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Der Mönch von Heisterbach und andere Mönche auf Zeitreise

Gibt es eine Bewegung durch die Zeit ? - Teil I

Kann man durch die Zeit reisen ?

Noch heute wird die Zeit und die Zeitrechnung nüchtern als eine Abfolge von Ereignissen bezeichnet, und das nur in einer eindeutigen, unumkehrbare Richtung, in die Zukunft. Ob unsere heute Zeitmessung als Messgröße und Verständnis richtiger oder genauer ist, z.B. gegenüber dem Verständnis der Zeit in der Antike, wer kann das schon sagen, trotz modernster Atomuhr. Wenn man sich, unter dem Begriff Science Fiction-Literatur, das Buch Die Zeitmaschine von H.G.Wells durchliest, scheint der Zeitfluss von der Vergangenheit zur Zukunft und umgekehrt, scheinbar keine wirklich feste und eindeutige Messgröße zu sein. So bleiben die Fragen offen, ob es unterschiedliche Zeiten geben kann und es nicht doch möglich wäre, die Zeit zu überlisten, um in eine oder sogar in beiden Richtungen im Zeitfluss reisen zu können. Solch eine Frage ist auch gar nicht so abwegig, denn es gibt auch immer wieder überlieferte Erzählungen, die erkennen lassen, dass die Zeit doch schon überlistet wurde. Eine dieser Zeitreise-Geschichten ist die vom Mönch Ivo, dem Mönch von Heisterbach, der im 13.Jahrhundert unbewusst einen Zeitsprung von 300 Jahren durchlebt hatte.

Das Kloster Heisterbach

Nur wenige Kilometer östlich von Königswinter befindet sich das Heisterbachtal, das wegen den Überresten des ehemaligen Klosters Heisterbach berühmt ist. Der Kölner Erzbischofs Philipp I. von Heinsberg bot Jahr 1177 den Zisterziensern die verlassenen Liegenschaften einer ehemaligen Augustinereremitenklause auf dem Stromberg, dem heutigen Petersberg an. Zisterzienser waren und sind Mönche, die nach ihrer Tradition sich für ein Leben des Gebets, der Lesung und der Arbeit entschieden hatten. Die Ähnlichkeit mit dem Benediktiner-Orden ist kein Zufall, den der Zisterzienserorden entstand durch Reformen aus der Tradition des Ordens der Benediktiner. Schließlich kamen Mönche unter der Führung des Abtes Hermann I. (1150 – 1225), auch unter dem Namen Hermann von Marienstatt bekannt, von der Abtei Himmerod und übernahmen 1189 das ehemalige Kloster. Doch die Lage an einem Berg befand man als ungünstig und daher verlegte man das Kloster in den Jahren von 1192-1199 in nahe Tal am Heisterbach. Danach erhielt die Abtei den Namen Kloster Heisterbach. Der Name entstand aus der Verbindung des mittelhochdeutschen Begriffs Heister für Buche oder auch Buchenstamm, und Bach, weil in unmittelbarer Buchenwälder und Bäche vorhanden sind. Als nach rund 600 Jahren die Klosteranlage verlassen war, gab die bergische Landesregierung 1804 alle Gebäude zum Abbruch frei. So wurden große Bereiche abgerissen, um die Steine für andere Bauprojekte zu nutzen. Glücklicherweise hatte 1818 der Oberpräsident der Rheinprovinz den weiteren Abriss verboten, so dass wir heute noch die wenigen altwürdigen Klosterruinen besichtigen können. Berühmt ist die Chorruine im Park.

Der Mönch, der 300 Jahre verschlief

Berühmt ist die Geschichte des Mönchs von Heisterbach. Dabei soll es sich um eine reale historische Person gehandelt haben, dem gelehrigen Mönch Ivo, der einst im Kloster lebte. Und soll es sich ereignet haben, auch wenn es auch unterschiedliche Erzähl-Versionen gibt…

Im nahe den Wäldern gelegenes Kloster Heisterbach lebte einst der Mönch Ivo, der wegen seiner großen Gelehrsamkeit in den Wissenschaften berühmt war, denn auch als Geistlicher wollte er alles erforschen, was Gott erschaffen haben soll. Ebenso war er gottesfürchtig und als anerkannter Kenner der heiligen Schriften und seinem Wissen über die Bibel war sein Name auch weit außerhalb der Klostermauern bekannt. Im diesem Zweispalt mit sich selber, hinterfragte er viele Passagen in der Bibel und zweifelte auch mal an Gottes Worte, welchen Sinn sie wohl hätten, und sogar an Gottes Werke, wie der Herr dies wohl alles erschaffen haben mag. Weil er immer wieder so viel darüber nachdachte, mehr als alle anderen Mönche, sagte eines Tages der Abt schmunzeln zu ihm:

Bruder, es gibt soviel des Wissens, das der Seele ganz undienlich ist; und alles Wissen macht noch längst nicht weise. Dann fügte er noch sorgenvoll nach: Was nützte es dir denn, wenn du die ganze Welt begriffest und dabei Schaden littest an deiner Seele ?

Dies macht Ivo jedoch trübsinnig und er dachte sich in seinem Trotz: Ist nicht jener einfältig, der nicht von der Süße des Wissens und von der rechten Wahrheit angelockt wird ?! Doch plötzlich erschraken ihm seine eigenen Gedanken, sprach er doch schon wie ein Gelehrter und nicht wie ein heiliger Mann der Kirche. So versuchte er die rechte Demut wieder zurückzugewinnen, kasteite sich und betete abends zu Gott, dass er ihn wieder zum rechten Glauben zurückführt und mit ihm spricht. Abend für Abend grübelte und zweifelte er an so manches Wort des Herrn, das es ihm fast die Seele zerriss, auch das ihm Gott nicht antwortete. Es dauerte nicht lange, als Ivo wieder abends in seiner Klosterzelle über Gottes Worte in der Bibel nachdachte. Diesmal war es der Vers 4 in Psalm 90, dort steht geschrieben

Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache. Waren es nicht ähnliche Worte wie bei Petrus, dachte er, den bei Petrus 3, 8 steht geschrieben:

Das eine, liebe Brüder, dürft ihr nicht übersehen: daß beim Herrn ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind.

Was wohl Gott damit gemeint hatte, den wie kann es sein, das für einen Menschen ein Tag wie ein Tag ist, und für Gott aber tausend Jahre. Zunächst wollte er so hinnehmen, denn es waren ja Gottes Worte. Doch wieder kamen ihm Zweifel. Wie kann die Zeit vor Gott in Nichts zergehen?!, so fragte er sich und fand keine Antwort darauf. So ging er raus im Klostergarten, wo er angestrengt über das Wesen der Zeit nachdachte und was Gott wohl damit meinte, aber er fand keine Antwort. Er ging deshalb im nahe gelegenen Buchenwald, um an eine Baumstamm darüber in Meditation nachzudenken, um danach zum Abendgebet wieder zurückzukehren. Angestrengt von der Klosterarbeit und dem vielen Nachdenken, schlief Ivo aber vor Müdigkeit ein und hörte auch nicht mehr die zum Gebet rufende Abendglocke.

Erst am ersten frühen Morgen, als die Klosterglocke erneut die Klosterbrüder zum Morgengebet rief, wurde Ivo wach und eilte schnell ins Kloster zurück, bevor ihn seine Brüder vermissen würden. So klopfte er an die Klostertür, und als ein Mönch die Tür öffnete, den Ivo noch nie zuvor gesehen hatte, dachte er sich nur, das dieser wohl als neuer Mönch oder Besucher sei, der noch in der Nacht gekommen war. Doch als er im Innern auf den Klostergarten sah, war dieser anders als er ihn in Erinnerung hatte. Dort sah er einen anderen ihm fremden Mönch, der noch vor dem Morgengebt schnell Unkraut ausjäten wollte. Er fragte ihn verwundert:

Bruder, was ist hier geschehen, und wie hat sich hier alles so schnell verändert ?

Da lachte der andere Mönch und antwortete:

Vater, ihr irrt. ich bin doch schon fast zwanzig Jahre hier im Kloster und wüsste nichts Sonderliches, was derweil anders geworden sein sollte. Doch sagt, wo kommt ihr her ?

Ivo erschrak, lebte er doch schon lange im Kloster und fragte zurück:

Weshalb nennst du mich Vater, ich bin doch kaum halb so alt wie du ?!

Wieder schmunzelnd entgegnete der andere Mönch erstaunt zurück:

Schaut Euch an Vater, ihr mit Eurem schneeweißem Haar, wie könnt ihr halb so alt sein wie ich ?

Verwirrt eilte er zu seiner Klosterzelle, doch auch hier schien ihm alles fremd, und alle Sachen, die er sah, gehörten wohl einem anderen Mönch. Bevor er weiter darüber nachdenken konnte, kam der letzte Glockenschlag zum Gebet und nachdenkend ging er zu seinen Brüdern, um mit ihnen zusammen das Morgengebet zu verrichten. Dort angekommen, sah er schon alle Brüder versammelt, doch so sehr er sich bemühte, er kannte kein einziges Gesicht. Dort wo er sonst saß, saß nun ein fremder Mönch, und auch die Mönche schauten ihn jetzt an, und es schien, dass auch sie zum ersten Mal Ivo im Kloster sahen. War dies ein Alptraum dacht sich Ivo, was ist hier geschehen, das wir alles so fremd vorkommt. So stand er verloren im Gebetsraum und wusste nicht wie es um ihn geschehen war.

Inzwischen hatte ein Mönch den Abt (Wilhelm II. von Reichenstein, war 1475–1511 Abt des Klosters ) gerufen, weil ihm gemeldet wurde, dass ein alter verwirrter Mönch ins Kloster kam, den aber keiner kannte. So trat der Abt Wilhelm vor Ivo und fragte ihn:

Fremder, was ist mit dir, und warum wartest du nicht, bis unser Gebet beendet ist ?

Schon fast den Verstand verloren schrie Ivo auf:

Wieso Fremder verehrter Abt, ich gehöre doch hierher! Wo ist mein Abt Gevard # (Gevard von Heisterbach, war 1196 – 1208 Abt des Klosters), und wo sind meine Brüder, mit denen ich noch vor Stunden hier gebetet habe ? (#Nachtrag beachten !)

Setze er sich hin und erzähle, wie er heißt und was genau mit ihm (Ivo) geschehen sei, sprach der Abt und alle Mönche hörten erstaunt die Geschichte von Ivo, der nur einige Stunden im Wald verschlief und nun als alter Mann zurück kam, und nichts war mehr wir vorher. Alle Mönche dachten schon, dass dies ein alter verwirrter Mann sein, der ins Kloster kam, weil keiner ihn kannte und keiner begriff was er erzählte, den er behauptete, das er im gleichen Jahr hier zu Heisterbach ins Kloster eingetreten sei, als Engelbert von Berg Erzbischof von Köln (1203) wurde.

Beruhigend sprach der Abt zu ihm:

Mein Freund, ihr irrt Euch, den das sind dreihundert Jahre her, was ihr erzählt ergibt keinen Sinn !?

Nachdenklich vermutete auch schon der Abt, das hier ein verwirrter alter Mann in Mönchskutte vor ihm saß, bis ein alter Mönch mit einem alten Buch hervortrat, der der Schreiber (Schriftgelehrter) des Klosters war und auch die Klosterbücher pflegte. So fragte er in der Runde:

Nanntest Du dich soeben nicht Ivo? Deinen Namen las ich mal in den Annalen des Klosters. Aber dort steht geschrieben, dass ein Mönch dieses Namens zu Engelberts Zeiten hier im Kloster lebte. Dieser soll gelehrig und gläubig gewesen sein, aber auch stets ein Zweifler. Eines Tages verschwand er im Walde und kehrte nie mehr zurück. So steht es geschrieben, schaut alle her. Der Abt bestätigte den Eintrag und rief aus:

Du bist dieser Ivo, ein Bruder von uns, der vor 300 Jahren verschwand !

Wie vom Blitz getroffen begriff Ivo alles und begann er zu weinen, denn Gott offenbarte ihm, dem Zweifler, seine Worte. Denn tausend Jahre sind dir wie ein Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.

Er schaute voller Verzweiflung alle Brüder an, die noch alle fassungslos in anstarrten, und erzählte mit zitternder Stimme was mit ihm geschah, das er bei all seinem gelehrten Forschen zum Zweifler geworden war, und Gott als Lehre ihn in die Zeitlosigkeit geführt hatte. Nun aber ließ ihn Gott wieder daraus zurückkehren. Der zum Greis gewordene Ivo ging zum Altar, kniete sich nieder und stammelte zu Gottes Abbild.

O Herr, ein Wunder hast Du an mir vollbracht, und ich bin demütig zu Dir zurückgekehrt, und zweifle nicht mehr an Deine Worte, Sei gepriesen O Herr in Ewigkeit.

Ein unbeschreibliches Gefühl der Zufriedenheit überkam ihm und erfüllte sein Herz mit Seligkeit. Noch ehe die Mönche begriffen, was alles geschehen war, sank Ivo mit seinem ganzen Körper vor dem Altar mit dem Gesicht zu Gottes Abbild und ausgestreckten Armen, murmelte noch ein Gebet und verschied noch im selben Augenblick.

Epilog

Theoretisch werden schon mögliche lokale Zeitverwerfungen und Zeitrisse diskutiert, auch wenn man dieses Phänomen noch für Science Fiction hält bzw. noch unerklärlich sind. Weil es aber noch andere ähnliche Geschichten gibt, glaube ich also nicht, dass dies nur eine Sage oder erdachte Geschichte ist. Weil auch historische Personen im richtigen Zeitraum genannt werden, wäre es also durchaus denkbar, dass der Mönch Ivo tatsächlich einen ungewollten Zeitsprung machte. Ähnliche Erzählungen folgen…

Nachtrag#

In den meisten Erzählungen nennt Ivo den Abt Albertus. Bisher fand ich nach meinen Recherchen noch keinen Abt in Heisterbach, der etwa in der gleichen Zeit gelebt haben muss und auch so hieß. Der Name Albert, Adalbert (Bedeutung für edel oder berühmt) oder Albertus (lateinische Form) war bei vielen Äbten und Mönchen ein beliebter und geläufiger Name. Auch bei den Zisterzienser gab es viele Äbte mit dem Namen Albert oder Albertus. Bekannte Äbte der Zisterzienser waren zum Beispiel u.a.: Abtei Hardehausen, Abt Albert 1155 – 1160

Abtei Kaisheim, Abt Albert 1174 – 1194

Abtei Lilienfeld, Abt Albert 1294-1302

Abtei Marienstatt, Abt Albert 1352-1365

Abtei Hohenfurt, Abt Albert 1353 – 1357

Zisterzienserstift Zwettl, Abt Albert (auch Albrecht genannt) 1392 - 1402

Daher gibt es bisher nur zwei möglichen Erklärungen:

1. Bei Albertus handelte es sich um einen Klosterbruder, der wie Ivo als Mönch im Kloster Heisterbach lebte, oder...

2. Vermutlich war Abt Alberich von Citeaux (1050 – 1109), der zweite Abt des Klosters Cîteaux für einige Zeit zu Besuch im Kloster Meisterbach. Alberich war zweiter Abt des Klosters Cîteaux in Frankreich und gilt als einer der drei Begründer des Zisterzienser-Ordens. Auch soll er auf Reisen viele neu gegründete Klöster besucht haben.

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Schlüsselwörter: Heisterbach | Mönch | Zeitverschiebung | Zeitsprung | Zisterzienser
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