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Sonstiges: Kultur & Religion

Das Ramakien II

Kulturgeschichte Thailands

Bildnis aus Ramakien
Bildnis aus Ramakien
Als Nang Sida der Krähensohn Marit erblickte, begehrte sie ihn als Spielzeug, und bat Phra Ram, ihr das Wundertier zu fangen. Widerwillig, das Böse ahnend, verfolgte Phra Ram den Hirsch, doch dieser lockte ihn immer tiefer ins Dickicht. Und als ihn dort Phra Rams Pfeile endlich erreichten, da rief der Hirsch, Phra Rams Stimme nachahmend, Phra Lak zu Hilfe. Nang Sida blieb dadurch schutzlos und allein in der Waldhütte zurück. Der finstere Plan Thotsakans ging so auf, und er konnte mit Leichtigkeit Nang Sida auf seinem fliegendem Wagen entführen. Selbst Sadayu, der grüne Himmelsvogel und Freund des Königshauses Ayuthayas, konnte die Entführung nicht verhindern und wurde bei seinem Versuch, Thotsakans Wagen zu stoppen, vom Dämon schwer verletzt. Im Sterben liegend, zeigte er Phra Ram und Phra Lak noch die Spur des Entführers.

Voller Wut und Verzweiflung verfolgten die königlichen Brüder die Spur der schönen Nang Sida. Da sie keinen fliegenden Wagen hatten, mussten sie tagelang durch den endlosen Wald laufen, viele Gefahren bestehen und Ungeheuer und Dämonen bekämpfen, die ihnen Thotsakan in den Weg stellte. Nach vielen Tagen erreichten sie schließlich den Bananenwald Kathaliwan, wo Hanuman, der mächtige Affe, sie meditierend erwartete.

Als Hanuman in Phra Ram den göttlichen Phra Narai wiedererkannte, warf er sich ihm zu Füßen und bot ihm seine treuen Dienste an. Phra Ram erkannte die göttlichen Zeichen des Affen, sein Diamantfell und seine Edelsteinzähne, und nahm freudig die Dienste Hanumans an. Hanuman brachte die Brüder zu seinem Onkel, dem Sonnensohn Sukrip. Man beschloss eine gewaltige Affenarmee aufzustellen, um mit Phra Ram gegen Longka zu ziehen.

Alle Soldaten von Khit Khin, dem Affenreich, wurden zu den Waffen gerufen, und sogar Maha Chomphu, den großen roten Affen, der das Nachbarreich regierte, konnten sie als Verbündeten gewinnen. Nach drei Tagen und Nächten waren die Vorbereitungen fertig. Die gewaltigen Streitmächte der Affen von Khit Khin und Chomphu vereinigten sich auf dem Berg Khanthamat. Der ganze Berg glich einem Berg von unzähligen Soldaten.

Insgesamt marschierte die Streitmacht in 77 Kampfgruppen gegen Longka. Die Armeen wurden von Nilaphat, Sukhrip, Hanuman und Chomphuphan angeführt. Als Phra Ram die scheinbar unbesiegbare Armee sah, frohlockte er, denn endlich konnte der Marsch nach Longka beginnen.

Ein Spähtrupp wurde nach Longka gesandt, um den Weg zu erkunden und um der gefangenen Nang Sida heimlich die baldige Ankunft ihres Gatten zu melden. Der Weg nach Longka war voller Hindernisse, die sich den Soldaten entgegenstellten. Doch Hanuman fand immer einen Weg, sie zu bewältigen. Er besiegte unterwegs Dämonen und erlöste sogar Himmelsjungfrauen aus ihrer Gefangenschaft. Als ein großer Fluß dem Vormarsch nach Longka Halt gebot, verwandelte er sich in eine Brücke, so daß alle den Fluß überqueren konnten.

Nach einem weiteren langen Marsch erreichten sie das Ufer des Großen Ozeans, wo auf dem Schneeberg Hermatiwan der Himmelsvogel Samphati, der Bruder des toten Sadayu, sie schon erwartete. Er bot seine Hilfe an, und auf seinen Flügeln wollte er Hanuman über die Wasser nach Longka tragen. Doch unterwegs erhob sich inmitten des Ozeans die Riesendämonin Phi Süa Samut, die hier den Zugang zur Dämonenstadt bewachte. Ihr Angesicht war scheußlich, sie hatte Stoßzähne die bis zu den Augen reichten. Hanuman, der Tapfere, aber flog in ihren offenen Mund, schwamm in ihren Bauch hinab und zerschnitt sie von innen mit seinem magischen Dreizack. Verblutend versank die Dämonin in den Wogen des Ozeans und der Weg war frei.

In einem Lustgarten des Dämonenfürsten, unweit von Longka, fand Hanuman die gefangene Nang Sida, wo sie schmerzlich um ihr Schicksal weinte. Jeden Tag bat Thotsakan die göttliche Nang Sida, seine Liebe zu erhören; doch sie blieb ihrem Gemahl treu. Hanuman schwang sich aus den Lüften herab und überbrachte ihr die frohe Nachricht, daß Phra Ram sie bald befreien werde.

Um den Dämonen seine Macht zu zeigen, verwüstete Hanuman auf dem Rückweg einen anderen Lustgarten vor der Stadt und tötete auch ihre Wächter. Zornig stürzten sich da aber Thotsakans siebengesichtige Söhne, Phan Sahatsa Kuman, auf den dreisten Affeneindringling, doch auch sie zerschmetterte der Windsohn Hanuman mit seiner göttlichen Kraft. Der Verlust seiner vielen Söhne schmerzte in Thotsakans Herz. Außer sich vor Wut rief er mit mächtiger Stimme seinen allgewaltigen Sohn Inthorachit, den Bezwinger Phra Ints, um den Angreifer zu töten.

Hanuman, verschlagen wie ein Gott, ließ sich von Inthorachit scheinbar fangen, denn er plante, Longka als Ort des Bösen zu vernichten. Sofort wurde er in Ketten vor Thotsakan geführt und von diesem zum Tode verurteilt. Hanuman, der Unsterbliche, tat so, als wenn er sich seinem Schicksal fügte und verriet dem Dämonenkönig das Geheimnis seiner Unverwundbarkeit. Nur das Feuer könnte ihn töten, denn unwirksam würden alle anderen Waffen von seinem Diamantenfell abgleiten, erklärte er dem Dämonenfürst. Dieser lachte über den dummen Affen, der sich selbst dem Tod preisgab. Hanuman wurde in Palmöl getränkt und Thotsakan selber entzündete Hanumans Fell. Sofort schlugen die Flammen hoch auf. Doch plötzlich befreite sich der unbesiegbare Affe von seinen Ketten, und als lebende Fackel durcheilte er in großer Geschwindigkeit Häuser und Paläste und setzte dadurch ganz Longka in Brand. Nang Sida war ja außerhalb der Stadt. Um die Flammen auf seinem Diamantenfell zu löschen, tauchte er in die Fluten des Ozeans und flog dann mit Samphati wieder auf und davon. Das Feuer aber zerstörte die ganze Dämonenstadt.

Thotsakan blieb nicht untätig und ließ eine neue, noch schönere Stadt erbauen. Dann forderte er Phipek, seinen weisen Bruder und Seher auf, die Zukunft der neuen Stadt zu deuten. Phipek sah ein großes Unheil voraus, das die Entführung Nang Sidas der ganzen Dämonensippe bringen würde. Er flehte seinen Bruder Thotsakan an, Nang Sida freizulassen, um größeres Unheil abzuweisen. Doch erbittert weigerte sich der Dämonenkönig, die Voraussage zu akzeptieren und verbannte seinen weisen Bruder aus der Stadt. Der enttäuschte Phipek begab sich direkt zu Phra Rams Lager und bot ihm seine wertvollen Dienste an.

Nun griff der Dämonenkönig zur List, um Phra Ram und seine Armeen zum Rückzug zu bewegen. Er befahl der Dämonin Benyakai, der schönen Tochter Phipeks, sich in Nang Sida zu verwandeln und sich vom Fluß als scheinbar Tote neben Phra Rams Lager ans Ufer treiben zu lassen. Als Phra Ram und Phra Lak die Leiche Nang Sidas sahen, stimmten sie ein lautes Klagelied an, denn sie glaubten, Nang Sida tot vor sich zu sehen. Der Plan schien zu klappen.

Bis zum Palast Thotsakans reichte das Klagelied, und dieser jubelte über seine gelungene Durchtriebenheit. Doch Hanuman durchschaute die List der Dämonen und warf die scheinbare Leiche ins glühende Feuer. Mit lautem Geschrei verwandelte sich die Dämonin zurück und floh eiligst nach Longka zurück, um Thotsakan den Fehlschlag ihrer Mission mitzuteilen.

Die Zeit war nun gekommen, um Longka zu belagern. Auf Phra Rams Befehl erbauten die großen Affenfürsten und Soldaten eine Straße (eine andere Version spricht von einer Brücke) aus mächtigen Steinen durch den Ozean bis zur Dämonenstadt. Hanuman versammelte das ganze Affenheer und trug seinen Leuten auf, große Felsblöcke ins Meer zu senken. Nach wenigen Tagen schon stieg die Steinbrücke in die Höhe, als die Späher Thotsakan den Vorfall berichteten.

Dieser rief sofort seine Tochter Me Macha, die Königin der Fische und Seeungeheuer, zu sich und trug ihr auf, den Straßenbau Hanumans zu zerstören. Sie sammelte alle großen Fische und Seeungeheuer, die die großen Felsblöcke wegschleppten und sie in die Tiefe des Weltozeans versenkten. Als Hanuman dies sah verliebte er sich in Me Macha. Mit gewaltigem Satz sprang er zu ihr, umarmte sie und in einer Grotte feierten sie ihre Vermählung. Nun hörte die Königin der Fische auf den Straßenbau zu stören.

Als es nun keine Hindernisse mehr gab, wurde die Straße bald fertig, und die Affen berichteten stolz die Fertigstellung ihrer Arbeit. Die Freude war groß, denn endlich lag der Weg nach Longka frei vor ihnen.

Phra Ram wollte dennoch unnützes Blutvergießen vermeiden, und so sandte er Ongkhot, den gewaltigen Affenfürsten, Sohn Phalis und Nang Monthos, zu Thotsakan nach Longka, um ihn dazu zu bewegen, Nang Sida ohne Kampf freizugeben. Ongkhot fand die Pforten der Stadt verschlossen und ihm wurde der Eingang verwehrt. Da verwandelte er sich zu einem gewaltigen Riesen, brach das mächtige Tor auf und eilte in seiner Affengestalt direkt zum Königspalast, um Thotsakan die Botschaft Phra Ram zu übermitteln.

Doch spöttisch stritt der Dämon Nang Sidas Entführung ab, und boshaft lachte er über die Menschen und Affen, diese niedrigen Rassen, die es wagten, sich mit den mächtigen Dämonen zu messen. Nun war der Kampf unabwendbar, und der große Krieg zwischen Gut und Böse begann.

Endlos schien der Krieg zu dauern und ungewiss war sein Ausgang. Es folgte Schlacht auf Schlacht und zahllos ist die Zahl der getöteten Soldaten beider Heere. Doch der Einsatz von magischen und göttlichen Waffen erweckte viele Soldaten wieder, die neu in den Kampf zogen. Selbst Geister, Tiere und Naturelemente griffen in den Kampf ein. Die göttlichen Waffen hatten verheerende Verwüstungen angerichtet. Aufgrund seiner Voraussagen rettete Phipek Phra Ram mehrfach vor dem Tod durch die mächtigen Waffen der Dämonen.

Immer mehr Dämonenverwandte und Freunde Thotsakans zogen mit in den Kampf, um die Armeen Phra Rams zu besiegen. Die Kämpfe waren allesamt grausam, und Thotsakans Bruder Kumphakan konnte mit seinem Wunderspeer Phra Lak und Phra Ram ein endloses Gefecht liefern. Doch Hanuman war es wieder, dem es gelang Kumphakan, den Dämon mit den vier Gesichtern, zu überlisten. In einem Zweikampf konnte er den Bösen töten. Der Dämonenkönig Maiyarap, aus der Unterwelt Badan, entführte den göttlichen Phra Ram in sein Reich, um ihn zu vernichten und nur dank der magischen Kräfte konnte Hanuman seinen Herrn befreien.

Nach langen, ergebnislosen Kämpfen griff Inthorachit, der Herr der drei göttlichen Pfeile, Bezwinger des Gottes Phra Int und mächtigster Sohn Thotsakans, in den Krieg ein. Er rüstete seinen Schlachtwagen, mit einer Kraft von zehntausend Löwen, und mit den mächtigsten Waffen der Dämonen: dem furchtbaren, alles verschlingenden und vergifteten Schlangenpfeil Nakhabat und dem alles erschlagenden Gottespfeil Phromat. Mit diesen Waffen zog er gegen die Affenarmeen ins Feld. Wohl trafen ihn Phra Laks Pfeile in die Mitte der Brust, doch seine Zauberkraft ließ sie wirkungslos aus den Wunden fallen.

Die Sonne verdunkelte er, und hinter einer Wolke versteckt, schoß er den Phromatpfeil gegen Phra Lak. Schon schien der Sieg ihm sicher, denn leblos lagen Phra Lak und seine Soldaten auf dem Schlachtfeld. Doch wieder war Hanuman der Retter der Not, denn es gelang ihm, die Zauberkräuter des Morakotberges, den heiligen Mörser und Thotsakans Zauberstößel zu stehlen, und Phipek bereitete daraus die heilende, toten-erweckende Medizin. Hanuman demütigte noch die Dämonen Thotsakan und Nang Monthos, indem er ihre Haare im Schlaf verknüpfte, als er den Stößel erbeutete.

Am nächsten Morgen standen die Toten wieder alle auf, und bei Morgengrauen begannen die Kämpfe von Neuem. Lange dauerte der Kampf zwischen Phra Lak und Inthrachit, doch endlich gelang es Phra Lak, den großen Dämon zu töten.

Immer neue Dämonenfürsten zogen in den Krieg; Mangkonkan, der gewaltige Bullendämon, Thotsakans zehn Wagenprinzen, Mulaphalam der Stolperer, Sahatsadecha der Tausendköpfige mit seinen 2000 Armen, Saeng Athit der Sonenstrahldämon, Sathusun der Herr von Atsadong, und Wirun Djambang. Die ganze Dämonensippe folgte Thotsakans Ruf zum Krieg gegen die Armeen der Menschen und Affen. Die Erde erbebte unter dem Donner der Waffen.

Doch einer nach dem anderen fielen sie, vom Diamantendiskus des großen Phra Narai und vom Dreizack des tapferen, unsterblichen Hanuman getroffen. Schon lag ein großer Teil der Dämonensippe erschlagen auf dem Schlachtfeld, und bedenklich erschien nun die Lage dem Herrscher von Longka. So beschloss er, den Gott Maliwarat, den Gerechten, der im Himmel über das Recht gebot, zum Gericht einzuladen. Er war ein Verwandter von ihm, und Thotsakan hoffte, er würde Phra Ram schuldig sprechen und bestrafen.

Begleitet vom prunkvollen Herr begab sich Maliwarat aufs Schlachtfeld, und alle Götter der 16 Himmelsschichten machten sich auf, um den großen Göttergericht beizuwohnen. Vor den versammelten Göttern, den Soldaten und Fürsten der beiden Heere schilderten Phra Ram und Thotsakan den Ursprung des Krieges, und auch Nang Sida und andere Zeugen wurden vernommen. Eindeutig schien da allen das Unrecht Thotsakans, und Maliwarat gebot ihm, Nang Sida freizulassen. Da brüllte Thotsakan wütend, denn nie wollte er sich dem Götterspruch fügen, und rachdurstig schwor er, die Götter dafür zu bestrafen.

In einem magischen Feuer wollte er ihre eisernen Bilder verglühen lassen, um darin den mächtigen Diamantenspeer, Phra Isuans Waffe, zu härten. So würden sie alle sterben, drohte er. Im Besitz der stärksten Waffe der Drei Welten, würde er alle Gegner und Feinde in den zehn Richtungen der Windrose unterwerfen. Doch die Götter vernahmen die Absicht des Bösen, und den zum Gott gewordenen Phali sandten sie, um Thotsakans Zauberfeuer zu löschen.

Da der Dämonenfürst sich nicht dem Urteil beugte, ging nun der Krieg weiter, und wieder starben die Affen- und Dämonensoldaten, ohne das einer siegte. Da sandte Thotsakan den Riesen Thephanasun, um die gesamte Affenarmee zu verschlucken, und Khiriwan und Khirithon, die beiden Elefantendämonen, um die Feinde zu zermalmen. Doch auch diese wurden von Phra Rams Pfeilen getroffen und starben. Nun waren alle großen Dämonenfürsten tot, und Thotsakan war auf sich allein gestellt, um gegen Phra Ram im Zweikampf zu begegnen. Thotsakan war seines Sieges sicher, denn niemand konnte ihn töten, seit der weise Einsiedler Khobut Rüsi seine Seele vom Körper getrennt hatte.

Seither war sein Körper unsterblich, solange sein Herz weiter lebte, und dieses lag in einem kristallenen Behälter verborgen in der Obhut Khobut Rüsis. Den ganzen Tag schon dauerte der Zweikampf zwischen Phra Ram und Thotsakan, da schlug Phra Rams Pfeil gewaltig in Thotsakan ein und schnitt ihn entzwei. Doch im Nu setzte der Körper sich wieder zusammen. Jetzt griff Phipek der Allwissende Seher in das Geschehen ein und sandte, den schlauen Hanuman, um Thotsakans Herz aus dem kristallenen Behälter zu erbeuten. Listenreich täuschte der Affe wieder die Dämonen, und als er das Herz erbeuten konnte war Thotsakans Schicksal besiegelt. Ein letztes Mal schritt er zum Kampf, seines baldigen Todes sicher.

Als er seinen Pfeil auf Phra Ram abschoss, fiel er diesem als Blütenstrahl zu Füßen. Thotsakans Waffen hatten ihre Zauberkraft verloren, und Phra Ram spannte ein letztes Mal den gewaltigen Bogen. Mit aller Macht flog sein Phromat-Pfeil von der Sehne, und mit gewaltigem Krachen schlug er in Thotsakans Brust.

Der Große Dämonenfürst war nun geschlagen, und Phra Ram, der Göttliche, hatte die Mächte des Bösen besiegt. Groß war der Jubel der versammelten Heere, Endlich war der lange Krieg vorbei. Phipek bestieg den Thron von Longka, und Phra Ram war endlich wieder mit Nang Sida vereint. Nang Sida mußte vorher noch die Feuerprobe der Reinheit bestehen, die bewies, daß sie all die Jahre ihrem Gatten treu geblieben war.

Nun führte Phra Ram die siegreichen Heere heimwärts nach Ayuthaya, wo seine Brüder Phra Phrot und Phra Satrut den Sieger seit langem ungeduldig erwarteten. Reich belohnte Phra Ram seine treuen Verbündeten und Heerführer. Man trauerte über die verlorenen Freunde in Khit Khin, wo Sukhrip und Chomphu mit ihren Heeren sich von Phra Ram trennten. Ganz Ayuthaya bejubelte die Heimkehr ihres Helden, und selbst Phra Int stieg mit seinem glänzendem Gefolge vom Himmel herab, um die Krönung Phra Rams als neuen König von Ayuthaya beizuwohnen. Eine Zeit des beständigen Glücks und Friedens schien auf Erden begonnen zu haben.

Doch der lang ersehnte Frieden, wurde unerwartet von Phaina Suriwong, den letzten Sohn Thotsakans, nach dessen Tod erst geboren, in Frage gestellt. Er, Djakrawat, der Viergesichtige und der Großkönig des Reiches Maliwan hatte beschlossen, den Tod Thotsakans zu rächen.

Ohne Mühe eroberten sie mit ihren Dämonenarmeen das wehrlose Longka und legten den König Phipek in Ketten. Ein letztes Mal flackerte so der Dämonenkrieg auf, und erneut zog Phra Lak mit den Heerhaufen der Affen in den Krieg. Fürchterlich waren die Schlachten, denn über mächtige Kräfte des Bösen gebot der viergesichtige, achtarmige König Djakrawat.

Endlich endete aber auch dieser Krieg mit dem Sieg Phra Laks über die Dämonen, und vollkommen schien nun Phra Narais (Phra Rams) Sieg über die ganze gewaltige Dämonensippe zu sein.

Viele Jahre vergingen, und die Bewohner der Menschen- und Affenstädte lebten in Frieden unter der gerechten Herrschaft Phra Rams. Zu aller Überraschung gelang es ein letztes Mal der Dämonin Adun, der Unvergleichlichen, die in der Unterwelt lebte, das Glück Phra Rams zu zerstören. Listig säte sie Zwietracht zwischen Phra Ram und Nang Sida. Durch ihre magischen Kräfte ließ sie den König glauben, dass seine Gemahlin doch einst Thotsakan geliebt hat. Wie von Sinnen verbannte Phra Ram die unschuldige, schwangere Sida.

Wieder vergingen viele Jahre, und in der Einsamkeit des Waldes hatte Nang Sida die Söhne Phra Mongkut und Phra Lop geboren, die zu kräftigen Jünglingen heranwuchsen. Bald gelangten Gerüchte an den Königshof, dass es im Wald zwei Jünglinge mit besonderen Talenten gäbe. Phra Ram befahl, beide jungen Männer zu fangen. Doch die unerkannten Söhne Phra Rams erwiesen sich als unbesiegbare Kämpfer, und als Phra Ram selber in den Kampf eingriff, konnte auch er sie nicht bezwingen.

Im Kampf erkannte der König von Angesicht zu Angesicht voller Stolz sein und das seiner Gemahlin Antlitz in den Gesichtern der Jünglinge. Sehnsuchtsvoll bat er sie, ihn zu Nang Sida zu führen. Denn längst hatte er seinen Fehler erkannt, und bitter bereute er ihre ungerechte Verbannung. Aber die gekränkte Nang Sida verweigerte dem König seine Bitte. Phra Ram konnte sie mit einer List zum Königshof locken und versuchte sie dort mit Gewalt zum Bleiben zu zwingen. Nang Sida konnte jedoch fliehen und verschwand in den Schoß der Erde, wo ihn einst König Chanok ausgegraben hatte.

Wie bereute Phra Ram sein Vorgehen und ihm schien sein Leben ohne die göttliche Nang Sida sinnlos. Alle Dämonen hatte er unterworfen, alle Kriege gewonnen und sein Königreich und alle Menschen- und Affenstädte lebten in Frieden. Warum nur lebten er und seine Gemahlin im Unglück.

Auch Phra Isuan der Gott der Götter, hatte den Verlauf der Geschichte verfolgt, und allzu schmerzlich erschien ihm das Schicksal Phra Narais, seines Lieblings. So ließ er alle Götter auf dem Himmelsberg Krailat rufen, und vor ihnen gedachte er, das unglückliche Paar zu versöhnen und auf ewig zu vereinen.

Dem Wunsche der Götter beugte sich nun die gekränkte Nang Sida, und im Palast Phra Isuans wurde das Freudenfest der Heirat wieder gefeiert. Alsdann dankte das neu vereinte königliche Paar dem Herrn der Götter, und unter dem Jubel des Himmels und der Erde zogen sie auf Phra Ints Diamantenwagen gegen Ayuthaya heimwärts.

Nun lebte Phra Ram endlich mit seinen Söhnen und seiner geliebten Gemahlin vereint. Die drei Welten lagen in Frieden da vor Phra Ram und Nang Sida, und ihr Glück dauerte ewig im großen Erdkreis zu Füßen des Berges Djakrawan.

Bildnachweis:
  • Bildnis aus Ramakien: Wilfried Stevens

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Schlüsselwörter: Ramakien | Thailand | Siam
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