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Die Kerguelen - rauh & geheimisvoll

Einsame Inseln im Nirgendwo

Die Säulen des Herakles ?
Die Säulen des Herakles ?
Die Kerguelen - geschichtliche Entwicklung

Der Kerguelen-Archipel (Archipel = Inselgruppe) dürfte einer der einsamsten Gegenden und einer der abgelegensten Inseln der Erde sein, ähnlich wie die Osterinsel. Entdeckt wurden die schwer zugänglichen Kerguelen-Inseln am 12. Februar 1772 vom französischen Seefahrer Konteradmiral Yves Joseph de Kerguelen de Trémarec (1734–1797). Er gab den Inseln die Bezeichnung Frankreich des Südens, doch der nächste berühmte Seefahrer, der Brite James Cook, der 1776 ebenfalls die Inselgruppe besuchte, nannte die grosse Hautpinsel schlichtweg Island of Desolation.

Für ihn war es eine zu abgelegene und trostlose Insel, gab ihr aber nach dem Entdecker den Namen Kerguelen-Inseln. Aber er notierte auch, das die vielen einschneidenden Fjorde und Buchten jedem Schiff einen sicheren Hafen boten. Mit der Bezeichnung Desolation hatte James Cook nicht übertrieben, den die subantarktische Inselgruppe liegt im südlichsten Indischen Ozean und ist ein Teil des französischen Süd- und Antarktisterritoriums. Bis zur weiter südlich gelegenen Eisküste der Antarktis sind es rund 2.000 km, bis zur nordwestlich gelegenen südafrikanischen Küste sind es sogar rund 3.000 km und zur südwestlichen Küste Australiens noch mehr, rund 4.000 km. Einsamer geht es wohl kaum. Am nächsten der Kerguelen liegen die nahe beinander liegenden südöstlichen Inseln Heard Island und McDonald Island, aber immerhin sind diese noch rund 400 km entfernt. Die Kerguelen bestehen aus 14 Hauptinseln und 15 kleineren Inseln. Die Hauptinsel Ile Kerguelen hat eine Fläche von 6675 km², das sind etwa 92 Prozent der Gesamtfläche der Inselgruppe. Die Durchschnittstemperaturen liegen nur bei 4-5 Grad. An rund 150 Tagen im Jahr herrschen hier stürmische Winde und an weiteren 40 Tagen im Jahr ziehen sogar Orkane über die Inseln.

Innerhalb von nur wenigen Jahren, etwa zwischen 1792 - 1815, waren es profitgierige Wal- und Robbenfänger, die in einem unkontrollierten Gemetzel die gesamte Pelzrobben Population ausrotteten. Walfänger nahmen die Kerguelen als Basis, um mit ihren Walschiffen eine erbarmungslose Jagd auf Wale zu starten, um Tran, auch Polaröl oder Fischöl genannt, aus dem Fettgewebe von Meeressäugern zu gewinnen. Als dies nichts mehr einbrachte wurden grosse Populationen von See-Elefanten und Pinguine vernichtet. Weiterhin wurden grosse Wälder für Feuerholz und Hausbau abgeholt, so das die Inseln bald noch trostloser wurden. Ab 1874/75 besuchten Forschungsschiffe unterschiedlicher Nationen die Inseln, um Forschungsstationen und Observatorien zu errichten. Eine amerikanische Expedition errichtete am 7. September 1874 ein kleines Observatorium am Pointe Molloy im Südwesten der Halbinsel Courbet und eine deutsche Expedition errichtete am 26. Oktober 1874 einen astronomischen und geomagnetischen Beobachtungsstützpunkt in der Anse Betsy, an der Nordwestküste der Halbinsel Courbet. Die britische Challenger-Expedition führte vom 7. bis 31. Januar 1874 umfassende ozeanographische Forschungs- und Beobachtungsarbeiten durch. Als Frankreich die vielen zunehmenden ausländischen Expeditionen und Walfänger auf der von einem Franzosen entdeckten Insel-Gruppe sah, ordnete am 1.Januar 1893 die französische Regierung die offizielle Inbesitznahme der Kerguelen an, um endgültig die Territorialansprüche zu untermauern. Das deutsche Forschungsschiff Gauß der deutschen Antarktis-Expedition mit leitenden den Expeditionsteilnehmern Erich von Drygalski (1865–1949) und Josef Enzensperger (1873–1903), errichtete eine geomagnetische und meteorologische Beobachtungsstation. Enzensperger starb am 2. Februar 1903 an Beriberi, einer Krankheit, die durch Vitamin-B1-Mangel ausgelöst wird, und wurde auf den Kerguelen begraben. Und danach erfolgten viel weitere Forschungsexpeditionen, auch wegen der Nähe zur Antarktis. Im zweiten Weltkrieg waren die schwer einzusehenden Kerguelen auch Ziel deutscher Kriegsschiffe und U-Booten. Dies wussten auch die Alliierten, weshalb viele mögliche Ankerplätze vermint wurden. Trotzdem gibt es die Legende einer ehemaligen geheimen U-Boot-Stützpunktes in einer noch nicht entdeckten Unterwasserhöhle auf den Kerguelen, als Zwischenstation zur Antarktis oder anderen Zielen. Nach den Wirren des Krieges untermauerte Frankreich erneut seine Territorialansprüche, und bildeten 1955 ein Überseeterritorium (Terres Australes et Antarctiques Françaises), bestehend aus den Crozetinseln, der Île Saint-Paul, der Île Amsterdam, dem Kerguelen-Archipel und dem Terre Adélie auf dem antarktischen Kontinent. Heute dient das wilde Insel-Archipel für etliche Forschungszweige, so für Untersuchungen zur Geologie, Seismologie, Meteorologie, Ozeanographie, Hydrographie und Vulkanologie, sowie die Erforschung von Flora und Fauna. Die französische Raumfahrtagentur Centre national d’études spatiales (CNES) unterhält seit 1992 eine Basis zum Empfang von Telemetriedaten der Ariane-Raketen, die vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana aus starten. Die meisten nationalen und internationalen Forschungsschiffe starten von der Insel Réunion, die etwa 500 km östlich von Madagaskar liegt.

Autoren & Forscher waren inspiriert von der einsamen Insel-Gruppe

Bekannt ist die Tatsache, das Jules Verne sich für alle neuen Erfindungen, Entdeckungen und für die Forschung und Wissenschaften begeisterte, regelmäßig Bibliotheken aufsuchte und alle passenden Berichte der Tagespresse studierte, was ihn für seine Werke sehr inspirierte. Er war von den abgelegenen Kerguelen so angetan, das er zunächst dachte, ein Teil der Kerguelen für seinen Roman Die geheimnisvolle Insel zu nehmen, entschied dann doch für eine noch exoterischere Version einer Insel. Aber in seinem späteren Roman Die Eissphinx (auch Verschollen im Eismeer), war er wieder von dieser abgelegenen Inselgruppe fasziniert. Aber auch andere Autoren wie der Brite Patrick O’Brian nutzt Cooks Bezeichnung Desolation in seinem Buch Desolation Island, die deutsche Ausgabe hieß Sturm in der Antarktis. Eine mögliche Verbindung zu der Atlantis-Legende oder einer anderen unbekannten Zivilisation auf den Kerguelen mag in erster Sieht als äußerst spekulativ klingen, dennoch war auch Erich von Drygalski von der Gauß-Expedition davon überzeugt, das der Mont Bianca eine recht seltsame Bergspitze sein könnte, weshalb der Berg auch von anderen Forschern La Pyramide Branca genannt wurde. Karl Luyken, ebenfalls Mitglied der Gauß-Expedition, gab zu bedenken, wenn man es an der Artlantis-Legende knüpft, und die Landfläche der Kerguelen vor ca. 10.000 Jahren das 3-4fache der jetzigen Größe hatte, dann müssten in den Meerestiefen Spuren solch einer möglichen Zivilisation geben. Hypothetisch nahm man sogar an, das die Säulen des Herakles sogar die zwei nördlichen Felsenberge auf den Kerguelen sein könnten, die man Arche des Kerguelen nennt. Auch wies er auf die verschiedenen altgriechische Version hin, denn in einer heisst es ... der grosse Krieg war außerhalb der Säulen des Herakles... siehst Du die Säulen des Poseidon im Norden, weisst es den Weg zu den Säulen des Poseidon des Süden, nach Poseidonis..., was aber nur die Antarktis sein konnte? Nur phantasievolle Spekulation oder wird der Abbau von Meeres-Rohstoffen nicht auch dazu führen, tief im Meer weiter Spuren einer alten Zivilisation zu finden? Da bleibt es nur abzuwarten...

Die Zukunft der Kerguelen

Auch für die weitere Zukunft bleiben die Kerguelen in erster Linie ein idealer und ruhiger Standort für internationale Forschungsstationen jeder Art, als Zwischenbasis zur Antarktis und Meeresforschung. Die bisherigen Bauten haben schon die Größe einer Kleinstadt. Durch die globale Erwärmung sind viele Gletscher stark zurückgegangen, so das man erst seid etwa 1980 auch diese eisfreien Gebiete besser erforschen kann. Die Populationen an Robben und Pinguine haben sich regenerieren können, und auf den Kerguelen gibt es eine einmalige Vogel-Population, so das man auch mit mehr Tagesausflügler der Antarktis-Kreuzfahrtschiffe rechnet. In der Vergangenheit hat man einige Schafe und Rentiere angesiedelt, aber die Einfuhr von Katzen, die sich rasant vermehrten, gefährden inzwischen den Bestand von einheimischen Vogel-Arten. Eingeführte Kaninchen, Mäuse und Schaben gefährden jetzt schon einheimische Pflanzen. So ist der einest über der ganzen Insel verstreute heimische Kerguelen-Kohl sogar sehr gefährdet, weil Mäuse selbst die Samen verzehren, so das eine natürliche Regeneration kaum noch möglich ist. Forscher sind alarmiert, den diese sehr seltene und nur auf einigen subantarktischen Inseln heimische Kohlart, dessen Blätter viel Vitamin C enthalten, ist fast vom Aussterben bedroht. Aber auch der gesamte Rückgang der Vegetation und rund 30% durch fremde Tierarten, ist ma dabei die Kaninchen auszurotten, was bisher auf drei Inseln auch klappte, wodurch sich die Vegetation wieder erholte. Globale Erwärmung und weniger Niederschläge sind weitere Faktoren, die die Inseln in wenigen Jahrzehnten verändern werden. Die bereits 1877 entdeckten Kohlevorkommen waren von schlechter Qualität, so das ein lohnender Abbau sich nie lohnte, ebenso der Abbau von Basalt wegen den langen Transportwegen. Doch in der Neuzeit könnten die Kerguelen wieder eine grössere Bedeutung gewinnen, den Frankreich hat auch seine Ansprüche auf Überseegebiete vergrössert, seitdem man auch den Abbau von Meeres-Rohstoffe ab 1.000 Meter Tiefe als lohnend einstuft. Nach der UN-Seerechtskonvention können Anträge für und Rechte auf Ausbeutung des Meeresbodens über die Grenze der regulären 200-Seemeilen-Zone hinaus gestellt werden, sofern eine geologische Verlängerung des Festlands unter Wasser besteht. Dadurch wird die territoriale Ausdehnung auf 350 Seemeilen erlaubt. Am 25.9.2015 wurde der Antrag Frankreichs als positiv eingestuft, so das um die Kerguelen ein Seegebiet von 423.000 qkm jetzt dem französischen Hoheitsgebiet unterliegt. Somit kann Frankreich in diesen Gebieten nicht nur sämtliche Rohstoffe, insbesondere Mangan, abbauen, sondern hat auch ein Mitspracherecht für dortige Fischvorkommen. Somit werden die Kerguelen eine wichtige zukünftige Basis auch für den Tiefsee-Bergbau.

Bildnachweis:
  • Die Säulen des Herakles ?: Wilfried Stevens

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Schlüsselwörter: Kerguelen | Kerguelenkohl | seltene Pflanze | Atlantis
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