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Sonstiges: Kultur & Religion

Die Ayuthaya-Dynastie I

Die Frühzeit des Königreiches Thailand

Stadtkarte Ayuthaya
Stadtkarte Ayuthaya
Vom Fall Sukhothais bis zum Tod von König Naresuan

Das Ende des einst einflussreichen und mächtigen Sukhothai-Reiches begann bereits 1350, als nach dem Tod des Königs von Utong ein führender General als Nachfolger den Thron bestieg. Der General nannte sich nach der Thronbesteigung selber Rama Tibodi I und wir dürfen davon ausgehen, dass die Machtübernahme militärisch erfolgte. Er soll aus einer reichen chinesischen Kaufmannsfamilie stammen und durch heiraten mit den Höfen von Suphanburi und Lopburi liiert gewesen sein. König Tibodi I reorganisierte das Militär, die innere Verwaltung und verlegte innerhalb kürzester Zeit die Hauptstadt des Reiches weiter nach Osten, nach Ayuthaya. Er vereinigte die beiden unabhängigen Königreiche Lavo und U-Thong zu einem neuen mit Ayuthaya als Hauptstadt. Ayuthaya war strategisch sehr gut erdacht: Die Stadt lag auf einer Insel, die durch den Zusammenfluss dreier Flüssen gebildet wurde. Ihr voller Name lautet Phra Nakhon Si Ayuthaya.

Es wird leider noch immer in einigen Reisebüchern davon berichtet, daß zu diesem Zeitpunkt Ayuthaya gegründet wurde. Dies ist jedoch eine Fehlinformation. Ayuthaya war zu diesem Zeitpunkt bereits eine florierende Handelsstadt und wurde erst zu einer Hauptstadt gemacht. Wer wann Ayuthaya gründete ist bis heute nicht ganz geklärt. Es wird vermutet, daß Ayuthaya zunächst eine antike Siedlung von Indern war, die ihrer Stadt den Namen von Ramas legendären Königreich in Indien gaben. So gibt es auch heute noch auch die indische Schwesterstadt Ayodhya.

Es dauerte nur zwei Jahre bis Ayuthaya so erstarkt war, dass ein riesiges Heer aufgestellt werden konnte und Richtung Süden marschierte, um das Khmer-Reich zu erobern. Obwohl die eroberten Gebiete des besiegten Khmer-Reiches in das Hoheitsgebiet von Ayuthaya einverleibt wurden, verlief die kulturelle Beeinflussung in den nächsten Jahrzehnten eher umgekehrt. Nicht die Sieger, sondern die Besiegten beeinflussten nun das kulturelle Leben im alten Siam. Neben dem großartigen Wissen in den Bereichen Architektur, Malerei, Kunsthandwerk, Kanalisation und Agrarwesen wurden auch die einst gefürchteten Gebräuche der Khmer aufgenommen. Dazu gehörte insbesondere die Sklaverei, die ausgeklügelte Militärapparatur und das Konzept der absoluten, gottähnlichen Monarchie, die ja am Ende das große Khmer-Reich zum Niedergang führte. Die siamesischen Truppen zogen sich deshalb immer weiter zurück, war doch keine Gefahr vom besiegten Feind zu vermuten.

1353 wurde das laotische Königreich Lan Sang vom legendären König Fa Ngum gegründet. Fa Ngum hatte lange in der Hauptstadt des Khmerreiches gelebt und eine sehr gute Ausbildung erhalten. Der König verheiratete er mit einer Prinzessin aus der königlichen Familie und stellte ihn in den Dienst des Militärs. Aufgrund seiner Fähigkeiten Kenntnisse und Ansehens konnte er die politische-militärische Selbständigkeit Lan Sangs durchsetzen. Somit hatte Ayuthaya nicht nur den Erzfeind Angkor im Süden und Burma im Norden kritisch zu betrachten, sondern einen neuen laotischen Staat im Nordosten sowie das unabhängige Lanna-Thai-Reich (Chiang Mai) im Norden. Ayuthaya hatte noch einen weiten Weg wirklich souverän zu sein.

Im Jahre 1357 brach eine große Cholera-Epidemie in Ayuthaya aus und dezimierte die Bevölkerung beträchtlich. König Tibodi konnte durch eine radikale Gesundheitsreform die Epidemie bald eindämmen und soll nicht zimperlich mit den Erkrankten umgegangen sein. Die Gefahr, dass Ayuthaya womöglich durch Abwanderung seine Bevölkerung verlor, konnte er jedoch abwenden. Bedeutete doch den Verlust von Menschen auch der Verlust von rekrutierbaren Männern und Arbeitskräften, die man nicht immer durch Kriegerfolge ausgleichen konnte.

1361 wurde König Tibodi I für einige Zeit Mönch und nutzte diese Zeit, seine Nachfolge zu regeln. Sieben Jahre später starb Rama Tibodi I im Alter von 57 Jahren. Sein Sohn, Prinz Ramesuan, übernahm die Thronfolge. Er wurde jedoch von der Militärführung als Schwächling eingestuft, da er in vorangegangenen Schlachten gegen die Khmer nicht heldenmütig gewesen sein soll. Auch seine Fähigkeit, die Regierungsgeschäfte souverän zu übernehmen scheiterten. Nach fast einem Jahr Regierungszeit dankte König Ramesuan auf Anraten seiner Minister ab. Neuer König wurde sein Onkel, Prinz Boromaraja, der Schwager von König Rama Tibodi I. Prinz Ramesuan wurde jedoch die Möglichkeit offen gehalten, sich im Palastbereich aufzuhalten.

König Boromaraja nutzte seine Zeit, um das Militär Ayuthayas weiter aufzurüsten. Im Jahre 1371 begann er einen Krieg mit dem geschwächten Sukhothai, und eroberte mit seinen Armeen mehrere Städte, die bisher unter der Hoheit von Sukhothai standen. Das schon innenpolitisch zerbrochene Sukhothai konnte keine Kräfte mehr gegen das übermächtige Ayuthaya aufbringen und seine verlorenen Gebiete zurückerobern. König Boromaraja indes festigte seine Macht und die Grenzen seines Reiches. Sein Ziel, daß einst ruhmreiche Sukhothai-Reich vollständig zu zerstören, konnte er nun mit Ruhe vorbereiten, wußte er doch von der Schwäche des Nordens. Es wurden erste Kriegsvorbereitungen getroffen.

Nach vier Jahren Vorbereitung wurde die stark befestigte Stadt Phitsanulok, die Schwesterstadt Sukhothais, von der Armee Boromarajas vollständig erobert. Der größte Teil der Bevölkerung wurde als Sklaven nach Ayuthaya überführt. Nun hatte Sukhothai nichts mehr entgegen zu bieten. König Tammaraja II von Sukhothai fügte sich seinem Schicksal und wurde 1376 zum Vasallen von Ayuthaya. Zu diesem Zeitpunkt endete die Sukhothai-Dynastie.

Als 1388 König Boromaraja starb, wurde sein erst 15jähriger Sohn Tonglan (Thong Chan) Thronfolger. Seine Herrschaft dauerte jedoch nur sieben Tage. Durch eine Intrige setzte der einstige König Ramesuan, den jungen Tonglan fest und ließ ihn später beseitigen. Unter diesen mysteriösen Umständen bestieg er wieder selbst den Thron. Er nutzte seine Anwesenheit im Palast, um sich genügend Wissen anzueignen und genügend Einfluß zu gewinnen, um die Gunst der Stunde auszunutzen. Durch den Tod von König Boromaraja hatte er seinen Plan erst in die Tat umsetzen können. Bis heute gibt es die Vermutung, daß er wahrscheinlich schon vorher auch einen Putschversuch geplant hatte, als König Boromaraja noch lebte.

Obwohl Sukhothai praktisch nicht in der Lage war, sich aus der Umklammerung Ayuthayas zu befreien, hatte König Tammaraja dennoch diplomatische Geheimgespräche mit dem Königreich Lannatai aufgenommen. 1390 unternahm Senmuangma, der König von Chiang Mai, einen Feldzug gegen das Ayuthaya-Reich und versuchte, Sukhothai von den Truppen Ayuthayas zu befreien. Doch dieser kühne Vorstoß wurde gänzlich zunichte gemacht. Die Truppenstärke und die Kampfmoral der Truppen von Ayuthaya wurden vollkommen unterschätzt. König Senmuangmas Truppen wurden komplett aufgerieben. König Ramesuan hatte Kundschafter ausgeschickt, die ihm die Gewissheit gaben, daß fast alle Truppen aus Chiang Mai gegen ihn geschickt wurden und somit vernichtet waren. Er ließ seine Truppen in Chiang Mai ohne große Gegenwehr einmarschieren und den größten Teil der Bevölkerung umsiedeln. Dadurch wurde Chiang Mai die Chance genommen, sich jemals von diesem Schlag erholen zu können. Ayuthaya konnte indes die eroberten Gebiete in ganz Siam durch Umsiedlungen urbar machen und seine Städte und Dörfer durch Bevölkerungszuwachs stärken.

Durch die jahrelangen Kämpfe im nördlichen Teil des Landes wurde das einst geschlagene Khmer-Reich ganz aus den Augen verloren. Wurden früher, aus Überzeugung, daß die Khmer niemals mehr in der Lage wären, eine Gefahr für Siam darzustellen, die Besatzungstruppen zurückgezogen, so wurde diese Fehleinschätzung nun zu einer ernsten Bedrohung. Im Jahre 1393 provozierte der Khmer-König Kodombong einen Krieg mit dem verhassten Siam. Er griff siamesische Städte an der Ostküste an und konnte in kurzer Zeit in allen Städten von Chantaburi bis Chonburi einmarschieren und ließ deren Bevölkerung fast vollständig als Sklaven ins eigene Reich entführen.

Als diese unerwartete Kriegserklärung König Ramesuan erreichte, schickte er sofort ein starkes Heer Richtung Süden. Obwohl die Khmer bereits auf dem Rückzug waren, stießen die Truppen ins Khmer-Reich vor, um es nun vollständig zu zerstören. Die Übermacht und der schnelle Vorstoß der siamesischen Truppen überrannte praktisch die einst eindringende Armee der Khmer. Die Hauptstadt Angkor wurde eingenommen und fast 90.000 Khmer wurden als Gefangene und Neubürger nach Siam entführt. Das Khmer-Reich war damit praktisch kein eigenständiger Staat mehr und wurde ein Vasall Siams.

Interessant ist dabei die besondere Kriegszielsetzung der damaligen Zeit in Südostasien. So wurden nicht nur Städte oder Reiche erobert, ausgeplündert und zerstört, sondern vielmehr wurden auch möglichst viele Menschen als Beute mitgenommen. Dies führte zu einem schnelleren Bevölkerungszuwachs und einer schnelleren Stärkung der eigenen Armee, aber auch zu einer ethnischen Vermischung. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass die vielen Kriege zwischen Khmer, Thais und Burmesen zerstörerische Kriege waren, wo jeder freie Mann in die Armee eingezogen wurde und oft die Anzahl der Soldaten den Krieg entschied. Solche blutigen Schlachten erinnern uns an den Siebenjährigen Krieg in Europa. Hier zählte auch die zahlenmäßige Überlegenheit.

König Ramesuan hatte in seiner Regierungszeit ein starkes Reich geschaffen, dass keine Feinde zu fürchten hatte und an seinem Aufbau weiter arbeitete. 1395 starb der große Stratege Ramesuan mit 62 Jahren. Sein Sohn Ramraja (Ramaracha) wurde sein Nachfolger und regierte in den nächsten 14 Jahren über ein friedliches Land. Nach dieser friedvollen Zeit wird König Ramraja von Prinz Nakonin (Nakhon In), dem Gouverneur von Sysan und jüngerer Bruder des ermordeten Tonglan, gestürzt. Nakonin setzte sich selber als König mit dem Titel Inthraraja (Inthraracha I) ein. Vermutlich wurde König Ramraja ermordet. Als 1424 König Inthraraja starb, bekriegten sich drei seiner Söhne in einem Kampf auf Kriegselefanten um das Thronerbe. In diesem Kampf überlebte nur der Jüngste. Dieser wurde anschließend zum König ernannt und erhielt den Titel Boromaraja II.

1431 kam es zu einem Krieg zwischen dem wieder erstarkten kambodschanischen Reich, daß sich als Erbe des Khmer-Reiches verstand, und Ayuthaya. Dieser Krieg dauerte sieben Monate und abermals konnte Ayuthaya einen Sieg erringen und marschierte zum zweiten Male in Angkor Thom ein, der Hauptstadt der Khmer. Durch Eroberungen von Teilen des Khmer-Reiches drangen weitere Khmer-Kulturelemente in die thailändische Kultur ein. Auch erhalten aus Angkor Thom geholte Brahmanen am Hof von Ayuthaya ihre Ehrerbietung. Auch übernimmt man die straffere und zentralere Verwaltung und Herrschaft der Khmer.

Der Angkor-König Tammasok verlor bei diesem Krieg dabei sein Leben und der König von Siam installierte seinen Sohn, den Prinzen Intaburi als König von Kambodscha. Als jedoch nach wenigen Monaten König Intaburi unter mysteriösen Umständen starb, verlor Siam seinen Einfluss in Kambodscha zusehend. Die Khmer räumten ein Jahr später die einst mächtige Stadt Angkor, da die Stadt zu nahe an der Grenze zu Siam lag und richteten ihre neue Hauptstadt in Basan, östlich des Mekong, ein. Diese Zeit wurde dazu genutzt, daß geschlagene Reich neu zu organisieren und zu festigen. Nach zwei Jahren Neuaufbau verlegten die Khmer ihre Hauptstadt abermals, diesmal nach Phnom Penh.

1438 wurde Sukhothai vollkommen in das siamesische Reich unter der Vorherrschaft Ayuthayas integriert und von einem Gouverneur, Prinz Ramesuan, regiert. Damit war ein Jahrzehnte altes Kapitel abgeschlossen und die Stadt Sukhothai wurde zu einer wichtigen Handelsstadt und militärisches Ausbildungszentrum der nördlichen Elite-Armeen. Eine Entwicklung, die wiederum vier Jahre später zum Krieg mit Chiang Mai führte. Zwar wurde Chiang Mai besiegt, aber nicht vollständig. Das Lannatai-Reich konnte durch die vielen politischen Entwicklungen zwar wieder unabhängig bleiben, verlor jedoch einen erheblichen Anteil seiner Bevölkerung an das Königreich Siam. Lannatai blieb immer gefährdet durch die Auseinandersetzungen zwischen Ayuthaya und Burma.

Den Krieg konnte sich Ayuthaya auch deshalb leisten, da die Kontakte und der Handel zu China immer gepflegt wurden, und somit eine Gefahr vom Großreich China nicht zu befürchten war. Dies aber auch damit zu erklären, da Siam die chinesische Oberhoheit anerkennen musste und regelmäßig Gesandtschaften mit Tribut nach China schickte.

Nach 24 Jahren erfolgreicher Regierungszeit starb der große König Boromaraja II. Sein Nachfolger wurde der Gouverneur von Sukhothai, Prinz Ramesuan. Unter dem Namen Trailok bestieg er den Thron von Ayuthaya. Es folgten 40 Jahre erfolgreiche Regierungszeit, die König Trailok mit vielen Reformen bereicherte. Er reformierte das siamesische Verwaltungswesen und gab ihm eine strenge strukturierte Ordnung. Er regelte auch das Adelssystem in Siam neu und legte dabei sieben Ränge fest, die man erreichen konnte: 1. Phaya, 2. Phra. 3. Luang, 4. Khun, 5. Muen, 6. Pun, 7. Tanai. Später wurde noch der höchste Rang eingeführt, der Chao Phaya. Die Adelsränge waren jedoch (gegenüber den europäischen Adelstiteln) nicht vererbbar, sondern wurden von Königen verliehen und konnten von Königen aberkannt werden. Sein politisches Einflussgebiet reichte von Kampheng Phet bis Luang Prabang im heutigen Laos.

König Trailok gefiel nicht, dass das alte Lannatai-Reich wieder erstarkte und vielleicht sogar wieder zum Verbündeten Burmas wurde. So wäre seine Nordgrenze näher als gewollt. Um das Lannathai-Reich später strategisch erobern zu können, so sein Überlegung, ergreift er 1449 zunächst Besitz vom Stadtstaat Nan im östlichsten Tal des Nordens. Aufgrund der abgelegenen Lage von Nan, war dieser Schachzug nur dazu erdacht gewesen, Nan militärisch zu kontrollieren und Lannatai mit einer Eroberung zuvor zu kommen. Aber da die Verhältnisse zwischen Burma und Lanntai zu undurchsichtig waren, wagte König Trailok keinen Angriff.

1456 begannen die erneuten Konflikte zwischen dem Lannatai-Reich von Chiang Mai und der Ayuthaya-Dynastie. Zunächst erfolgten jahrelange diplomatische Auseinandersetzungen und Überfälle von beiden Seiten. 1459 wurde Svargaloka erobert.

Sechs Jahre später kam es zum Ausbruch dieser Konfrontation. Sukhothai wurde vorübergehend von einer Armee Chiang Mais besetzt, um Wochen später von den Truppen Ayuthayas zurückerobert zu werden. Da Siam praktisch keine Übergriffe an seinen Grenzen zu befürchten hatte, und nur eine Gefahr vom Lannatai-Reich ausging, verlegte König Trailok seinen Regierungssitz 1463 von Ayuthaya nach Phitsanulok im Norden seines Reiches. Die Regierungsgeschäfte in Ayuthaya wurden von seinem Sohn Boromaraja erledigt. 1465 empfing König Trailok, als großer Förderer des Buddhismus, selbst die Weihe als buddhistischer Mönch und zog sich einige Zeit ins Kloster zurück.

Insgesamt kam es siebenmal zum Krieg mit dem nördlichen Nachbarn. Noch gelang es Siam nicht, den Widerstand des Gegners zu brechen und ihn zu unterwerfen.

Durch diese Strategie kam es zu einer überraschend friedvollen Zeit. Erst 1474 brach ein neuer Krieg aus. Es kam zur Schlacht zwischen Chiang Mai und Ayuthaya. Der Herrscher von Chiang Mai, Maharaja Tilok, ließ von seiner Armee alle Angehörigen der siamesischen Botschaft in Chiang Mai ermorden. Bei dieser Schlacht gab es keinen Sieger und keinen Besiegten. Beide Reiche vereinbarten daraufhin einen Friedensvertrag, der jedoch keine völkerverständigende Annäherung mit sich bringt. Noch immer blieb König Trailok in Phitsanulok und überließ die Herrschaft in Ayuthaya seinen Sohn Boromaraja.

1478 wird in Chiang Mai das 8. Buddhistische Weltkonzil abgehalten.

1486 starb König Tilok von Chiang Mai und ein Jahr später auch König Trailok in Phitsanulok. Prinz Boromaraja, der 25 Jahre lang souverän die Regierung in Ayuthaya ausübte und sich als Stellvertreter seines Vaters ein respektvolles Ansehen im Reich erworben hatte folgte auf den Thron. Er erhielt den Titel Boromaraja III. Da er seine Machtbasis in Ayuthaya aufgebaut hatte, wurde die traditionelle Funktion Ayuthayas als Hauptstadt des Königreiches wiederhergestellt.

Vier Jahre nach seiner Thronbesteigung starb Boromaraja III und sein Bruder, Prinz Jetta, wurde 1491 sein Nachfolger., dessen Mutter von den Königen Sukhothais abstammte. Er erhielt den Namen Rama Tibodi II. Seine Regierungszeit muß eine ruhige Entwicklungsphase der Ayuthaya-Dynastie gewesen sein, da in den vorhandene Chroniken über keine außergewöhnlichen Ereignisse berichtet wird. Als wichtigstes militärisches Ergebnis wird die endgültige Eroberung des wieder erstarkten Lanna Thai-Reiches 1515 genannt.

Im Jahre 1498 eröffneten Vasco da Gama und seine portugiesische Gefolgschaft, nachdem sie erfolgreich das Kap der Guten Hoffnung umsegelt hatten, eine neue Handelsroute. Damit begann die neue Ära der europäischen Expansion im Fernen Osten. Die Europäer kommen

Nachdem die Portugiesen im Jahre 1511 Malakka erobern konnten, schickten sie als noch im gleichen Jahr als erste Europäer eine Delegation nach Ayuthaya. Der Vertreter der portugiesischen Krone hatte ein Jahr später eine weitere Delegation vom portugiesischen Stützpunkt Goa nach Ayuthaya geschickt, da er einen Verlust seiner Einflusssphäre gegenüber den nach Süden vorrückenden Siamesen befürchtete.

In Jahren 1512 - 1516 schlossen der portugiesische Gesandte Duarte Coelho und Vertreter des königlichen Hofes von Siam verschiedene Vereinbarungen, wonach die Portugiesen in Ayuthaya und in den wichtigen Handelsorten auf der Malaiischen Halbinsel, so u.a. in Mergui, Pattani und Ligor (dem heutigen Nakhon Si Thammarat) Handel betreiben konnten.

Nach Verhandlungen mit König Rama Tibodi II durfte 1516 eine Botschaft in Ayuthaya eingerichtet werden, allerdings unter dem Vorbehalt, dass siamesische Soldaten in der modernen Kriegsführung mit Musketen und Kanonen ausgebildet wurden. Siam erhoffte sich damit einen wesentlichen Vorteil gegenüber seinen Erzrivalen Burma. Die Portugiesen ließen sich darauf ein und konnten so mit Siam Handel treiben. Portugiesen traten sogar in die Dienste des Königs. Nach den ersten Kaufleuten folgten auch bald auch Missionare. Die Portugiesen durften sich in Ayuthaya, Tenasserim, Mergui, Patani und Ligor niederlassen.

Nach einer 38jährigen Regierungszeit starb König Rama Tibodi II. Sein Sohn, Prinz Atityawong übernahm 1529 die Würde der Regierungsgeschäfte und bestieg den Thron unter den Namen Boromaraja IV. Dennoch war seine Regentschaft recht kurz, da er nur fünf Jahre später an Pocken starb.

Da dieser schnelle Tod ziemlich unerwartet kam, blieb dem Ministerrat nichts anderes übrig, als seinen erst 4jährigen Sohn, Prinz Ratsadatiratkumar, offiziell auf den Thron zu setzen, jedoch die Regierungsgeschäfte einzelnen Ministern zu geben. Aber auch hier erfolgten die Usurpationen und das Phänomen der kurzen Regierungszeiten der Ayuthaya-Könige. Nach nur fünf Monaten der Thronbesteigung ließ der Halbbruder des vorherigen Königs, Prinz Prajai, das Kind ermorden und bestieg selber den Thron.

In seiner Herrschaftszeit machte sich König Prajai erst 1545 einen Namen, als er sich in die innenpolitische Diplomatie-Politik Chiang Mais einmischte, das zu dieser Zeit ein Vasall Burmas war. Es kam zu einem kurzen Krieg zwischen Burma und Ayuthaya. Siamesische Truppen zerstörten die Stadt Lamphun und zogen sich dann aus dem burmesisch beherrschten Gebiet zurück. Insgesamt hatte dieser Prestigekrieg nichts eingebracht. Das Lannatai-Königreich von Chiang Mai blieb ein Vasall Burmas.

Die Beziehungen mit Portugal waren derart vertrauensvoll, daß 1538 über hundert portugiesische Söldner in der Leibgarde des Königs integriert wurden.

Nach dieser Auseinandersetzung der rivalisierenden Herrscher kehrte König Prajai nach Ayuthaya zurück, wo er ein Jahr später starb. Spekulationen zufolge wurde er von seiner eigenen Frau, Tao Sri Sudachan, vergiftet. Seine Nachfolge übernahm sein erst 11jähriger Sohn Kaeofa. Nun folgte eine der interessantesten Episoden der thailändischen Geschichte. Der minderjährige König Kaeofa wurde von einem Prinzen namens Tienraja in allen Regierungsangelegenheiten vertreten und war dadurch praktisch ein König ohne Macht. In dieser Zeit nutzte die Witwe Tao Sri Sudachan die Gunst der Stunde, um ihre Machtbasis zu vergrößern. Schon nach kurzer Zeit war sie der eigentliche Herrscher im alten Siam. Bevor Prinz Tienraja reagieren konnte, wurde er überredet Mönch zu werden. Sicher blieb ihm kaum eine andere Wahl, um die ganze Angelegenheit zu überleben.

Ohne auf Gegenwehr zu stoßen bestieg die ungekrönte Königin Tao Sri Sudachan den Thron und regierte ungehindert das Königreich. Jedoch heiratete sie nicht mehr, sondern nahm sich einen einfachen Palastangestellten als Geliebten. Es dauerte weitere Jahre, bis der inzwischen 13jährige, fast machtlose König Kaeofa eine Intrige anstiftet, um den Geliebten seiner Mutter zu töten. Dieser deckte jedoch das Komplott auf und ließ den jungen Kaeofa ermorden. Der Königin war dieser Schritt anscheinend recht, da sie kein inniges Verhältnis zu ihrem Sohn hatte und macht besessen war. Nachfolger wurde alsbald der noch jüngere Bruder Kaeofas, der erst 7jährige Prinz Srisin. Da die Mutter des jungen Prinzen alle Fäden in der Hand hielt, verlieh sie zunächst ihrem Geliebten einen niedrigen Adelstitel, um ihn anschließend, ohne Gegenwehr der ebenfalls machtlosen Minister, zum stellvertretenden Regenten im Namen Srisins zu machen. Nach wochenlanger Verwirrung am Königshof wurde König Srisin kurzerhand als Herrscher abgesetzt.

Nach diesem ausgeklügelten Plan waren die Königswitwe und ihr Liebhaber die Herrscher über das ganze Königreich. Wie viele Intrigen, Morde und Korruptionen angezettelt wurden, war nicht mehr vollziehbar, als sich am 11. November 1548 der Liebhaber der Königin zum König von Ayuthaya ernannte und sich Khun Waraniongsu nannte.

Bald hatte jedoch das mörderische Spiel der beiden, die eine gemeinsame Tochter hatten, ein blutiges Ende.

Einen Monat nach der Thronbesteigung wurden die Königswitwe, ihr Liebhaber und deren Tochter in einer Palastrevolte getötet. Diese Palastrevolte wurde von einem gewissen Khun Pirentoratep geplant und ausgeführt. Dieser Khun Pirentoratep wurde durch sein äußerst geschicktes Intrigenspiel zu einer Schlüsselfigur der nachfolgenden Zeit.

Siam war in der großen Gefahr, durch innenpolitische Querelen außenpolitisch zu einer leichten Beute für den Erzrivalen Burma zu werden.

Am 19. Januar 1549 stellten Khun Pirentoratep und seine Gefolgsleute die Ordnung im Palast wieder her. Er installierte den früheren Regenten im Namen des minderjährigen Königs Kaeofa, Prinz Tienraja, den Bruder von König Prajai, als neuen Herrscher von Ayuthaya. Prinz Tienraja erwählte selber den königlichen Titel Chakrapat. Khun Pirentoratep wurde zum Gouverneur von Phitsanulok ernannt und nahm damit die zweit mächtigste Stellung im Königreich ein, da der Gouverneur von Phitsanulok den ganzen Norden des Königreiches kontrollierte. Doch damit nicht genug. König Chakrapat verlieh seinem Verbündeten Khun Pirentoratep den alten Ehrentitel Prinz Maha Tammaraja und gab ihm seine Tochter, Prinzessin Wisutkasatri, zur Frau.

Kaum den schwierigen innenpolitischen Problemen entronnen, wurden die ersten Monate von König Chakrapat durch eine Gefahr von Außen bedroht. In einem viermonatigen Krieg belagerten 1549 die erstarkten burmesischen Truppen Ayuthaya; jedoch ohne Erfolg. Bei der Belagerung starben die Königin Suriyothai und ihre Töchter, die in Männerkleidung gegen die Burmesen kämpften.

Damit begann eine Welle von burmesischen Invasionen und thai-burmesischen Kriegen über einen Zeitraum von fast 50 Jahren. Es wird angenommen, dass die Burmesen von der Palastrevolte und den Unruhen am Königshof von Ayuthaya gehört hatten, und die Zeit für günstig hielten, dass innenpolitisch geschwächte Siam anzugreifen. Ebenso gab es auch militärische Gegenzüge der Thais. Die Grenzkonflikte wurden zum täglichen Regierungsgeschäft.

Mit dieser Annahme hatten die Burmesen recht behalten. Während am siamesischen Königshof aufgrund der vielen Thronfolgekämpfe noch eine Orientierungslosigkeit herrschte, wurde Burma von fähigen Kriegskönigen regiert. Dem ersten dieser Kriegskönige, König Tabengshweti, der von 1531 bis 1550 herrschte, gelang die Vereinigung Burmas mit einer Vergrößerung des bisherigen Territoriums. Zu dieser Zeit wurden schon die Fürstentümer der Mon und der Shan einverleibt. 1550 wurde König Tabengshweti durch ein Giftattentat ermordet. Sein Schwager, ein führender General der burmesichen Armee, bestieg den Thron. Unter dem Namen König Bhueng Noreng (in einer anderen Version wird er König Hanthawadi genannt), führte er die kriegerische Herrschaft weiter.

Von dieser Entwicklung sehr beunruhigt, befahl König Chakrapat den Ausbau der Befestigungsanlagen Ayuthayas und eine Mobilisierung der Armee. Unter anderem wurde eine neue, große Mauer um die Stadt gebaut. Zunächst blieb jedoch die erwartete neue Invasion auf Ayuthaya aus. Eine starke burmesische Expedition gelang es 1557 - 1558 jedoch Chiang Mai zu erobern. Als Herrscher von Chiang Mai wurde von den Burmesen ein treuer Shan-Fürst eingesetzt, der jedoch angesichts der burmesischen Überlegenheit die Stadt fast kampflos aufgab. Dadurch hatten nun die Burmesen nun ein neues, strategisch wichtiges Aufmarschgebiet an der nördlichen Grenze aufbauen können. Alle Thai-Fürstentümer im Norden bis Modaung und im Osten bis Luang Prabang wurden ebenfalls erobert.

Unabhängig von der täglichen Gefahr, daß die Burmesen einmarschieren, waren es 1561 wiederum innenpolitische Unruhen, die Siam erschütterten. Eine Verschwörung brach in Ayuthaya aus. Unerwartet kam diese von Prinz Srisin, dem jüngsten Sohn von König Prajai, der von Srisins Mutter, Tao Sri Sudachan, zuvor als König abgesetzt worden war. Srisin wurde damals als rechtmäßiger König übergangen worden. Nach der Palastrevolte von 1548 war Prinz Srisin von König Chakrapat adoptiert worden. Da Srisin aber schon im Alter von 16 Jahren verdächtigt worden war, einen Umsturz geplant zu haben, stand er unter ständiger Aufsicht. Im Alter von 19 Jahren (1561) sollte er zum Mönch geweiht werden, entfloh jedoch seinen Aufpassern. Er konnte einige Gefolgsleute um sich sammeln und versuchte einen Angriff auf den Palast. In der anschließenden Auseinandersetzung wird er jedoch von den Truppen des Prinzen Mahin, des natürlichen Sohnes von König Chakrapat, getötet.

Im Jahre 1563 wurde Siam erneut von Burma angegriffen. Für diesen Feldzug hatte König Bhueng Noreng eine gewaltige Streitmacht zusammengestellt, die eine Stärke von fast 200.000 Soldaten gehabt haben soll. Die burmesische Armee war zu diesem Zeitpunkt durch zahlreiche Truppen mit Mannschaften aus den Vasallenstaaten verstärkt worden. Zunächst konnten die siamesischen Städte Sawankalok und Pijai erobert werden.

Als die Thai die burmesische Kriegstaktik falsch einschätzten, konnten die Burmesen im Frühjahr 1564 einen Überraschungsangriff auf Ayuthaya starten. Der Anlass für den Krieg soll ein Streit um weiße Elefanten gewesen sein. Der weiße Elefant ist ein Symbol königlicher Würde, und die Siamesen weigerten sich, dem burmesischen König einen Tribut in Form von weißen Elefanten zu bezahlen.

König Chakrapat sah sich einem überlegenden Feind gegenüber, dem er kaum was entgegenstellen konnte. Er wurde samt seiner Familie als Geiseln nach Burma verschleppt, und musste sich von König Bhueng Noreng einen für Burma vorteilhaften Friedensvertrag aufzwingen lassen. Nur sein Sohn, Prinz Mahin, wurde als Marionetten-Regent in Ayuthaya gelassen. Nun hatte Burma leichteres Spiel, um große Teile Nordthailands in einem einseitigen Kampf im Dezember des gleichen Jahres zu erobern. König Chakrapat durfte wieder zurückkehren, da er sich verpflichtete in Zukunft als Mönch zu leben. Dies war eine gefährliche Situation für Siam, da der siamesische König gar nicht daran dachte, Mönch zu werden.

Zurückgekehrt plante König Chakrapat, dass Reich Siam insgeheim zu stärken und seine jüngere Tochter, Prinzessin Tepkasatri, mit König Jaijetta von Laos zu verheiraten. Doch diese geplante Hochzeit wurde von Prinz Maha Tammaraja und seiner Frau, Prinzessin Wisutkasatri (die ältere Schwester von Prinzessin Tepkasatri) vereitelt, indem sie die Braut mit burmesischer Hilfe auf dem Weg nach Laos entführen ließen. Die Verwirrung am Hof war groß. König Chakrapat wollte nun offiziell zurücktreten und Prinz Mahin zum neuen Herrscher ausrufen lassen, obwohl der junge Prinz noch zu wenig Erfahrung hatte.

Dieser schnelle Thronwechsel paßte jedoch gar nicht ins Intrigenspiel von Prinz Maha Tammaraja, der sich in der Thronfolge übergangen fühlte. Prinz Maha Tammaraja hoffte weiterhin auf die Unterstützung von burmesischen König Bhueng Noreng. Wieder wurde Siam innenpolitisch gespalten und jede Seite versuchte die andere mit allen erdenklichen Mitteln auszuspielen. König Chakrapat und sein Sohn Prinz Mahin unterhielten freundschaftliche Beziehungen zum laotischen Herrscher, König Setthathirat, und konnten ein Bündnis Zwischen Siam und Laos zustande bringen.

Durch die neue politische Situation provoziert, marschierte im Dezember 1568 eine gewaltige burmesische Invasionsarmee das Land. Der burmesische König Bhueng Noreng marschierte mit einer Armee in Siam ein, von der behauptet wird, daß sie noch größer war als die erste Invasionsarmee mit 200.000 Mann. Wieder wurde die burmesische Taktik falsch eingeschätzt. Bhueng Noreng wählte diesmal nicht die klassische burmesische Invasionsroute, den Drei-Pagoden-Paß, sondern zog über den Norden ein, um vorher Unruhen in Chiang Mai zu beenden. Der verräterische Gouveneur von Phitsanulok, Prinz Maha Tammaraja, schloss sich mit einer eigenen Armee der burmesischen Armee an, womit sich im folgenden Krieg auch Thais und Thais gegenüberstanden. Die vereinigte Armee marschierte auf das stark befestigte Ayuthaya zu und begann mit der altbewährten Strategie der Belagerung.

Zum denkbar ungelegensten Zeitpunkt, als sich die feindlichen Armeen Ayuthaya näherten und den Belagerungsring immer enger schlossen, verstarb König Chakrapat und Prinz Mahin bestieg als Nachfolger den Thron. Bis heute gibt es keine historischen Beweise, daß König Chakrapat ermordet wurde, aber dies hätte natürlich gut in die Kriegsplanung des burmesischen Königs Bhueng Noreng und des listenreichen Prinz Maha Tammaraja gepaßt.

Am 30. August 1569 fiel Ayuthaya erstmalig in seiner Geschichte nach einer siebenmonatigen Belagerungszeit. Doch dieser Sieg beruhte nicht auf der Überlegenheit der feindlichen Streitkräfte, da Ayuthaya die stärksten Befestigungen seiner Zeit aufweisen konnte. Der Fall Ayuthayas beruhte auf Hoch- und Landesverrat, wobei Prinz Maha Tammaraja die Schlüsselrolle spielte. Durch spektakuläre Umstände gelang es den Belagerern, den Verräter Pijai Chakri nach Ayuthaya rein zu schmuggeln. Dieser Pijai Chakri war von den Burmesen im Jahre 1563 als Geisel nach Burma entführt und dort einer totalen Gehirnwäsche unterzogen worden. Es gelang ihm, nach Ayuthaya eingelassen zu werden, indem er eines Tages vor den Toren der Stadt auftauchte, zurecht gemacht als entlaufener Gefangener, und als Flüchtling aufgenommen wurde.

Er erschlich sich das Vertrauen beim jungen König Mahin, indem er behauptete, dass er aus der burmesischen Gefangenschaft entfliehen konnte und verhindern möchte, dass Ayuthaya von den Burmesen eingenommen wird. Der unerfahrene Mahin war derart naiv und leichtsinnig, dass er Pijai Chakri die Verantwortung für wichtige Verteidigungsanlagen übergab. Heimlich gab dieser wiederum alle wichtigen Informationen über die Verteidigungsanlagen Ayuthayas an die Belagerer weiter, so dass ein zielgerechter Angriff von den Burmesen geplant werden konnte. Als die Burmesen zum letzten Angriff ansetzten, schwächte der eingeschleuste Hochverräter bewusst die Nervenzentren der Verteidigung in einem gewissen Abschnitt, durch den die burmesischen Truppen schließlich in die Stadt eindringen konnten.

Im Dezember 1569 bestieg der hinterhältige Prinz Maha Tammaraja nach 21 Jahren erfolgreicher Intrige den Thron von Ayuthaya, wobei er sich den Namen Phra Srisanpet zulegte. Der burmesische König hatte sein Kriegsziel, Siam zu einem Vasallenstaat zu machen, erreicht und kehrte mit reicher Kriegsbeute und vielen Gefangenen nach Burma zurück. König Mahin kam als gefangener auf dem Wege nach Burma ums Leben; vermutlich war er ermordet worden.

Da der neue König von Siam ein treuer Kampfgefährte und Bundesgenosse Burmas war, fühlte sich König Bhueng Noreng nicht dazu veranlasst, eine allzu große Besatzungsmacht in Siam zurückzulassen; was sich jedoch bald als Trugschluss entpuppen sollte.

Offenbar unterschätzte der König von Burma die Flexibilität und die gefährliche Gerissenheit, mit der nun König Phra Srisanpet agierte. Der neue König von Siam wendete sich unmittelbar nach dem Rückzug der burmesischen Belagerer dem Neuaufbau des siamesischen Reiches zu. Sein Ziel war es, die vollständige Unabhängigkeit Siams wieder herzustellen. Er ernannte seinen Sohn Prinz Naresuan, der zwangsweise am burmesischen Hof aufgewachsen war, zum Gouverneur von Phitsanulok, die Stellung, die sein Vater selber über 20 Jahre eingenommen hatte.

Der für seine Tapferkeit und Kampfkraft bekannte Prinz Naresuan geriet während der vielen Kämpfe in die Hände gegnerischer Soldaten. Da ihm der Ruf voraus folgte, dass er ein ausgezeichneter Kämpfer war, bot man ihm die Chance für seine Freiheit zu kämpfen. In der Zeit seiner Gefangenschaft konnte er alle Gegner besiegen und wurde später freigelassen.

König und Prinz unternahmen gemeinsame Operationen, um das Land schnellstens mit einer starken, mobilen Armee auszustatten, ohne das der starke Nachbar Burma von diesen Aktivitäten beunruhigt würde. Die Befestigungsanlagen von Ayuthaya und einigen Städten in der Nähe der nördlichen Grenze zu Burma werden wieder aufgebaut und erweitert.

Im Laufe der Jahre wurden die vielen Aktivitäten des siamesischen Reiches jedoch von kambodschanischen Truppen als Anlass genommen, um Ayuthaya mehrmals zwischen den Jahren 1575 und 1578 anzugreifen. Die Vermutung des südlichen Nachbarn, dass man mit der Einnahme Ayuthayas leichtes Spiel haben würde erwies sich als Trugschluss. Die neu organisierten siamesischen Truppen konnten alle Angriffe mit Erfolg abwehren.

Als 1581 der große burmesische König Bhueng Noreng starb, begann eine neue Ära für Siam. Der neue burmesische König, wurde der Sohn von König Bhueng Noreng, Prinz Nanda Bhueng, der allerdings nicht über die weitsichtigen, strategischen Talente seines Vaters verfügte. Es folgten drei Jahre Frieden zwischen Burmesen und Siamesen, wobei es nur burmesischen Generälen zu verdanken war, dass die burmesische Armee nicht demoralisierte. In Burma brachen trotzdem Unruhen aus und man verlangte die Absetzung des schwachen Königs.

Nachdem die siamesische Armee zur alten Stärke zurückfand und die Reorganisation der Armee und alle geplanten Befestigungen abgeschlossen waren, kündigte Prinz Naresuan, mit Einverständnis seines Vaters, dass Vasallenverhältnis mit Burma auf. Damit provozierte man natürlich eine direkte Konfrontation mit Burma.

Da es Burma auch nicht gelungen war Laos vollständig zu unterwerfen, ließ der unerfahrene burmesische König Nanda Bhueng auf Drängen der Generäle eine gewaltige 300.000 Mann-Armee aufstellen, die für alle Zeiten das Königreich Siam und Laos unterjochen sollte. Im Dezember 1584 marschierte der bisher größte aufgestellte Truppenverband in Siam ein. Doch Prinz Naresuan, Gouverneur von Phitsanulok, war gut vorbereitet, hatte er doch auch Gelegenheit, am burmesischen Königshof die verschiedenen Taktiken des burmesischen Militärapparates kennen zu lernen. Er schwächte den Feind, indem er eine Politik der verbrannten Erde anwandte. Er zog seine eigenen Truppen aus dem Aufmarschgebiet der Burmesen ab, hinterließ aber nur verbrannte Dörfer, Städte und Felder, die dem Feind nichts nützten. König Naresuon ließ alle umliegenden Reisfelder abbrennen oder vernichten, ebenso Lagerhäuser. Vieh jeder Art wurden mitgenommen oder vergiftet. Vergiftete Brunnen und tückische Fallen sollten zur weiteren Demoralisierung der feindliche Truppen führen. Kurzen und schnellen Partisanen-Angriffen fielen hunderte burmesische Soldaten zum Opfer. Da es keinen greifbaren Feind gab, schlug die ganze Invasion fehl und die Truppen zogen sich immer weiter zurück.

1586 griff Prinz Naresuan Chiang Mai an, das zu dieser Zeit noch unter burmesischer Hoheit stand, und konnte nach einem Sieg das noch unabhängige Lannatai-Königreich zu einem siamesischen Vasallen machen. Nun hatte Prinz Naresuan kein Hindernis mehr zwischen der Nordgrenze zu Burma und konnte so seine Front näher zum Feind bringen.

Ein Jahr später, im Januar 1587, wagte König Nanda Bhueng einen erneuten Angriff auf Siam, wobei er seine Truppen, ein Heer von über 200.000 Mann, direkt gegen Ayuthaya marschieren ließ. Prinz Naresuan organisierte wieder erfolgreiche Angriffe von Guerillaverbänden. Durch diese neue Taktik immer mehr geschwächt, konnte er jedoch die Stadt nicht einnehmen und muss so starke Verluste gehabt haben, daß er die Belagerung von Ayuthaya aufgab und sich wieder zurückzog.

Von den großen militärischen Erfolgen seines Vaters angespornt, hatte König Nanda Bhueng selber eine sehr unglückliche Hand, an diese Erfolge anzuknüpfen, indem er manche Taktik seines Generalstabes durch seine eigene ersetzte. Ob dies letztendlich zu den letzten beiden großen Niederlagen, trotz überlegender Truppenstärke, führte, bleibt eine historisch, unbeantwortete Frage.

Kambodschanische Truppen erhofften sich indes, dass der nördliche Nachbar Siam durch den burmesischen Angriff derart geschwächt war, dass es ein leichtes Spiel wäre, Ayuthaya den Todesstoß zu geben oder zumindest alle angrenzenden Dörfer und Städte erobern zu können. Sie griffen nach dem Rückzug der Burmesen an. Auch hier verwendete Prinz Naresuan die Politik der verbrannten Erde, was auch die kambodschanischen Truppen zum Rückzug zwang. Hätten die Burmesen oder Kambodschaner gewusst, dass die siamesische Armee derart geschwächt war, dass sie als zusammen hängender Truppenverband nur noch Ayuthaya hätte verteidigen können, wäre die Geschichte Siams anders verlaufen. Nach dem Rückzug des südlich gelegenen Feindes mobilisierte Prinz Naresuan alle Truppenteile erneut zu einer Armee und rekrutierte dabei auch viele Kriegsgefangene, die ihm die Treue ebenso schworen wie ihrem alten Herrscher. Dabei hatte er seine Kriegstaktik weiter verfeinert, indem er, neben der regulären Armee, spezielle Guerillaeinheiten ausbilden ließ.

König Maha Tammaraja, der große Taktiker, starb im Juli 1590 und Prinz Naresuan, schon vorher der Lenker des Reiches, wurde König von Ayuthaya. König Naresuan reorganisierte die Verwaltung, den Generalstab und die Verteidigungskräfte der einzelnen Regionen. Rechnete er mit einem erneuten Angriff der Burmesen, was sich auch bewahrheiten sollte. Vier Monate nach dem Tod von König Maha Tammaraja versuchten die Burmesen mit ihrer 200.000 Mann starken Armee eine erneute Eroberung Siams, scheiterten aber an der undurchschaubaren Kriegstaktik Naresuans.

Das Jahr 1592 wurde ein erneutes entscheidendes Jahr für den Fortbestand des Königreiches Siam: Im Jahreswechsel 1592/1593 marschierten 250.000 burmesische Soldaten gegen Siam vor. Diesmal hatten die Burmesen jedoch ihre Taktik geändert und griffen mit einer gesplitteten Armee an. Eine Armee-Einheit griff Siam von Süden und die andere griff fächerförmig von Norden an. In einer Schlacht der Süd-Armee (die Schlacht von Nong Sarai, bei Suphanburi) wurde der burmesische Kronprinz Min Chit Sra in einem Zweikampf von König Naresuan getötet, worauf die südlichen Truppenteile überraschend den Rückzug antraten. Die Nord-Armee, die zu diesem Zeitpunkt vor den Toren Chiang Mais stand, wurde vom burmesischen König Nanda Bhueng, als er vom Tod seines Sohnes erfuhr, ebenfalls zurückbeordert. Zu dieser Zeit war Siam zu einem entscheidenden Krieg gezwungen, von dem man nicht weiß, wie er ausgegangen wäre, wenn sich die burmesische Armee nicht zurückgezogen hätte. König Nanda Bhueng schien jedoch am Boden zerstört, als der Leichnam seines Sohnes zurückgebracht wurde.

Das siamesische Königreich hatte diese überraschende Wende für sich ausgenutzt, um den Ausbau der Armee und der Städte und Dörfer auszuweiten. Da trotz Erwartung kein neuer feindlicher Angriff erfolgte und die ausgesandten Spähtrupps keine bedeutenden Truppenbewegungen melden konnten, wagte König Naresuan einen Angriff auf Burma. In der Nähe des Dorfes Ban Muang Ngai, etwa 6 km nördlich von Chiang Dao, errichtete er eines der vielen Heerlager, um den Kriegszug nach Burma vorzubereiten.

Zwei starke siamesische Armeen stießen in einer Zangenbewegung auf burmesisches Gebiet vor, wobei die eine Armee die Stadt Tenasserim, die andere die Stadt Tavoy (gehören beide heute wieder zu Burma) sowie das wichtige Handelszentrum Martaban eroberten. Das die Burmesen keinen bedeutenden Gegenangriff machten, veranlasste es König Naresuan dazu, auch dem südlich gelegenen Erzfeind einen militärischen Schlag zu versetzen. Seine Überzeugung, dass Burma zu einem Gegenschlag unfähig sei, und seinen Vorstoß nicht weiterführte sollte sich alsbald rächen.

Im Mai 1593 mobilisierte König Naresuan eine 100.000 Mann-Armee gegen Kambodscha. Die siamesische Übermacht war genauso so groß wie der überraschende Angriff, so daß sich viele kambodschanische Provinzen kampflos ergaben. Der plötzliche Angriff des nördlichen Feindes war derart beängstigend, dass der König von Kambodscha und seine Söhne flohen nach Laos. Kambodscha wurde einem siamesischen Militärgouverneur unterstellt und verlor damit für immer seinen Status als ein Machtzentrum in Südostasien. Kriegsgefangene aus Khmer wurden in nördlichen Provinzen Siams unter Zwang angesiedelt, andere in den Streitkräften aufgenommen.

Während Siams Truppen weiter vordringen, brechen 1594 in Burma innenpolitische Unruhen aus, die auf die Führungsschwäche von König Nanda Bhueng zurückzuführen sind. Sein Führungsstil war unberechenbar, was den ganzen Hofstaat in verschiedene Lager trennte und zudem eine Fluchtbewegung burmesischer Untertanen nach Siam in Gang setzte. Die Armee Burmas spaltete sich zwar auch in verschiedene politische Lager, konnte aber dennoch gemeinsam 1596 einen Angriff Siams abwehren. Dieser Angriff hätte jedoch anders ausgehen können, wenn Siam nicht von unzuverlässigen Bundesgenossen abhängig gewesen wäre, die die Niederlage erst möglich machten.

1598 nahm Ayuthaya Handelsbeziehungen zu Spanien auf, die auf den Philippinen die Macht ausübten. Eine spanische Gesandtschaft schloss mit König Naresuan ein Freundschafts- und Handelsabkommen. Vom einzigen Glanz seiner Armee getrübt, blieb die letzte Niederlage gegen Burma für den König von Siam nicht ohne Folgen. Mehr mit den Amtsgeschäften, als mit der Militärführung beschäftigt, kam es 1600 zum unglücklichen Dilemma der siamesischen Armee, als sie in das burmesische Fürstentum Taungu einmarschierte. Da er seine Armee nicht ausreichend mit Nachschub versorgen konnte und außerdem Krankheiten ausbrachen, konnte das Fürstentum den Angriff zurückschlagen.

Am 16. Mai 1605 starb König Naresuan während eines Feldzuges in Muang Hang, einer siamesischen Kleinstadt. Er hinterließ weder Frau (oder Frauen) noch Kinder. Er war einer der größten Strategen der siamesischen Militärgeschichte, einer der intelligentesten Herrscher der siamesischen Geschichte und einer der größten Kämpfer seiner Zeit. Ihm gebührte die Ehre, als Neresuan der Große in der thailändischen Geschichte einzugehen. Nach dem großen König Rama Khamheng der Sukhothai-Dynastie hatte nun auch die Ayuthaya-Dynastie einen ebenbürtigen Herrscher stellen können.

Bildnachweis:
  • Stadtkarte Ayuthaya: wikipedia

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Schlüsselwörter: Ayuthaya | Thailand | Siam | Südostasien
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