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Der Abt San Virila und andere Mönche auf Zeitreise

Gibt es eine Bewegung durch die Zeit ? - Teil III

Im zweiten Teil ging es um den Mönch von Konradsburg, der 100 Jahre verschlief. Nun geht es weiter mit dem Abt San Virila, vom spanischen Kloster San Salvador de Leyre, der sagenhafte 300 Jahre verschlafen haben soll. Und soll es sich ereignet haben...

Das Kloster San Salvador de Leyre

In der nordspanischen Region Navarra, rund 50 km südöstlich von Pamplona am Fuße der Pyrenäen, liegt das älteste Kloster der Region, das Kloster San Salvador de Leyre. Wann das Koster genau gegründet wurde ist noch nicht bekannt, aber man fand einen Hinweis in einem historischen Brief. So schrieb Eulogius von Córdoba (819 - 859), mozarabischer Prediger und Asket, im Jahre 848 einen Brief an den Bischof von Bischof von Pamplona, wo er das Kloster erwähnte. Mozaraber ist ein interessanter und wenig bekannter Begriff. Die ist eine Bezeichnung für Christen, die im Mittelalter unter muslimischer Herrschaft im heutigen Portugal und Spanien lebten, und sich in ihrer äußeren Lebensform der arabischen Gesellschaft anpassten, um als Christ weiterhin anerkannt zu bleiben. Das bezeugt, das auch der christliche Glauben unter muslimischer Herrschaft weitgehend toleriert wurde, und das Kloster San Salvador de Leyre ein wichtiger spiritueller Ort gewesen sein muss. Somit dürfte das Kloster heute mindestens 1167 Jahre alt sein. Historisch belegt ist auch, das etwa ab 860 Pamplona durch die Mauren besetzt wurde, und das Kloster sogar bis 1023 als Bischofssitz der Diözese (auch Bistum, ein kirchlicher Verwaltungsbezirk) diente. Später im Jahre 1269, wurde das Kloster dem Zisterzienser-Orden unterstellt, dessen Mutterkloster bzw. Abtei das Kloster Nuestra Señora de la Olivia in Navarra war. Der Zisterzienser-Orden lebte Jahrhunderte im Kloster und wurde erst 1798, während der Desamortisation, vertrieben In dieser Zeit der Desamortisation wurden die Güter und das Vermögen der Kirche, und somit auch das der Klöster, im Grunde genommen entschädigungslos enteignet. Seit 1954 leben hier Benediktiner-Mönche aus Burgos (Hauptstadt der Provinz Burgos), und restaurieren seitdem das altwürdige Kloster. Um auch weitere Einnahmequellen zu erhalten wurde im Klosterbereich ein Hotel und ein Restaurant eingerichtet.

Der Mönch, der 300 Jahre verschlief

Ähnlich wie die seltsame Geschichte um den Mönch von Heisterbach, soll der Abt des Klosters, der Abt San Virila, unter sehr ähnlichen Umständen ebenfalls einen Zeitsprung von 300 Jahren gemacht haben. Hier also was im Volksmund darüber erzählt wird...

Abt Virila war ein sehr gläubiger und nachdenklicher Mensch, der ein Gelübde abgelegt hatte, ein heiliges Leben nach Gottes Worten zu leben und zu lehren. Durch regelmäßige Gebete, dem Studium geistiger Lektüre und durch Meditation widmete er sich voll und ganz seiner Aufgabe als Abt des Klosters. Doch erlebte er in Spanien auch die Beeinflussung der Goldenen Zeit des Islam (749 – 1258) mit dem Aufblühen von Kunst, Kultur, Literatur, Wissenschaft und Forschung, so dass er als aufgeklärter und neugieriger Gelehrter auch mal an die Schöpfung zweifelte und oft sich selber hinterfragte, ob auch wirklich alles Gottes Werk war, wie es in der heiligen Schrift steht. Dabei führte er im Gebet auch Selbstgespräche mit Gott und sich, und versuchte immer wieder, das ihm Gott seine zweifelten Fragen beantwortete. So fragte er immer wieder:

Vergib mir mein respektlosen Gedanken, Oh Herr, aber sage er mir doch, hast Du wirklich alles so erschaffen, wie es in der heiligen Schrift steht ? Wieso gibt es eine Zeit, die Jahreszeiten und wie kannst Du an einem Tag so viel erschaffen ?

Doch anscheinend bekam er keine Antwort und kein Zeichen von Gott, und eines Tages ging er am späten Nachmittag zu einer nahe liegenden Lichtung, um in Ruhe darüber zu meditieren, welche Gedanken er habe und warum Gott ihn nicht antwortete. Er wollte sich in Meditation an Gott wenden, das ihm dieser doch endlich Einblick in der Schöpfung und im Jenseits gewährt, ob Gott auch wirklich Schöpfer des Seins und der Zeit wäre. Gott solle ihn ein deutliches Zeichen der göttlichen Unendlichkeit geben, das seine Zweifel unbegründet seien. Er dachte, als Abt werde er seinen Brüdern eine Antwort schuldig sein, wenn ihn ein Bruder fragte, ob Gott Schöpfer aller Dinge gewesen sei. Wenn er keine Antwort wüsste, dann wäre seine Mission als Abt in der Klostergemeinschaft bedeutungslos. So musste er also seinen Wissensdurst, seine Zweifel und Fragen zunächst selber befriedigen. Doch er schlief vor Müdigkeit ein, als er das schöne Zwitschern eines Vogels hörte, und wurde erst am frühen Morgen wieder wach. Verwirrt von seiner Umgebung dachte er:

Seltsam, habe ich doch die Lichtung in ganz anderer Erinnerung.

Doch über sein Verschlafen derart aufgebracht, eilte er zunächst gedankenlos zurück ins Kloster, um das Morgengebet seiner Glaubensbrüder zu führen. Auf dem Weg dorthin, irritierte ihn der Anblick dann der einzelnen Olivenbäume, die nur wenige hundert Meter vom Kloster entfernt waren. Wie mächtig und alt sie sind, wie können sie so schnell gewachsen sein. Gestern reichte noch eine Leiter um sie zu ernten, nun überragen sie die Klostermauer. Habe ich sie so in schlechter Erinnerung ?, dachte er sich und eilte weiter zum Klostertor. Und die kleinen Häuser da hinten, wieso habe ich diese nicht in Erinnerung ?, dachte er weiter.

Ungewohnt ermüdet am Kloster angekommen, klopfte er an das Tor und ein ihm fremder Bruder (Bruder Pförtner ) öffnete ihm. Dieser fragte höflich:

Sagt mir mein Herr was wünscht ihr im Kloster zu tun ?

Verblüfft entgegnete Abt Virila zurück:

Was ich wünsche ? Ich lebe doch hier und möchte wieder nach innen gehen.

Der Mönch am Tor zögerte mit dem Einlass und fragte nochmals:

Es ist wahr, das hier viele Mönche leben, und ich lebe auch schon viele Jahre im Kloster, aber ich habe den Eindruck, Dich noch nie hier gesehen zu haben ?

Virila wurde nun ungeduldig, musste er doch noch das Morgengebet vorbereiten, und der fremde Mönch, vielleicht ein Neuling dachte Virila, wollte ihn einfach nicht reinlassen:

Erkennst Du denn nicht Deine eigenen Abt, ich bin Dein Vater, der Abt Virila !

Doch der Bruder Pförtner wurde jetzt auch ungeduldig, kannte Virila anscheinend überhaupt nicht und überlegte auch, ob dieser Fremde noch bei klarem Verstand sei. Oft kamen Menschen am Klostertor um zu betteln oder nach einen Obdach für eine Nacht zu fragen, trotzdem schreibt die Klosterregel vor, jedem Fremden zu helfen, der Einlass ins Kloster wünscht. So öffnete er das Tor und ließ den seltsamen Gast hinein.

Wartet hier bitte, ich hole den Abt, der jeden neuen Gast persönlich begrüssen möchte, denn es kamen auch schon Fremde mit schlechtem Gedanken !, sagte der Bruder zu Virila.

Verwirrt wiederholte er seine Worte:

Aber verstehst Du denn nicht, ich bin der Abt des Klosters. Schnell hol einen älteren Bruder, der wird Dir sagen wer ich bin !

Es wird sicher keinen älteren Bruder wie ihr geben, doch nun gut, ich bringe Euch zum Gästezimmer und werde eine älteren Bruder zu Rate holen, und ihr wartet hier !, erwiderte der Bruder misstrauisch geworden.

Virila gingen viele Dinge durch den Kopf, wieso ihn der Mönch nicht erkannte, wieso es keine älteren Bruder wie ihm geben konnte, so alt sei er doch noch nicht, und als er aus dem Fenster sah, dachte er sich fragend, ob das Gemüsebeet nicht mal kleiner war. Nach einiger Zeit kam Bruder Pförtner mit seinem Abt zurück, und dieser musterte Virila von oben bis unten in seiner Klosterkluft.

Sagt mir, was wollt ihr im Kloster, ich kenne Euch nicht ?

Aber erkennt mich denn keiner, ich Dein Abt Virila !, rief Virila jetzt laut, jeder sollte doch seinen Abt kennen !

Wie könnt ihr behaupten, der Abt zu sein, ich bin seit Jahren der Abt im Kloster und jeder Bruder wird es Euch bestätigen. Erklärt Euch, setzt Euch in Eurem Alter besser hin, wir sind euch wohlgesinnten, und erzählt es uns, was ihr begehrt, den ihr seid ein Fremder für das Kloster, auch wenn ihr sicher ein Bruder seid.

Inzwischen waren auch andere Mönche dazu geeilt, und alle waren der Meinung das der alte Mönch wohl verwirrt oder ein Betrüger sei. Nun erzählte Virila seine Geschichte, wie lange er im Kloster als Abt lebte, das er nur eine Nacht im Wald verschlief und nun ihn keiner mehr kennt und auch ihm alles so fremd vorkommt. Er war in seinem Kloster und doch war es jetzt wie in einem bösen Traum. Dem jetzigen Abt kam es nicht vor, das der Fremde mit einer Lügengeschichte als Betrüger vor ihm saß, denn Virila kannte so viele Details vom Kloster, wie es nur ein Bruder wissen könnte. So ließ er die Klosterchroniken holen, wo jeder Namen jeden Bruders vermerkt wurde, der im Kloster lebte. Und tatsächlich fand der Abt erstaunt einen Eintrag über einen Virila.

Höret zu Brüder was hier steht !, sagt der Abt in der Runde der anwesenden Mönche, hier steht geschrieben:

Der Abt Virila ging an einem Tag in den Wald und Bruder Pförtner berichtete, das er nicht wieder aus dem Wald zurückkehrte. Seine Brüder suchten ihn vergebens, und niemand kannte sein Schicksal. Jeder dachte, das der Bruder Virila von Wildtieren gegessen wurde. Dies geschah vor 300 Jahren !

Virila war starr vor Schock und dachte sich, als er in einem Spiegel sah:

Oh Herr, welch grausames Schicksal hast Du mir hinzugefügt. Mein Haar ist ergraut und kaum noch dar, mein Bart weiß und lang bis zur Brust. Du hast mir meine Lebenskraft genommen, und sitze nun hier als alter gebrechlicher Mann. Hast Du mich für meine Zweifel derart bestraft ?

Dann rief er laut in der Menge der Brüder:

Ich war ein Zweifel an Gottes Unendlichkeit, doch nun gab mir der Herr dieses Zeichen mit der Offenbarung der Ewigkeit, wie doch nur ein winziger Bruchteil der Ewigkeit für Dich verrinnt, Oh Herr, doch für eine Menschen ganze 300 Jahre. Ich zweifle nicht mehr an Gottes Werk und danke Dir, das du meine Augen geöffnet hast. Gepriesen sei Du !

Dann verstarb der alte Virila vor den Augen seiner Brüder und hatte seine Seelenfrieden gefunden. Im Seelen frieden sprach Gott zu ihm:

Siehe, mein Sohn, es ist unendlich besser, das Angesicht Gottes zu schauen als sich am Gesang eines Vogels zu ergötzen. Die Zeit ist ein wandelbares Bild, und der Augenblick kann morgen schon Dein Lebensalter verwirken.

So fand alte Virila seine letzte Ruhe in der Erde des Klosters von San Salvador de Leyre. Die Mönch hatten aber Ehrfurcht, was dem alten Mönch widerfahren war, und keiner zweifelte an Gottes Werk

Epilog

Hatte der Abt Viril, wie auch der Mönch von Heisterbach und der Mönch von der Konradsburg ebenfalls einen ungewollten und unerklärlichen Zeitsprung gemacht ? Interessant ist hier auch die Tatsache, das bei besonders beim Abt Viril, wie auch beim Mönch von Heisterbach eine sichtliche verzögerte Alterung eintrat, die jedoch, bei 300 Jahren, anscheinend verzögert eintrat, denn außer Heilige in der Bibel kann kein Mensch so alt werden.

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Schlüsselwörter: Mönch | Zeitverschiebung | Zeitsprung | Abt San Virila | Kloster San Salvador de Leyre
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