der Küche erschien und mich raus schmiss. Plötzlich war das Kloster verschwunden und ein Schneesturm peinigte mich, und ich konnte kaum was sehen. Dann fand ich einen kleine Höhle nicht weit von hier und wartete den Schneesturm bis am frühen Morgen ab. Also ging ich danach sofort zurück, um das Kloster zu suchen. Ich fand die selbe Stelle, hatte ich dort doch meine Holzaxt vergessen. Plötzlich erfasst mich ein Wirbel, ich betete und die Ohnmacht ergriff mich. Dann wurde ich durch Eure Stimmen wieder ins Leben gerufen.

Der Abt stutzte und wurde misstrauisch: das ist eine seltsame Geschichte Rawati, wie ich sie noch nie hörte. Wie kann ein ganzes Kloster übersehen werden wenn Du an der selben Stelle warst, also hier ? Und wie konntest Du in diesem Raum sein, wenn doch die Türe und das Fenster verschlossen war und ich kein Loch im Dach sehe ? Du musst wissen, das auch Tagediebe schon hier waren und uns bestehlen wollten.

Ein ältere Mönch flüsterte dem Abt ins Ohr: seien wir vorsichtig, vielleicht ist es doch ein verwandelter Berggeist, bedenkt, nur diese kann wandeln ohne den Boden zu berühren, seht doch keine Fussspuren aus Wasser ? Rawati erkannte die Situation und sprach zu den Mönchen: Gewiss ist das seltsam und ich Euch nichts dazu sagen, ich war kaum von Sinnen als ich einschlief und nun bin ich hier. Nein ich bin kein Tagedieb und diese Küche sieht fast aus wie ich sie gestern noch in Erinnerung hatte. Nehmt diese drei Silbermünzen zum Wohle des Klosters, damit ihr wisst, das ich es ehrlich meine. Und er legte sichtbar die drei Münzen auf dem Boden.

Nun gut Rawati, der Tag neigt sich zu Ende, bleibe unser Gast und wärme Dich weiter, ich spreche mich mit den Mönche ab, wie lange Du bei uns bleiben kannst, sagte der Abt und ging mit den Mönchen zum Altar.

Was meint ihr, denkt ihr nicht auch, das er harmlos aber verwirrt ist, oder von einem anderen Kloster stammt ?, fragte er die Mönche.

Ich habe die Lösung, rief einer der Mönche, wenn er behauptet die Küche zu kennen, das hat er gewiss auch einen Schlüssel, aber weil wir ihn ja nicht kennen, und er nicht zum Kloster gehört, können wir ihn überführen, wenn er uns den Schlüssel nicht zeigen kann !

Der Abt erschien der Einfall gut und man wollte Rawati zum Altar holen, als alle plötzlich einen Schrei aus der Küche hörten, und alle wie vom Blitz getroffen zur Küche eilten... Rawati war weg !

Wieder sah man keine Fuß-Spuren, auch das Fenster war weiterhin verschlossen, und alle sahen nur noch eine kleine Wasserpfütze, wo einst der durchnässte Rawati saß. Doch die Tasse aus er den Tee trank, die wärmende Decke und die drei Münzen auf dem Boden waren noch vorhanden. Die Mönche dachten alle an eine Halluzination, doch der Abt, der sich die drei Münzen näher ansah, schmunzelte und schüttelte den Kopf, dann sprach er zu den Mönchen: Was wir sahen hat keinen Sinn, vielleicht ist es eine Prüfung durch die Götter oder ein Berggeist machte sich einen Spass mit uns, doch seht diese Münzen. Es sind sehr alte Qian Long Silbermünzen (geprägt etwa ab zwischen 1790-1795) ist das nicht seltsam...

So wird dieser seltsame Vorfall, etwa um 1915, von der einen Mönchs-Generation bis zur nächsten weiter erzählt. Man weiss nicht ob es stimmt, aber es wurde mal behauptet, das danach es noch dreimal vorkam, das plötzlich schmelzendes Eis auf dem Boden der Küche dahinschmolz und keiner konnte erklären wie das geschah, den es geschah nie im Winter...

Epilog

Eigentlich kennt man die Wörter Zeitsprung oder Zeitverzerrung nur aus Science Fiction, aber könnte es nicht sein, wie bei den vorherige Geschichten, das hier eine Zeitanomalie stattfand, immer an der selben Stelle, die eine Person und später Dinge wie Eis aus der Vergangenheit in die Zukunft brachte ?! Hörte man nicht auch Geschichten von Menschen, die plötzlich vor einem oder in unmittelbarer Nähe verschwand und nie wiederkehrten ?!

Weitere Mönchs-Legenden folgen...

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Schlüsselwörter: Lamayuru-Kloster | Ladakh | Zeitsprung | Mönche | Zeitriss
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