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Sonstiges: Kultur & Religion

Medardus – Schutzpatron von Lüdenscheid

Ein Bischof mit seltsamen Legenden

Spende ich ihnen Beichte, Segen und Wohltat, geben sie mir altes Brot und Pfennige… spende ich ihnen unredlichen Segen und heiligen Schabernack, geben sie mir neues Brot und einen Silberling… bin ich nicht unredlicher wie die Gläubigen ? Bonifatius (672 – 754)

Im Stadtwappen von Lüdenscheid sieht man Medardus, den Schutzpatron von Lüdenscheid. Dieser Kurz-Beitrag widmet sich der interessanten historischen Persönlichkeit als Schutzpatron, jedoch vorab einige erklärende Begriffe die im Beitrag vorkommen...

Der Begriff Schutzpatron kommt vom lateinischen „patronus“, was als Schutzherr oder Schirmherr übersetzt wird. Nach dem religiösen katholischen und orthodoxem Verständnis wird daraus auch der Begriff Heiliger oder Schutzheiliger abgeleitet. In der Religion ist Schutzpatron oder Heiliger eine Person, die sich in besonderer Weise für (z.B.) eine Kirche, ein Kloster oder ähnliches Objekt einsetzt, oder auch nur oder zusätzlich sich für einen bestimmten Bereich, einer Lokalität oder einem Projekt, Berufsgruppe, Tätigkeit oder Bedürftige einsetzt. Es gibt auch weibliche Schutzheilige, dazu wird der Begriff Schutzpatronin oder Schutzheilige angewendet. Seltener wird der lateinischen Ausdruck Patrona (Beschützerin, Herrin) verwendet. Im christlichen Glauben kann der Begriff Heiliger vielschichtig und komplex sein, aber allgemein bezeichnet man einen sehr gläubigen Menschen, der sich in religiöser Hinsicht vorbildlich mit den heiligen Schriften beschäftigt und von seiner Lebensweise und Denkart her Gott sehr nahe stehen möchte. Nur kundige und kirchliche hochstehende Personen können meistens jemanden als Heiligen vorschlagen oder ernennen, aber auch eine hohe Verehrung durch das gläubige Volk können dazu führen, dass zum Beispiel auch ein Mönch oder Pater als ein Heiliger oder Schutzheiliger benannt wird. Bei den Gläubigen leitet sich der Glauben auch oft daran ab, wenn es zu ungewöhnlichen Phänomene kam, die, im Zusammenhang mit dem Heiligen, auch als Wunder (z.B. außergewöhnliche Ereignisse oder Heilungen) angesehen werden. Nach dem Tod solcher Personen kommt es dann, übrigens in allen Religionen, zur kultischer Heiligenverehrung. Im Kalender der katholischen Kirche bezeichnet der Begriff nichtgebotener Gedenktag einen Feiertag eines Heiligengedenkens, der nach freiem Ermessen begangen werden kann. Im Gegensatz zu anderen Festen oder gebotenen Gedenktagen, die immer gefeiert werden. Hierbei werden oft lokale Heilige geehrt, dessen Leben mal mehr oder weniger wenig erfasst wurde, aber wegen dessen Taten und Wunder von der Bevölkerung bis heute hoch verehrt werden.

Medardus – Schutzpatron von Lüdenscheid

Medardus (456 - 545) wurde als Sohn einer fränkisch-römischen Adelsfamilie geboren. Er soll von ruhiger und immer freundlicher Natur gewesen sein, setzte sich hingebungsvoll für Arme, Notleidende, der Landbevölkerung und Gefangene ein. Er wurde Bischof von Vermandois (das ehemalige keltische Viromanduer), dann von Noyon und später von Tournai, von wo aus er versuchte auch Flandern zu missionieren. Als er verstarb, wurde er auf Geheiß des Königs im später nach ihm benannten Kloster Saint-Médard in Soissons nördlich von Paris begraben. Bei seinem Begräbnis soll sich ein Wunder ereignet haben, aber es wurde nicht beschrieben, welches Wunder. Wegen seiner vielen guten Taten und Wunder, die die Leute erzählten, wurde er heiliggesprochen. Alleine in Frankreich sollen etwa 70 Gemeinden und Pfarreien bereits seinen Namen tragen. Das er nicht nur in Frankreich sondern auch in Deutschland, Österreich und in der Schweiz von der Landbevölkerung verehrt wird, hängt damit zusammen, das er sich auch sehr für die Probleme der armen Landbevölkerung interessierte und auf vielen Wegen und mit vielen Wohltaten und Wundern geholfen haben soll. Daher hier einige der Legenden und historische Erzählungen, die auch offenbaren, das Medardus auch offen für Naturwissenschaften war. So soll er auch Anhänger der Alexandrinische Schule und der neuen Medizin gewesen sein, war Gegner des Aberglaubens, das man mit Zaubersprüchen und Beschwörungen in Verbindung mit Kräutern heilen könnte, und interessierte sich für die Aufgaben und Tätigkeiten der Landbevölkerung.

Im Laufe der Zeit wurde er Patron von Lüdenscheid; und vielerorts Schutzpatron der Bauernn, Winzer, Bierbrauer und Schirmemacher; , für Befreiung von Gefangegen; gegen Regen, Zahnschmerzen, Fieber und sogar Geisteskrankheiten. Legenden über Medardus

Alten Legenden wurden auf allen Teilen der Welt zunächst mündlich als Erzählung überliefert und später zum Teil auch niedergeschrieben. Oft handelte es sich dabei um bedeutsame Dinge und Ereignisse aus der Vergangenheit. Dies können zum Beispiel Magie oder Wunder in den Augen der Gläubigen oder auch Ungebildeten gewesen sein, dazu zählen auch Zauberer, Mönche mit ungewöhnlichen Fähigkeiten, unerklärliche Ereignisse und Naturereignisse nach dem damaligen Verständnis, Wesen aus Himmel und Erde, technische Apparaturen, die der Zeit weit voraus waren, und viele andere mögliche Dinge. Dabei ist es natürlich nicht auszuschließen, das der nächste Erzähler oder Schreiber nicht auch etwas umdichtet, doch im Ursprung, so meine Erfahrung, steckt meistens auch oder immer ein wahrer Kern drin, denn man entdecken muss. Um die Person Medardus gibt es natürlich auch eine Legendenbildung, hier zwei interessanteste Legenden, weil sie belegen, das er nicht wohl auch mit Naturwissenschaften beschäftigte.

Legende des Lesesteins - Kannte Medardus schon die Lupe oder die Brille ?

Eines Tages kam der alte Benediktiner-Mönch Barthel ins Arbeitszimmer des Bischofs Medardus, und bat um seine Gunst, das seine müden Augen wieder besser sehen könnten. Mein Vater, ich bin nun 30 Jahre Schreiber, übersetze für Euch alte Texte und schreibe neue Texte, doch ich habe Angst für nichts mehr nütze zu werden, denn die Schrift wandelt vor meinen Augen, das ich meine Werke weder lesen noch beschreiben kann. Man sagt, ihr habt Fieber und Zahnschmerzen geheilt, könnt ihr auch den alten Barthel helfen ?

Hört nicht so viel auf die Leut Barthel, auch ich kann keine Wunder des Alters vollbringen. Doch lass es mit diesem macroscopium narabium versuchen, siehst Du die Buchstaben wieder klarer ? , fragte Medardus zum Schluss.

Barthel legte den Lesestein auf die Seite, aber erst als er ihn etwas hochhob, rief er aus: Heureka alter Archimedes, die Schrift wandelt nicht mehr, doch wie kann ich schreiben, wenn ich den Lesestein halte, Vater ?

Komm in einigen Tagen zu mir, und Du kannst damit arbeiten, entgegnete Medardus. Nach einigen Tagen kam Barthel zu Medardus und er gab ihm eine Lesetisch mit dem Lesestein darin. Sieh Barthel, nun kannst Du Lesestein verwenden ohne das Deine Arme ermüden und die Schrift wandelt. Verschweig aber mein Tun (Werkstatt ?), und erzähl das richtige.

War dieser Lesestein eine Lupe oder Vergrößerungsglas, welche Kenntnisse hatte Medardus von der Optik und warum sollte sein Tun verschwiegen werden ? Leider ist die Beschreibung nicht ausführlich genug...

Legende wie er den Blitz lenkte - kannte er den Blitzableiter ?

Als Medadus Bischof von Tournee (Belgien) wurde, wussten schon die Bauern, das er Schutzpatron der Bauern in Frankreich war, und waren fest davon überzeugt, das er Wunder in der Natur vollbringe, so der Volksglauben. So kamen Bauern aus dem Umland zu ihm. Im Volksglauben waren für die Bauern und das Volk donnernde Blitze vom Himmel eine göttliche Strafe oder eine göttliche Warnung, und wer von einem Blitze getroffen wurde und starb, der war nicht fromm genug oder lästerte sogar über Gott, so der Glaube. Eines Tages kamen Bauern zu ihm, und beklagten das sie fürchten wieder ein Unwetter zu der Jahreszeit käme, was nicht nur die Ernte vernichten würde, sondern auch die Menschen strafe, die wegen ihrer Arbeit nicht Zeit genug hätten zum Beten und die Häuser in Brand stecken würden. Medardus erkannte die Furcht der Bauern und den festen Glauben an ihm, denn er soll schon einmal ein heranziehendes Unwetter abgewehrt haben. So besuchte er das Land und sah sich alles an mit den Bauern an. Sie beklagten, das sie so viel Dachwurz aufgestellt hätten, aber die Blitze strafen trotzdem die Menschen. (Es war üblich Dachwurz auf die Dächer der Häuser zu pflanzen, im Glauben, das dadurch die Blitze abgewehrt werden). So ging Medardus zum Schmied und ließ ein Dutzend lange Kupferbleche anfertigen, diese sollten an den Dächern und an bestimmten Bäumen in den Feldern angebracht werden. Seitdem gingen die Blitz in den Boden und niemand kam zu Schaden mehr. So wurde vielerorts erzählt, das Medardus heranziehendes Unwetter abgewehrt hätte.

Andere Legenden erzählen, wie Medardus bei einer Wanderung übers Feld von einem Gewitter überrascht wurde und dann ein Adler kam, der ihn mit seinen Schwingen vor dem Nasswerden schützte, indem er immer über ihn kreiste. Dann wurde erzählt wie er eine Trockenheit beendet, indem er Tauben mit Engelsstaub bedeckt, diese in den Himmel flogen und es wieder anfing zu regnen. Seither glauben die Menschen, das er für trockenes Heuwetter, für eine gute Ernte, geregelten Regen und schönes Wetter sorgen. So entstanden immer mehr Geschichten und Legenden über ihn, und daher betete man ihn an, das er auch für all diese Dinge auch sorgt, das belegen viele Bauernregeln wie diese z.B.:

Wer auf Medardus baut, erhält viel Flachs und Kraut.

Was St. Medardus für Wetter hält, solch Wetter auch in die Ernte fällt.

St. Medard bringt keinen Frost mehr, der dem Weinstock gefährlich wär.

Somit ist Medardus bis heute hoch verehrter Heiliger, der zu seinen Lebzeiten viel Gutes tat, und ein sehr gelehrter Mann der heiligen Schrift und Naturwissenschaften war. Heute ehrt das Stadtwappen von Lüdenscheid sein lebenslanges Wirken.

Bildnachweis:
  • Phobos mit Rillen: wikipedia

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Schlüsselwörter: Medardus | Schutzpatron | Lüdenscheid | Heiligenverehrung | Wunder
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