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Die Querkel von Staffelberg & Lußberg

Die Suche nach einem sagenhaften Zwergen-Volk I

Vorwort

In vielen Erzählungen, Mythen und Volkssagen wird von kleinwüchsigen Wesen erzählt, die man allgemein bei uns im Volksmund als Zwerge bezeichnet. Die interessantesten lokalen Geschichten über Zwerge fand ich bisher in der Jahrtausenden Alten Nordischen Mythologie, in dem uralten Sagenschatz aus Island und Skandinavien sowie in den Alpen-Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz. In den meisten Zwergen-Geschichten wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Zwerge gerne in unterirdischen Höhlen oder tief im Gebirge wohnen, worin ihnen die Menschen nicht folgen könnten, aber auch zugleich den Kontakt mit Menschen suchten, und das sie mit Vorliebe Dinge reparierten, in der Tiefe nach Erzen suchten und über allerlei Zauberkräfte verfügt haben sollen. Alleine in Deutschland soll es Hunderte Geschichten und Sagen über Zwerge geben, wobei sicherlich, bei all der Vielfalt in der Zwergen-Sagenwelt, auch erdachte und ausgeschmückte Geschichten entstanden sein werden. Ich selber bin aber davon überzeugt, dass nicht alle Geschichten erfunden sein können und dass es tatsächlich auch Kontakte zwischen Zwergen und Menschen gab. Sollten Sie also mal in einer Höhle unterwegs sein, und ein unbekanntes Geräusch hören oder ein verschwindendes kleines Licht ausmachen, kann dies eine Illusion, ein Tier oder vielleicht doch ein Zwerg gewesen sein ?! Haben Sie schon mal was im Gebirge rumhuschen gesehen, dann kann es ein loser Stein, eine Bergziege oder anderes Getier gewesen sein, eine Illusion oder vielleicht doch ein neugieriger oder unvorsichtiger Zwerg ?! Dieser Beitrag soll die Faszination für Zwerge und ihren Geschichten erneuern und inspirieren. Jeder soll dabei natürlich für sich selber entscheiden, ob alles nur wunderbare erdachte Geschichten sind oder doch mancher Wahrheitskern dahinter stecken könnte. Viel Spass beim Lesen !

Der Staffelberg und seine Querkel

Der Staffelberg ist ein eindrucksvolles und geschichtsträchtiges Bergplateau, das bereits nachweislich schon um 5000 v. Chr. besiedelt wurde. Seine Lage ist nahe von Bad Staffelstein, das wiederum südlich von Coburg liegt. Berühmt ist aber der Staffelberg nicht nur wegen seiner besonderen Lage, seine frühere Bezeichnung als heiliger Ort und seiner über 7000 Jahre alten Geschichte, sondern auch wegen einer Höhle am Staffelberg, wo einst ein Zwergen-Volk gelebt haben soll, die hier volkstümlich als die Querkel / Zwerge(auch Querkele =Zwergele, Querze, seltener Quärkel) bezeichnet wurden und werden. Der Staffelberg ist von Höhlen durchzogen, so dass schon in frühen Zeiten die Bewohner fest davon überzeugt waren, das es hier auch so kleine Steinbrüche und Minen von Zwergen gäbe, das nur ein kleines Kind aufrecht stehen konnte. Die Bezeichnung für das unterirdische Siedlungsgebiet der Zwerge war auch in der Nordischen Mythologie die dunklen Felder wo die Schwarzalben lebten. Im tiefen Staffelberg wohnten also die Querkel und man sah sie regelmäßig abends, so wurde es überliefert, wenn sie mit ihren kleinen Laternen im Berg verschwanden. Sie arbeiteten in Minen, schürften Silber und Kristalle und kräftige Querkel fällten Bäume mit ihren grossen Äxten. Daraus entstand dann auch die Staffelbergsage über das Volk der Querkel. In vielen diesen regionalen und lokalen Sagen und Erzählungen erfahren wir viel über dieses geheimnisvolle kleine Volk, auch wenn manches sicherlich ausgeschmückt sein mag. Aus einer Vielzahl dieser Überlieferten können wir uns so ein ungefähres Bild über die Querkel machen…

Nachdem sich die Menschen an die Querkel gewöhnt hatten, nahmen die Querkel anscheinend gerne den Kontakt zu den Menschen auf, um mit ihnen Handel treiben. So entstand ein Handel und Austausch von vielen Dingen zwischen Bauern, Bäuerinnen und Querkel. Sie boten den Menschen zunächst wertvolle Waldfrüchte und seltene Wald-Heilkräuter gegen allerlei Krankheiten zum Tausch mit ihnen an. Gefiel ihnen etwas von den Menschen, was sie unbedingt gebrauchten konnten, gaben sie auch reinstes Silber oder Bergkristalle statt Kräuter, aber auch manchmal gaben sie etwas zum Geschenk dabei, damit es keinen Neid unter den Menschen gab. Ihnen war der Neid fremd, kannten aber des Menschen Charakters, das zu Missgunst und Gier führen kann. Das kleine Zwergen-Volk war von grosser Anzahl und auch sehr geschickt im Handwerk. Daher brachten sie zum Handel oder als Geschenk auch bewegende kleine Puppen für die Kinder und für die Erwachsenen Glücksbringer, silberne Löffel, feinste Tontöpfe und Zwergen-Gebäck mit. Doch es blieb nicht beim Handel, die kleinen Wesen taten auch viel Gutes für die Menschen, gaben ihnen weisen Rat, halfen bei der Arbeit, reparierten gerne kaputte Sachen und waren meistens freundlich. So lebten Menschen und Querkel in einer Nachbarschaft, und es wird sogar erzählt, dass es auch einige kleine Querkel-Häuser gab, wo sie aber immer nur kurz blieben, weil sich die Querkel nur in den Bergen und unter der Erde sicher fühlten. Für ihre Arbeiten wollten sie aber kein Geld und wenig von den Erntefrüchte der Bauern, sondern stattdessen wollten sie auch mit Kartoffel-Klöße bezahlt werden. Dieses heute noch fränkische Nationalgericht schien das Leibgericht des Zwergen-Volkes zu sein, denn sonst hatten sie nur das, was ihnen der Wald bot oder die Erntefrüchte der Bauern.

Ihr Besuch war immer willkommen, und gab es was zu feiern, lud man gerne die Querkel-Männer im Gasthaus ein, die in großer Anzahl kamen, den sie liebten gutgelaunte Gelagen, Schmausereien und Musik. Sie brachten für die Bauern-Männer feine Ton- Pfeifen, und für die bauern-Frauen silbergestickte Stoffe zum Geschenk mit und bezahlten ihre Zeche mit reinstem Silber. Doch auch die Querkel wussten, dass die Gier den Menschen verändern konnte, deshalb nahm immer nur ein Querkel für alle anderen ein wenig Silber mit, und jeder achtete auf den anderen, das sich keiner im Übermut betrank und seine Sinne verlor. So blieb es den Menschen ein Geheimnis, wieviel Silber die Querkel wirklich besaßen. Ihr größtes Mysterium war jedoch die Zauberkunst sich unsichtbar machen zu können. Dazu trugen sie einen breiten schimmernde Kappe aus reinstem Filz, die mit Silberfäden durchzogen war. Bevor sie ein Gelage verließen, riefen sie in ihrer Sprache jedem ausdrücklich zu, das er sein Hut nicht vergessen sollte, und so achtete jeder auf jeden, auch auf ein Querkel, der sich im Übermut doch noch betrank, das kein Mensch damit Unfug treiben konnte. Um genau 9 Uhr aber gingen sie wieder ihres Weges und verließen das Gasthaus. Nach einiger Zeit drehten sie in ausreichender Entfernung ihre Kappen um, und sie verschwanden für das Menschenauge in einem Nebel. Deshalb nannten die Menschen den Zwergen-Hut auch Nebelkappe, und dieser Zauber wurde nie ergründet. Auf dem Rückweg sah man dann nur ihre kleinen Laternen, die sie immer bei sich trugen, damit sie den Rückweg finden konnten, die nach einiger Zeit wie von Zauberhand in der Luft leuchteten.

Im Übermut taten einige Querkel Schabernack mit den Bäuerinnen, indem sie unsichtbar in der Bäuerin Küche gingen, und fertige Kartoffel-Klöße stahlen. Die Bäuerinnen duldeten den Schabernack, machten sich doch die Querkel den Spaß, und oft hinterließen sie ein Geschenk oder Silber dafür. Doch dann, eines Tages, war eine Bäuerin derart über den Schabernack erbost, das ihr einfach Kartoffel-Klöße gestohlen wurden, ohne das ein schönes Geschenk hinterlassen wurde. Als sie wieder sah, das etwas unsichtbares den schweren Topfdeckel hob, wo die Kartoffel-Klöße drin waren, beschimpfte sie lauthals und schreiend die Querkel, schlug mit ihren Besen heftig auf sie ein, das sie hinfielen und ihre Nebelkappe verloren. Noch auf ihrer Flucht drohte sie, dass sie zum Berge kommen wird, um alle Querkel zu bestrafen. Die Querkel waren derart gekränkt und verängstigt, meinten sie doch den Menschen mehr geholfen und gegeben zu haben, als es die Klöße wert waren, das sie den Staffelberg noch in derselben Nacht fluchtartig verließen. Das ganze Zwergen-Volk packte seine nötigsten Sachen, verließ den Staffelberg unsichtbar bis zum Mainufer. Am Flussufer winkten Hunderte kleine Lampen, um den alten Fährmann rüber zu holen, der sie eiligst überbrachte. Die Querkel baten den schwätzigen Fährmann zu verschweigen, dass sie nach Osten zu ihren Geschwistern gingen, und gaben ihn reichlich Silber zur Belohnung. Am nächsten Morgen hörte man das laute Wehklagen der anderen Bäuerinnen, das eine einige geizige von ihnen die freundlichen Querkel für immer verscheucht habe.

3 weitere kleine Geschichten über Querkel…

Die Querkel-Schatzhöhle

Nachdem die Querkel für immer verschwanden, überlegten die Menschen, ob sie vielleicht nicht alles Silber und Kristalle mitnehmen konnten und im Berg versteckten. Es ist nicht bekannt ob was gefunden wurde und wo überall gesucht wurde, aber daraus entstand auch diese kurze Erzählung, ob erdacht oder wirklich passiert:

Bald ging das Gerücht im Dorfe, ein Kind habe gesehen, das ein Querkel verschlafen hatte, und sich eiligst mit einem großen Sack zum Mainufer aufmachte. Weil sie dachten, das Silber sei im Sack des Querkel, machte sich in Gier ein Gefolge von Bauern und Hunden auf, den Sack zu stehlen. Am Ufer angekommen, sagte der Querkel zum Fährmann Beile er sich und höret nicht auf die Bauern-Pöbel und Dir gehört dieser volle Silberbeutel. Gerade im Flusse und im Boot des Fährmanns schrie ein Bauer, Wo ist Euer Silber versteckt, spreche er und kein Leid geschieht ihm. Der Querkel entgegnete Nur ein Sonntagskind (früher glaubte man u.a., dass nur jemand mit reinem Herzen, jeden Fluch widerstehen und Schutzgeister oder Dämonen sehen kann), alle 100 Jahre im Silberlicht (Mond), höret er genau hin und er werde reich belohnt. Und der Fährmann führte eilig das Boot zum anderen Ufer. So glaubte man, dass der Höhleneingang mit einem Zauber behaftet war und sich der Zugang nur einmal in hundert Jahren um Mitternacht bei Vollmond für jemanden mit reinem Herzen öffnen würde. Niemand weiss wie viele auf Schutzsuche waren, doch wurde auch überliefert, das der Eingang mit einem Zwergen-Schloss versehen war, und das sich dieser wieder exakt nach einer Stunde schloss. Eines Tages ging ein junger Schäfer mit seine Schafen an der Höhle vorbei und hörte ein donnerndes Geräusch und wie der Boden erzitterte. Da sprach eine Stimme zu ihm Greif ein, streich ein und pack ein. Im Erstaunen sah der junge Schäfer den Eingang der Höhle, davor eine kleine Laterne die leuchtete. Neugierig ging er hinein, und sah schon im Höhlengang loses Silber und lose Kristalle funkeln und zum Greifen nah, was ihm schon zum reichen Manne machen würde. Weil er aber im Innern der Höhle noch mehr Schätze vermutete, ging er immer tiefer hinein. Und in der Höhle angekommen, sah er kleine Tonkrüge, gefüllt mit losem Gold, losem Silber und funkelnden Kristallen. Doch die Frist der eine Stunde war verstrichen und der Berg schloss sich wieder. So schlief der junge Schäfer ein und erwachte erst nach hundert Jahren, bis der Eingang sich wieder öffnete. Als sehr alter und armer Mann verließ er schweren Schrittes die Höhle, denn alle Schätze waren verschwunden, worauf der alte Schäfer auch bald verbittert verstarb. So bestraften die Querkel die Menschen, den sie gaben ihnen Zeit reich zu werden, doch ihre Gier ist wie ihr Geiz, sie sind mit nichts zufrieden.

Das Gastmahl bei WirWir dem Holzhacker

Eine kleine lokale Nebenerzählung oder Zwergen-Märchen beschreibt sogar wie die Querkel (vermutlich) aussahen. Jedoch bleibt es ein Rätsel, ob diese Beschreibung so überliefert wurde, als Querkel und Menschen zusammen lebten und wieviel davon wohl ausgeschmückt wurde, aber es ergänzt sinnvoll die Querkel-Sagenwelt.

Einst half ein Bauer im Winter einen Querkel namens WirWir. Dieser war ein Holzhacker (Holzfäller) mit einer geschickten Axt. Doch weil dieser unbedacht ausrutsche, fiel der Baum auf dem Zwerg und bedrohte ihm mit dem Tode, als dieser ihn so beengte um sich alleine zu befreien. Doch ein Bauer auf der Sammlung von Holzscheiten, sah das Missgeschick des Zwerges und befreite ihn vom Baume. Dieser dankte dem Bauer, stellte sich als WirWir vor und lud ihm zum weiteren Tage ein, um zusammen Pfeifenschmaus und Schmauserei zu köstigen. Komm alleine zu mir, das ist meine Zwergen-Schuld, sagte der Zwerg, nur solle er zum gefällten Baume wieder kommen und es keinem erzählen. So verschwand der Zwerg als er die Nebenkappe anzog, und der Bauer sah nur die Zwergen-Spuren im Schnee verschwinden. Am nächsten Tag war der Bauer am Baume, wo schon WirWir, der Querkel, wartete und sie gingen bis nahe am Berge zur Holzacker-Hütte. Am nächsten Tag erzählte er alles seiner Frau: Als wir am Querkel-Haus nah am Wald waren, gab mir WirWir seine kostbare Pfeife aus Meerschaum (Sepiolith) zum Rauchen, so sei es Brauch bei ihnen, und er rauchte aus einer feinen langen weissen Pfeife. Der Querkel war klein und kräftig in seiner Statur wie ein Bub im fünften Jahr, nicht größer als 3 Schuh (altes Maß, 1 Schuh etwa 30 cm). Haare bis über die Ohren, eine breite Nase und das Gesicht zerknautscht wie im hohen Alter. Und er trug immer eine breite Lederhaube, dass kein Regen seinen Bart nässe, denn ein Bart war einem Zwergen-Mann wichtig für seinen guten Ruf. Auf anderer Seite saß ein schweigsamer alter Zwerg mit silbernen Bart, der seine Augen in keinem Maße von mir nahm. Das Gelage brachte seine Zwergen-Frau, so Früchte, dampfende Pilze und Wildbret. Sie war lieblicher anzusehen, ihre fruchtbare Hüfte von einem edlen Kleid mit Silberlingen verhüllt und auf dem Kopfe trug sie eine Schapel (Kopfbedeckung) mit einem Diadem aus Silber und darunter zwei prächtige Zöpfe. Als mein Blick auf das Zwergen-Weib zu lange ruhte, schickte WirWir sie ins Hause zurück und ward nicht mehr gesehen. So tranken und schmausten wir, doch achtete ich, das der Querkel nicht im Übermaße trank, den mit seiner Axt vermag er gleich fünf auf eine Streich für jeden Menschen das Ende seiner Zeit begleichen, die so groß war wie er, und es gut schien, sie lag zur Seite. Wer der andere Zwerg sei fragte ich fortan WirWir, und er sagte, das sei die Querkel-Ahnfrau wie der Schultheiß bei den Menschen, und sie sei weise und 120 Jahre alt, denn im hohen Alter haben auch unsere Weiber einen Bart. Komm morgen wieder und hole Dir ein Geschenk ab. Als der Bauer am nächsten Tag mit seiner Frau sei Geschenk abholen wollte, war das Zwergen-Haus nicht mehr da, nur ein Päckchen, des Bauers Geschenk. Darin zwei Perlenschnüre wo ein Kräutlein hing und ein Säckchen voller Silberlinge zum Dank, einen Querkel das Leben bleiben zu lassen.

Der schlaue Bauer und der noch schlauere Querkel

Einmal schlossen die Querkel übermütig mit einem Bauern eine Wette ab, das sie schneller durch einen Berges reisen könnten, um ein seltene Blume zu pflücken, die nur dreimal an der anderen Seite des Berges wächst, als das schnellste Pferd und den besten Reiter. Wenn der Bauer verliert, so bekamen alle Querkel eine Monat lang frische Milch von ihm, verlören die Querkel, bekäme er 3 Beutel voller Silber. Der Bauer willigte für den späteren neuen Tag ein, aber misstraute ihnen, denn für sie war es ein leichtes, unsichtbar jeden Schabernack und Betrug anzustellen. So ritt der Bauer heimlich und so schnell er konnte dort hin, schnitt alle drei Blumen ab, und versteckte sie an einer Stelle, die er nur kannte. Dabei ließ nur die Stengel übrig und ritt wieder zurück. So dachte sich der Bauer, wenn sie jetzt eine Blume bringen, so habe ich sie als Beutelschneider bloss gestellt und mir wäre das Silber zugestanden, denn nur ich weiß ja wo sie eins lagen. Am nächsten Tag war das ganze Dorf zugegen, als Zeuge der Wette, jene am Querkel-Berg und jene auf der anderen Seite. Auf ein Zeichen und just im selben Moment eilte der Bauer mit dem Pferd davon und der Querkel eilte geschwind durch den Berg. Seines Sieges und seinem Silber sicher, ritt der Bauer triumphierend mit den drei Blumen zum Dorf zurück. Dort wartete aber schon der Querkel, der rauchend seine Pfeife genoss und sichtlich erheitert war. Ich habe die Blumen als einziger, ich habe mir das Silber redlich verdient Querkel rief er lauthals, das es jeder hörte. Nein, entgegnete der Querkel, den ich war schneller wie Du. Um Dir die Blumen zu lassen, nahm ich nur die drei Stengel mit und kam schnell zurück. Alle sehen nun, dass Du die Blumen gefunden hast, die ich Dir zurück ließ. Der Bauer war verschämt über die Schläue des Querkel und ohne Murren bekamen die Querkel sogar drei Monate lang Milch vom Bauern.

Die Querkel vom Lußberg

Südwestlich von Bad Staffelstein erhebt sich auch ein 460 m hoher waldiger Bergrücken, der Lußberg. Am westlichen Teil des Bergrückens sieht man einen großen verwitterten Sandsteinfelsen der herausragt und am äußeren Rand fast 15 Meter senkrecht abfällt, diese Felsformation ist der Veitenstein (auch Veitelstein). Darunter existieren unterirdische, tiefgelegene Hohlräume. Einer dieser Kammern heisst Geißstall, dort führt eine etwa 10 m lange röhren artige Verbindung nach außen, das man Querkelloch nennt. Auch in dieser Region gibt es identische Geschichten und Sagen über die Querkel, so dass wir davon ausgehen können, das dieser Zwergen-Volk ein grosses Gebiet wohl bewohnten. Sie hatten ein gutes Herz, so erzählt man, denn wenn die Menschen am Abend schliefen, kamen die Querkel vom Lußberg unsichtbar runter vom Berg in den Dörfern. Sahen sie eine Arbeit, die noch nicht vollendet war, so war am nächsten Tag die Arbeit getan. Weil die Menschen wussten, dass sie geschickte Handwerker waren, legten sie abends kaputte Dinge vor dem Haus. Morgens war alles verschwunden und am nächsten Abend lag alles wieder an seinem Platz und es war alles repariert. Ob dazu gedichtet oder überliefert, noch heute wird Besuchern erzählt, das in der Höhle des Lußberges, wo einst die Zwerge lebten, es irgendwo noch einen geheimen Eingang, das Querkelloch, tief im Berg geben soll, der aber nie gefunden wurde. Einheimische sind heute noch davon überzeugt, Querkel-Geister gesehen zu haben, die den Eingang bewachen, anderen meinten, manchmal sogar noch kleine Lichter sehen, die im Berg verschwinden. Wer also mal am Lußberg ist, und meint kleine Lichter oder kleine Wesen gesehen zu haben, die schnell verschwinden, sollte sich nicht wundern, es sind Querkel. Die Querkel von Veitenstein sollen aber nicht geflüchtet sein, sondern waren derart verärgert, das man ihnen ungastlich keine Klöße mehr schenkte, obwohl sie so viel Gutes für die Menschen taten, und sogar ihre Brüder und Schwestern anderswo deswegen verjagte, das sie eiligst fortzogen. Seitdem es auf dem Veitenstein keine Zwerge mehr gibt, so der Volksmund, sind die Leute immer noch nachdenklich darüber, warum man den hilfsbereiten Querkel wegen ein paar Knödel verärgerte.

Die Querze vom Breiteberg

Wenn die Zwerge vom Staffelstein nach Osten gezogen oder geflohen sind, dann ist es gut möglich, das sie mit den dortigen Zwergen, den Querze verwandt sind oder dort neu ansiedelten. Querz oder auch Querk oder Querg sind weitere mitteldeutsche Namensformen für einen kleinwüchsigen Menschen oder einen Zwerg. (Weitere lokale Bezeichnung u.a. auch Vensmännel oder Feensmännel, aber auch die Ludki). Der Breiteberg bei Bertsdorf in der Nähe von Zittau, der in früheren Zeiten auch Zwerg-Berg genannt wurde, ist ein Teil des Zittauer Gebirge. Nach einer Volkssage lebten tief im Berge das kleinwüchsige Volk der Querxe und betrieben sogar Bergbau. Sie kamen aus geheimen Gängen, die die Bewohner Querxlöcher nannten oder aus einer Quelle, und auch sie vermochten sich wie die Querkele mit einer Nebelkappe unsichtbar zu machen. Die Querxe waren frech, denn sie zogen abends ihre Nebelkappen auf und stahlen anfangs den Bewohnern am liebsten Brote und Gebäck. Weil man merkte dass sie anscheinend keinen Kümmel mochten, sollen die Leute ihr Brot immer mit etwas Kümmel gebacken haben. Doch die Querxe wollten wie ihre Verwandten, die Querkel, ein gutes Miteinander mit den Menschen, und brachten ihnen Tauschobjekte und Geschenke wie Talismane, Spielfiguren, Zwieback und heilende Kräuter mit. Man lebte in Harmonie und alle hatten sich an die Zwerge gewöhnt. Die Querze werden wie die Querkel beschrieben und sollen über 100 Jahre alt werden können. So nutzten die Zwerge auch ihre Gabe sich unsichtbar machen zu können, um auch so die Freuden und Leiden der Menschen zu sehen und ihnen zu helfen. Auch sie waren sehr handwerklich geschickt und konnten jedes Teil aus Holz und Metall reparieren, und gab es mal nicht zu reparieren, fragten sie bei den Menschen nach kaputten Dingen. Es gab sogar mal einen Tag, so wird erzählt, das die Dorfbewohner auf einmal so viele kaputte Sachen abends rauslegten, das zwar alle Teile mitgenommen wurden, kein einziges Teil am nächsten Tag wieder repariert an seiner Stelle lag. Erst am zweiten Tag kamen drei kleine Zwergen-Wagen mit kleinen Lampen vollgepackt mit all den reparierten Sachen. So sprach der älteste Querz mit langem silbernen Bart, einer Brille auf seiner dicken runden Nase und sichtlich müde Übertreibst nicht Leut, auf Querze müssen schlafen. Als die zufriedenen Dorfbewohner alles abluden und sich bedankten, nahm er aus seiner Jacke eine silberne Sackuhr mit einer langen silberne Schnur (Taschenuhr) und sprach: Ist gut Leut, gleich ist Neune, und alle drei Zwergen-Wagen fuhren zurück. Es heisst, dass sie aber nach dem Einzuge des Christentums das Glockengeläut der Gotteshäuser nicht ertragen konnten und ins benachbarten Böhmerland und Schlesien auswanderten. Dazu verhalt ihm ein Bauer mit vielen Wagen, worauf er so reich mit Silber und Kristallen belohnt wurde, das noch seinen Kindeskinder an nichts fehlte.

In Dittersbach auf dem Eigen, im sächsischen Landkreis Görlitz, lebten ebenfalls Querze in dem 381 Meter hohen Knorrberg, und besaßen eine geheime Silbermine. Auch sie verließen den Ort wegen dem lauten Glockengeläut, was sie nicht vertrugen. In Dittersbach gibt es dazu eine alte Überlieferung: Die Einwohner melden, dass von der Zeit, ehe die große Glocke zu Dittersbach gegossen worden ist, so geschehen 1514, in den Bergen Querze gewohnt haben. Sie sind oft in's Dorf gekommen und haben sich in die Häuser und Stuben verfüget, also dass die Leute ihrer gar gewohnt gewesen, nachdem aber die Glocke gegossen und geläutet worden, hat sie der harte Schall des Metalls, welchen sie nicht erdulden können, vertrieben, daß man derselben keines mehr gespüret hat.« Die auf dem breiten Berge (Breiteberg) hausten, gaben einem Bauer reichlich Silber, das sie sich mit Wagen nach Böhmen fortfahren ließen. Die beiden Wagen wurden gepfropft voll, denn die ganzen Querxe hingen sich darauf und daran, mit Pack und Sack. Den Bauer wurde dadurch zu einem reichen Manne, und alle seine Nachkommen sich dieses Glückes noch erfreuen konnten. Die Querxe sagten beim Abschiede, sie würden wiederkommen, wenn die Glocken wieder würden abgeschafft sein.

Querze bei Schloss Hohenstein

Bevor das Schloss Hohenstein bei Coburg erbaut wurde, nannte man die Anhöhe auch Querzhöhe oder Querkelfelsen, weil dort einst viele Felsen lagen. Auch hier lebten viele Querze, die im Süden bis zur Hersbrucker Alb in tiefen Stollen nach wertvollen Silber- und Golderzen suchten und im Wald nach Früchten, Pilzen, Wildbret und Kräutern. Sie pflegten eine gute Freundschaft mit den Bauernsleut, halfen bei der Arbeit, bezahlten beim Handel großzügig mit Gold und Silber, und mehr als sie brauchten, das kein Neid aufkam und das ganze Dorf und alle Bewohner gleichwohl es immer besser ging und keine Not herrschte. Kindern schenkten sie glitzernde Steinchen und handgeschnitzte Holzfiguren. So dachten sich einige Querze in ihrem Schabernack, jetzt sind die Bauern durch unser Gold und Silber so reich, so lasset uns unsichtbar machen, sie zu erstaunen und ihnen nur etwas Brot und Fleisch zu nehmen, für jeden nur ein winziges Stück. Doch ein Bauer war eines Tages so geizig, das er den Querzen auch nicht das kleinste Stück gönnte, so das er gewaltig ergrimmte, seinen Ochsenziemer holte und wie benommen auf die kleinen Querze einschlug, bis sie geschwind in ihrer Not aus Fenster und Tür flohen. In ihrem Zorn stießen sie in der Nacht durch Zauberkraft alle grossen Felsen vom Berge zum Dorf herunter. Dann luden die Querze als ihr Hab und Gut zusammen, verschlossen ihre Minen und machten sich auf und davon. Als die Bauer am nächsten Tag die schweren Felsen vor ihrem Dorfe stehe sahen, die einst auf dem Berge standen, waren sie froh, dass die Kraft der Querze nicht ausreichte, sie weiter zu schleudern. Sie waren erbost über den einen dummen und geizigen Bauern, den Gold und Silber sahen sie nie wieder, und der Wohlstand war bald dahin im Dorf.

So gibt es noch reichliche Geschichten über die Querkel und Querze zwischen Bad Staffelstein und Zittau und darüber hinaus. Das Geheimnis ihres handwerklichen Geschick und ihrer Fähigkeit, sich mit Nebelkappen unsichtbar zu machen, wird in einem anderen und weiteren Beitrag noch ergründet…

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Schlüsselwörter: Zwerge | Querkel | Staffelberg | Lußberg | Querxe
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